Erneuerbare Energien in der Europäischen Union?

Situation und Potenziale


Hausarbeit, 2007
33 Seiten, Note: 2.7

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Erneuerbare Energien

3 Energiepolitik in der EU

4 Marktzahlen

5 Perspektiven

6 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Die globalen Reserven an Erdöl, Erdgas und Uran sind nicht unerschöpflich und werden in absehbarer Zeit zur Neige gehen1 und damit vor allem eine Preissteigerung dieser Produkte bewirken. Zudem werden Aspekte wie Energiesicherheit und Importabhängigkeit auf einen Markt der durch die vorher beschriebenen Einschränkungen immer umstrittener wird als Themen immer zentraler. Bereits heute (2007) ist die Europäische Union zu 50% von Energieimporten abhängig und die Tendenz ist steigend2. Umso wichtiger erscheint die Beteiligung von erneuerbaren Energien (EE) an der Primärenergieversorgung bzw. am Strommarkt. Auch in Bezug auf die Umweltpolitik sind die meisten der erneuerbaren Energien sinnvoll (geringerer CO²-Ausstoß als fossile Energieträger) und besonders angesichts der Kyoto-Verpflichtungen und der selbst gesetzten Verpflichtungen können sie einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung derer leisten. Nachfolgend soll nun betrachtet werden, in wie weit die Europäische Union (EU) auf diese Entwicklung im energiepolitischen Rahmen3 vorbereitet ist. 2004 leisteten erneuerbare Energien einen Beitrag von 13,1% zur Primärenergieversogung weltweit, wobei der größte Teil auf die Wasserkraft entfiel4. Welchen Beitrag leisten Sonnen-, Wind-, Wasser- und Geoenergie nun in der EU? Die Fragestellung lautet demnach: Wie ist die aktuelle Situation bezüglich erneuerbarer Energien in der EU und wie sehen die Perspektiven aus? Die Arbeitsthese hierzu lautet, dass die EU ein ziemlich heterogenes Bild bildet und die Entwicklung sehr länderabhängig ist. Einheitliche Energiepolitiken sind noch weit entfernt. Diese Aspekte sollen nachfolgend methodisch per Sekundärliteraturanalyse und Primärquellenauswertung im Bereich der policy untersucht werden. Der aktuelle Forschungsstand wird mit Hilfe der Beiträge des Bundesumweltministeriums, der Beiträge des französischen Marktforschungsinstituts EurObserv’er sowie mit Hilfe der Beiträge von Danyel Reiche wiedergegeben. Im Anschluß wird zunächst der Bereich der erneuerbaren Energien definiert, ehe die Energiepolitik der EU vorgestellt, und die Marktzahlen der Erneuerbaren erklärt werden sollen. Daraufhin werden die Perspektiven bewertet und abschließend ein Fazit gezogen.

2 Erneuerbare Energien

Zunächst erscheint eine Definition der erneuerbaren Energien angebracht. Diese ist nicht einheitlich, da in den einzelnen Mitgliedsstaaten der europäischen Union andere Vorstellungen vorherrschen. In allgemeiner Übereinstimmung werden Windenergie, Photovoltaik und Solarthermie als erneuerbare Energien angesehen5. Nur in wenigen Ländern zählen größere Wasserkraftanlagenüber 10 MW zu den erneuerbaren Energien, ebenso wie Gezeitenkraftwerke, Anlagen der Geothermie, Offshore-Windanlagen oder Müllverbrennungsanlagen nicht in allen Ländern zu den Regenerativen gehören6. Einen Anhaltspunkt bietet in Bezug auf die Europäische Union die Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energien im Strommarkt (2001/77/EG): Nach ihr sind Wind-Solarenergie, Geothermie, Wellen- und Gezeitenkraftwerke, Wasserkraft ohne Beschränkung, Biomasse, Deponie-, Klär-, Biogase sowie Abfälle aus biologisch abbaubaren Stoffen erneuerbare Energien7. Nicht darunter fällt beispielsweise Torf, der nur in Finnland und Irland eine größere Rolle spielt. Als erneuerbare Treibstoffe werden nach der Richtlinie zu Treibstoffen (2003/33/EG) Bioethanol, Biomethanol, Biodiesel, gereinigtes Biogas, Biomethylether, Bio-Ethyl-Tertär-Butylether, und Bio-Methyl-Tertiär-Ether bezeichnet8. Nachfolgend wird sich beiden Definitionen angeschlossen, auch wenn die Einbeziehung der Wasserkraft ohne Beschränkung ökologisch problematisch zu bewerten ist, allerdings aus praktischen Gründen (Kompatibilität mit Statistiken) trotzdem berücksichtigt wird.

