Festivalisierung der Stadtpolitik

Vorteile und Probleme der Stadtentwicklung durch Großveranstaltungen


Hausarbeit, 2009

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Merkmale von Großveranstaltungen

3. Die neue Stadtpolitik: Stadtentwicklung durch Großprojekte

4. Großereignisse als Motoren der Stadtentwicklung
4.1 Mögliche Erfolge für die Stadtentwicklung
4.2 Mit Festivals verbundene Synergieeffekte am Beispiel des CHIO Aachens
4.3 Städtische Großveranstaltungen als Destination im Tourismus

5. Risiken und Konsequenzen für die Stadtentwicklung

6. Praxisbeispiel: EXPO 2000 in Hannover

7. Fazit: Stadtentwicklung durch Großveranstaltungen?

Literatur

1 Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema ,Festivalisierung der Stadtpolitikf Um von einem einheitlichem Begriff ,Großveranstaltung‘ reden zu können, wird zu Beginn eine Definition gegeben. Im Anschluss daran wird erläutert, wie eine Stadtentwicklung mit Groß­ereignissen im Allgemeinen möglich sein kann. Städtische Events können als Motoren der Stadtentwicklung fungieren, wenn man sie richtig organisiert. Dies und die damit verbunde­nen Synergieeffekte werden am Beispiel des CHIO Aachens dargestellt, bevor auf den Tou­rismus näher eingegangen wird. Nach dem fünften Punkt, der die Risiken und Probleme von Großereignissen für die Stadtentwicklung aufzeigt, wird die zuvor genannte Theorie am Pra­xisbeispiel der EXPO 2000 in Hannover überprüft. Die Arbeit wird folglich in einem Fazit zusammengefasst, ob durch Großveranstaltungen eine positive Stadtentwicklung wirklich möglich ist.

2. Definition und Merkmale von Großveranstaltungen

Mit dem Begriff ,Großveranstaltung‘ bezeichnet man ein öffentliches, außergewöhnliches Ereignis, welches auch oft mit den englischen Begriffen ,Event„ oder ,Festival‘ ausgedrückt wird. Während die meisten Autoren unterstreichen, dass eine bestimmte Besuchergrößenord­nung kein Kriterium für ein Event ist, betont Meggeneder (2003:16), dass „mindestens 10.000 Personen gleichzeitig anwesend“ sein müssen, damit von einem Event bzw. einer Großverans­taltung die Rede ist.

Eine Großveranstaltung weißt eine spezifische Periodizität auf, d.h. es handelt sich um ein zeitlich befristetes, einmaliges oder wiederkehrendes Ereignis, meistens jährlich (Meggeneder 2003:16). Festgelegte Eröffnungs- und Abschlussdaten sind oft schon Jahre zuvor bekannt (z.B. bei den Olympischen Spielen) (Forum Stadt- und Regionalplanung e.V. 2007:37). Das Hauptziel besteht im eigentlichen Feiern oder der Inszenierung eines bestimmten Themas, wozu passende Anfangs- und Schlusszeremonien zelebriert werden, wie z.B. der traditionelle Bieranstich am jährlichen Münchener Oktoberfest. Das Programm selber kann aus verschie­denen unabhängigen Aktivitäten bzw. Veranstaltungen bestehen, welche jedoch alle auf ei­nem dafür erschlossenen und hergerichteten Gelände stattfinden müssen (Forum Stadt- und Regionalplanung e.V. 2007:37, Meggeneder 2003:16).

Welche Stadt mit charakteristischem Event fällt Ihnen spontan ein?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diagramm 1: Umfrage zum Thema „Städtische Events“ (Quelle: eigene)

Großveranstaltungen lassen sich weiterhin nach ihrem Anlass in Kultur-, Sport-, wirtschaftli­che, gesellschaftspolitische und natürliche Events untergliedern (Bialas 2001:115). Diag­ramm 1 zeigt dazu eine eigens durchgeführte Umfrage mit 56 Personen aus den Städten Aa­chen, Erkelenz und Fulda. Auf die Frage „Welche Stadt mit charakteristischem Event fällt ihnen spontan ein?“ antworteten 46,2% mit dem Oktoberfest in München. Man muss jedoch in Betracht ziehen, dass der Umfragezeitpunkt eine Woche vor Oktoberfestbeginn lag und diese Antwort durch die Medien beeinflusst sein kann. Wenn auch nur mit einer Stimme ver­treten: die Bundestagswahlen in Berlin können als Event verstanden werde. Ebenso zählen für die Befragten Messen, wie die CeBit in Hannover oder die IAA in Frankfurt zu Events.

