Internationalisierung im tertiären Bildungssystem: Beispiele aus dem Oman und anderen Golfstaaten


Seminararbeit, 2010
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Golfstaaten - eine geographische Einordnung

3. Vom traditionellen Bildungssystem zur Hochschulpolitik - ein historischer Hintergrund am Beispiel des Sultanats Oman

4. Jntemationalisierung der Hochschulbildung': ein Definitionsversuch der International Association of Universities (IAU)

5. Definition des tertiären Bildungsbereichs nach ISCED
5.1 Level 5: first stage of tertiary education
5.2 Level 6: second stage of tertiary education

6. Internationalisierung im tertiären Bildungssystem am Beispiel der Golfstaaten
6.1 Entwicklung eines nationalen Hochschulkonzeptes für den internationalen Vergleich: Omans "National Qualifications Framework"
6.2 Der tertiäre Bildungsbereich im Spiegel der Statistik - Beispiele aus den Golfstaaten
6.3 ALECSO-Bildungsreform: „A vision for the future of education in the Arab world”
6.4 Neue Trends: „Wissensparks„ am Golf entstehen - zwei Beispiele: Education City in Doha (Katar) und Knowledge Village in Dubai (VAE)
6.5 Förderung der EU-GCC-Kooperation im tertiären Bildungswesen am Beispiel der German University of Technology in Oman

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Obwohl die erste Universität - die King Saud University - 1957 in Saudi-Arabien gegründet wurde und die zweite bereits 1966 in Kuwait folgte, gilt Hochschulbildung in 2010 immer noch als ,newcomer‘ in den GCC-Staaten (Alkhozai 2008:144). Die Defizite der Golfstaaten im tertiären Bildungsbereich sind seit Jahren erkannt. So wurden mit enormem finanziellem Aufwand Reformen im Hochschulsektor initiiert. Die UNDP-Regionalbüros der arabischen Staaten unterstützt eine Initiative, die dazu beiträgt, dass die lokale und vor allem globale Wettbewerbsfähigkeit der arabischen Hochschulen, und somit denen der Golfstaaten, ge­steigert wird. Mit internationalen Standards und Normen - wie z.B. dem ISCED - werden die Universitäten und Hochschulen in ihrer Qualität beurteilt und dienen so einem internationalen Vergleich. Allerdings besteht anhaltend die Notwendigkeit in Aktualisierung und Überarbei­tung der Statistiken, denn die künftigen Trends in den verschiedenen Regionen der Welt entwickeln und verändern sich ständig: die Vielfalt an Bildungsanbietern sowie die verschie­denen Formen beruflicher Bildung und Ausbildung wächst enorm, ferner herrscht eine zu­nehmende Inanspruchnahme von Fernunterricht und auf Grundlage neuer Technologien entstehen fortan neue Formen digitaler Lernmedien.

Da immer noch Defizite in der Hochschul- und Forschungsinfrastruktur der Golfstaaten im internationalen Vergleich bestehen, hat sich seit Mitte der neunziger Jahre ein neuer Trend, der Errichtung sogenannter ,Wissensparks‘, entwickelt. Beispielsweise gründete Katar die Education City, Dubai folgte mit dem Knowledge Village und Bahrain hat für 2010 seine Hig­her Education City angekündigt.

Immer mehr arabische Jugendliche streben nach erstklassigen Hochschulausbildungen so­wohl vor Ort als auch im gesamten Raum der Golfstaaten. Die Nachfrage ist enorm groß, weil die Bevölkerung jung und hoch motiviert ist und gleichzeitig die Einreise- und Studien­möglichkeiten in Europa durch die politische Situation immer stärker eingeschränkt werden. Solche internationalen Kooperationen sind von essentieller Bedeutung, um Bildungsinhalte und Studiengänge weiterzuentwickeln.

2. Die Golfstaaten - eine geographische Einordnung

Als Golfstaaten werden die Staaten bezeichnet, die sich am Persischen Golf bzw. am Golf von Oman (nordwestlicher Arm des Arabischen Meeres) befinden. Dazu zählen Bahrain, der Irak, der Iran, der Jemen, Katar, Kuwait, der Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Ara­bischen Emirate (VAE). Sie weisen zusammen eine Fläche von 4.912.773 km2 auf und sind somit etwa 14-mal größer als Deutschland (siehe Karte 1). Die Golfstaaten liegen in Vorder­asien und werden teils zum Großraum ,Naher Osten' gezählt.

Innerhalb der Golfstaaten werden die Staaten Bahrain, Katar, Kuwait, der Oman und die VAE gemeinsam auch als ,kleine Golfstaaten' bezeichnet. Sie verfügen zusammen über 8,3 % (= 406.045,52 km2) Flächenanteil an den Golfstaaten (Scholz 1999:14).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Karte 1: Die Golfstaaten (Quelle: eigene Darstellung).