3 Energiepolitik in der Europäischen Union

Schon die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) und die Atomenergiegemeinschaft (Euratom) bildeten erste europäische Energiepolitiken. Dennoch ist Energiepolitik auf nationaler Ebene zwischen Binnenmarkt und Umweltpolitik angesiedelt und nur durch den nicht ratifizierten Verfassungsvertrag wäre die Energiepolitik stärker europäisiert werden9. Die Energiepolitik basiert auf den Art. 3, 94-95, 154-155 und 174-175 EG-Vertrag (EGV). Im nicht ratifizierten Verfassungsvertrag beschäftigt sich der Art. III-256 mit der Energiepolitik der Europäischen Union. Die Ziele werden von Ulrike Nuscheler in einem „Funktionieren des Binnenmarkts; Gewährleistung der Versorgungssicherheit; Förderung von Energieeffizienz und Entwicklung neuer und erneuerbarer Energiequellen“ zusammengefasst10. Weitere internationale Verpflichtungen ergeben sich aus dem Kyoto-Protokoll nach dem die EU ihre Treibhausgasemissionen bis 2008-2012 um 8% gegenüber 1990 senken muss11. Die europäische Union hat ihre Ziele auf dem Frühjahrsgipfel 2007 bekräftigt und das Ziel einer Reduktion um 30% von 1990 gegenüber 2020 sowie um 60-80% bis 2050 ausgegeben12. Umwelt-/Klimapolitik, Binnenmarkt und Versorgungssicherheit sind zusammengefasst die drei großen Bereiche der europäischen Energiepolitik13. Letztlich bleibt die Energiepolitik allerdings in der Verantwortlichkeit der Nationalstaaten auch wenn die EU mehr und mehr zum Beispiel bei Emissionszertifikaten, die ja zu großen Teilen den Energiesektor betreffen, oder Ziel setzend (wie durch die Richtlinie für erneuerbare Energien oder die Richtlinie zum Kraftstoffverbrauch) in nationale Regelungen eingreift14. Die Unterstützung erneuerbarer Energien wird durch Forschungsförderung zu Energieeffizienz und Erneuerbaren von der EU unter dem Programm „Intelligent Energy Europe“ vorangetrieben15. Letztlich gibt es aber noch keinen europäischen Energiebinnenmarkt und so findet sich die Energiegesetzgebung im Wesentlichen auf nationaler Ebene.

4 Marktsituation

Die erneuerbaren Energien hatten 2004 einen Anteil von 13,1% am Primärenergieverbrauch (PEV) bzw. 18% am Stromverbrauch weltweit. Dabei entfiel beim PEV ein Großteil auf die Biomasse, während bei der Stromerzeugung die Wasserkraft weltweit führend ist16. Allerdings sind die weiteren Erneuerbaren auf dem Vormarsch: Nach der International Energy Agency (IEA) hatten zwischen 1971 und 2004 weltweit besonders Windenergie (48%), Solarenergie (28,1%) und Geothermie (7,1%) enorme jährliche Wachstumsraten. Diese Steigerung ist auch auf die Entwicklung in der OECD- Welt und damit auch in der EU zurückzuführen, wo ein Großteil der gesamten Erneuerbaren (und besonders der „neuen“ Erneuerbaren ohne Wasserkraft) genutzt wird17. Momentan besitzen die erneuerbaren Energien in der europäischen Union einen Anteil von 6,4% am Gesamtenergieverbrauch18. 1990 lag der Anteil noch bei 4,4% und die jährlichen Zuwächse in der Produktion bei Erneuerbaren Energien lagen seitdem bei durchschnittlich 3%19. Beim Stromverbrauch werden bislang 14,6% (406 TWh) des Gesamtverbrauches aus erneuerbaren Energien gewonnen20.

