Hausarbeit spielt sich im privaten Bereich ab, Berufsarbeit im (halb-)öffentlichen. Berufsarbeit wird bezahlt, Hausarbeit nicht. Traditionellerweise wird Hausarbeit von Frauen erledigt. Berufsarbeit betrifft Männer und Frauen; betrifft sie jedoch Frauen, so kommt sie zur Hausarbeit hinzu. So etwa könnte eine grobe Einteilung lauten, und trotz aller Veränderungen in den letzten Jahrzehnten entspricht das Gesagte noch immer weitgehend der Realität. Was passiert jedoch dort, wo die Grenzen zwischen Hausarbeit und Berufsarbeit bzw. zwischen öffentlich und privat brüchig werden?
Um diese Fragen kreisen die Darlegungen dieser Arbeit. Verschiedene Theorien der Genderliteratur zur Entstehung von Frauenberufen werden einander gegenübergestellt und ihre Implikationen hinterfragt. Auch der Umgang von Frauen mit Macht wird kurz thematisiert.
In einem zweiten Abschnitt werden Konzepte von Privatheit und Öffentlichkeit besprochen und Beispiele für die Beziehungen zwischen Privatheit, Arbeit und Geschlecht gebracht. Schließlich werden die behandelten Gedanken am Beispiel der Krankenpflegeberufs illustriert, der in Österreich wie in vielen anderen Ländern als Frauenberuf zu bezeichnen ist, wenn man die Anzahl der in diesem Beruf tätigen Frauen und Männer als Kriterium heranzieht.
Die Darlegung gibt einen Einblick in die Komplexität des Themas „öffentliches und privates Geschlecht“ im Zusammenhang mit Beruf und Arbeit und zeigt auf, dass Arbeit und Beruf in Österreich heute noch keineswegs als geschlechtsneutrale Kategorien anzusehen sind. Geschlechtsgebundene Leitbilder und Normen, die teilweise eine lange Tradition haben, sind eng mit strukturellen Bedingungen verknüpft. Das Resultat ist eine vielfältige Benachteiligung von Frauen.
Inhalt
1. Arbeit aus geschlechtsspezifischer Sicht
1.1 Hausarbeit und Berufsarbeit
1.2 Frauen- und Männerberufe
1.3 Änderung von Werthaltungen
1.4 Umgang von Frauen mit Macht
2. Privatheit und Geschlecht
2.1 Konzepte von Privatheit
2.2 Privatheit, Arbeit und Geschlecht
3. Krankenpflege als Prototyp eines Frauenberufs
3.1 „Mitmenschlichkeit als Beruf“
3.2 Männer in einem Frauenberuf
3.3 Wieviel Bildung braucht die Frau?
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Verschränkung von Geschlechterrollen mit den Bereichen Arbeit und Beruf in Österreich. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Arbeit und Beruf in der heutigen Gesellschaft tatsächlich als geschlechtsneutrale Kategorien betrachtet werden können oder ob tief verwurzelte Leitbilder weiterhin zu einer strukturellen Benachteiligung von Frauen führen.
- Die Verflechtung und Abgrenzung von Hausarbeit und Berufsarbeit.
- Die Entstehung und soziale Konstruktion von sogenannten Frauen- und Männerberufen.
- Die Bedeutung von Privatheit und deren geschlechtsspezifische Kodierung.
- Die Analyse von Machtstrukturen im professionellen und privaten Kontext.
- Die kritische Fallstudie der Krankenpflege als typischer Frauenberuf.
Auszug aus dem Buch
1.1 Hausarbeit und Berufsarbeit
Hausarbeit spielt sich im privaten Bereich ab, Berufsarbeit im (halb-)öffentlichen. Berufsarbeit wird bezahlt, Hausarbeit nicht. Traditionellerweise wird Hausarbeit von Frauen erledigt. Berufsarbeit betrifft Männer und Frauen; betrifft sie jedoch Frauen, so kommt sie zur Hausarbeit dazu. So etwa könnte man eine grobe Einteilung treffen, und trotz aller Veränderungen in den letzten Jahrzehnten entspricht das Gesagte noch immer weitgehend der Realität. Was aber passiert dort, wo die Grenzen zwischen Hausarbeit und Berufsarbeit bzw. zwischen öffentlich und privat brüchig werden?
