Nähere Infos -> siehe Einleitung und Inhaltsverzeichnis.
Diese Arbeit fokussiert sich auf Eigenschaften von Beschäftigungssystemen im Allgemeinen sowie an Theatern im Speziellen. Dabei werden insbesondere die flexiblen Beschäftigungsverhältnisse der künstlerischen Mitarbeiter und die Frage nach deren Management beleuchtet. Grob lässt sich die Arbeit in drei Teile eingliedern. Im ersten Teil wird zur allgemeinen Betrachtung von Beschäftigungssystemen die Theory of Employment Systems von David Marsden vorgestellt. Im zweiten Teil werden die Charakteristika des Beschäftigungssystems Theater und das Personalmanagement genauer untersucht. Im dritten Teil wird erneut Bezug auf die Theory of Employment Systems genommen und versucht, das Theater dort einzuordnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Betrachtung von Beschäftigungssystemen
2.1 Theorie der Unternehmung von Coase
2.2 Die Vorteile von Arbeitsverträgen nach Simon
2.3 Marsdens Theory of Employment Systems
2.3.1 Bedingungen der Regeln
2.3.2 Bedeutung der Beschäftigungsregeln
2.3.3 Inter-firm institutions
3. Das Theater - eine `Creative Industry´
3.1 Eigenschaften von kreativen Industrien nach Caves
3.2. Theaterlandschaft in Deutschland
4. Charakteristik der Beschäftigungsverhältnisse am Theater
4.1 Der Arbeitsmarkt für Schauspieler
4.1.1 Interorganisationale Mobilität
4.1.2 Die `occupational community´ und Reputationsbildung
4.2 Arbeitsorganisatorische Struktur
4.2.1 Formen des Spielbetriebs
4.2.2 Vertragliche Gestaltung
4.3 Soziales Kapital
4.4 Konzept des Arbeitskraftunternehmers
5. Personalmanagement
5.1 Hierarchische Strukturen
5.2 Führung im Theater
5.2.1 Konfliktlösung als größte Aufgabe
5.2.2 Managerintendant - für einen persönlicheren Führungsstil
5.3 Beschaffung von Personal
5.4 Bewertung und Entwicklung von Personal
6. Anwendung der Theory of Employment Systems auf das Theater
6.1 Training- oder production-approach?
6.2 Task- oder function-centred approach?
6.3 Interorganisationale Institutionen des Theaters
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Beschäftigungssystem Theater, um die Eigenschaften der dort vorherrschenden flexiblen Beschäftigungsverhältnisse zu analysieren. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Anwendung der Theory of Employment Systems auf diese Branche und der Art und Weise, wie Personalmanagement in einem Umfeld stattfindet, das durch künstlerische Autonomie und projektbasierte Arbeit geprägt ist.
- Analyse des Theaters als "Creative Industry" unter Berücksichtigung ökonomischer Theorien.
- Untersuchung der Arbeitsmarktcharakteristika für Schauspieler und der Rolle von Reputationsbildung.
- Erforschung der Arbeitsorganisation und vertraglicher Rahmenbedingungen (NV Bühne).
- Darstellung der Konzepte "Soziales Kapital" und "Arbeitskraftunternehmer" im Kontext künstlerischer Lebensführung.
- Anwendung von Marsdens "Theory of Employment Systems" auf theaterbetriebliche Gegebenheiten.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Interorganisationale Mobilität
Um den ungünstigen Arbeitsmarktgegebenheiten entgegenzuwirken, ist es für einen Schauspieler unabdingbar, flexibel und vor allem beruflich mobil zu sein. Theaterkarrieren finden nicht durch einen firmeninternen Aufstieg statt, sondern grenzübergreifend, indem ein Künstler lateral von einem Theater zu einem anderen, möglichst höher renommierten und namhaften wechselt bzw. mit erfolgreicheren Künstlern zusammenarbeitet. Diese `boundaryless career´ bietet durch die Zusammenkunft mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten und den damit verbundenen abwechslungsreichen Gegebenheiten optimale Möglichkeiten zum Lernen und Sammeln von Erfahrungen. Die Fähigkeiten und das Wissen können ausgebaut und nützliche soziale Kontakte geknüpft werden.