Es ergeben sich in der Nutzung große regionale Unterschiede in Abhängigkeit der Branchen: In der Europäischen Union liegt die installierte Leistung aus Windkraft bei 48 GW gegenüber 40 GW im Jahre 200521. Betrachtet man nun die einzelnen Länder (Abb.22) dann liegt Deutschland bei der installierten Leistung vor Spanien und Dänemark. Allerdings konnten Frankreich, Portugal und Großbritannien nach Deutschland und Spanien stark verbessern. Die Schlusslichter bilden Zypern, Malta und Slowenien. Die Länder mit den besten Windbedingungen sind Großbritannien, Irland und Frankreich, die aber gegenüber Deutschland trotz effektiverer Nutzungsmöglichkeiten weniger installierte Leistung haben22. Wasserkraft stellt immer noch den höchsten Anteil der Erneuerbaren wobei es auch hier große Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedsländern gibt23. Geografische Unterschiede führen zu einer sehr unterschiedlichen Gestaltung der Nutzung erneuerbarer Energien24. Die Nutzung der Wasserkraft hängt von guten Niederschlagsbedingungen, gleichmäßiger Verteilung und ausreichenden Wasserzuflüssen, wie in Finnland, Spanien, Italien und Frankreich gegeben, ab25. Die Nutzung der Solarenergie spielt dagegen in südlichen Ländern, eher eine Rolle als in nördlichen Ländern26. Allerdings besitzt momentan Deutschland die größte installierte Kollektorfläche für Photovoltaik, auch wenn die Sonnenverhältnisse nicht so gut wie im Mittelmeerraum sind27. Insgesamt sind in der Europäischen Union 3,4 GWp an installierter Leistung vorhanden, wovon allerdingsüber 90% auf Deutschland entfallen, wobei inzwischen auch Spanien und Italien starke Zuwächse verzeichnen können28. Am schlestesten schneiden bisher die baltischen Staaten und die Slowakei ab. Es sei noch der Unterschied zwischen Photovoltaik und Solarthermie hervorgehoben. Erstere bedient den Strommarkt während letztere den Wärmemarkt bedient. Bei der Solarthermie liegt wiederum Deutschland vorne, gefolgt von Österreich und Griechenland. Auf den hinteren Plätzen finden sich Estland, Lettland und Litauen. Allerdings liegt Deutschland mit 686 MWth deutlich vor Österreich, das nur ein Fünftel dessen besitzt29. Pro Kopf hat Zypern die stärkste Solarthermische Kapazität30. Bei der Primärenergienutzung von Biogas sind die zwei Länder mit der stärksten Nutzung von Biogas (Deutschland und Großbritannien) deutlich führend, gefolgt von Italien, Spanien und Frankreich31. Die geringste Nutzung findet sich in Malta, Estland und der Slowakei. Biogas lässt sich sowohl zur Strom- als auch zur Wärmeproduktion einsetzen: Bei der Nutzung zur Elektrizitätsproduktion bleiben die genannten Unterschiede und die Reihenfolge bestehen. Allerdings nutzt Griechenland Biogas stärker zur Elektrizitätserzeugung während Frankreich eher die Wärmeerzeugung stärker betreibt32. Deutschland spielt bei der Wärmeerzeugung wohl die größte Rolle und stellt alleine ein Drittel der europäischen Wärmeerzeugung aus Biogas bereit33. Bei der Produktion pro Einwohner liegt Großbritannien vor Deutschland und Luxemburg34. Biomasse kann auch Einflüsse auf die Biodiversität sowie auf die Müllproduktion haben35. Die Biokraftstoffe besitzen zwar noch Flächenpotenziale zum Anbau von Energiepflanzen, allerdings nimmt die Flächenkonkurrenz verstärkt zu und auch die Agrarfläche der EU ist begrenzt. Der aktuelle Verbrauch von Biokraftstoffen liegt bei 5,38 Mio. Tonnen36. Den größten Markt stellt Deutschland, das bei der Biodieselproduktion deutlich führend ist, während bei der Ethanolproduktion Spanien knapp vor Deutschland liegt. Auf Grund der Beschränkungen bieten sich Kooperationen mit Entwicklungsländern an bei denen der Anbau von Energiepflanzen gefördert und für den heimischen und den Exportmarkt produziert wird37. Die Geothermie lässt sich sowohl zur Stromerzeugung als auch zur Wärmeerzeugung nutzen. Dabei waren 2005 822MWe und 6589MWth (davon 4531 MWth für Wärmepumpen) installiert38. Bei der Gewinnung von Strom aus hochthermischen Quellen liegt Italien vorne. Mit deutlichem Abstand folgen Portugal und Frankreich, während die Anteile von Österreich und Deutschland kaum nennenswert sind39.

