Bei der Frage, wie Persönlichkeit und Krebs zusammenhängen, kann man verschiedene Bereiche untersuchen. Zum einen kann man sich damit beschäftigen, inwiefern sich bestimmte Persönlichkeitsmerkmale auf die Entstehung von Krebs auswirken. Die Untersuchungen zu diesem Thema ergaben sehr kurz zusammengefasst, dass es keine Anhaltspunkte für eine Verbindung zwischen Depression, manifester Trauerreaktion, Stress und dem Ausbruch von Krebs gibt. Am wahrscheinlichsten scheint es einen Zusammenhang zwischen einem emotionsunterdrückenden, konformistischen Persönlichkeitsstil und Krebsentstehung zu geben, wobei nicht klar ist, was hierbei die Ursache und was die Folge ist (vgl. Tschuschke, 2002, S. 30 f). Andererseits kann man sich fragen, inwiefern sich bestimmte Persönlichkeitsmerkmale auf den Krankheitsverlauf bei bereits an Krebs erkrankten Menschen auswirken, worauf sich diese Arbeit beschränken wird. Im Vordergrund steht die Klärung, welchen Einfluss die Persönlichkeit eines Menschen auf den Verlauf seiner Krebserkrankung hat, welche Variablen der Persönlichkeit den Krankheitsverlauf beeinflussen, wie man dies untersuchen kann und ob es sich bei den ermittelten Einflussgrößen tatsächlich um Persönlichkeitsmerkmale oder vielleicht nur um vorübergehenden Ausprägungen/Verhaltensweisen als Folge der Erkrankung handelt.
Als Grundlage dient vor allem das Buch "Psychoonkologie ? psychologische Aspekte der Entstehung und Bewältigung von Krebs" von Volker Tschuschke. Die Literatur befasst sich mit verschiedenen psychosozialen Variablen und ihrem Zusammenhang mit Krebs. Da sich unser Seminar weniger mit den sozialen und biologischen Aspekten befasst, als mit den persönlichkeitsbezogenen, werden soziale Unterstützung und sexuelle Funktionsfähigkeit nicht vorrangig dargestellt. Auch auf die berufliche Leistungsfähigkeit wird nicht eingegangen, da vorwiegend Folgen des Krebses für die Situation am Arbeitsplatz als Auswirkungen der Arbeit auf den Krebsverlauf beschrieben wurden.
Im 2. Kapitel werden zunächst die Grundlagen zu Krebs dargestellt. Im Anschluss werden im 3. Kapitel verschiedene Persönlichkeitsvariablen vorgestellt und die Studien mit Ergebnissen zum Zusammenhang der Persönlichkeitsvariablen mit dem Krebsverlauf dargelegt. In Kapitel 3.1 wird der Einfluss von Compliance-Verhalten untersucht. Kapitel 3.2 beschäftigt sich mit den Auswirkungen, die Stress auf der Krankheitsverlauf haben kann und in Kapitel 3.3 wird der Zusammenhang von Krebsprogression mit Abwehr- und Coping-Mechanismen dargestellt. Das 4. Kapitel fasst zunächst die Ergebnisse aus dem vorherigen Abschnitt zusammen und gibt anschließend einen kurzen Ausblick, wie Krebsforschung zukünftig aussehen könnte bzw. sollte, um die Studienergebnisse positiv zu beeinflussen. Am Ende folgt noch ein Resümee meinerseits zu dem Thema "Persönlichkeit und Krebs" und der verwendeten Literatur.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen zu Krebs
3 Psychosoziale Faktoren - Persönlichkeitsmerkmale
3.1 Compliance
3.2 Stress
3.3 Abwehr und Coping
4 Schlussbetrachtung
4.1 Zusammenfassung
4.2 Ausblick
4.3 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen, psychosozialen Faktoren und dem Krankheitsverlauf bei bereits an Krebs erkrankten Menschen, um den Einfluss der Persönlichkeit auf die Krankheitsprogression zu klären.
- Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Krebsprogression
- Einfluss von Compliance-Verhalten auf den Krankheitsverlauf
- Stress und seine Auswirkungen auf Krebspatienten
- Abwehr- und Coping-Mechanismen im Kontext der Krankheitsbewältigung
- Methodische Herausforderungen in der psychoonkologischen Forschung
Auszug aus dem Buch
3.3 Abwehr und Coping
Zunächst sollen an dieser Stelle die Begriffe Abwehr und Coping voneinander abgegrenzt werden. Im Anschluss daran wird jeweils der Zusammenhang zum Krebsverlauf untersucht.
Der Begriff Abwehr hat seinen Ursprung in der Psychoanalyse und meint den unbewussten Kampf gegen unlustvolle Vorstellungen und Gefühle. (Vgl. Freud, 1926, in Tschuschke, 2002) Es geht dabei darum, Bedrohungen von sich fern zu halten, beispielsweise durch Verleugnung und Unterdrückung.
