Möglichkeiten und Grenzen der Identifikation unwirtschaftlicher Bereiche mit Hilfe von Systemen des Bank-Controllings


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

21 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erfolgsträgerrechnung zur Identifikation unwirtschaftlicher Bankbereiche
2.1 Kalkulationsverfahren zur Erfolgsermittlung auf der Basisebene
2.2 Kombination der Kalkulationsverfahren der Erfolgsträgerrechnung

3. Erfolgscontrolling mit EDV-Systemen
3.1 Anwendungssysteme im Bank-Controlling
3.2 Beitrag von EDV-Systemen zur Entscheidungsunterstützung

4.1 MARZIPAN zur Unterstützung bei der Kundenberatung
4.2 THINC als integrierte Gesamtlösung

5. Schluss

Anhang I

Ausschnitt aus der online Produktbroschüre THINC

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Diese Arbeit behandelt das Thema „Möglichkeiten und Grenzen der Identifikation unwirtschaftlicher Bereiche mit Hilfe von EDV-Systemen des Bank-Controllings“. In Banken reicht es heute nicht mehr aus, die Zunahme an Geschäftsvolumen zu fokussieren. Stattdessen muss eine Orientierung am Ertrag den Handlungsrahmen für alle Entscheidungen bilden. Die Aufgabe des Controllings besteht diesbezüglich darin, den Erfolg und das Risiko in einer Bank durch adäquate Informationen zu steuern.[1] Diese Arbeit konzentriert sich auf das Erfolgscontrolling und dessen Möglichkeiten zur Identifizierung unwirtschaftlicher Bereiche. Aus diesem Blickwinkel betrachtet stellt das Controlling das „Ertragsgewissen“[2] eines Kreditinstituts dar. Das bedeutet, dass Mitarbeiter auf allen Ebenen bei jeder Tätigkeit ertragsorientiert denken und handeln. Dazu müssen ihnen für jede Einzelaktivität geeignet aufbereitete Informationen durch das Controlling zur Verfügung gestellt werden. Sie unterstützen das Treffen von ertragsorientierten Entscheidungen und tragen so zur Erhaltung und Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens bei. Diese Arbeit stellt zunächst Verfahren der Erfolgsträgerrechnung zur Ermittlung unwirtschaftlicher Bereich in Banken vor. Dabei wird hier darauf verzichtet auf die Schwächen dieser Kalkulationsverfahren einzugehen. Der Gegenstand des nächsten Abschnitts ist der Einsatz von EDV-Systemen im Controlling. Dazu werden ausgewählte Anbieter von Standardsoftware vorgestellt. Auf die Thematisierung eigenentwickelter Systeme wird deshalb verzichtet, weil in der Literatur darüber nur sehr wenig berichtet wird.[3] Anschließend befasst sich diese Arbeit mit der Frage inwieweit EDV-Systeme einen Beitrag zur Entscheidungsunterstützung im Bank-Controlling leisten können. Der vierte Abschnitt veranschaulicht dann anhand eines Beispiels, wo ihre Möglichkeiten und Grenzen bei der Identifizierung unwirtschaftlicher Bankbereiche liegen. Ein Fazit schließt diese Arbeit im fünften Kapitel ab.

2. Erfolgsträgerrechnung zur Identifikation unwirtschaftlicher Bankbereiche

Die Idee der Erfolgsträgerrechnung besteht darin, den Beitrag eines Bankbereichs am gesamten Erfolg der Bank festzustellen. Dazu setzt sie zunächst auf der Basisebene an.[4] Das bedeutet, dass sie auf der untersten Rechnungsstufe vom einzelnen Kundengeschäft aus geht.[5] Durch Aggregation der Ergebnisse kann dann der Erfolgsbeitrag differenziert auf verschiedenen Abstraktionsstufen ermittelt werden. Der folgende Abschnitt führt kurz einige Verfahren der Erfolgsträgerrechnung in Banken an:[6] die Produktkalkulation, die Kundenkalkulation und die Geschäftsstellenkalkulation.

