Einflüsse des Lateinischen auf die germanische/althochdeutsche Sprache


Hausarbeit, 2011

27 Seiten, Note: 1

Juan Bar (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Profane Entlehnungen (römisch-germanische Kontakte)

Christliche Entlehnungen

Quellen- und Literaturverzeichnis '

Einleitung

Ich werde mich in der vorliegenden Hausarbeit mit dem Thema „Einflüsse des Lateinischen auf die germanische/ althochdeutsche Sprache“ beschäftigen. Dabei werde ich mich auf die frühe Phase (1. Jahrhundert v. Chr. bis 6. Jahrhundert n. Chr.) beschränken.

Im ersten Teil geht es um die profanen Entlehnungen aus den Bereichen „Gartenbau“, „Bauwesen“, u.a. Im zweiten Teil geht es um die christlichen Entlehnungen.

Zu Beginn jedes Teils werde ich die Gründe, die zu den frühen Entlehnungen geführt haben, nennen und diskutieren. Dann werde ich versuchen, zu beschreiben, wo, wie und wann die Kontakte, die zu den Entlehnungen geführt haben, stattgefunden haben.

Am Ende jedes Teils nenne ich einige sprachliche Beispiele. Diese sind vor allem Entlehnungen und einige Lehnprägungen. Entlehnungen sind Wörter, die aus einer Sprache in eine andere Spracheübernommen wurden. Im vorliegenden Fall könnte man auch sagen: Eindeutschungen, d.h. lateinische Wörter wurden eingedeutscht. „Lehnprägungen liegen immer dann vor, wenn eine fremde Sprache dem heimischen Sprachmaterial ihr Gepräge aufdrückt.“[1] D.h. im vorliegenden Fall: Lateinische Wörter sorgten dafür, dass sich die Bedeutung germanischer Wörter veränderte.

Ich werde mich im Wesentlichen mit der Sprachgeschichte Hans Eggers' beschäftigen und dabei versuchen nachzuvollziehen, wie er zu seinen Ergebnissen gekommen ist.

Aus zeitlichen Gründen werde ich mich nicht mit den lateinischen Entlehnungen beschäftigen, die vielleichtüber die Goten oder die Angelsachsen in die deutsche Sprache gekommen sind. Ebenso wenig werde ich auf die Einflüsse des Altfranzösischen (Vulgärlatein) auf die germanische/ althochdeutsche Sprache eingehen.

Profane Entlehnungen (römisch- germanische Kontakte)

In der Zeit zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 6. Jahrhundert n. Chr. kam es zu ersten lateinischen Entlehnungen in die germanische/ althochdeutsche Sprache. Die entlehnten Begriffe drangen in die germanische/ althochdeutsche Sprache ein und wurden dann durch die zweite Lautverschiebung (im 6. Jahrhundert n. Chr.) umgeformt. Diese frühen lateinischen Lehnwörter kamen aus den profanen Bereichen wie „Gartenbau“, „Bauwesen“, u.a.[2]

Wie werden diese Entlehnungen aus dem Lateinischen begründet ?

Wo haben die Entlehnungen stattgefunden ?

Wie muss man sich die Kontakte vorstellen, die zu diesen Entlehnungen geführt haben ?

Wann haben die Kontakte stattgefunden ?

Es werden verschiedene Gründe in der Literatur für die frühen profanen Entleimungen genannt. Eine Meinung ist, dass die Entlehnungen zustande kamen, weil das „Römische Reich zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 6. Jahrhundert n. Chr. große Teile Europas beherrschte.“[3] Diese Begründung müsste näher erläutert werden. Legt man den Schwerpunkt der Aussage auf „große Teile Europas“, hätte man auch schreiben können: Das Römische Reich dehnte sich in fast ganz Europa aus und darum ergaben sich viele Kontakte, auch zu den Germanen in Nord-und Mitteleuropa. Oder: Die profanen Entlehnungen kamen zustande durch die Ausdehnung des Römischen Reiches nach Norden bis an die Siedlungsgebiete der Germanen.

Vielleicht will man aber betonen, dass das Römische Reich in Europa „geherrscht“ hat, und dass aufgrund dieser Herrschaft Entlehnungen entstanden sind. Das würde nahelegen, dass die Entlehnungen in den römisch beherrschten Gebieten entstanden sind, also zum Beispiel in Gallien (seit 13 v. Chr. römische Provinz). Mit Angenendt könnte man die Entlehnungen durch römische Probleme begründen. Er schreibt: „Die Spätantike ist die Zeit, in der Rom zwei große Probleme hat: im Westen die Germanen und im Osten das neupersische Reich.“[4] Diese Aussage könnte man auf die Entlehnungen beziehen: Aufgrund der Probleme, die Rom im Westen mit den Germanen hatte, kam es zu Kontakten, die zu Entlehnungen bei den Germanen geführt haben.

