:::auszug aus dem ergebnisteil:::
Zwei gegensätzliche Hypothesen, die "Soziale Verstärkungs-" und die "Soziale Kompensationshypothese", beschreiben in der Literatur den Internetnutzer. Diese Studie versuchte die Persönlichkeitsstruktur und die Motive der Facebook Nutzer zu analysieren, bei der 777 Probanden zwischen 16 und 61 Jahren teilnahmen. Beide Hypothesen scheinen ihre Berechtigung zu haben, denn sowohl extravertierte, selbstbewusste als auch introvertierte, weniger selbstbewusste Menschen nutzen Facebook. Nutzer mit einem hohen Selbstwert haben weniger Freunde in ihrer Freundesliste, die sie noch nicht persönlich getroffen haben. Jene mit einem niedrigen Selbstwert scheinen sich ihr soziales Netzwerk eher durch den Gebrauch von sozialen Netzwerkseiten aufzubauen, da diese viele noch nicht persönlich getroffen haben (-> Kompensationshypothese). Als oberstes Motiv zur Partizipation an Facebook steht die Erhaltung des Kontakts mit alten Freunden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Soziale Netzwerke
2.1. Bedeutung sozialer Netzwerke
2.2. Sozialkapital
2.2.1. Definitionen
2.2.2. Starke vs. Schwache Bindungen
2.3. Soziale Netzwerke und das Internet
3. Soziale Netzwerkseiten
3.1. Bedeutung sozialer Netzwerkseiten
3.2. Web 2.0
3.3. Facebook
3.3.1. Daten und Fakten
3.3.2. Funktionen
3.3.3. Freundschaftsbegriff
3.4. Motivationstheorien
3.4.1. Bedeutung von Motiven
3.4.2. Maslow’s Bedürfnispyramide
3.4.3. Theorie von Kollock
3.4.4. Soziale Verstärkungshypothese
3.4.5. Soziale Kompensationshypothese
4. Forschungsprojekt
4.1. Forschungsfragen und Hypothesen
4.2. Methodik
4.2.1. Messinstrument
4.2.2. Erhobene Konstrukte
4.2.2.1. Persönlichkeitsmerkmale
4.2.2.2. Selbstkonzept
4.2.2.3. Nutzungsintensität Facebooks
4.2.2.4. Motive der Nutzung
4.2.2.5. Facebook am Mobiltelefon
5. Ergebnisse
5.1. Beschreibung der Stichprobe
5.1.1. Soziodemographische Daten
5.1.2. Mitgliedsdauer
5.1.3. Anzahl der Facebook Freunde
5.1.4. Nutzungsintensität
5.1.5. Persönlichkeitsstruktur
5.1.6. Kommunikationstools
5.1.7. Mobiltelefon Applikation
5.2. Prüfung der Hypothesen
5.2.1. Extraversion
5.2.2. Kontakt- und Umgangsfähigkeit
5.2.3. Offenheit für Erfahrungen
5.2.4. Selbstwert
5.2.5. Neurotizismus
5.2.6. Verwendung von Mobiltelefon
5.2.7. Motive der Nutzung
6. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die Persönlichkeitsstruktur und die spezifischen Motive von Facebook-Nutzern zu analysieren, um zu prüfen, ob die in der internationalen Literatur beschriebenen Phänomene (wie die Soziale Verstärkungs- oder Kompensationshypothese) auf die Facebook-Nutzerschaft in Österreich übertragbar sind. Die zentrale Forschungsfrage lautet dabei: Welche Persönlichkeitseigenschaften weist ein Facebook-Nutzer auf und welche Motive bewegen ihn zur aktiven Partizipation?
- Persönlichkeitsmerkmale (Big Five: Extraversion, Neurotizismus, Offenheit für Erfahrungen)
- Selbstkonzept und Selbstwertschätzung im Kontext sozialer Netzwerke
- Nutzungsintensität und Kommunikationsverhalten auf Facebook
- Soziale Motivstrukturen (Kontaktpflege vs. Informationsgewinnung)
- Einfluss der mobilen Nutzung auf das Partizipationsverhalten
Auszug aus dem Buch
3.3.3. Freundschaftsbegriff
Die Bezeichnung „Freunde“ wurde etwas unglücklich gewählt, da in unserem Sprachgebrauch dieser Begriff eher für Menschen gewählt wird, zu denen eine innige Verbindung besteht. So hat im realen Leben aber wohl kaum jemand 130 beste Freunde, wie sie ein durchschnittlicher Facebook User hat, mit denen Freud und Leid geteilt wird. Christakis und Fowler (2010) widmeten sich mit ihrer Studie dem Thema der Freundschaft in Online Netzwerken und kamen zu dem Ergebnis, dass lediglich 6,6 Kontakte als echte Freunde einzustufen sind. Die beiden Autoren erklären sich diese doch geringe Zahl im Anbetracht zu den durchschnittlichen 130 Freunden folgendermaßen:
„Online-Netzwerke vergrößern offenbar die Zahl der uns nahestehenden Menschen nicht, und sie tragen auch nichts zur Verbesserung unserer engsten Beziehungen bei. Sie erlauben uns lediglich, mit einer größeren Zahl von oberflächlichen Bekannten zu kommunizieren.“ (Christakis & Fowler, 2010, S. 349)
Möglicherweise fungieren die sozialen Netzwerkseiten tatsächlich dazu den Begriff von Freundschaft und Bekanntschaft in Zukunft verschmelzen zu lassen. Die Facebook Administratoren haben auf diese Begriffsproblematik reagiert - seit Dezember 2007 ist es den Nutzern selber vorbehalten, ihre Freunde in Listen einzuordnen um eine Abgrenzung zwischen besten Freunden und Bekannten vornehmen zu können. Da es durchaus auch völlig unbekannte Menschen schaffen in die Freundschaftslisten von manchen aufgenommen zu werden, stellt sich die Frage wozu dies von beiden Seiten angestrebt bzw. akzeptiert wird?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in die rasante Entwicklung von Facebook ein, beleuchtet die Bedeutung sozialer Netzwerkseiten für die heutige Gesellschaft und formuliert die zentralen Forschungsfragen der Arbeit.