Eine Möglichkeit der Verwischung der Grenzen haben Ostner und Beck-Gernsheim mit ihrer These von der hausarbeitsnahen (Frauen-)Berufsarbeit bzw. dem „weiblichen Arbeitsvermögen“ aufgezeigt. Die Theorie ist nicht unumstritten, doch bietet sie einen guten Ansatz zur Erklärung der Entstehung einiger bürgerlicher Frauenberufe wie z. B. der Krankenpflege. Sie ist u. a. deshalb interessant, weil sie Kriterien für die Hausarbeit aufzeigt, die eben gerade dort, wo diese zur Berufsarbeit wird, zu kaum lösbaren Widersprüchen führen. Hausarbeit ist nach Ostner und Beck-Gernsheim naturgebunden; ihr Rhythmus ist von körperbezogenen Bedürfnissen und Problemen bestimmt, die nicht planbar und aufschiebbar sind; sie ist „geduldige“ Arbeit und durch „diffuse Ganzheit“ ausgezeichnet wie auch durch Vielfalt und Unterschiedlichkeit der dazu nötigen Qualifikationsniveaus. Sie ist deshalb auch schwer dokumentier- und belegbar, vor allem dort, wo komplexe Fähigkeiten im Spiel sind: bei der Kindererziehung, beim Schaffen einer behaglichen Atmosphäre usw. All dies läßt sich sehr schwer mit Berufsarbeit vereinigen, die zeitökonomisch, rationell und kostengünstig ausgeführt werden soll. Und doch wurde und wird von der Frau, die angeblich von Natur aus infolge gewisser seelischer wie körperlicher Eigenschaften für solche Tätigkeiten besonders geeignet sein soll, diese „Quadratur des Kreises“ verlangt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Arbeit aus geschlechtsspezifischer Sicht: Untersucht die Diskrepanz zwischen bezahlter Berufsarbeit und unbezahlter Hausarbeit sowie deren Einfluss auf die berufliche Situation von Frauen.
2. Privatheit und Geschlecht: Analysiert die geschlechtsspezifisch kodierte Trennung von öffentlicher und privater Sphäre und deren Auswirkungen auf gesellschaftliche Machtverhältnisse.
3. Krankenpflege als Prototyp eines Frauenberufes: Illustriert am Beispiel der Krankenpflege, wie soziale Klischees und die Abwertung als „Nicht-Beruf“ die Professionalisierung dieses Sektors behindern.
4. Zusammenfassung: Fasst die Erkenntnisse zusammen und betont, dass eine Änderung der Werthaltungen und eine kritische Auseinandersetzung mit Macht notwendig sind, um Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen.
Schlüsselwörter
Arbeit, Beruf, Hausarbeit, Geschlecht, Frauenberuf, Privatheit, Öffentlichkeit, Macht, Doppelbelastung, Sozialisation, Krankenpflege, Gender Studies, Gleichbehandlung, Wertewandel, Berufsalltag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert das Verhältnis von Geschlecht zu Arbeit und Beruf und hinterfragt, inwiefern die aktuellen Strukturen in Österreich geschlechtsneutral sind oder Frauen benachteiligen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Unterscheidung von öffentlicher und privater Sphäre, die spezifische Dynamik von Frauenberufen sowie Machtstrukturen in Organisationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Komplexität des Themas „öffentliches und privates Geschlecht“ aufzuzeigen und zu verdeutlichen, dass tradierte Leitbilder tief mit strukturellen Bedingungen verknüpft sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit bestehender Fachliteratur und verknüpft diese mit einer Analyse von Sozialisationsprozessen sowie Berufsstrukturen, insbesondere am Beispiel der Krankenpflege.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Grenzen zwischen Haus- und Erwerbsarbeit, diskutiert Konzepte von Privatheit und untersucht die Auswirkungen der Vergeschlechtlichung von Berufen anhand konkreter Beispiele aus dem Gesundheitswesen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie „Frauenberuf“, „Doppelbelastung“, „öffentliche vs. private Sphäre“ und „Machtverhältnisse“ bilden den Kern der terminologischen Analyse.
Warum gilt die Krankenpflege als Prototyp für die Argumentation der Autorin?
Die Krankenpflege dient als Beispiel, weil sie historische Wurzeln hat, die eng mit „weiblichen“ Eigenschaften verknüpft wurden, was ihre Professionalisierung als eigenständiger, vollwertiger Beruf historisch erschwert hat.
Welche Rolle spielt die universitäre Ausbildung für Frauen in der Pflege?
Die Autorin argumentiert, dass die verspätete Einführung pflegewissenschaftlicher Studiengänge in Österreich die strukturelle Benachteiligung und die mangelnde Definitionsmacht von Frauen in diesem Berufsbild widerspiegelt.
- Quote paper
- Ilsemarie Walter (Author), 1999, Arbeit und Beruf - geschlechtsneutrale Kategorien? Reflexionen zum Thema 'Das öffentliche und das private Geschlecht', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18693