Es werden weitere Gründe für die Entlehnungen genannt: „Kriege und historisches Geschehen, Ideologien, Moderichtungen, Kulturwandel, wissenschaftliche und technische Entwicklung“.[5] Leider werden von den Autoren keine Beispiele genannt. Mit „Kriege“ könnten die Kriege gemeint sein, die Caesar in Gallien gegen Germanen (Sueben, Beiger, u.a.) geführt hat. Oder auch die Kriege, die in der frühen Kaiserzeit gegen germanische Stämme am Rhein geführt wurden. Es könnten aber auch die Kriege gemeint sein, bei denen germanische Hilfstruppen (auxilia) an der Seite römischer Legionäre gekämpft haben (z. B. Schlacht auf den Katalaunisehen Feldern; Burgunder, Westgoten, Franken als Hilfstruppen). Eggers begründet die frühen profanen Entlehnungen nicht mit „Kriegen“.

„Historisches Geschehen“: Diese Begründung für die frühen Entlehnungen ist mir etwas unverständlich. Geschichte habe zu Entlehnungen geführt, aber welche Geschichte ?

Vielleicht meinen die Autoren mit „historisches Geschehen“ die römisch-germanische Geschichte. Aber an welche Daten der römisch-germanischen Geschichte denken die Autoren ? Sie könnten an die frühen Kontakte am Niederrhein zur Zeit Caesars denken. Caesarüberschreitet zweimal den Rhein und dringt in germanisches Gebiet vor. Sie könnten aber auch an germanische Einfälle und Plünderungen denken. Oder an die Kontakte zwischen germanischen Hilfstruppen und römischen Legionären. Eggers nennt „historisches Geschehen“ nicht als Grund für die frühen profanen Entlehnungen.

„Ideologien“: „Ideologien“ als Grund für die frühen Entlehnungen. Leider wird nicht gesagt, an welche Ideologien die Autoren dabei denken ? Vielleicht meinen sie mit Ideologie eine politische Meinung wie „Wir müssen die Germanen integrieren.“, die dann zu römisch­germanischen Kontakten und damit zu Entlehnungen geführt habe.

Wahrscheinlich gab es in Rom zwei unterschiedliche „Ideologien“ hinsichtlich der Germanenfrage: die eine, die die Germanen integrieren wollte und die andere, die sie nicht integrieren wollte. Im weströmischen Reich herrschte vermutlich die erste Position vor, denn dort kamen Germanen, vor allem Franken, in hohe Positionen (Germanisierung des Heeres).

Im Osten des römischen Reiches gab es zuerst eine ähnliche Entwicklung (dort waren es Goten), die dann aber mit Hilfe anderer „Barbaren“ (Isaurier) verhindert wurde.

Eggers geht auf diese beiden „Ideologien“ nicht ein. Er erwähnt nur einmalüberhaupt die Existenz von germanischen Söldnern im römischen Heer.

„Moderichtungen“: Auch hier werden leider keine Beispiele genannt. Vielleicht ist mit „Moderichtungen“ zum Beispiel gemeint, dass bei römischen Frauen blonde Haare (wie bei germanischen Frauen) in Mode gekommen sind, und dass deshalb vielleicht versucht wurde, germanische Sklaven zu bekommen. Daim hätte eine Moderichtung in Rom dazu geführt, dass

Römer in Kontakt zu Germanen gekommen sind, was dann zu Entlehnungen geführt habe. Bei Eggers habe ich diesen Gedanken nicht gefunden. Ich habe auch kein sprachliches Beispiel gefunden, dass zu dieser Begründung passen würde.

„Kulturwandel“: Mit Kulturwandel könnte der Wandel vom Heidentum zum Christentum gemeint sein, der sich im 4. Jahrhundert n. Chr. im römischen Reich vollzogen hat. Eggers geht auf das Christentum ein und beschreibt, wie der christliche Glaube zu Entlehnungen in die germanische/ althochdeutsche Sprache geführt hat.

„wissenschaftliche Entwicklung“: Ich habe leider keine Entlehnungsbeispiele gefunden, die auf diese Begründung passen würden.

