Ziel dieser Arbeit ist neben einer Untersuchung der aktuellen Nutzungsstrategien der neuen Medien durch Kinder im Alter von 10 bis 17 Jahren auch die Klärung von pädosexuellen Täterstrategien in der Wahrnehmung durch die (kindlichen) Opfer. Die Ar-beit ist ein Beitrag zur viktimologischen Forschung und soll als Ausgangspunkt für weiter- und tiefergehende Forschung dienen. Informell wendet sie sich an die Strafverfolgungsorgane (Polizei und Staatsanwaltschaft) sowie an Personen der Opferschutzorganisationen.
Im einleitenden Teil wird zunächst die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen dargestellt. Im Anschluss daran wird die juristische, gesellschaftliche und sexual-wissenschaftliche Sichtweise auf die Pädosexualität dargestellt. Der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit den Strategien pädosexueller Täter zur Realisierung ihrer sexuellen Interessen.
Im empirischen Teil soll anhand einer Fragebogenstudie die Mediennutzung von 10- bis 17-Jährigen und das daraus resultierende Gefahrenmoment dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Theoretischer Überblick
1.1 Mediennutzung und Gefahren für Kinder und Jugendliche
1.1.1 Nutzungsformen
1.1.2 Mediennutzung von Kindern
1.1.3 Mediennutzung von Jugendlichen
1.1.4 Gefahren neuer Medien
1.1.5 Internetsucht
1.2 Pädosexualität-Historie und Begriffsklärung
1.2.1 Historie
1.2.2 Begriffsklärung
1.2.3 Psychologische Merkmale Pädosexueller
1.3 Entstehungstheorien zur Pädosexualität
1.3.1 Störung der Impulskontrolle
1.3.2 Persönlichkeitsstörung
1.3.3 Erkenntnisse der Neuropsychologie
1.3.4 Integrative Verursachungstheorie zur Entstehung der paedophilia erotica
1.3.5 Psychoanalytische Theorie
1.3.6 Feministische Theorie
1.3.7 Lerntheorie
1.3.8 Vier-Stufen-Modell Finkelhors
1.3.9 Komorbidität
1.4 Gesetzeslage in der BRD
1.4.1 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
1.4.2 Pädosexuelle Straftaten im Internet
1.5 Statistiken zum sexuellen Missbrauch
1.5.1 Die Problematik des Dunkelfelds
1.5.2 Polizeiliche Kriminalstatistik
1.5.3 Studien zum sexuellen Kindesmissbrauch
1.6 Differenzierung von Tätertypen
1.6.1 Ausschließlicher vs. nicht-ausschließlicher Typ
1.6.2 trader, traveler, trader-traveler
1.6.3 Fixierter vs. regressiver Typ
1.7 Opfertypen
1.8 Folgen sexuellen Missbrauchs
1.9 Täterstrategien
1.9.1 Strategien jugendlicher Täter
1.9.2 Strategien erwachsener Täter
1.9.2.1 … im Internet
1.9.2.2 … außerhalb des Internets
2 Fragestellung und Hypothesen
3 Methode
3.1 Datenerhebung und Untersuchungsdurchführung
3.2 Beschreibung der Stichprobe
3.3 Material und Messinstrumente
3.4 Methoden der Datenauswertung
4 Ergebnisse
4.1 Hypothese 1: Mädchen und Jungen unterscheiden sich nicht in der Dauer der Chatnutzung
4.2 Hypothese 2: Mädchen machen mehr unangenehme Erfahrungen im Chat als Jungen
4.3 Hypothese 3: Mädchen bekommen mehr sexuelle Inhalte per Handy, E-Mail oder im Chat als Jungen
4.4 Hypothese 4: Je länger die tägliche Chatnutzung, desto mehr unangenehme Inhalte werden per Chat erhalten
4.5 Hypothese 5: Je länger die tägliche Chatnutzung, desto häufiger werden unangenehme Erfahrungen im Chat gemacht
4.6 Hypothese 6: Je länger die Jugendlichen ihre Chatbekanntschaft kennen, desto zufriedener sind sie vom ersten Treffen
5 Diskussion
5.1 Beachtenswertes zur Datengewinnung durch Fragebögen
5.2 Methodische Einschränkungen der vorliegenden Studie
5.2.1 Vorgehensweise bei der Datengewinnung
5.2.2 Anmerkungen zur Gestaltung des Fragebogens
5.2.3 Rücklaufquote
5.2.4 Anwendung nonparametrischer Testverfahren
5.3 Diskussion der Ergebnisse
5.3.1 Mädchen und Jungen unterscheiden sich nicht in der Dauer der Chatnutzung (Hypothese 1)
5.3.2 Mädchen machen mehr unangenehme Erfahrungen im Chat als Jungen (Hypothese 2)
5.3.3 Mädchen bekommen mehr sexuelle Inhalte per Handy, E-Mail oder im Chat als Jungen (Hypothese 3)
5.3.4 Je länger die tägliche Chatnutzung, desto mehr unangenehme Inhalte werden per Chat erhalten (Hypothese 4)
5.3.5 Je länger die tägliche Chatnutzung, desto häufiger werden unangenehme Erfahrungen im Chat gemacht (Hypothese 5)
5.3.6 Je länger die Jugendlichen ihre Chatbekanntschaft kennen, desto zufriedener sind sie vom ersten Treffen (Hypothese 6)
5.4 Zusammenfassende Beurteilung der Ergebnisse und Ausblick
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren und analysiert pädosexuelle Täterstrategien im Internet. Ziel ist es, das Gefahrenpotential der Internetkommunikation zu beleuchten und Erkenntnisse für viktimologische Forschung sowie Präventionsmaßnahmen zu liefern.
- Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen
- Gefahren durch neue Medien und Cyber-Grooming
- Pädosexuelle Täterstrategien im Internet und außerhalb
- Empirische Analyse unangenehmer Chat-Erfahrungen
- Präventionsansätze für Eltern, Institutionen und Anbieter
Auszug aus dem Buch
1.1.5 Internetsucht
Der Begriff der Intersucht taucht im Zuge der fortschreitenden Verbreitung der Internetzugänge in den Medien vermehrt auf. Kimberly Young wagte sich 1996 als erste Psychologin an die Entwicklung einer Definition der Internetsucht. Dafür bediente sie sich der definitorischen Merkmale des pathologischen Spielens aus dem DSM-IV, da Internetsüchtige grundlegende Gemeinsamkeiten mit anderen Abhängigkeiten (Alkohol, Drogen, Glücksspiel, …) aufweisen. Sie benannte acht Kriterien (z. B. starkes Eingenommensein vom Internet, Abstinenzunfähigkeit, Toleranzentwicklung, Entzugssymptome), wobei mindestens fünf im Jahresverlauf erfüllt sein müssen.
Später fügte Young noch 12 weitere Kriterien hinzu. Andere Erhebungsinstrumente basieren auf den Kriterien der „Abhängigkeit von psychotropen Substanzen“ (DSM-IV) bzw. der klinisch-diagnostischen Leitlinien des Abhängigkeitssyndroms (ICD-10) (Hahn & Jerusalem, 2001). Zu ihnen zählen unter anderem eine verminderte Kontrollfähigkeit, eine Toleranzentwicklung, die Vernachlässigung anderer Interessen und ein starkes Verlangen (Möller, Laux & Deister, 2005).
Aussagefähige Daten über die Anzahl der Internetsüchtigen sind – bedingt durch methodische Probleme der Stichprobenziehung und durch den Einsatz unterschiedlicher Erhebungsinstrumente – nur schwer zu erhalten. 1999 wurde in Deutschland die erste große Pilotstudie durchgeführt, bei der 8851 Teilnehmer einen 158 Items umfassenden Fragebogen ausfüllten. Während unter den bis zu 14-Jährigen 10.3 % als internetsüchtig klassifiziert wurden, waren es bei den 21- bis 29-Jährigen nur noch 2.2 %. Außerdem zeigten sich geschlechtsspezifische Unterschiede bei den unter 18-Jährigen: Die Anzahl der internetabhängigen Jungen war im Durchschnitt doppelt so groß wie die der abhängigen Mädchen. Aber auch nach der Nutzung des Internets, gibt es Unterschiede zwischen Abhängigen und Nicht-Abhängigen. Abhängige investierten rund 1/3 ihrer Internetzeit in Kommunikationssysteme wie Chats, Foren oder Newsgroups (Hahn & Jerusalem, 2001).
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Vorstellung des Medienspektrums und der Relevanz für Kinder sowie Formulierung der Zielsetzung dieser Arbeit.
1 Theoretischer Überblick: Darstellung der Mediennutzung, der Pädosexualität, Entstehungstheorien, gesetzlicher Rahmenbedingungen und Statistiken sowie Differenzierung von Täter- und Opfertypen.
2 Fragestellung und Hypothesen: Formulierung von sechs spezifischen Hypothesen hinsichtlich Chatnutzung und Erfahrungen von Mädchen und Jungen.
3 Methode: Beschreibung der Datenerhebung mittels Fragebogenstudie, der Stichprobeneigenschaften und der statistischen Auswertungsmethoden.
4 Ergebnisse: Präsentation der statistischen Analysen und deren Signifikanz in Bezug auf die aufgestellten Hypothesen.
5 Diskussion: Kritische Reflexion der Datengewinnung, methodische Einschränkungen sowie Interpretation der Ergebnisse und Ableitung von Empfehlungen.
6 Zusammenfassung: Kompakte Wiederholung der wesentlichen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen aus der Untersuchung.
Schlüsselwörter
Pädosexualität, Internet, Chat, Grooming, Kinder, Jugendliche, Mediennutzung, Internetkriminalität, Viktimisierung, Prävention, Täterstrategien, Fragebogenstudie, sexueller Missbrauch, Cyberbullying, Medienpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Nutzungsstrategien neuer Medien durch Kinder und Jugendliche sowie der Analyse pädosexueller Täterstrategien im Internet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Neben dem Medienumgang sind die psychologischen Aspekte der Pädosexualität, die juristische Lage, viktimologische Forschung und präventive Sicherheitsmaßnahmen im Internet zentral.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Klärung von Täterstrategien in der Wahrnehmung der Opfer sowie die Untersuchung des Gefahrenpotentials der Internetnutzung bei Jugendlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine Fragebogenstudie mit 99 Kindern und Jugendlichen durchgeführt, deren Daten mittels nonparametrischer Testverfahren analysiert wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst einen theoretischen Überblick, die Methodik, die statistische Ergebnisauswertung und eine detaillierte Diskussion der Resultate.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Pädosexualität, Grooming, Chatnutzung, Viktimisierung, Medienpädagogik und präventive Strategien.
Welche Rolle spielt das "Grooming" in dieser Arbeit?
Grooming wird als Vorbereitungsphase des sexuellen Missbrauchs beschrieben, in der Täter durch Vertrauensaufbau und Isolation das Opfer gefügig machen.
Wie bewertet der Autor die Wirksamkeit von Chat-Sicherheitsmaßnahmen?
Der Autor empfiehlt verpflichtende Mindeststandards wie Moderation und Alarm-Buttons, sieht jedoch die Verantwortung auch bei den Eltern und der Medienkompetenz-Vermittlung.
- Arbeit zitieren
- Christopher Sitter (Autor:in), 2009, Pädosexuelle Täterstrategien im Internet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186653