3 Die neue Stadtpolitik: Stadtentwicklung durch Großprojekte

Stadtentwicklung kann schon seit längerem nicht mehr autoritär umgesetzt werden, sondern musste einem anderen Stil weichen, nämlich der Inszenierung einer Stadt. Städte müssen heutzutage auffallen, anders ausgedrückt: ins ,richtige Licht„ gerückt werden, damit sie für das Kapital interessant erscheinen. Gelingt es einer Stadt, ein Großereignis, wie beispielswei­se einer Weltausstellung, an sich zu binden, „dann funktioniert dieses wie eine ,Lokomotive„, welche viele Waggons nach sich zieht“ (Fassmann 2004:122-123). Großveranstaltungen sind gleichzeitig Instrumente der Städtekonkurrenz. Durch die (inter-)nationale Bekanntmachung einer Stadt soll eine Lenkung der Finanzflüssen von außerhalb durch Konzentration öffentli­cher Investitionen des Landes oder des Bundes auf die Stadt erzielt werden, woraus wiederum Investitionen der privaten Hand folgen (Häußermann/Siebel 1993:10, Fassmann 2004:123). Großveranstaltungen bieten Städte die Chance, etwas überregional Sichtbares und Investiti­onsintensives zu realisieren. Sie dienen der Inszenierung städtischer Politik. Heterogene Inter­essen werden zeitlich und räumlich begrenzt und so kann die wachsende Differenz überbrückt werden, indem mach sich einem gemeinschaftlichem Ziel unterordnet. Den Bürgern ist die Chance gegeben, sich durch dieses erzeugte Gemeinschaftsgefühl mit ihrer Stadt zu identifi­zieren (Häußermann 2008:262-264).

Seit den letzten Jahren weitet sich die Zahl der Großveranstaltungen mit überlokaler Bedeu­tung immer mehr aus, wofür unterschiedliche Akteurskonstellationen verantwortlich sind. Vor allem Vertreter von Rat und Verwaltung, also politische Akteure, sowie Vertreter der Privat­wirtschaft der beteiligten Städte haben maßgeblichen Einfluss auf diese Ausweitung (Wood 2007:29).

Der Besuch von Großveranstaltungen in privatem Interesse erfordert nicht nur die eigene Freizeit, sondern auch die Bereitschaft, in dieser freien Zeit Geld auszugeben. Aus diesem Grund müssen die Perioden der einzelnen Veranstaltungen bewusst gesetzt werden, damit die Geldmobilisierung zu einem Freizeitspaß wird und sich Ermüdungs- und Sättigungstendenzen bei potentiellen Besuchern vermeiden lassen (Meggeneder 2003:13-16). Die Außergewöhn­lichkeit wird verstärkt durch den ,Marktcharakter„, d.h. die Ansammlung von Menschenmas­sen auf engem, zum Teil begrenztem Raum (Meggeneder 2003:16).

Großereignisse sind jedoch nur von kurzer Lebensdauer und somit nicht das Ziel einer Stadt. Vielmehr benutzt die Stadtpolitik Großereignisse als Mittel zu anderen Zwecken. Man hofft auf Besserung der Verkehrsinfrastruktur, auf das Bauen neuer Wohnungen und darauf, dass neue Betriebe und Unternehmen angelockt werden (Häußermann/Siebel 1993:14).

4 Großereignisse als Motoren der Stadtentwicklung

Großereignisse fungieren als Motoren, um den Umbau einer Stadt, den Ausbau von der (Ver­kehrs-Infrastruktur und die regionale Wirtschaft anzutreiben (Knieling 2003:150). Sie brin­gen eine Reihe von Synergieeffekten mit sich und dienen dazu, auch im Tourismusbereich die Umsätze zu steigern.

4.1 Mögliche Erfolge für die Stadtentwicklung

Die Phase der Entwicklung, in der sich eine Stadt befindet, ist von großer Entscheidung, ob ein geplantes Großereignis ein Erfolg oder ein Flop wird (Häußermann 2008:267). Bringt man andere Angebote als die Konkurrenz in Form von außergewöhnlichen Themeninszenierungen auf den Markt (Unique Selling Preposition), dann kann man eine ,Vormachtstellung‘ für be­stimmte Zielgruppen ausbauen (Strafinger 1989:98). Laufen folglich die Vorarbeiten des Events und das Event selber hervorragend, dann zeigen sich möglicherweise viele Erfolge für die Stadtentwicklung.

Die drohende Unsichtbarkeit im weltweit wachsenden Stadtwettbewerb kann durch die Me­dienpräsenz überwunden und so durch überregionale Kommunikation das neue Stadtimage in den Mittelpunkt gerückt werden (Häußermann 2008:262). Ein umfangreiches Programm mit wenigen Kosten wird durch Sponsoring möglich. Dieses unterstützt den Finanzhaushalt der kommunalen Kasse und fördert vorrangig die Akzeptanz bei den Bürgern vor dem Hintergrund, dass nicht der ganze Event durch Steuergelder finanziert wird (Bialas 2001:118).

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Details

Titel
Festivalisierung der Stadtpolitik
Untertitel
Vorteile und Probleme der Stadtentwicklung durch Großveranstaltungen
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Geographie)
Veranstaltung
Grundseminar Stadt- und Bevölkerungsgeographie
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V186946
ISBN (eBook)
9783656101673
ISBN (Buch)
9783656101277
Dateigröße
845 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Festivalisierung, Stadtpolitik, Expo, Stadtentwicklung
Arbeit zitieren
Isabella Melchert (Autor:in), 2009, Festivalisierung der Stadtpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186946

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