„technische Entwicklung“: Ich habe keine Entlehnungsbeispiele gefunden, die auf diese Begründung passen würden.

Eine weitere Begründung sei der „unvergleichbar höhere Zivilisationsgrad der Mittelmeergebiete“[6] Diese Begründung wird von Eggers angedeutet, wenn er schreibt, dass die Germanen von den Römern neue Dinge kennenlemten und mit den neuen Dingen die fremden Begriffeübernahmen.

Ich komme nun nach den Entlehnungsgründen zu den Kontaktorten.

Eggers ist der Meinung, dass es vier Kontaktzonen zwischen Römern und Germanen gab: der Niederrhein, der Mittelrhein, der römische Limes, die Donaugrenze.[7] Der Niederrhein war zu erst Kontaktzone, dann folgen „durch die germanische Expansion weitere Kontaktzonen am Mittelrhein, entlang des römischen Limes und (...) an der Donaugrenze.[8] “ Eggers schreibt, dass die Grenznachbarschaft von Römern und Germanen am Niederrhein vor Christi Geburt entstanden sei[9] Er bezieht sich mit dieser Aussage vielleicht auf Kontakte, die während Caesars Eroberung Galliens (58 - 53 v. Chr.) entstanden sind. Caesar hatte Kontakt mit germanischen Stämmen, wie zum Beispiel mit den Belgern, die seiner Meinung nach Germanen seien und „in der Vergangenheitüber den Rhein gekommen (sind)“[10], dann mit den Usipeter und Tencterer, den Sugambrer und den Sueben.

Eggers denkt bei seiner Aussage vielleicht aber auch an die Ubier, die 38 v. Chr. durch römischen Befehl auf das linke Rheinufer umgesiedelt wurden, also in direkte Nachbarschaft zu den Römern gekommen sind. Die Ubier werden als germanisch-keltischer Stamm angesehen, deshalb ist fraglich, ob sich Eggers mit seiner Aussage auf sie bezieht.

Seit 12 v. Chr. sind die Friesen (zwischen Zuidersee und Ems) von den Römern unterworfen. Eggers könnte mit seiner Aussage demnach auch die Friesen meinen.

Wie werden die vier Kontaktzonen von Eggers bewertet ? Er ist der Meinung, dass der Niederrhein die wichtigste Kontaktzone war, dann folgen der Mittelrhein und Oberrhein; die Donaugrenze sieht er am Schluß.[11] Er begründet diese Reihenfolge durch die Völkerbewegung der Germanen, die „in den nordwestlichen Ebenen zuerst und am nachhaltigsten in Beziehungen zu den Römern traten.[12] “ Mit „nordwestlichen Ebenen“ meint Eggers vermutlich zum Beispiel das Gebiet zwischen Lippe und Ruhr (heutiges Ruhrgebiet), wo der Stamm der Marser lebte. Bei Tacitus wird von einem römischen Angriff auf die Marser berichtet, aus der Zeit 15 n. Chr.[13]

Streng genommen stimmt die Aussage Eggers nicht, denn die Germanen hatten nicht „in den nordwestlichen Ebenen“ zuerst Kontakt mit den Römern, sondern im südlichen Gallien, als die Cimber und Teutonen Krieg mit Rom führten. Es gab auch römisch-germanische Kontakte in Mittelgallien zur Zeit Caesars. Erst nach diesen zwei Kontaktzeiträumen kamen die „nordwestlichen Ebenen“, von denen Eggers spricht, an die Reihe.

Mit seiner Aussageüber die Nachhaltigkeit hat Eggers vermutlich Recht. Er meint damit wahrscheinlich langfristige Kontakte, wie sie wohl im Gebiet der Chauker (Weser-Germanen) vorgekommen sind, weil dort eine römische Vexillariertruppe (Veteranen ?) als Besatzung stationiert war.[14]

Eggers ist der Meinung, dass alle frühen Entlehnungen aus der Zone des Niederrheins stammen. Er begründet dies damit, dass die germanische Ausdehnung nach Süden (...) noch kaum begonnen hatte.[15] “ Über den Zeitraum, wann entlehnt wurde, schreibt er, dass am Niederrhein seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. für längere Zeit Frieden herrschte, und dass in dieser Zeit ein „lebhafte(r) Kulturaustausch zwischen den beiden Völkern“[16] stattgefunden habe.

