Klimawandel - Eine „realistische“ Beschreibung der UN-Realität?

Mögliche Erklärungen und Lösungen der Schwierigkeiten einer globalen Klimakooperation aus der Sicht des Realismus


Seminararbeit, 2010
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Realismus

3. Empirie
3.1 Der aktuelle Kooperations- und Interessensbegriff
3.2 Der aktuelle Machtbegriff

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Diese Situation ist sowohl für die Umwelt-Governance im Ganzen als auch für die Behandlung der Sachthemen von großem Nachteil" (Rechkemmer 2006: 148). Dieses Zitat von Andreas Rechkemmer, welches den Zustand der in bis zu 900 einzelne Abkommen fragmentierten globalen Umweltpolitik bewertet, spiegelt die zentrale Problematik der UN­Klimapolitik sehr gut wieder. Zum einen zeigt es auf, welche hohe Priorität der Umweltpolitik aktuell zukommt, zum anderen jedoch auch, wie wenig es gelungen ist, dieser einen einheitlichen Rahmen zu geben bzw. in der globalen Organisation UN zu institutionalisieren. Der bisher letzte Versuch, alle Länder zu einer gemeinsamen Linie in der internationalen Klimapolitik zu bewegen, der Klimagipfel in Kopenhagen, endete mit einem unverbindlichen Kompromiss, den viele als Scheitern interpretierten.

Die beschriebene Problematik, dass Klimapolitik auf globaler Ebene augenscheinlich eine hohe Priorität, aber wenig Aussichten auf Erfolg hat, soll auf den folgenden Seiten näher untersucht werden. Hierbei ist als zentrales Untersuchungsmittel bzw. weiteres Untersuchungsobjekt die Theorie des Realismus zu nennen. Er ist nach wie vor als eine der „großen“ Theorien Internationaler Beziehungen anzuführen, der nicht zuletzt als Orientierung für neuere Theorien diente. Da er Kooperationen von Ländern skeptisch gegenübersteht, scheint es begründet, zu untersuchen, inwieweit seine Ansätze die Problemlage der globalen Kooperation bezüglich des Klimawandels erklären können. Hieraus leitet sich auch die der Arbeit zugrundeliegende Fragestellung ab: „ Bietet der Realismus Lösungen für die Schwierigkeiten einer internationalen Klimakooperation?“ Es sollen also Schlüsse auf die Brauchbarkeit der realistischen Theorie, die Problematik der globalen Zusammenarbeit erklären und lösen zu können, gezogen werden. Als These wird zunächst davon ausgegangen, dass diese Fragestellung negativ beantwortet wird, da der Realismus vor einem anderen historischen Hintergrund entstand und globale ökologische Probleme, wie den Klimawandel, nicht kannte.

Um diese Frage zu klären wird während der Arbeit die Perspektive des Realismus eingenommen und versucht, aus seiner theoretischen Sicht bestimmte Sachverhalte zu erklären. Dementsprechend werden auch die zentralen Begriffe dieser Arbeit, Macht und Nationales Interesse, „realistisch“ definiert, um einen Maßstab für darauf folgende Bewertungen zu erhalten. Eine Erläuterung der Theorie des Realismus mit den entsprechenden Definitionen folgt im Hauptteil. Dabei erfolgt zunächst eine Beschreibung

des klassischen Realismus nach Morgenthau, der als Fundament für den später entwickelten strukturellen Realismus diente. Dieser wird ebenfalls kurz dargestellt und erhält die zentrale Rolle innerhalb dieser Arbeit, da er an Aktualität und Erklärungskraft dem klassischen Realismus überlegen scheint.

Diese Darstellung basiert in erster Linie auf Sekundärliteratur. Hier sind zum einen „Weltbilder und Weltordnung“ von Gert Krell und „Internationale Beziehungen“ von Siegfried Schieder zu nennen. Beide bieten einen Einblick in die Tradition, die historische Entwicklung und die wichtigsten Annahmen des Realismus.

Auf dieser Grundlage wird dann die Untersuchung des derzeitigen Zustandes des internationalen Systems vorgenommen. Hierbei wird einerseits empirisch, andererseits normativ überprüft, inwieweit das Konzept des Realismus auf die Realität internationaler Klimapolitik übertragbar ist.

Dazu werden erstens die Interessen der Länder und die daraus resultierenden Kooperationschancen untersucht. Als Ausgangspunkt dienen hier Rankings der NGO Germanwatch, die die Auswirkungen des Klimawandels in einzelnen Ländern mit den Klimaschutzbemühungen der einzelnen Länder vergleichbar machen und „Mit mehr Ebenen zu mehr Gestaltung?“ von Achim Brunnengräber, indem dem Bild einer einheitlichen Weltrisikogemeinschaft widersprochen wird.

