Frankreich und die Bourbonen Ludwig XIV. (1638-1715)


Hausarbeit, 2010
22 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Weg zur Macht

3. Die Sonne geht auf
3.1 Der Weg in Richtung Absolutismus
3.2 Königin Maria-Theresia von Österreich
3.3 Jean-Baptiste Colbert
3.4 Die Mätressen
3.5 Der König als Mäzen
3.6 Die Außenpolitik
3.7 Die Entmachtung der Parlamente

4. Die Sonne steht im Zenit
4.1 Die Gallikanischen Artikel
4.2 Das Schloss Versailles
4.3 Die Sonne
4.4 Die glanzvollen Feste am Hof Ludwigs
4.5 Das Edikt von Fontainebleau

5. Die Sonne neigt sich dem Horizont zu
5.1 Die Reunionspolitik
5.2 Der Pfälzische Erbfolgekrieg
5.3 Der Spanische Erbfolgekrieg
5.4 Krisenzeit

6. Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Ludwig XIV., der Sonnenkönig: Im heutigen Westeuropa wird sich kaum jemand finden, dem das Bildnis des Königs im Hermelinmantel von Hyacinthe Rigaud - die „Herrscherpose par excellence“1 - gänzlich unbekannt ist. Kein Wunder, stand er doch 72 Jahre an der Spitze der Grande Nation und prägte sein Jahrhundert, Grand Siècle genannt, wie kein anderer. In den Jahren seiner Regentschaft hat er nicht nur in seinem eigenen Königreich viel verändert, sondern auch die Grenzen Europas geprägt. Ludwig verkörperte als der Vertreter des Absolutismus schlechthin den Staat selbst und machte in ganz Europa von sich reden. Er war eine facettenreiche Persönlichkeit:

Il y a le Louis XIV côté cour et le Louis XIV côté jardin, l’orgueilleux conquérant de l’Europe, l’agresseur de la petite Hollande, aspirantàla cosmocratie, et le héros d’alcôve, [...] dont on énumère la liste impressionante des maîtresses; l’immortel créateur de Versailles, le protecteur des arts et des lettres, l’ami de Molière, de Boileau, de Le Nôtre. de Mansart, celui qui écoute le Miserere de Lully ou assisteàla représentation d’EsteràSaint-Cyr et l’incendaire du Palatinat, l’implacable persécuteur de Fouquet et des protestants, l’exterminateur des Camisards luttant pour leur foi. (Petitfils, 1997, 13)

In den ersten Jahren weitete er sein Reich und seine Herrschaft aus, eine Schranke nach der anderen fiel dem Absolutismus zum Opfer. Doch Ludovicus Magnus überlebte sein eigenes Glück und „des Sonnenkönigs Tage schlossen nicht im Glanz, sondern unter düsteren Wolken privater Sorgen, landweiter Unzufriedenheit und äußerer Niederlagen“ (Cobban, 1996, 7). In diesem Sinn kann das Leben dieses bedeutenden Monarchen, der sich mit dem Schloss von Versailles ein Denkmal für die Ewigkeit geschaffen hat, mit dem Lauf der Sonne verglichen werden, was auch in der Struktur dieser Arbeit Berücksichtigung findet.

Nachdem der Weg zur Macht geebnet war, baute Ludwig seine Macht durch die Entmachtung der Minister sowie der Parlamente und einer expansiven Außenpolitik aus. Nach dem Frieden von Nimwegen2, der Entmachtung der Parlamente, dem Bau von Versailles und der Anmaßung der Herrschaft über die Religion stand die Sonne im Zenit. Danach begann sie allmählich zu sinken, ebenso wie der Einfluss Frankreichs nach dem Pfälzischen und dem Spanischen Erbfolgekrieg zu schwinden begann.