Tatsächlich hat Rom nach 39 n. Chr. für längere Zeit nicht mehr versucht, das Gebiet zwischen Rhein und Weser zu erobern. Eggers lässt seine Friedenszeit aber erst mit dem 2. Jahrhundert n. Chr. beginnen. Wahrscheinlich nimmt er dabei Bezug auf die Markomannen­Kriege (ab 166 n. Chr.), als das Römische Reich für ungefähr 14 Jahre mit den Markomannen und Quaden an der Donau kämpfte. Danach hatte Rom Ziele in Mesopotamien und in Britannien, und der Niederrhein war vermutlich eine Region des Friedens, wie Eggers schreibt.

Eggers begründet die ersten Entlehnungen also damit, dass am Niederrhein (in einer Epoche des Friedens) ein „lebhafte(r) Kulturaustausch zwischen beiden Völkern“[17] stattgefunden habe. Über das Wie schreibt er, dass sich die Kontakte vor allem auf der Ebene der Bauern und Handwerker mit ihren Familien abgespielt haben: „Es ist beiderseits die Schicht der Bauern und Werkleute mit ihren Familien, unter denen sich dieser Austausch vollzieht.“[18] Leider beschreibt Eggers nicht, wie sich diese Kontaktzone entwickelt hat. Für die Zeit von 270/ 280 n. Chr. muss man von einem Ende der Friedenzeit ausgehen, weil fränkische Stämme ständig die Rheingrenze bedrohten.[19] Als Folge dieser germanischen Bedrohung musste Rom die Provinzhauptstadt Trier aufgeben und nach Arles verlegen. Seit dem späten 4. Jahrhundert hatten sich in Belgien und im Maasgebiet „starke Kontingente fränkischer Krieger, vermischt mit Alamannen und Thüringern, als Föderaten niedergelassen“[20] Über diese Entwicklung der (salischen) Franken schreibt Eggers nichts.

Über die Kontaktsituation kann man kritisch anmerken, dass Eggers nicht schreibt, warum es zu Kontakten zwischen römischen und germanischen Bauern gekommen ist („beiderseits die Schicht der Bauern“). Wahle meint, dass es Kontakte zwischen den stationierten Legionären und einheimischen Germanen gab, weil die Germanen die Römer mit Lebensmitteln versorgt haben.[21] „So ergibt sich ein reger wirtschaftlicher und kultureller Austausch zwischen Römern und Einheimischen im Grenzgebiet.[22] “"

Wahle liefert demnach eine Erklärung, warum es zu Kontakten zwischen römischen Legionären und einheimischen Germanen gekommen ist. Die Meinung Eggers bleibt ungeklärt, warum römische Bauern und „Werkleute“ mit ihren Familien am Niederrhein waren.

Tacitus berichtet, dass im Jahr 14 n. Chr. acht römische Legionen am Rhein standen (Bleicken, Bd. 1, S. 217), zusammen ungefähr 48. 000 römische Soldaten. Zu jeder Legion gehörte eine Reiterabteilung von 120 Mann, weiterhin Handwerker (fabri) für den Brückenbau und die Artillerie.

So kommt man auf ungefähr 50.000 römische Soldaten am Niederrhein. Die große Zahl von 50.000 Soldaten erklärt vielleicht die Existenz von römischen Bauern am Niederrhein. Sie waren vielleicht da, um diese vielen Soldaten zu versorgen. Eggers deutet diesen Gedankengang aber nicht an.

Mit „Werkleuten“ meint Eggers vielleicht die „fabri“, die zu jeder Legion gehörten, aber warum diese im Kontakt zu Germanen standen, wird nicht gesagt. Der Hinweis auf die „fabri“ bestätigt Eggers zum Teil. Ungeklärt bleibt die Existenz von römischen Bauern am Niederrhein und die Frage, warum römische Handwerker und Bauern mit Germanen in Kontakt kamen.

Durch den Hinweis Tacitus' (8 römische Legionen am Niederrhein) ist der Niederrhein als Kontaktzone bestätigt. Es werden die Legions-Standorte Vetera (Xanten am Rhein) und Ara Ubiorum (Köln) genannt. Damit kann man von einer römisch beeinflussten Zone am Niederrhein ausgehen. Was bei Eggers fehlt, ist eine Einschätzung, wie die Legions Standorte auf die Germanen ausgestrahlt haben. Es bleibt bei dem Hinweis auf Kontakte zwischen römischen und germanischen Bauern und „Werkleuten“ und ihren Familien. Die Legio ns Standorte, von denen Eggers nur einmal schreibt[23], werden nur im Zusammenhang mit ihrer Schutzwirkung genannt, nicht als Wirtschaftsfaktor. Durch Eggers denkt man sich die Kontakte zwischen römischen und germanischen Bauern und „Werkleuten“ unabhängig von den Legionsstandorten. Nach Wahle ergaben sich die Kontakte durch die Legions Standorte, weil die Germanen diese mit Lebensmitteln belieferten. Hier wird erkennbar, dass die Bedeutung der römischen Legionsstandorte hinsichtlich der Kontakte zwischen Römern und Germanen unterschiedlich eingeschätzt wird.