Einen weiteren Anteil an der Stromgewinnung stellen niedrigthermische Quellen dar. Bei diesen liegt Ungarn an der Spitze der Stromproduzenten, gefolgt von Italien und Frankreich. Auf dem 4. Platz findet sich die Slowakei. Weitere 11 Staaten der Europäischen Union befinden sich noch in den Anfangsstadien der Nutzung40. Weiter fortgeschritten ist die Nutzung von niedrigthermischen Quellen zur Wärmegewinnung: Hier führt Schweden vor Deutschland, Österreich und Frankreich die Liste an. Finnland und die Niederlande produzieren ebenfalls bereitsüber 250MWth während in den anderen Staaten nur geringe bis gar keinen Mengen an Wärme produziert werden41. Gezeitenkraftwerke spielen bisher auf Grund technologischer Schranken keine große Rolle in der europäischen Union.

Betrachtet man nun die gesamte Energiebereitstellung aus erneuerbaren Energien (Abb. 5, 6 und 7) so ergibt sich ein differenziertes Bild. Grob kann man zwischen „alten“ und „neuen“ erneuerbaren Energien unterscheiden. Während einige Länder klassisch auf Wasserkraft und Biomasse in Form von Holzverbrennung setzen42, gibt es eine Reihe von Ländern, zu denen besonders Deutschland, Spanien und Dänemark zu zählen sind, die auch neue, technologieintensive Erneuerbare aufgebaut haben. Während in Dänemark die Windenergie und die Biomasse die wichtigsten Anteile der Erneuerbaren stellen, sind in Lettland, Finnland und Schweden neben Wasserkraft besonders Biomasse oder Müllnutzung vorherrschend43. Insgesamt finden sich auch nur wenige Länder (Deutschland, Spanien, Dänemark, Finnland), die einen deutlichen Anstieg der erneuerbaren Energien verzeichnen können, während Italien, Schweden, Österreich und Frankreich sogar einen rückgängigen Anteil erneuerbarer Energien vermelden44. Relativ gesehen haben einige der kleineren Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wesentlich höhere Anteile als die Großflächenstaaten. 2004 lagen insgesamt noch die „alten“ Erneuerbaren relativ und absolut vorne (Abb.7,8,9) wobei hier Frankreich, Schweden und Deutschland die Hauptproduzenten sind. Allerdings haben besonders die Windenergie und die Biomassenutzung in den letzten Jahren große Wachstumsraten verzeichnet45.

Insgesamt bleibt aber festzuhalten, dass Erneuerbare in der europäischen Union bislang nur einen kleinen Teil der Energieversorgung bereitstellen46.