2. Der Weg zur Macht

Als Sohn Ludwigs XIII. und seiner Gemahlin Anna von Österreich geboren, wurde Ludwig kurz nach seiner Geburt 1638, le Dieudonn é, das Gottesgeschenk, genannt, war doch die Ehe seiner Eltern über 23 Jahre lang kinderlos geblieben (Schwesig, 1986, 12). Seine Geburt beendete eine Zeit der Unsicherheit für den Fortbestand der Dynastie (Moine, 1984, 72) und wurde als Wunder angesehen. Der Dauphin war „das lebendige Zeichen für eine bessere Zukunft“ (Schwesig, 1986, 13).3 Nach McClure spiegelt der Name le Dieudonn é weniger den Stolz Ludwigs XIII. wider, als vielmehr den konkreten Beweis, dass Gott direkt in die Geschicke Frankreichs eingreift (2006, 47). Sein Bruder, Philipp von Orléans, Herzog von Anjou, wurde zwei Jahre darauf geboren. Ludwig XIII. starb 1643. „Mit vier Jahren und acht Monaten war Ludwig Halbwaise und König“ (Schwesig, 1986, 16) und verlor den Titel des Dauphins. Bis zu seinem 13. Lebensjahr lebte er unter der Regentschaft seiner Mutter, während sein Pate, Kardinal Mazarin, der sich die Zentralisierung der Staatsmacht zum Ziel gemacht hatte, die eigentliche Macht ausübte (Bernier, 1989, 15).

Die Zeit der Regenschaft Annas und der heimlichen Herrschaft Mazarins verlief nicht ohne Probleme. Von 1648 bis 1653 tobte in Paris die Fronde, eine Rebellion des Hochadels und des Pariser Volkes gegen die „Zentralisierungsbestrebungen der königlichen Regierung“ (Schwesig, 1986, 19). Die Fronde hatte mehrere Phasen, in denen sich der König, bzw. der Regent, jeweils einer anderen Opposition gegenübersah (Lynn, 2002, 13). Auf die Fronde der Parlamente, die die Möglichkeit sahen, ihre Privilegien auszuweiten, von 1648 bis 1649 (Fronde parlamentaire) folgte von 1651 bis 1653 die Fronde der Prinzen (Fronde des princes), die durch Mazarin zunehmend von der Macht ausgeschlossen wurden. Während dieser Zeit war der junge König in Paris nicht mehr sicher, er musste nach Saint-Germain-en-Laye flüchten. Die Fronde ist für das Verständnis der Herrschaft Ludwigs XIV. von essentieller Wichtigkeit (Petitfils, 1998, 48). Die Demütigung, die er durch die Flucht erlitten hatte, vergab Ludwig den an der Fronde Beteiligten und den Parisern nicht. So lässt sich auch die Abneigung gegen Paris und das Misstrauen gegenüber dem Hochadel, sowie die Tatsache, dass er Versailles außerhalb der Stadt bauen ließ, erklären. (Guerard, 2005, 139)

Mit 13 Jahren wurde Ludwig 1651 für volljährig erklärt, doch er übertrug die Macht erwartungsgemäß Kardinal Mazarin, der auch die Ausbildung des jungen Königs, die nicht mit der eines gewöhnlichen Heranwachsenden verglichen werden kann, überwachte (Petitfils, 1997, 37). Im Alter von 15 Jahren trat dieser im Ballet royal de la nuit auf (Moine, 1984, 75). In der Schlussszene tanzte er in einem „phantasievollen Kostüm aus vergoldetem Stoff, die goldgefärbten Haare zu Strahlen geformt, das Gesicht mit einer goldenen Maske bedeckt“ (Schultz, 2002, 17) die aufgehende Sonne, le soleil levant, und wurde fortan le Roi Soleil genannt.

Am 7. Juni 1654 fand die prachtvolle Krönung Ludwigs, dem dritten König aus dem Haus der Bourbonen, in Reims statt (Richardt, 2002, 48). Nach Petitfils war keine Zeremonie prachtvoller als die Krönung Ludwigs in Reims (1997, 118). Dies sechsstündige Zeremonie sollte nach Meinung der Königsmutter und des Kardinals dazu beitragen, die Monarchie Frankreichs zu stärken und die „mariage mystique“ (Petitfils, 1997, 118) zwischen Frankreich und Ludwig segnen. Sie sollte die direkte Beziehung zwischen Gott und König verdeutlichen: „par son sacre, il devient son ‘lieutnant’ sur terre“.4 Dennoch wartete Ludwig bis zum Tode des Kardinals im Jahre 1661, ehe er selbst Macht ausübte (Petitfils, 1997, 193).