2. Soziale Netzwerke: Es wird die theoretische Basis sozialer Netzwerke, die Bedeutung von Sozialkapital und der Einfluss des Internets auf die zwischenmenschliche Kommunikation dargelegt.
3. Soziale Netzwerkseiten: Dieses Kapitel erläutert den Wandel zum Web 2.0, präsentiert Fakten und Funktionen von Facebook und analysiert motivationstheoretische Ansätze wie die soziale Verstärkungs- und Kompensationshypothese.
4. Forschungsprojekt: Hier werden die Forschungsfragen und Hypothesen definiert sowie die methodische Vorgehensweise, inklusive der Messinstrumente und erhobenen Konstrukte, beschrieben.
5. Ergebnisse: Der Ergebnisteil präsentiert die statistische Auswertung der Online-Erhebung, beschreibt die Stichprobe und prüft die aufgestellten Hypothesen auf Basis der Daten.
6. Diskussion: Das letzte Kapitel interpretiert die gewonnenen Ergebnisse kritisch im Kontext der bestehenden Literatur und zieht ein Fazit über die Rolle von Facebook im Alltag der Nutzer.
Schlüsselwörter
Facebook, Soziale Netzwerke, Persönlichkeitsstruktur, Sozialkapital, Nutzungsintensität, Extraversion, Neurotizismus, Selbstwert, Kontaktpflege, Internetnutzung, Web 2.0, Soziale Verstärkungshypothese, Soziale Kompensationshypothese, Online-Kommunikation, Medienpsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die psychologischen Hintergründe der Facebook-Nutzung, insbesondere das Zusammenspiel zwischen Persönlichkeitsmerkmalen der Nutzer und deren spezifischen Motiven zur aktiven Partizipation.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Themen sind das Sozialkapital, die Persönlichkeitsstruktur (Big Five), verschiedene Motivationstheorien sowie die Analyse des Nutzungsverhaltens, inklusive der Rolle von Mobiltelefon-Applikationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob Nutzer mit bestimmten Persönlichkeitsausprägungen (z.B. Extraversion oder Neurotizismus) Facebook intensiver oder zu anderen Zwecken nutzen als andere und ob dies Hypothesen wie die Kompensationshypothese stützt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quantitativen Online-Erhebung mittels eines standardisierten Fragebogens, der an 777 Probanden ausgegeben wurde, sowie einer statistischen Auswertung mittels SPSS.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu sozialen Netzwerken, eine fundierte Darstellung von Motivationstheorien, die detaillierte Beschreibung des Forschungsprojekts sowie die ausführliche Ergebnisdarstellung und Diskussion.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Soziale Verstärkungshypothese, Soziale Kompensationshypothese, Online-Identität, Kontaktpflege und Mediennutzung charakterisiert.
Welche Rolle spielt die soziale Kompensationshypothese in der Studie?
Die Studie prüft, ob Menschen mit niedrigem Selbstwert oder sozialer Ängstlichkeit das Internet nutzen, um fehlende soziale Kompetenzen im realen Leben durch virtuelle Interaktionen auszugleichen.
Gibt es geschlechtsspezifische Ergebnisse in der Studie?
Die Studie gibt an, dass an der Untersuchung 79% Frauen und 21% Männer teilnahmen, was auf ein höheres Interesse oder eine bessere Erreichbarkeit innerhalb der weiblichen Zielgruppe hindeutet.
Was wurde zur Rolle des Mobiltelefons bei der Nutzung herausgefunden?
Es zeigte sich, dass Nutzer, die Facebook über eine Applikation am Mobiltelefon verwenden, sich zwar häufiger einloggen, aber entgegen der Erwartung oft auch insgesamt länger online sind als PC-Nutzer.
Welches ist das häufigste Motiv für die Facebook-Nutzung?
Das mit Abstand am häufigsten genannte Motiv (90,4% Zustimmung) ist die Erhaltung des Kontakts mit alten Freunden, was die Bedeutung von Facebook als Werkzeug zur sozialen Kontaktpflege unterstreicht.
- Citation du texte
- Mag. Julia Haider (Auteur), 2011, Facebook - Die Persönlichkeitsstruktur und Motive der Nutzer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186811