2.1 Kalkulationsverfahren zur Erfolgsermittlung auf der Basisebene

Das Ziel der Produktkalkulation besteht darin, den Erfolgsbeitrag einzelner, marktgängiger Dienstleistungen einer Bank zu ermitteln.[7] Dazu geht sie vom direkten Ergebnisbeitrag eines einzelnen Geschäftsabschlusses aus, z. B. dem Verkauf eines zweijährigen Sparbriefs aus.[8] Er setzt sich aus dem Zinsüberschuss[9] zuzüglich der Betriebserlöse, wie Provisionen und Gebühren, vermindert um die direkten Betriebskosten z. B. die Materialkosten für die Sparbriefurkunde, zusammen. Daraus ergibt sich, wie erfolgreich ein einzelner Geschäftsabschluss mit einem Kunden ist. Den direkten Ergebnisbeitrag der gesamten Produktart, bildet die Summe aller verkaufen Sparbriefe mit einer Laufzeit von zwei Jahren in einem bestimmten Zeitraum. Nach einer Verrechnung der direkten Betriebs- und Risikokosten der Produktart zeigt sich, welchen Deckungsbeitrag das Kreditinstitut mit dem Produkt zweijährige Sparbriefe in einer Periode erzielt. Auf der nächsten Stufe der Aggregation fasst die Produktgruppenkalkulation die Sparbriefe aller Laufzeiten zusammen und weist dadurch den Anteil der Bankleistung Sparbrief am gesamten Erfolg der Bank aus. Auf allen Ebenen zeigt sich also, inwieweit ein bestimmtes Produkt zum Unternehmenserfolg beiträgt und ob es aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist, den Produktverkauf aktiver, passiver oder überhaupt nicht mehr zu betreiben.

Die Kundenkalkulation verfolgt dagegen nicht die Absicht einzelne Bankprodukte, sondern Kundenbeziehungen zu untersuchen.[10] Auf Basis der Kontokalkulation analysiert sie zunächst die einzelne Kontoverbindung und anschließend den Erfolg der gesamten Kundenbeziehung. Die Berechnung der Erfolgsbeiträge pro Konto erfolgt ähnlich wie bei der Produktkalkulation: Zum Zinserfolg werden die dem Konto zurechenbaren Betriebserlöse addiert z. B. die Kontoführungsgebühren. Davon subtrahiert man die Betriebskosten. Diese können in der Regel unmittelbar aus der Stückleistungskalkulation übernommen werden. Durch eine Zusammenfassung der Ergebnisse ergibt sich der Erfolg der Geschäftsverbindung mit einem einzelnen Kunden und schließlich der Teilerfolgsbeitrag einer ganzen Kundengruppe zum Betriebsergebnis.

Die Ergebnisse aus der Kundenkalkulation unterstützen die Entscheidungsträger in Banken im Umgang mit den Kunden.[11] Die Informationen dieser Berechnung können zum Abbruch aber auch zur Aktivierung einer Kundenverbindung führen. Der Ertrag durch einen Kunden wird hier im Kontenverbund und nicht einzeln pro Konto betrachtet. Dies wirkt sich auch auf die Preispolitik der Bank in Bezug auf bestimmte Kundengruppen aus, aber auch auf den einzelnen Kundenkontakt.

Werden alle Geschäftsabschlüsse, welche die Kunden in einer bestimmten Geschäftsstelle tätigen, zusammengefasst, dann gelangt man zum Geschäftsstellenergebnis.[12] Im Fokus der Abstraktionsstufen der Geschäftsstellenrechnung[13] liegt also der Ergebnisbeitrag organisatorischer Einheiten wie einer Zweigstelle, Filiale, Niederlassung, eines Profit-Center usw. Die Kalkulation einer Filiale erfolgt folgendermaßen: Ergebnisbeitrag aller Einzelgeschäftsabschlüsse der Filiale plus Risikoergebnis und Produktivitätsergebnis dieser Filiale ergibt ihren direkten Ergebnisbeitrag. Die Entscheidungsträger erhalten differenzierte Informationen darüber, welche Bereiche negative Erfolgsbeiträge erzielen.