3. Die Sonne geht auf

3.1 Der Weg in Richtung Absolutismus

Zu dem Zeitpunkt, an dem Ludwig die Macht über Frankreich ergriff, schienen die großen europäischen Konflikte gelöst zu sein (Sagnac, 1949, 5) und durch seine Siege begann Frankreich zur Hegemonialmacht Europas zu werden. Der 1653 von Mazarin beschrittene Weg in Richtung Absolutismus wurde fortgeführt und später sollte sich an den Ansprüchen Ludwigs zeigen, dass er sich als „König der Könige“ verstand. (Sagnac, 1949, 15)

Er hatte die Absicht, die Regierungsgeschäfte alleine zu führen und erklärte dem Rat, dass er sein eigener Premierminister sein werde: „ il est temps que je [...] gouverne moi- même“ (Petitfils, 1997, 193). „Am 10. März 1661 brach Ludwig mit der Tradition; an diesem Tag begann seine persönliche Herrschaft, seine Selbstregierung. Es sollte keinen dritten Premierminister nach Richelieu und Mazarin mehr geben“ (Schwesig, 1986, 29).

Der König allein traf die wichtigen Entscheidungen und informierte sich über alles, auch über Einzelheiten, bei seinen Ministern, die von nun an nur noch Ratgeber, allenfalls Berichterstatter, waren (Petitfils, 1997, 223).

3.2 Königin Maria-Theresia von Österreich

Im Jahre 1660 heiratete Ludwig in Saint-Jean-de-Luz seine Cousine, Maria-Theresia von Österreich. Diese von Kardinal Mazarin und Anna von Österreich sorgfältig geplante Ehe besiegelte den Pyrenäenvertrag, der zwischen Frankreich und Spanien geschlossen wurde und den vorangegangenen Krieg zwischen den beiden Ländern beendete. Im Heiratskontrakt musste Maria-Theresia auf alle Erbansprüche verzichten, doch ebendiese Erbansprüche sollten in Zukunft die Rechtfertigung für die Hegemonialkriege Ludwigs XIV. liefern. (Schlaglichter der Weltgeschichte, 1992, 251)

Ein Jahr darauf, am 1. November 1661, gebar Maria-Theresia den Grand Dauphin, den männlichen Thronfolger. Von den sechs Kindern, die sie dem König schenkte, sollte dies das einzige sein, das das Erwachsenenalter erlebte. (Guerard, 2005, 139)

3.3 Jean-Baptiste Colbert

„Nie zuvor, so meinte Saint-Simon, besaß ein Prinz in hohem Maße die Gabe, König zu sein“ (Cobban, 1996, 9). Ludwig soll einen gesunden Menschenverstand gehabt haben, ein gutes Urteilsvermögen, einen guten Geschmack und Taktgefühl, und unermessliche Anmut, wenn es darum ging, Gäste zu empfangen und Befehle zu erteilen (Sagnac, 1949, 57). Seine Befehle erteilte er vor allem den Ministern, deren Zahl auf drei beschränkt worden war. Michel Le Tellier war mit seinem Sohn, dem Marquis de Louvois, für das Heer zuständig, Hugues de Lionne kümmerte sich um die diplomatischen Beziehungen und Nicolas Fouquet war für die finanziellen Belange verantwortlich. (Sagnac, 1949, 58) Mazarin hatte Ludwig empfohlen, Fouquet, den Korruptionsvorwürfe belasteten, gegenüber misstrauisch zu sein und stattdessen Jean- Baptiste Colbert im Auge zu behalten (Richardt, 2000, 56). Mazarin sollte Recht behalten. 1661 gab Fouquet anlässlich der Einweihung seines Schlosses ein Fest mit 6000 Gästen. Bei seinem Besuch kam der König zu dem Schluss, dass dieser Prunk für einen Untertanen und zudem Finanzminister nicht angemessen sei. Das Verteilen von aus der Staatskasse finanzierten diamantbesetzten Tiaren und Sattelpferden bestärkte ihn in seiner Meinung. (Mitford, 1966, 18)