Die Unterschiede bei der Nutzung erneuerbarer Energien ergeben sich aus verschiedenen Faktoren: Neben den geografischen Faktoren liegt nach Danyel Reiche ein entscheidender Punkt bei der Zuständigkeit der Ministerien. In den meisten EU-Ländern liegt diese Zuständigkeit beim Wirtschaftsministerium, in dem meist Interessen etablierter Energieversorger widergespiegelt und Umweltkosten vernachlässigt werden, während eine Unterbringung im Umwelt- oder Energieministerium weitere Chancen schafft47. Des Weiteren stellen komplexe Genehmigungsverfahren, unzureichende Netzintegration (auch durch große Dezentralität) und undurchsichtige Netzzugangsverfahren Probleme für die effektive Nutzung der EE dar48. Die angewandten Förderinstrumente für EE sind vielfältig durch die Verbreitung von Einspeisevergütungsmodellen, Quotenmodellen und Ausschreibungen49. Erstere wollen besonders das finanzielle Risiko minimieren und werden schrittweise abgesenkt, während Quotensysteme die Menge des zu produzierenden Stroms festlegen undüber Zertifikate die Kosten externalisieren, allerdings in ihren Förderkosten letztlich teurer sind50. Der Erfolg von Vergütungsmodellen hängt zum einen mit der Höhe, zum anderen mit der technologiespezifischen Differenzierung zwischen den Energieträgern aber auch mit langfristiger Investitionssicherheit zusammen51. Solarstrom oder Gezeiten- bzw. Wellenkraftwerke benötigen (noch) mehr finanzielle und technische Unterstützung als die Windenergie52. Weitere Erfolgsfaktoren sind nach Danyel Reiche das öffentliche Bewusstsein und die Bereitschaft zur Zahlung höherer Preise für EE53. Insgesamt stellt sich die Situation der Erneuerbaren sowohl bei den Instrumenten als auch bei den Marktzahlen regional unterschiedlich dar.

5 Perspektiven

Im Januar 2007 hat die Europäische Kommission ihre „Energiepolitik für Europa“(Strategic Energy Review) vorgestellt. Für die Erneuerbaren Energien sieht die Kommission ein verbindliches Ausbauziel auf 20% des Primärenergieverbrauchs bis 2020 vor, wobei die Umsetzung nationale Aufgabe ist54. Dieses wurde beim Gipfel im März 2007 von den Regierungschefs bestätigt55. Der Kraftstoffverbrauch soll zu 10% aus Biokraftstoffen gedeckt werden. Die Ziele von 2002 lagen zunächst bei 12% Anteil der Erneuerbaren am PEV (bzw. 21% an der Elektrizitätsproduktion) bis 2010 und 5,75% von Biokraftstoffen56. Hintergrund bilden immer auch Klimaschutzaspekte und die Kyoto-Ziele, die eine Treibhausgasreduzierung von 8% bis 2012 gegenüber 1990 vorsehen57. Die Mittel zur Erreichung dieser Ziele sind die EU-Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energien sowie eine Biotreibstoff-Richtlinie58. Einem Hintergrunddokument der europäischen Union zu Folge wird nach einer Prognose für die EU-25 auf Basis der Entscheidungen von 2004 der Gesamtenergieverbrauch 2030 15% höher als heute sein59. Nur natürlichem Gas und erneuerbaren Energien werden in diesem Dokument Chancen zu einem Ausbau ihrer Marktanteile zugeschrieben. Die erneuerbaren Energien werden nach dieser Prognose auf bis zu 12% am PEV im Jahr 2030 ausgebaut60. Allerdings wird nach dieser Prognose Öl weiterhin der wichtigste Treibstoff bleiben, vergleichbar mit heutigem Niveau61. Die Importabhängigkeit besonders von Gas und Öl wird noch einmal (bis zu 94% bei Öl) ansteigen62. Die Energiebereitstellung zur Stromversorgung wird auf Grund des wachsenden Bedarfs um 51% bis 2030 gegenüber 2000 ansteigen. Neben der Energieeffizienz wird die Kraft-Wärme-Kopplung einen wichtigen Beitrag zur gesicherten Energieversorgung leisten63. Die Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien wird außerdem bis 2030 vervielfacht (28% im Jahre 2030), die aus Gas immerhin verdoppelt, während Kohle- und Kernenergieanteile absinken. Bei den Erneuerbaren Energien wird die Windenergie ihren Anteil auf 10% erhöhen und damit den größten Teil ausmachen64. Während die absolute Zahl der Energiegewinnung aus Wasserkraft anhält, sinkt der relative Anteil auf 9%. Biomasse wird hingegen auf 8% steigen65. Die Co² -Emissionen durch Energiegewinnung werden nach dieser Prognose um 10% bis 2030 ansteigen, da nach dem aktuellen Stand nur vier Länder (D, FR, S, GB) ihre Ziele zur CO²-Reduktion erreichen werden66.