2.2 Kombination der Kalkulationsverfahren der Erfolgsträgerrechnung

Welchen Erfolgsbeitrag hat ein bestimmtes Produkt in einer Kundengruppe in einer bestimmten Filiale erzielt? Zur Klärung dieser und ähnlicher Fragen müssen die oben genannten Kalkulationsverfahren über die Dimensionen Produkt, Kunde und Stützpunkt mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen kombiniert betrachtet werden. Diese Analyse des Erfolgsbeitrags veranschaulicht das Würfelmodell.[14] Der Gesamtwürfel stellt dabei die höchste Stufe der Aggregation über alle Produkte, Kunden und Stützpunkte der Bank dar. Bei Kalkulationen mit EDV-Unterstützung entspricht er der gesamten Datenbank. Dieser große Würfel setzt sich aus vielen Teilwürfeln zusammen. Sie repräsentieren einen überschneidungsfrei definierten Ausschnitt aus dem Gesamtwürfel. So kann ein kleiner Würfel zum Beispiel den direkten Ergebnisbeitrag der Filiale A mit dem Produkt Sparbriefe bezogen auf die Kundengruppe A abbilden. Von diesem Teilwürfel ausgehend besteht die Möglichkeit der Analyse in allen drei Richtungen. Eine Aggregation über die Dimension Kunden ergibt den Ergebnisbeitrag aller Kunden durch den Verkauf von Sparbriefen in der Filiale A.

[...]


[1] Vgl. Hartmann, M., Management-Informations-System, 2001, S. 18.

[2] Schierenbeck, H., Bankmanagement, 1999, S. 1.

[3] Vgl. Meyer zu Selhausen, H., Bank-Informationssysteme, 2000, S. 401.

[4] Vgl. Meyer zu Selhausen, H., Bank-Informationssysteme, 2000, S. 73.

[5] Zu den drei Ebenen, den sogenannten Rechnungsstufen der Kosten- und Erlösrechnung s. Süchting/ J., Paul, St., Bankmanagement, 1998, S. 398-407.

[6] Diese drei Verfahren wurden ausgewählt, weil sie sich auf die zentralen Auswertungs-dimensionen einer Bank beziehen. Vgl. hierzu Schierenbeck, H., Bankmanagement, 1999, S. 375.

[7] Vgl. hierzu und zum Folgenden Büschgen H. E., Bankbetriebslehre, 1998, S. 765ff.; vgl. dazu auch Wimmer, K., Bankkalkulation, 1993, S. 14.

[8] Dieses selbst gewählte Sparbief-Beispiel soll zur Veranschaulichung der Verfahren der Erfolgsträgerrechnung dienen.

[9] Bei Anwendung der Marktzinsmethode wird der Konditionsbeitrag als Zinsüberschuss angesetzt vgl. dazu Schierenbeck, H., Bankmanagement, 1999, S. 83.

[10] Vgl. hierzu und zum Folgenden Büschgen H. E., Bankbetriebslehre, 1998, S. 767f; vgl. dazu auch Wimmer, K., Bankkalkulation, 1993, S. 14.

[11] Vgl. hierzu und zum Folgenden Büschgen H. E., Bankbetriebslehre, 1998, S. 769-771; vgl. dazu auch Süchting, J./ Paul, St., Bankmanagement, 1998, S. 409.

[12] Vgl. hierzu und zum Folgenden Büschgen H. E., Bankbetriebslehre, 1998, S. 769f.; vgl. dazu auch Wimmer, K., Bankkalkulation, 1993, S. 14f. und Schierenbeck, H., Kundenkalkulation, 1992, S. 1073;

[13] Die Geschäftsstellenrechnung wird auch als Filialkalkulation oder Profit-Center-Rechnung bezeichnet s. Büschgen H. E., Bankbetriebslehre, 1998, S. 769 und Wimmer, K., Bankkalkulation, 1993, S. 14.

[14] Vgl. hierzu und zum Folgenden Schierenbeck, H., Bankmanagement, 1999, S. 377f.

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Details

Titel
Möglichkeiten und Grenzen der Identifikation unwirtschaftlicher Bereiche mit Hilfe von Systemen des Bank-Controllings
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Bankwirtschaft)
Veranstaltung
Rentabilität von Kreditinstituten im Spannungsfeld von Kostenreduktion und Kundenorientierung
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V18664
ISBN (eBook)
9783638229586
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeiten, Grenzen, Identifikation, Bereiche, Hilfe, Systemen, Bank-Controllings, Rentabilität, Kreditinstituten, Spannungsfeld, Kostenreduktion, Kundenorientierung
Arbeit zitieren
Ingerl Bettina (Autor), 2003, Möglichkeiten und Grenzen der Identifikation unwirtschaftlicher Bereiche mit Hilfe von Systemen des Bank-Controllings, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18664

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