Coping ist in unserem Zusammenhang gleichzusetzen mit Krankheitsbewältigung („to cope with“, d.h. soviel wie „zurechtkommen mit“). Es ist eine bewusste Reaktion auf bedrohliche, stressende Situationen, in unserem Fall auf die Erkrankung. Im Vordergrund steht der bewusste Umgang mit vorhandenen Tatsachen.
Hervorzuheben ist, dass die hier vorgestellte Trennung zwischen Abwehr und Coping in der Forschung nicht einheitlich verwendet wird. Häufig werden die beiden Begriffe auch als Synonyme verwendet, eine hierarchische Ordnung angenommen (Coping der Abwehr übergeordnet), Abwehr als Spezialform des Coping oder auch Coping als gelungene Form der Abwehr betrachtet (Tschuschke, 2002, S. 20).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Typ-C-Persönlichkeit ein und grenzt die Fragestellung auf den Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen auf den Krankheitsverlauf ein.
2 Grundlagen zu Krebs: Das Kapitel erläutert, dass Krebs ein Sammelbegriff für verschiedene bösartige Erkrankungen ist, und beschreibt die psychischen Belastungen, denen Patienten während des Krankheitsstadiums ausgesetzt sind.
3 Psychosoziale Faktoren - Persönlichkeitsmerkmale: Hier wird der Einfluss von Compliance, Stress sowie Abwehr- und Coping-Mechanismen auf den Krebsverlauf anhand verschiedener Studien, unter anderem der Ulmer Studie, analysiert.
4 Schlussbetrachtung: Dieser Abschnitt fasst die heterogenen Studienergebnisse zusammen, diskutiert methodische Defizite und leitet daraus notwendige Anforderungen für zukünftige Forschungen ab.
Schlüsselwörter
Persönlichkeit, Krebs, Krebsprogression, Typ-C-Persönlichkeit, Compliance, Stress, Krankheitsverlauf, Coping, Abwehr, Psychoonkologie, Leukämie, Knochenmarkstransplantation, Fighting Spirit, Krankheitsbewältigung, Studienlage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und der Krebsprogression, wobei der Fokus auf dem Einfluss der Persönlichkeit auf den Krankheitsverlauf liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themenfelder sind der Einfluss von Compliance-Verhalten, die Rolle von Stress bei der Krebserkrankung sowie verschiedene Abwehr- und Coping-Strategien von Krebspatienten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, welchen Einfluss die Persönlichkeit auf den Verlauf einer Krebserkrankung hat und ob es sich bei beobachteten Merkmalen um stabile Persönlichkeitseigenschaften oder lediglich um Reaktionen auf die Krankheit handelt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Studien und Forschungsergebnisse, insbesondere auf das Werk „Psychoonkologie“ von Volker Tschuschke.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Im Hauptteil werden psychosoziale Faktoren, Compliance, Stress sowie unterschiedliche Abwehr- und Coping-Mechanismen im Kontext verschiedener Krebsarten, wie Brustkrebs und Leukämie, kritisch diskutiert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind die Begriffe Typ-C-Persönlichkeit, Fighting Spirit, Krankheitsbewältigung, Compliance und die methodische Heterogenität der psychoonkologischen Studien.
Was besagt die „Typ-C-Persönlichkeit“ Hypothese?
Sie beschreibt einen Persönlichkeitstypus, der durch Kooperativität, Passivität, Unterdrückung negativer Gefühle sowie Hilfs- und Hoffnungslosigkeit gekennzeichnet ist und mit einer höheren Anfälligkeit für einen negativen Krebsverlauf in Verbindung gebracht wird.
Welche Erkenntnisse lieferte die in der Arbeit vorgestellte „Ulmer Studie“?
Die Ulmer Studie zeigte bei Leukämiepatienten mit Knochenmarkstransplantation, dass ein hohes Ausmaß an „Fighting Spirit“ ein positiver Prädikator für das Überleben ist, während Ablenkung eher negativ korrelierte.
Warum kommt die Autorin zu dem Schluss, dass die Studienlage widersprüchlich ist?
Die Widersprüchlichkeit resultiert aus methodischen Unterschieden der Studien, wie variierenden Stichprobengrößen, unterschiedlichen Messzeitpunkten und mangelnder theoretischer Abgrenzung der untersuchten Variablen.
Welche Forderungen stellt die Autorin für zukünftige Forschungen?
Sie fordert unter anderem prospektive Studien, die Verwendung homogener Stichproben, multimodale Erfassungen der Krankheitsverarbeitung und eine multivariate statistische Auswertung zur Vermeidung von Scheinrelationen.
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- Dipl.-Betriebswirtin (BA) und M.A. Gisa Becker (Author), 2006, Persönlichkeit und Krebsprogression, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186745