Die Golfstaaten (außer der Jemen; Mitgliedschaft jedoch beantragt) schlossen sich am 25. Mai 1981 zu den Gulf Cooperation Council (GCC) Countries zusammen, um gemeinsam in der Außen- und Sicherheitspolitik sowie an der Förderung der wirtschaftlichen und gesell­schaftlichen Beziehungen zwischen den Mitgliedsstaaten zu arbeiten. Der GCC entwickelte ein Szenario mit dem Titel ,Scenarios to 2025: Implications for Competitiveness', das den Ausbau des tertiären Bildungssystems beinhaltet (Davis/Hayashi 2007:130).

3. Vom traditionellen Bildungssystem zur Hochschulpolitik - ein historischer Hintergrund am Beispiel des Sultanats Oman

Seit 1749 wird das Sultanat Oman vom Stamm Al Bu Said beherrscht. Am 23. Juli 1970 wur­de Sultan Said bin Taimur durch dessen Sohn Qaboos bin Said vom Thron gestoßen. Der neue Sultan sieht von diesem Zeitpunkt an seine Aufgabe in der Bekämpfung der Rückstän­digkeit seines Landes im wirtschaftlichen, infrastrukturellen und gesellschaftlichen Kontext (Janzir 2007:25-26). Um die neue Bildungspolitik zu vervollständigen, wurde das ,Ministry of Education' gegründet. Die Ziele der neuen Bildungspolitik waren zu Beginn der Ära Qaboos folgende: erstens die Bereitstellung von Bildung für alle Kinder im gesamten Land und die Bekämpfung des Analphabetismus bei Erwachsenen und zweitens sollte Bildung als ein Werkzeug' angesehen werden, um die Entwicklung der Gesellschaft zu beschleunigen. Mit der Machtübernahme wurde Bildung zu einem „priority tool for building a new modern nation" (El-Shibiny 1997:152).

1970 war nach Angaben des Statistischen Bundesamts Wiesbaden die Bevölkerung weitge­hend analphabetisch. Der Schulbesuch beschränkte sich im Wesentlichen auf wenige Ko­ranschulen ausschließlich für Jungen. Im September 1971 wurde in Muscat die erste Schule für Mädchen eröffnet. In mehreren Städten gab es staatliche Schulen; der Besuch weiterfüh­render Schulen erfolgte allerdings in Dubai (Statistisches Bundesamt Wiesbaden 1974:6). Sultan Qaboos erkannt rasch den hohen Bedarf an Bildungseinrichtungen. Gab es im Jahr 1960 nur zwei Grundschulen mit 800 Schülern und gerade einmal 30 Lehrern im ganzen Land, so waren es zehn Jahre nach Herrschaftswechsel bereits 178 Grundschulen und 91.900 Grundschüler (siehe Tabelle 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Entwicklung der Anzahl an Grundschulen, Grundschüler und Studenten 1960-1992/93 (Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden 1974:8/1995:38-39, ausgewählte Daten).

Die Anzahl der Mittel- und höheren Schulen sowie der berufsbildenden Schulen entwickelte sich ähnlich. Schon bald stellte Sultan Qaboos fest, dass es nicht nur um die Kinderbildung und den Analphabetismus bei Erwachsenen ging. Die Nachfrage nach höherer Bildung wuchs enorm. Das hatte die positive Folge, dass Hochschulen und Universitäten rasant auf­gebaut wurden. Die erste nationale Universität, die ,Sultan Qaboos University', die 1986 fer­tiggestellt wurde, verfügte 1987 über sechs Fakultäten: Erziehung und islamische Wissen­schaften, Medizin, Ingenieurwesen, Geisteswissenschaften, Agrarwissenschaft und Kunst­geschichte. 1993 wurde die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften eingerichtet (Statistisches Bundesamt Wiesbaden 1995:39).

1995 wurde in Muscat, der Hauptstadt Omans, ein Masterplan mit dem Titel ,Vision Oman 2020‘ ausgearbeitet und veröffentlicht. Dieser Plan beinhaltet diverse Zielsetzungen wie der Hebung des Lebensstandards für alle, der Diversifizierung der omanischen Wirtschaft und der Ausbau des Tourismussektors. Des Weiteren spielt die Entwicklung und Modernisierung des Bildungswesens (Schulen, Universitäten, Forschung, berufliche Bildung) eine zentrale Rolle (Hahn 2006:6). Speziell sollen die Zugangsraten in der Hochschulbildung auf eine Par­tizipation von 50 % eines Altersjahrgangs zwischen 18 und 24 Jahren gesteigert werden. Der neue bildungspolitische Trend ,advanced placement' wird ebenfalls integriert. Hochbe­gabte Schüler dürfen bereits frühzeitige akademische Studien parallel zu ihrer Ausbildung in der Oberstufe aufnehmen (Hahn 2006:38).

