Höhenstufen am Beispiel der Alpen

Klima / Vegetation, Geomorphologie, anthropogene Nutzung


Hausarbeit, 2009

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Alpen: Geographische Lage und Abgrenzung

2. Klima als Voraussetzung für das Auftreten von Vegetationshöhenstufen

3. Höhenstufen der alpinen Vegetation
3.1 Colline Höhenstufe
3.2 Montane Höhenstufe
3.3 Subalpine Höhenstufe
3.4 Alpine Höhenstufe
3.5 Subnivale und nivale Höhenstufe

4. Anthropogene Nutzungsformen und dessen Folgen
4.1 Landwirtschaft
4.2 Wasser als regenerierbare Energiequelle
4.3 Tourismus

5. Geomorphologische Gliederung der Höhenstufen

Literaturverzeichnis

1. Die Alpen: Geographische Lage und Abgrenzung

Die Alpen und damit auch der deutsche Anteil am Alpenraum sind das größte zentral gelege­ne Gebirge im Inneren Europas (Dick 1987:1). Ihre Entstehung begann in der Kreide vor etwa 100 Millionen Jahren und ist bis heute noch nicht vollständig abgeschlossen (Becht et al. 2003:96).

Je nach Abgrenzungskriterien beträgt die Fläche der Alpen etwa 180.000 km2 bis 240.000 km2, von denen etwa 113.000 km2 oberhalb der 2000 m-Grenze liegen (Birkenhauer 1980:7, Veit 2002:14). Die Breitenausdehnung ist in den mittleren Alpen am größten und beträgt zwi­schen dem Bodenseeraum und der italienischen Stadt Verona mehr als 200 km (Abb. 1, rote Markierung). Die schmalste Stelle mit ungefähr 150 km Länge liegt zwar in den Westalpen, doch hier befindet sich die größte Erhebung: der Montblanc (Abb. 1, gelbe Markierung) auf der Grenze von Italien und Frankreich mit einer Höhe von 4.807 m über dem Meeresspiegel (Veit 2002:14). Als „einzigartiger Naturraum“ (Birkenhauer 1980:7) erstrecken sich die Al­pen von Westen nach Osten etwa über eine Länge von 1200 km. Die sieben Staaten Öster­reich, die Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien , Slowenien und Lichtenstein haben mit insgesamt rund 13,7 Millionen Einwohnern (Stand 2000) Anteil an den Alpen, von denen allerdings nur 17,3% der Gesamt-fläche besiedelbar sind (Tappeiner 2008:91).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Gebirgsketten und Pässe (abgeändert nach Tappeiner et al. 2008:60)

2 Klima als Voraussetzung für das Auftreten von Vegetationshöhenstufen

Das alpine Klima ist nach Ozenda (1988:8) durch zwei Komponenten gekennzeichnet: zum einen durch „allgemeine Eigenschaften des Gebirgsklimas“ (Klimaelemente korrelieren mit der Höhe) und zum anderen durch „spezifische alpine Eigenschaften“. Letzteres hängt vom komplexen Bau der Alpen sowie deren Mächtigkeit ab.

Die Temperatur ist aus ökologischer Sicht der wichtigste Faktor und nimmt linear um rund 0,55°C pro 100 Höhenmeter ab, wobei es sich nur um einen Mittelwert handelt, der jahres­zeitlich deutlich variiert (im Sommer ca. 0,7°C, im Winter ca. 0,4°C) (Ozenda 1988:9-10). Birkenhauer (1980:180) teilt die Alpen in drei sogenannte „Temperaturprovinzen“ ein, die von Süden nach Norden über mediterran, submediterran und gemäßigt einhergehen. Der da­mit verbundene Nord-Süd-Wandel bedingt somit wärmere südliche zentralalpine Täler (wie Bozen, siehe Abb. 1 graue Markierung) als die im Norden (z.B. der Weißfluhjoch, siehe Abb. 1 blaue Markierung). Die inneren Alpen sind ca. 1 bis 2°C wärmer als die Randalpen bei ana­loger Höhe und gleichem Breitengrad (Ozenda 1988:20). Die Wärmeunterschiede zwischen dem Nord- und Südhang werden immer schärfer, da die direkte Sonnenstrahlung mit der Hö­he zunimmt, aber die diffuse hingegen geringer wird (Walter/Breckle 1999:368). Die Tempe­raturunterschiede in Abhängigkeit von der Höhe können den Klimadiagrammen von Bozen und vom Weißfluhjoch entnommen werden (siehe Abb. 2).

Die Niederschlagsschwankungen gelten als Hauptursache für die großen regionalen Unter­schiede. Aufgrund des weit höheren Niederschlags in den Bergen als im Vorland spricht man auch von ,Steigungsregen‘ (Ozenda 1988:11). Durch das Stauen der Luftmassen im Gebirgs- luv erklärt sich der Niederschlagsreichtum der Alpenvorländer (Alpenföhn), die höchsten Niederschlagswerte kommen auf Alpengipfeln und -kämmen vor. Der Niederschlag nimmt im Allgemeinen von Westen nach Osten und gegen das Alpeninnere ab. Das liegt am bogen­förmigen Verlauf der Alpenkette, auf die die Regenwinde im Westen frontal treffen, während die östlichen Alpen mehr in Richtung vorherrschender Westströmung verlaufen (Glauert 1975:24). Auch wenn die Alpen als ,Wasserschloss Europas‘ gelten aufgrund ihrer hohen Wassermengen, der mit der Höhe abnehmenden Verdunstung und folglich der abnehmenden Verdunstungsverluste, so kann man vergleichsweise im inneralpinen Becken vor allem im Westen von ,Trockengebieten‘ sprechen, wo die Niederschlagssummen unter 700 mm liegen. Die feuchtesten Gebiete findet man in den randalpinen Gebirgen, in denen in mittleren Höhen regelmäßig 2 bis 3 m Niederschlag fallen (Birkenhauer 1980:175, Ozenda 1988:22-23). Das Nord-Süd-Gefälle ist auch auf den Niederschlag zu beziehen: in den Nordalpen findet man

Gebiete mit Regen zu allen Jahreszeiten, hingegen kann im Süden von sommertrockenen und mediterranen Gebieten gesprochen werden (Birkenhauer 1980:174).