Zwei mögliche Kontaktgründe werden von Eggers nicht genannt bzw. nur gestreift. Er nennt die Ebene von Bauern und Handerwerkern und ihren Familien, auf der sich sprachlicher Austausch vollzog. Er geht nicht auf die römisch-germanischen Kontakte ein, die sich durch Diplomatie ergaben. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Römern und Germanen beginnen in der Zeit Caesars. Der römische Senat verlieh Ariovist den Titel „Freund des römischen Volkes“ (amicus populi romani) und erkannte seine Eroberungen in Gallien an.[24] Zwischen Caesar und Ariovist kommt es in der Folgezeit in Gallien zu diplomatischen Kontakten. Caesar will ein Treffen mit Ariovist, umüber „Staatsangelegenheiten“ zu sprechen.[25] Ariovist lehnte ab. Caesarüberbrachte ihm Forderungen. Später kam es doch zu einem Treffen zwischen Caesar und Ari ovist, bei dem es um die Zukunft Galliens ging.[26] Ariovist deutete dabei an, dass er Kontakte zu „führenden Männern des römischen Volkes und vielen Mitgliedern des Adels“[27] Das Gespräch scheiterte.

Nach dem römisch-belgischen Krieg kamen Gesandte aus dem Gebiet „jenseits des Rheins“[28], die mit Caesar Kontakt aufnehmen wollten.

Zu weiteren diplomatischen Aktivitäten zwischen Römern und Germanen kam es nach dem Eindringen von Usipetern und Tencterern in Gallien (wahrscheinlich in die Nähe der Treverer). Caesar verhandelte zum einen mit den eingedrungenen Usipetern und Tencterern, zum anderen mit den Ubiern. Er schlägt vor, dass die Usipeter und Tencterer in das Gebiet der Ubier ziehen, um dort zu leben.[29]

Rom schaltet sich auch in einen inner germani sehen Konflikt ein und siedelt den Suebenkönig Maroboduus, der Probleme mit Cheruskern und Langobarden hatte, in Ravenna im Römischen Reich an.[30] An seine Stelle trat nach dem Willen Roms Vannius als neuer Suebenkönig.[31]

59 n. Chr. beschäftigt sich die römische Aussenpolitik mit den Friesen. Die Friesen waren nach Westen an den Rhein gewandert und hatten dort herrenloses Land besetzt. Rom will, dass sie sich wieder zurückziehen. Daraufhin reisen die beiden Anführer der Friesen nach Rom, wo sie beide mit dem römischen Bürgerrecht beschenkt werden. Die Friesen werden aber gezwungen, das eroberte Gebiet wieder zu räumen.[32]

Diplomatische Kontakte zwischen Römern und Germanen in dieser Zeit gab es auch zu den Ampsivariern und Bructerem (beide später bei den Franken) und Tencterern.

In der Zeit von Valentinian I. und Gratian wurden „über 50 Verträge (...) zwischen Rom und den Stämmen an der Grenze abgeschlossen.“[33]

Man sieht, es gab einige diplomatische Kontakte zwischen Römern und Germanen, die vielleicht zu sprachlichen Entlehnungen geführt haben.

Über das Militär als Kontaktzone zwischen Römern und Germanen schreibt Eggers fast nichts. Schon Caesar erwähnt in seinem „Gallischen Krieg“ germanische Hilfstruppen[34], die er von unterworfenen Stämmen anforderte.[35] Er war vielleicht der erste, der germanische Hilfstruppen („Reiter und leichtbewaffnete Fußsoldaten“) [36] aufstellte, um sie in seinen Kriegen gegen keltische und germanische Stämme einzusetzen. Immerhin dreimal werden sie kämpfend geschildert.[37] Einmal wird gesagt, dass sie viele Feinde getötet haben.[38]

Auch zur Zeit des Augustus gab es für Germanen die Möglichkeit, im römischen Heer zu dienen, genauer in der Leibwache des Kaisers. Diese war eine Reiterabteilung, die ausschließlich aus Nichtrömem, sog. „Peregrinen“ (Germanen, Thraker, Mauren, Brittonen) bestand.[39] Durch eine Trierer Grabschrift wissen wir, dass zum Beispiel, ein burgundischer Prinz (Hariulfus) Mitglied der kaiserlichen Leibwache war.[40]