Der rasante Ausbau des traditionellen Bildungssystems hin zur Hochschulpolitik lässt sich in vier Entwicklungsstufen einordnen. Die Jahre 1970 bis 1975 waren vom Boom der Grund­schulen in allen Regionen Omans geprägt. Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien von nahe gelegenen Golfstaaten, vor allem von Katar, galten als Einstiegshilfen in das neue Feld der Bildung. In den Jahren 1976 bis 1980 wurde der erste formale Bildungsplan ausgearbeitet. Dieser fokussierte auf einen weiteren Ausbau der Schulen für beide Geschlechter und für alle Bildungsstufen ab. Es wurden neue teacher-training-Programme entwickelt, um die hei­mischen Lehrer fortzubilden und nicht auf Gastarbeiter angewiesen zu sein (El-Shibiny 1997:153). Die Jahre 1981 bis 1985 gelten als Meilensteine in der Geschichte der Bildungs­politik. Sultan Qaboos erkannte die wachsende Notwendigkeit an Hochschulen und Universi­täten in seinem Land. Stipendien für Studenten wurden vermehrt angeboten, um erstmals im Ausland die Spezialisierungen zu erlangen, die für eine Arbeitsstelle in den staatlichen Insti­tutionen Omans verlangt wurden, bevor die eigenen Hochschulen in diesen Bereichen aus­bilden konnten. In den Jahren 1986 bis 1990 wurde das Hochschulsystem enorm ausgebaut. Vorrangig wurden technische Studiengänge und Studiengänge im Dienstleistungswesen angeboten. In 1991 wurde ein Studiengang eingeführt, bei dem Hochschulabsolventen für einen Lehrerberuf befähigt werden (El-Shibiny 1997:156). In der omanischen Hochschulpoli­tik von heute sind vor allem ,Human Resource Development' und ,Education for Sustainable Development' wesentliche Schlagwörter für die Gestaltung der Lehrinhalte an den Universi­täten angesichts der begrenzten natürlichen Ressourcen wie Erdöl, Erdgas und Wasser (Hahn 2006:14).

4. Jntemationalisierung der Hochschulbildung1: ein Definitionsversuch der International Association of Universities (lAU)

Die International Association of Universities (lAU) wurde 1950 durch die UNESCO als eine weltweite Vereinigung von Hochschulen und Universitäten gegründet. Institutionen und Or­ganisationen aus rund 150 Ländern sind in der IAU vereint und arbeiten mit verschiedenen internationalen, nationalen und regionalen Gremien aktiv an der Hochschulbildung (IAU 2010:Abs. 1). Es ist eine Herausforderung, eine Definition zur ,Internationalisierung der Hochschulbildung' zu formulieren, die allgemein genug ist, um für 150 verschiedene Länder, Kulturen und auch Bildungssystemen zu gelten. Dennoch wurde eine der am häufigsten verwendeten Definitionen ausgearbeitet und anschließend jener von Dr. Jane Knight - For­schungsmitarbeiterin an der University of Toronto - in 2005 angeglichen. ,Internationalisie- rung der Hochschulbildung' versteht sich folglich als „the process of integrating an interna­tional, intercultural and/or global dimension into the goals, functions (teaching/learning, re­search, services) and delivery of higher education” (Knight zit. in IAU 2006:13). In diesem beschriebenen 'Prozess’ sind verschiedene Aktivitäten integriert, wie z.B. alle Formen der akademischen Mobilität, Zusammenarbeit in der Forschung sowie internationale Projekte zur Entwicklung des tertiären Bildungsbereichs.

5. Definition des tertiären Bildungsbereichs nach ISCED

Die International Standard Classification of Education (ISCED) wurde Anfang 1970 von der UNESCO zur Klassifizierung und Charakterisierung von Schultypen und Schulsystemen entwickelt. ISCED stellt seitdem einen Standard dar, mit dem ein statistischer Vergleich im Bildungswesen auf nationaler wie auch internationaler Linie möglich ist (UNESCO 2006:3). Dabei liegt ein statistischer Rahmen vor, der eine umfassende statistische Beschreibung der nationalen Bildungs- und Lernsysteme wiedergibt, sowie eine Methodik, die nationale Bil­dungsprogramme in einen international vergleichbaren Klassensatz für die Bildungsebenen (levels) und Bildungsbereiche kulturgerecht übersetzt (UNESCO 2006:10). Der Begriff ,level' wurde von der UNESCO gewählt, um eine Abstufung der Lernerfahrungen und Kompeten­zen deutlich zu machen. Jedoch soll darunter nicht verstanden werden, dass die an Bil­dungsprogrammen teilnehmenden Länder nur dann in eine höhere Ebene aufsteigen kön­nen, wenn sie die vorherige erfolgreich abgeschlossen haben (UNESCO 2006:15).

Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht über die von ISCED definierten sieben levels und einen Vorschlag, wie man diese dem deutschen Bildungssystem gegenüberstellen könnte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Internationalisierung im tertiären Bildungssystem: Beispiele aus dem Oman und anderen Golfstaaten
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Geographie)
Veranstaltung
Regionalseminar: Oman – ‚Oil and beyond'
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V186954
ISBN (eBook)
9783656101642
ISBN (Buch)
9783656101253
Dateigröße
733 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Oman, Sultanat, Golfstaaten, ISCED, ALECSO, Education City, Doha, Knowledge Village, Dubai, German University of Technology in Oman, GUtech
Arbeit zitieren
Isabella Melchert (Autor), 2010, Internationalisierung im tertiären Bildungssystem: Beispiele aus dem Oman und anderen Golfstaaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186954

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