Diese Prognose zeigt auch die Zweifel bei der Erreichung der Ziele. Dafür zeichnen sich noch zu viele Probleme in der Energiepolitik ab: Angefangen bei nicht liberalisierten Strommärkten,über unzureichende Netzintegration (auch angesichts der europaweiten Stromausfälle von 2003) sowie der Zentralisierung der EE bis hin zur Flächenkonkurrenz67. Ebenso finden sich nach Tina Zierul noch eklatante Effizienzmängel zwischen Emissionshandel, Kraft-Wärme-Kopplung, Energieeffizienz, Ausbau der erneuerbaren Energien im Wärme- und Transportsektor und Mindeststeuern68. Mit den jetzigen Politiken werden sich die Ziele nach Einschätzung der europäischen Energieagentur und der Kommission (2005) daher nicht erreichen lassen69. Auch Frithjof Staiß kommt nach Auswertung des aktuellen Standes bezüglich der Ziele bis 2010 zu dem Schluss, dass mit den bisherigen Maßnahmen nur 9% bzw. sogar nur 7,8% Anteil (am PEV) und 18-19% (statt 21 bzw. 22%) am Stromverbrauch erreicht werden können70. Während die Windenergie ihre Ziele erreicht, hinkt die Biomasse noch hinter den Erwartungen hinterher71. Besonders zweifelhaft wird die Zielerreichung von Großbritannien, Frankreich und Italien bewertet, da sie ihren großen Anteil noch schuldig bleiben72

[...]


1 Vgl. Abb. 1 u. Abb.16.

2 Directorate-General for Energy and Transport of the European Commission: Report on the green paper on energy. Four years of european initiatives, Luxemburg 2005, S. 1.

3 Nachfolgend wird sich der im Lexikon der Wirtschaft abgedruckten Definition von Energiepolitik angeschlossen, Pollert, Achim; Kirchner, Bernd und Polzin, Javier Morato: Das Lexikon der Wirtschaft. Grundlegendes Wissen von A-Z [Lizenzausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe, Band 414], Bonn 2004, S.135-136.

4 Siehe Abb. 10.

5 Reiche, Danyel und Bechberger, Mischa: Erneurbare Energien in den EU-Staaten im Vergleich, in: Energiewirtschaftliche Tagesfragen, Jg. 55, H.10, 2005, S. 732.

6 Ebd., S. 733.

7 Ebd.

8 Ebd.

9 Nuscheler, Ulrike: Energiepolitik, in:Weidenfeld, Werner und Wessels, Wolfgang (Hrsg.): Jahrbuch der europäischen Integration 2002/2003, Berlin 2003, S. 165.

10 Ebd., S. 103ff.

11 Reiche, Danyel und Bechberger, Mischa: Erneuerbare Energien in den EU-Staaten, S. 735.

12 Council of the Euopean Union: Brussels European Council 8/9 März 2007, presidency conclusions [7224/1/07 REV 1], Brussel 2007, S.12.