Die dauerhafte Mobilität führt dazu, dass Künstler einerseits selten Freunde außerhalb ihrer `Theaterfamilie´ haben. Familiäre Verpflichtungen sind kaum zu bewältigen und auch der Kinderwunsch tritt in den Hintergrund. Andererseits weisen Schauspieler eine geringe Bindung an ein bestimmtes Theater auf. Sie sind loyal gegenüber ihrer Profession als Künstler, nicht jedoch der Organisation Theater.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die ökonomische Betrachtung des Theaters als "Creative Industry" ein und umreißt die Struktur der Untersuchung sowie das Ziel der Beschäftigungssystem-Analyse.
2. Allgemeine Betrachtung von Beschäftigungssystemen: Dieses Kapitel erläutert institutionenökonomische Grundlagen von Coase, Simon und Marsden als theoretisches Fundament für die weitere Untersuchung.
3. Das Theater - eine `Creative Industry´: Das Theater wird mittels der Kriterien von Caves als kreative Industrie klassifiziert und die deutsche Theaterlandschaft statistisch verortet.
4. Charakteristik der Beschäftigungsverhältnisse am Theater: Hier werden die spezifischen Bedingungen wie der Schauspieler-Arbeitsmarkt, die Projektstruktur, das Konzept des Arbeitskraftunternehmers und die Bedeutung sozialen Kapitals detailliert analysiert.
5. Personalmanagement: Die Untersuchung zeigt, wie klassische Personalmanagement-Elemente durch spezifische Äquivalente im Theaterbetrieb ersetzt oder ergänzt werden, um künstlerische und wirtschaftliche Ziele zu vereinen.
6. Anwendung der Theory of Employment Systems auf das Theater: Es wird überprüft, inwieweit die theoretischen Beschäftigungsregeln von Marsden auf das Theater anwendbar sind, wobei insbesondere der "training-approach" und die Rolle interorganisationaler Institutionen beleuchtet werden.
7. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass das Management im Theater primär durch informelle Institutionen und das Selbstmanagement der Künstler erfolgt, statt durch explizite hierarchische Personalpolitik.
Schlüsselwörter
Theater, Beschäftigungssystem, Creative Industry, Arbeitskraftunternehmer, Personalmanagement, Soziales Kapital, Reputation, Occupational Community, NV Bühne, Boundaryless Career, Theaterlandschaft, Künstler, Arbeitsmarkt, Interorganisationale Mobilität, Projektstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Theater als "Creative Industry" aus einer personalwirtschaftlichen Perspektive und untersucht die zugrunde liegenden Beschäftigungssysteme.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören Beschäftigungsverhältnisse, die Arbeitsweise im Projektmodus, das Rollenbild des Künstlers als "Arbeitskraftunternehmer" sowie die Anwendung institutionenökonomischer Theorien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Eigenschaften von Beschäftigungssystemen am Theater zu identifizieren und zu klären, wie die flexiblen Verhältnisse von Künstlern gemanagt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Analyse, die institutionenökonomische Ansätze (insbesondere von David Marsden) nutzt, um die spezifischen Strukturen des Theaterbetriebs zu erklären.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen, die Charakteristika des Theaters als Branche, die Besonderheiten des Arbeitsmarkts für Künstler sowie die Ausgestaltung des Personalmanagements und dessen theoretische Einordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Beschäftigungssystem, Creative Industry, Arbeitskraftunternehmer, Soziales Kapital und Occupational Community beschreiben.
Warum ist das Konzept des Arbeitskraftunternehmers für Theaterkünstler relevant?
Es verdeutlicht das notwendige Selbstmanagement und die ständige Selbstvermarktung, die Theaterkünstler in prekären und flexiblen Beschäftigungsverhältnissen leisten müssen.
Welche Rolle spielt die "Occupational Community" für das Personalmanagement?
Sie fungiert als informeller Mechanismus zur Reputationsbildung und Konfliktlösung, was die fehlenden expliziten Personalentwicklungsinstrumente im Theaterbetrieb ausgleicht.
- Arbeit zitieren
- Ulrike Finn (Autor:in), 2009, Das Beschäftigungssystem Theater, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186666