Wichtig wurde diese Leibwache, bei der auch Germanen dienten, zum Beispiel unter Kaiser Tiberius, Augustus' Nachfolger, der mit Hilfe dieser Leibwache versuchte, einen Aufstand römischer Legionäre niederzuschlagen.[41]

Man sieht die Germanisierung des römischen Heeres beginnt früh. Für einen Krieg gegen die Germanen jenseits des Rheins werden 15 n. Chr. auch „diesseitige Germanen“ ausgehoben, wie Tacitus in seinen Annalen berichtet[42] Ein Jahr später bei einem Krieg gegen die Chatten kämpften auch germanische Hilfstruppen vom Stamm der Chaucen.[43] Die Kommando spräche der Hilfstruppen war Latein. Bleicken schreibtüber die Integration dieser Hilfstruppen: „Wenn die Auxiliarsoldaten nach ihrer langen Dienstzeit entlassen wurden, waren sie (...) nach Sprache, Lebensgewohnheiten und Denken Römer.“[44] Im 4. Jahrhundert ging die Germanisierung des römischen Heeres noch weiter voran. Die Zahl der Franken im gallischen Feldheer (exercitus Gallicanus) nahm zu.[45]

[...]


[1] zit. nach: Eggers S. 92.

[2] vgl.: Eggers S. 104.

[3] zit. nach.: www..wikipedia.org.

[4] zit. nach: Angenendt S. 53.

[5] zit. nach: www.phil.muni.cz (...)

[6] zit. nach: www.phil.muni.cz (...)

[7] vgl.: Eggers S. 103.

[8] zit. nach: Ders.: ebd.

[9] vgl.: Ders.: ebd.

[10] zit. nach: Caesar II (4)

[11] vgl.: Eggers S. 109.

[12] zit. nach: Ders.: S. 110.

[13] vgl.: Tacitus Annalen Ï (50) S. 53.

[14] vgl.: Ders.: a.a.O. (38) S. 44.

[15] zit. nach: Eggers S. 107.

[16] zit. nach: Ders.: S. 103.

[17] zit. nach: Eggers S. 103.

[18] zit. nach: Ders.: S. 104 f.

[19] vgl. Fischer Bd. 9, S. 129.

[20] zit. nach: a.a.O.: S. 212 f.

[21] vgl.: Wahle S. 134.

[22] zit. nach: Ders.: ebd.

[23] vgl.: Eggers S. 107.

[24] vgl. Caesar: Anmerkungen Nr. 78, S. 583.

[25] vgl. Ders.: 1(34)1.

[26] vgl.: Caesar I (44) 75.

[27] zit. nach: Ders.: ebd.

[28] zit. nach: Ders.: II (35) 1.

[29] vgl.: Ders.: IV (8) 3.

[30] vgl.: Tacitus Annalen II (46) S. 109 und II (63) S. 120.

[31] vgl.: Ders.: a.a.O. XII (29) S. 45.

[32] vgl.: Ders.: a.a.O. XIII (54) S. 112 f.

[33] zit. nach: Fischer Bd. 9, S. 109.

[34] vgl.: Caesar VII (13) 1.

[35] vgl.: Ders.: VII (65)4.

[36] zit. nach: Ders.: ebd.

[37] vgJ.: Ders.: VII (70) 4 und VII (80) 6 und VIII (10) 2.

[38] vgl.: Ders.: VII (70) 7.

[39] vgl.: Bleicken S. 230 f.

[40] vgl.: Wahle S. 141.

[41] vgl.: Tacitus Annalen I (24) S. 34.

[42] vgl.: Ders.: a.a.O.: 1(56) S. 57.

[43] vgl.: Ders.: a.a.O.: II (16) S. 86.

[44] zit. nach: Bleicken S. 225.

[45] vgl.: Ewig S. 11.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Einflüsse des Lateinischen auf die germanische/althochdeutsche Sprache
Hochschule
Universität Bremen
Note
1
Autor
Jahr
2011
Seiten
27
Katalognummer
V186801
ISBN (eBook)
9783869434643
ISBN (Buch)
9783656991069
Dateigröße
1541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einflüsse, lateinischen, sprache
Arbeit zitieren
Juan Bar (Autor), 2011, Einflüsse des Lateinischen auf die germanische/althochdeutsche Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186801

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