13 Nuscheler, Ulrike: Energiepolitik, S. 165; Westphal, Kirsten: Liberalisiert, monopolisiert, fixiert. Antinomien des Energiemarkts in Europa, in: Osteuropa, Jg. 57, H. 2, 2007, S. 246.

14 Zierul, Tina; Gatzen, Christoph und Peek, Markus: Die EU braucht einen Binnenmarkt für erneuerbare Energien, in: Energiewirtschaftliche Tagesfragen, Jg. 55, H.11, 2005,S. 833.

15 Reiche, Danyel und Bechberger, Mischa: Erneuerbare Energien in den EU-Staaten, S. 734.

16 Abb. 1, 2 und 3.

17 IEA: Renewables in global energy supply. An IEA factsheet, Paris 2007,S.4f. sowie Abb. 4.

18 Vgl. Abb. 2 oder European Energy Agency: Energy and environment in the European Union [EEA Report No. 8/2006], Kopenhagen 2006, S.37.

19 Ebd., S.37; Abb.20.

20 Siehe Abb. 5 und 8.

21 Vgl. Abb.21 und Abb. 7.

22 Reiche, Danyel und Bechberger, Mischa: Erneuerbare Energien in den EU-Staaten, S. 734.

23 European Energy Agency: Energy and environment, S.37.

24 Reiche, Danyel und Bechberger, Mischa: Erneeurbare Energien in den EU-Staaten, S. 733.

25 Ebd.

26 Ebd.

27 Vgl. Abb. 24.

28 Vgl. Abb. 23 , 24.

29 Vgl. Abb. 30 und 41.

30 EurObserv’ER: Solar Thermal barometer, Paris 2005, S.152.

31 Vgl. Abb. 32 u. 34.

32 Vgl. Abb. 33.

33 Vgl. Abb. 35.

34 EurObserv’ER: biogas barometer, Paris 2007, S.57.

35 European Energy Agency: Energy and environment, S.38.

36 EurObserv’ER: Biofuels barometer, Paris 2007, S.63.

37 Mathews, John A.: What a Biopact between nord and south could achieve, in: Energy Policy, Jg. 35, H. 7, 2007, S.3567f.

38 EurObserv’ER: Geothermia barometer, Paris 2005, S.1.

39 Vgl. Abb.26.

40 Vgl. Abb.27.

41 Vgl. Abb.28 u. 29.

42 Lettland beispielsweise gewinntüber 60% seines Stroms aus erneuerbaren Energien und setzt hierbei auf Wasserkraft; Reiche, Danyel: Renewable energies in the EU-accession states, in: Energy Policy, Jg. 34, H.3, 2006, S. 366.

43 European Energy Agency: Energy and environment, S.37.

44 Ragwitz, Mario et al.: Vergleich der Förderinstrumente, S. 942.

45 BMU: Erneuerbare Energien in Zahlen - nationale und internationale Entwicklung - Stand: Januar 2007 - Internet-Update, unter: http://www.erneuerbare- energien.de/files/erneuerbare_energien/downloads/application/pdf/broschuere_ee_zahlen.pdf (19.05.07), S. 28; siehe auch Abb. 11.

46 Vgl. Abb.16.

47 Reiche, Danyel und Bechberger, Mischa: Erneuerbare Energien in den EU-Staaten, S. 736.

48 Ebd.

49 Vgl. Abb. 9; Ragwitz, Mario et al.: Vergleich der Förderinstrumente, S. 941.

50 Ragwitz, Mario et al.: Vergleich der Förderinstrumente, S. 941.

51 Abb. 12; Reiche, Danyel und Bechberger, Mischa: Erneuerbare Energien in den EU-Staaten, S. 736f; Ragwitz, Mario et al.: Vergleich der Förderinstrumente, S. 942;

52 Abb.25; Reiche, Danyel und Bechberger, Mischa: Erneuerbare Energien in den EU-Staaten, S. 738.

53 Reiche, Danyel und Bechberger, Mischa: Erneuerbare Energien in den EU-Staaten, S. 737.

54 BMU: Erneuerbare Energien in Zahlen - nationale und internationale Entwicklung - Stand: Januar 2007 - Internet-Update, unter: http://www.erneuerbare- energien.de/files/erneuerbare_energien/downloads/application/pdf/broschuere_ee_zahlen.pdf (19.05.07), S. 28.