Zweitens wird anhand der Erkenntnisse, dass den Entwicklungsländern durch die neuen ökologischen Zusammenhänge eine neue Verhandlungsmacht zukommt, von Frank Biermann in seinem Buch „Weltumweltpolitik zwischen Nord und Süd“ der realistische Machtbegriff untersucht.

Abschließend wird ein Fazit gezogen. Dieses dient sowohl der Bestätigung bzw. Verwerfung der These, als auch der Bewertung der Realitätsnähe des Realismus und einer Skizzierung möglicher Lösungen.

2. Der Realismus

Wie in der Einleitung bereits beschrieben folgt hier ausschließlich eine Betrachtung der Theorie des Realismus. Im Gegensatz zu neueren Denkströmungen wird ihr der Vorzug gegeben, da es interessant erscheint, gerade „ältere“ Theorien auf ihre Aktualität hin zu überprüfen. Es sollte schließlich der Anspruch einer Theorie sein, zeitunabhängige Geltung zu besitzen.

Das mutet natürlich schwierig an, entsteht doch jede Theorie in einem bestimmten historischen Kontext und beinhaltet damit auch immer Erfahrungen und Ereignisse der Zeit. So ist „[...]die Entstehung des Realismus in den 1930er und 1940er Jahren auf konkrete Zeitumstände und Krisenerfahrungen zurückzuführen [...]“ (Jacobs 2006: 40). Sowohl das Scheitern des Völkerbundes, der als Inbegriff einer internationalen Kooperation gesehen wurde, als auch der Zweite Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise waren negative Ereignisse, die die realistische Theorie nachhaltig prägten bzw. sie erst entstehen ließen (vgl. Jacobs 2006: 41).

Jene Erlebnisse symbolisierten für Hans J. Morgenthau, dem Begründer des klassischen Realismus, das Versagen idealistischer Vorstellungen, welche den Weltfrieden als Ziel propagierten und dem Menschen die Vernunft zusprachen. In Abgrenzung zu diesen Gedanken entwickelte er die Realismus Theorie. Sie ging, im Gegensatz zum Idealismus, von einem negativen Menschenbild aus, welches „[...] nicht nur vom Selbsterhaltungs-, sondern von einem Machttrieb bestimmt [...]“ (Krell 2009: 147) ist.

Dieses Menschenbild ist nach Morgenthau auf die internationale Politik übertragbar. Auch hier besitzen die einzelnen Nationalstaaten, nach der realistischen Theorie die alleinigen internationalen Akteure, einen „Willen zur Macht“. Politik ist schlicht als „[...] ein Kampf um die Macht“ (Krell 2009: 148) zu verstehen. Dementsprechend war für ihn Macht der zentrale Gedanke, um Politik beschreiben und analysieren zu können. Der Begriff selbst wird hierbei von Morgenthau als Herrschaft von Menschen über Menschen definiert und bewegt sich damit eng an der Definition Max Webers (vgl. Jacobs 2006: 49).

Als Weiterentwicklung zum klassischen Realismus sah der später aufkommende strukturelle Realismus, einer der Hauptbegründer war Kenneth N. Waltz, das Bestreben der Staaten, eben jene Herrschaft auszuüben, nicht in einem Machttrieb der Akteure begründet. Vielmehr basiere es auf der anarchischen Struktur des internationalen Systems, in dem sich die Staaten in einem ständigen Konkurrenzkampf zueinander befinden. In Folge dieser permanenten Bedrohung durch andere Akteure ist das nationale Interesse eines jeden Staates mit dem Begriff Macht gleichzusetzen, da nur diese eine Form von Sicherheit verspricht. Im Außenpolitischen Interesse eines Staates liegt es somit, mehr Macht als mögliche Kontrahenten anzusammeln, um vor Übergriffen und Ähnlichem ein gewisses Maß an Schutz zu genießen (vgl. Schörnig 2006: 74).

Aufgrund dieser Grundsätze steht der strukturelle Realismus Kooperationen von Staaten sehr skeptisch gegenüber. Die Angst der Staaten vor Abhängigkeit, begründet in der ständigen Furcht vor einem „Verrat“ durch den Kooperationspartner, verhindert diese.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Klimawandel - Eine „realistische“ Beschreibung der UN-Realität?
Untertitel
Mögliche Erklärungen und Lösungen der Schwierigkeiten einer globalen Klimakooperation aus der Sicht des Realismus
Hochschule
Universität Kassel  (Fachbereich 05 - Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten am Beispiel Klimawandel und Klimapolitik
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V186912
ISBN (eBook)
9783656100980
ISBN (Buch)
9783656100935
Dateigröße
1035 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klimawandel, UN, UNO, Realismus, Theorie, Internationale Beziehungen, Klimakooperationen, Umweltpolitik
Arbeit zitieren
Tobias Müller (Autor), 2010, Klimawandel - Eine „realistische“ Beschreibung der UN-Realität?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186912

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