Kurz darauf wurde Fouquet vom Offizier der Königlichen Musketiere, d’Artagnan, festgenommen (Schwesig, 1986, 33) und abgesetzt. Jean-Baptiste Colbert trat an seine Stelle. Colbert, der wahrscheinlich wichtigste Minister in der Geschichte Frankreichs, hat das Finanzsystem und die Wirtschaftsordnung grundlegend reformiert (Richardt, 2000, 89). Bis auf das Kriegs- und das Außenministerium unterstanden ihm alle Ministerien (Mitford, 1966, 35). Wie kein anderer hat Colbert mit seiner Auslegung einer merkantilistischen Wirtschaftspolitik, dem Colbertismus, versucht die Industrie anzukurbeln und die Entwicklung des Handels begünstigt. Merkmale dieser Politik sind die hohe Bedeutung materieller Güter, ein dirigistischer Staat, die Gründung von Manufakturen sowie monopolistischer Handelskompanien und ein protektionistischer Außenhandel. (Guerard, 2005, 257) Ziel war es, eine positive Handelsbilanz zu erreichen, so wurden die Einfuhrzölle erhöht, während die Ausfuhr erheblich gefördert wurde (Schlaglichter der Weltgeschichte, 1992, 252). Im Jahr 1664 führte Colbert Steuern auf ausländische Produkte ein, die auch in Frankreich hergestellt wurden, diese Steuern wurden im Laufe der Zeit verdoppelt und verdreifacht (Sagnac, 1949, 80). Im Rahmen seiner Wirtschaftspolitik förderte er vor allem auch die Luxusindustrie. So war den Manufakturarbeitern die Auswanderung verboten und aus zahlreichen Ländern wurden Facharbeiter, wie z.B. Tuch- und Gobelinhersteller aus den Niederlanden oder Spezialisten für die Spiegelherstellung aus Italien, angeworben. (Schlaglichter der Weltgeschichte, 1992, 252) Colbert, der 1667 in die Acad é mie fran ç aise gewählt wurde (Petitfils, 1997, 227), war erfolgreich: In den Jahren 1661 bis 1671 verdoppelte sich das Nationaleinkommen (Mitford, 1966, 35). Durch Reduzierung der Gewinne der Steuerpächter - Privatleute, über die der Staat Steuern und Abgaben einzog - gelang es Colbert, die Nettoeinnahmen der Königreichs in kurzer Zeit zu verdoppeln (Schultz, 2002, 23). Zuvor hatten die Gewinne der Steuerpächter den Staatshaushalt erheblich belastet. Die hohen Einnahmen wurden jedoch durch die hohen Ausgaben, die der König für sich und seinen Luxus beanspruchte, und die zahlreichen Kriege mehr als aufgezehrt (Sagnac, 1949, 85).

[...]


1 http://www1.bpb.de/themen/F0RC2C,9,0,Bilder_als_historische_Quellen.html

2 Nimwegen, niederländisch Nijmegen, befindet sich im Osten der Niederlande.

3 „Dauphin“ war der Titel, den üblicherweise der älteste Sohn des regierenden französischen Königs innehatte (Guerard, 2005, 252).

4 http://www.chateauversailles.fr/decouvrir-domaine-/chateau/le-chateau/la-chapelle-royale/la-chapelle- royale/la-chapelle-royale-1

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Details

Titel
Frankreich und die Bourbonen Ludwig XIV. (1638-1715)
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V186732
ISBN (eBook)
9783869435190
ISBN (Buch)
9783656992936
Dateigröße
9668 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frankreich, bourbonen, ludwig
Arbeit zitieren
Anna Lisa Schulte (Autor), 2010, Frankreich und die Bourbonen Ludwig XIV. (1638-1715), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186732

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