55 Council of the Euopean Union: Brussels European Council 8/9 March 2007, S.20.

56 Nuscheler, Ulrike: Energiepolitik, S. 165; Directorate-General for Energy and Transport of the European Commission: Report on the green paper, S. 8.

57 Nuscheler, Ulrike: Energiepolitik, S. 165.

58 BMU: Erneuerbare Energien in Zahlen, S. 28.

59 Auf Basis eines Ölpreises von 58$/bbl und 45$/bbl Gaspreis bei jährlich 2% Wachstum; Commission of the European Communities: Annex to the Green Paper- A European Strategy for Sustainable, Competitive and Secure Energy. What is at stake - Background document, unter: http://ec.europa.eu/energy/green- paper-energy/doc/2006_03_08_gp_working_document_en.pdf (15.5.07); Directorate-General for Energy and Transport of the European Commission: Report on the green paper, S. 1.

60 Dies liegt unter den selbstgesteckten Zielen, dazu: Commission of the European Communities: Annex to the Green Paper.

61 Abb. 14, 15; Commission of the European Communities: Annex to the Green Paper.

62 Abb. 16; Commission of the European Communities: Annex to the Green Paper; Westphal, Kirsten: Liberalisiert, monopolisiert, fixiert. Antinomien des Energiemarkts in Europa, in: Osteuropa, Jg. 57, H. 2, 2007, S. 244.

63 Commission of the European Communities: Annex to the Green Paper; Dauderstädt, Michael: Increasing europe’s prosperity, in: Internationale Politik und Gesellschaft, Jg.10 , H. 1 , 2007, S. 35.

64 Commission of the European Communities: Annex to the Green Paper.

65 Ebd.

66 Abb.19; Commission of the European Communities: Annex to the Green Paper; Blesl, Markus und Fahl, Ulrich: Der europäische Strommarkt im Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und Liberalisierung, in: Zeitschrift für Energiewirtschaft, Jg. 29, H. 4, 2005, S. 289.

67 Directorate-General for Energy and Transport of the European Commission: Report on the green paper, S. 4; Reiche, Danyel und Bechberger, Mischa: Erneuerbare Energien in den EU-Staaten, S. 738; Weigt, Jürgen: Die Zukunft der erneuerbaren Energien, S. 659.

68 Zierul, Tina; Gatzen, Chritoph und Peek, Markus: Die EU braucht einen Binnenmarkt für erneuerbare Energien, in: Energiewirtschaftliche Tagesfragen, Jg. 55, H.11, 2005,S. 835.

69 European Energy Agency: Energy and environment in the European Union,S.38; Weigt, Jürgen: Die Zukunft der erneuerbaren Energien, S. 656ff.

70 Staiß, Frithjoh; Aretz, Astrid und Büsgen, Uwe: Erneuerbare Energien in Europa - Auf dem Weg zum 20%-Ziel, in: Energiewirtschaftliche Tagesfragen, Jg. 55, H.7, 2005, S. 462. Vgl. dazu die bisherigen Werte und Ziele bis 2010, Abb.39.

71 Staiß, Frithjoh; Aretz, Astrid und Büsgen, Uwe: Erneuerbare Energien in Europa, S. 462.

72 Ebd., S. 463.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Erneuerbare Energien in der Europäischen Union?
Untertitel
Situation und Potenziale
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2.7
Autor
Jahr
2007
Seiten
33
Katalognummer
V186817
ISBN (eBook)
9783869434506
Dateigröße
30730 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erneuerbare, energien, europäischen, union, situation, potenziale
Arbeit zitieren
Jan Refle (Autor), 2007, Erneuerbare Energien in der Europäischen Union?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186817

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