Die deutschsprachige qualitative Sozialforschung ist durch eine Vielfalt an theoretischen Zugängen gekennzeichnet. In der vorliegenden Arbeit wird davon ausgegangen, dass der qualitative Ansatz trotz dieser Heterogenität ein expliziter Erkenntnisstandpunkt ist, der sich nicht nur durch die Verwendung bzw. Ablehnung bestimmter Methoden sondern durch eine genuine Forschungslogik und Betrachtungsweise von Wirklichkeit auszeichnet.
Im ersten Teil dieser Arbeit wird versucht, die grundlegende Basis des qualitativen Zugangs in Kürze darzustellen und die theoretischen Grundannahmen (Symbolischer Interaktionismus, Ethnomethodologie, Natural History) dieses Paradigmas näher zu erläutern. Dieser Standpunkt dient als Hintergrundfolie, anhand dessen das von den Amerikanern Yvonna Lincoln und Egon Guba entwickelte Modell der "Fourth Generation Evaluation" kontrastiert und verglichen werden soll.
Die Analyse zeigt, dass dieses Evaluationsmodell auf jeden Fall der qualitativen Sozialforschung zuzurechnen ist, da es grundlegende Zugangsweisen wie Offenheit, Reflexivität und Prozesscharakter als Leitlinien anerkennt, nichts desto trotz lassen sich bei näherer Auseinandersetzung in einigen Bereichen Abweichungen von klassischen Zielsetzungen und Prinzipien qualitativer Sozialforschung erkennen.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung (S.3)
2. Qualitative Sozialforschung: Versuch einer Bestimmung (S.4)
2.1. Theoretische Grundlagen (S.5)
2.1.1. Symbolischer Interaktionismus (S.5)
2.1.2. Ethnomethodologie (S.5)
2.1.3 “Natural Sociology und „Natural History“(S.6)
2.1.3 Gemeinsamkeiten und Zentrale Prinzipien (S.7)
3. Das Modell der Fourth Generation Evaluation (S.7)
3.1. Ausgangspunkt und Paradigma (S.8)
3.2. Analyse fünf ausgewählter Prinzipien des Modells (S.9)
3.2.1. Principle 1 (S. 9)
3.2.2. Principle 2 (S. 14)
3.2.3. Principle 4 (S. 15)
3.2.4. Principle 5 (S. 16)
3.2.5. Principle 9 (S. 18)
4. Conclusio (S. 21)
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das Modell der "Fourth Generation Evaluation" von Lincoln und Guba kritisch vor dem Hintergrund der Methodologie der qualitativen Sozialforschung zu analysieren und deren theoretische Kompatibilität zu prüfen.
- Grundlagen und Paradigmen der qualitativen Sozialforschung
- Konstruktive Einbettung der "Fourth Generation Evaluation"
- Analyse und Vergleich ausgewählter Prinzipien des Modells
- Rolle des Evaluators und Partizipation von Stakeholdern
- Verhältnis von Forschung, Wirklichkeitskonstruktion und politischem Handeln
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Principle 1
Evaluation is a process whereby evaluators and stakeholders jointly create (or move toward) a consensual valuing construction of some evaluand. It does not necessarily yield irrefutable information (i.e. empirically confirmable) information (although that may be a side product)
Corollary 1A: Evaluation creates reality.
Corollary 1B: The consensual valuing construction that is the outcome of the evaluation is subject to continous reconstruction, change, and, if necessary, replacement.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung (S.3): Die Arbeit stellt das Ziel dar, das Evaluationsmodell von Lincoln und Guba in das Paradigma der qualitativen Sozialforschung einzuordnen und zu analysieren.
2. Qualitative Sozialforschung: Versuch einer Bestimmung (S.4): Dieses Kapitel beleuchtet den heterogenen Charakter der qualitativen Forschung sowie deren theoretische Grundannahmen und Forschungsperspektiven.
3. Das Modell der Fourth Generation Evaluation (S.7): Es werden der Ursprung und das konstruktivistische Paradigma des Modells sowie ausgewählte Prinzipien detailliert in Bezug zur qualitativen Forschung untersucht.
4. Conclusio (S. 21): Das abschließende Fazit resümiert, dass das Modell weitgehend mit qualitativen Grundprinzipien übereinstimmt, sich jedoch durch einen stärkeren Fokus auf politisches Handeln und Partizipation auszeichnet.
Schlüsselwörter
Fourth Generation Evaluation, Lincoln und Guba, Qualitative Sozialforschung, Konstruktivismus, Evaluationsforschung, Stakeholder, Partizipation, Wirklichkeitskonstruktion, Handlungsforschung, Emische Perspektive, Methodologie, Validität, Reflexivität, Aktionsforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Evaluationsmodell "Fourth Generation Evaluation" von Lincoln und Guba und vergleicht es methodologisch mit den Grundsätzen der qualitativen Sozialforschung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die theoretischen Grundlagen der qualitativen Forschung, das konstruktivistische Paradigma der Evaluation sowie die Rolle der Beteiligten im Forschungsprozess.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die exemplarische Überprüfung, inwieweit die Prinzipien von Lincoln und Guba mit dem Vorgehen und den Annahmen der qualitativen Sozialforschung kompatibel sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die verschiedene Fachliteratur zur qualitativen Sozialforschung heranzieht, um das Evaluationsmodell kontrastierend zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestimmung der qualitativen Sozialforschung und eine detaillierte Analyse von fünf ausgewählten Prinzipien des Modells der vierten Generation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Fourth Generation Evaluation, Konstruktivismus, Partizipation, Stakeholder-Einbindung und die kritische Reflexion des Forschungsprozesses.
Wie bewerten die Autoren das Verhältnis zwischen Forscher und Beforschten?
Die Arbeit zeigt, dass Lincoln und Guba die Grenze zwischen Forscher und Beforschten zugunsten einer gemeinsamen, kooperativen Konstruktion der Wirklichkeit auflösen wollen.
Inwiefern unterscheidet sich dieses Modell von der klassischen qualitativen Forschung?
Während die qualitative Grundlagenforschung primär auf das Verstehen abzielt, impliziert das Modell von Lincoln und Guba zusätzlich einen expliziten Aufruf zu politischem und sozialem Handeln.
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- Mag. Nina Traxler (Author), 2003, Das Fourth Generation Evaluation Modell - Ein Vergleich mit der Methodologie der qualitativen Sozialforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18678