Infolge der Temperaturabnahme und der hohen Niederschläge, die im Winter als Schnee fal­len, ist die Schneedecke der alpinen Stufe sehr mächtig, sodass für die niedrige alpine Vegeta­tion die Aperzeit die Hauptrolle spielt. Darunter versteht man die Zeit ohne Schneebedeckung (lat. apertus = offen) (Walter/Breckle 1999:372). Die Schneedecke fungiert vor allem als Wasserreserve, bildet aber auch im kältesten Winter eine thermische Isolation (Ozenda 1988:11-12). Für die Mächtigkeit und Dauer der Schneedecke spielt auch die regionale Ver­teilung eine ausschlaggebende Rolle. Die Dauer nimmt mit der Höhe zu: die Anzahl der Tage mit Schneebedeckung für je 100 m Anstieg wächst durchschnittlich um zehn Tage. Des Wei­teren ist die Dauer der Schneedecke neben Relief und Sonneneinstrahlung vor allem von der Exposition abhängig: auf der Gebirgsluvseite lagern große Schneemengen und folglich lang andauernde Schneedecken begünstigt durch die Bewölkung. Der Einfluss des Niederschlags auf die Schneedeckendauer kann so enorm sein, dass er die Wirkung der Temperaturabnahme mit steigender Höhe nicht nur ausgleicht, sondern sogar umkehren kann (Glauert 1975:26-27).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(eigene Darstellung, Informationen abgerufen von http://www.klimadiagramme.de am 10.04.2009)

Der Luftdruck nimmt exponentiell mit der Höhe ab und hat nur Einfluss auf die Vegetation, da er sich gleichzeitig auf die Sonneneinstrahlung und Temperatur auswirkt. Die Strahlungs­intensität hingegen nimmt mit der Höhe zu und variiert in jeder Höhenlage abhängig von der Jahreszeit und Bewölkung (Ozenda 1988:8-9).

Das alpine Klima lässt sich zusätlich durch vier zentrale Formenwandel beschreiben: hypso­metrisch, peripher-zentral, planetarisch und westöstlich. Bätzing (1991:18-21) oder Veit (2002:35-37) gehen in ihren Werken näher darauf ein.

3. Höhenstufen der alpinen Vegetation

Die Vegetation in den Alpen hat in allen Höhenstufen eine große Mannigfaltigkeit entwickelt. Die deutlichsten Differenzierungen zeigen sich auf der alpinen Nord- und Südseite, obwohl auch seit der Eiszeit ein west- und südöstlicher Vegetationswandel feststellbar ist (Glauert 1975:43).

Infolge der klimatischen Änderungen mit der Höhe - die Temperaturabnahme mit der Höhe bedingt eine Verkürzung der Vegetationszeit von sechs bis neun Tagen pro 100 Höhenmetern (Veit 2002:159) - werden landschaftsökologische Prozesse wie Bodenbildung und Wasser­haushalt, aber auch das Pflanzenvorkommen differenziert, sodass sich einzelne Höhenstufen für die speziellen Lebensräume formen (Leser et al. 2005:356). Diese Höhenstufen sind im Gegensatz zu den geomorphologischen jedoch zonal und lassen sich gürtelartig aufeinander einteilen (siehe Abb. 3) (Kosch 1973:30).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Höhenstufen der alpinen Vegetation (eigene Darstellung, angelehnt an Veit 2002:159)

Mehr oder weniger sichtbare Höhengrenzen trennen die Höhenstufen voneinander. Die Wein­grenze trennt die colline von der montanen (Glauert 1975:43), die Waldgrenze die montane von der subalpinen, die Baumgrenze (Obergrenze von Baumgewächsen) die subalpine von der alpinen, die Rasengrenze die alpine von der subnivalen und die klimatische Schneegrenze die subnivale von der nivalen Höhenstufe. Jedoch sind die genannten Abgrenzungskriterien in Hinblick auf die höhenstufenspezifische Vegetation erheblichen räumlichen Schwankungen unterworfen (Veit 2002:158). So liegt beispielsweise die Waldgrenze im Leebereich der sub­mediterranen französisch-italienischen Alpen am höchsten (2400 m), während sie unter gleichen klimatischen Bedingungen im Leebereich von Tirol darunter liegt (2200 m).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Höhenstufen am Beispiel der Alpen
Untertitel
Klima / Vegetation, Geomorphologie, anthropogene Nutzung
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Geographie)
Veranstaltung
Grundseminar Physische Geographie
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V186945
ISBN (eBook)
9783656101680
ISBN (Buch)
9783656101284
Dateigröße
1018 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alpen, alpine Höhenstufen, Höhenstufen
Arbeit zitieren
Isabella Melchert (Autor), 2009, Höhenstufen am Beispiel der Alpen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186945

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