Jeder Mensch besitzt in seiner Sprache einen bestimmten Wortschatz, dass heißt ein
Repertoire an Wörtern, auf den er situationsbedingt zugreifen kann. Dies ermöglicht
ihm in einer ganz bestimmten Situation ein spezielles Vokabular heranzuziehen. So
gebraucht man beispielsweise in einem Fachgespräch innerhalb seiner Arbeitsstelle
einen anderen Ausdruckswortschatz, als es in der Umgangssprache, wie bei einer
Unterhaltung zwischen Freunden, der Fall wäre.
Um eine solche Unterhaltung unter Freunden, speziell zwischen zwei Chicanos, geht
es auch im anfangs aufgezeigten Textausschnitt. Hat man sich diese kleine Plauderei
einmal durchgelesen, wird man feststellen, dass es sich nicht um eine standardspanische
Version handelt und sich somit auch nicht auf Anhieb alle Wörter erschließen
lassen.
Die Chicanos haben sich, bedingt durch verschiedene Aspekte, eine vom Standardspanisch,
sowie vom mexikanischen Spanisch abweichende Sprache kreiert. Zu den
verschiedenen Aspekten zählen unter anderem die Geschichte und die Kultur dieser
Minderheit.
Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit steht die Untersuchung der Lexik der Chicanos.
Die Arbeit gliedert sich in einen Theorieteil und einen empirischen Teil. Beginnend
mit der Theorie werden sechs verschiedene Punkte betrachtet.
Zunächst wird eine Gegenüberstellung des mexikanisch-spanischen Wortschatzes
mit den Chicano-Lexien durchgeführt. Hiermit wird eine Einsicht in die Vielfalt der
Abweichungen gegeben. Dazu soll außerdem eine Aussage zur Größenordnung gemacht
werden, um wie viele Abweichungen es sich hierbei handelt.
Da die Chicanos aufgrund ihres heutigen Wohnsitzes im Südwesten Nordamerikas
mit der englischen Sprache in Kontakt kommen, ist es unabdingbar, auf die Entlehnungen
aus der anderen Sprache näher einzugeben. Hierzu werden die Arten dieser
Entlehnungen in Form einer Klassifikation herausgearbeitet und aufgezeigt.
Bekannter Weise gliedert sich der Südwesten Nordamerikas in verschiedene Bundesstaaten,
auf die sich die Chicanos verteilen. Aufgrund dieses Zustandes wird des
Weiteren untersucht, ob es zu einer Dialektalisierung kommt und wie sich diese in
ihrer Lexik niederschlägt.[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Diskussion des Chicanobegriffs
3 Geschichtlicher Hintergrund
4 Merkmale der gegenwärtigen Chicanokultur
5 Züge des mexikanisch-spanischen Wortschatzes
6 Forschungsergebnisse zur Chicano-Lexik und Forschungsdesiderata
6.1 Vielfalt und Größenordnung der Abweichungen von der mexikanisch-spanischen Lexik
6.1.1 Das Populärspanisch
6.1.2 Code-Mischung oder Code-Switching
6.1.3 Caló
6.1.4 Chicano-Englisch
6.2 Anglizismen im Chicano
6.3 Existieren Dialekte im Chicano?
6.4 Spracherziehung und Chicano-Lexik
6.5 Stilistische Effekte des Gebrauchs von typischen Chicano-Lexien
7 Empirische Untersuchung der stilistischen Effekte an einem Textkorpus
7.1 Präsentation des Textkorpus
7.2 Ein Modell zur Beschreibung der Bedeutungsfaktoren von Wortwahlprozessen
7.3 Methodik der Analyse
7.4 Analyse der spanischen Textstellen mit Chicano-Lexik
7.5 Ergebnisse der Analyse und Ergänzung von Forschungsergebnissen
8 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifische Lexik der Chicanos sowie deren Anwendung in literarischen Texten. Ziel ist es, die sprachliche Identität dieser Minderheit zu analysieren, die durch den Einfluss des Englischen sowie historische und kulturelle Faktoren von Standard- und mexikanischem Spanisch abweicht, und die stilistischen Effekte dieses Vokabulars empirisch zu belegen.
- Diskussion und Definition des Begriffs "Chicano"
- Analyse der historischen und sozialen Hintergründe der Chicano-Kultur
- Klassifizierung lexikalischer Einflüsse (Indigenismen, Anglizismen, Caló)
- Sprachwissenschaftliche Untersuchung von Code-Switching und Diglossie
- Empirische Textanalyse zur stilistischen Funktion der Chicano-Lexik
Auszug aus dem Buch
7.4 Analyse der spanischen Textstellen mit Chicano-Lexik
Bereits auf der ersten Seite der Novelle setzt der Autor viele verschiedene Chicano-Lexien ein. Der Einsatz dieser typischen Ausdrücke ist vor allem von den jeweiligen Gesprächspartnern abhängig und ebenso davon, um welche Situation es sich jeweils handelt und in welchem geschichtlichen Rahmen die Handlung abläuft. So erhält der Leser auf der ersten Seite einen kurzen Einblick in die Vergangenheit des jungen Chicanos Miguel, der sich oft mit Freunden im Park San Lazaro trifft. An dieser Stelle finden wir die erste Ansammlung von Textstellen mit Chicano-Lexien.
Cuando ‚teenager’, no sólo jugaba a la pelota de día, sino que, de noche en el zacate, se enzarzaba con las muchachas del barrio y compartió, más de una vez, la colilla de mota con sus camaradas.
Das erste auffällige Wort ist ‚teenager’. Hierbei handelt es sich um einen Anglizismus, somit um einen aus dem englischen Wortschatz stammenden Ausdruck. Dieser leitet sich von der Form ‚-teen’ ab, die wiederum aus ‚ten’ entstand. Der eigentlichen Zahl zehn werden dann die Kardinalzahlen drei bis neun angehängt (TFH). Somit steht der Begriff für einen jungen Menschen im Alter zwischen 13 und 19 Jahren (CSSH).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der sprachlichen Repertoires und die Untersuchung der spezifischen Lexik der Chicanos.
2 Diskussion des Chicanobegriffs: Auseinandersetzung mit der Begriffsdefinition und den verschiedenen wissenschaftlichen Sichtweisen auf die Identität der Chicanos.
3 Geschichtlicher Hintergrund: Überblick über die Geschichte Mexikos und Nordamerikas und deren Einfluss auf die Bevölkerungsgruppe der Chicanos.
4 Merkmale der gegenwärtigen Chicanokultur: Untersuchung kultureller Identitätspunkte wie Familie, Religion, Gemeinschaft und Kunst.
5 Züge des mexikanisch-spanischen Wortschatzes: Darstellung linguistischer Phänomene des mexikanischen Spanisch, einschließlich phonetischer und morphologischer Aspekte.
6 Forschungsergebnisse zur Chicano-Lexik und Forschungsdesiderata: Systematische Auswertung der Sprachmischung, Dialektalisierung und spracherzieherischer Probleme.
7 Empirische Untersuchung der stilistischen Effekte an einem Textkorpus: Analyse ausgewählter Textstellen aus der Novelle "Crisol" und Anwendung eines Modells zur Beschreibung von Wortwahlprozessen.
8 Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung der theoretischen Bausteine durch die empirische Analyse.
Schlüsselwörter
Chicanos, Lexik, Mexikanisch-Spanisch, Anglizismen, Code-Switching, Pachuco, Sprachkontakt, Kulturidentität, Soziolinguistik, Textkorpus, Stilistik, Diglossie, Indigenismen, Archaismen, Migration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Lexik der Chicanos und analysiert, wie diese spezifische Wortwahl in Texten verwendet wird, um kulturelle Identität und stilistische Effekte auszudrücken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die Definition der Chicano-Identität, historische Einflüsse, die sprachliche Vermischung mit dem Englischen und der soziolinguistische Kontext im Südwesten der USA.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Untersuchung der Chicano-Lexik und die Veranschaulichung der stilistischen Motive, die hinter der Wortwahl der Chicanos in literarischen Texten stehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung des sprachwissenschaftlichen Forschungsstandes und kombiniert diese mit einer empirischen Analyse eines Textkorpus, ergänzt durch etymologische und pragmatische Modelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Geschichte, Kultur, Sprachzüge) und eine empirische Analyse der Novelle "Crisol" von Justo S. Alarcón.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Chicanos, Lexik, Sprachkontakt, Code-Switching, Pachuco und Soziolinguistik.
Wie unterscheidet sich die Sprache der Chicanos vom mexikanischen Spanisch?
Sie weist einen starken Einfluss des Englischen auf, zeigt spezifische lexikalische Neologismen und nutzt Formen wie Caló oder Code-Switching, die im reinen mexikanischen Spanisch weniger stark ausgeprägt sind.
Welche Bedeutung hat das Textkorpus der Novelle "Crisol"?
Die Novelle dient als empirische Basis, um die im theoretischen Teil identifizierten Phänomene der Chicano-Lexik in einer authentischen literarischen Anwendung praktisch zu untersuchen.
- Arbeit zitieren
- Sprachwissenschaftlerin Romanistik (MA) Antje Rohloff (Autor:in), 2008, Die Lexik der Chicanos und ihre Anwendung in Texten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186842