Heimatfilm: Kitsch, ‚heile-Welt‘, Schwarzwald, Folklorismus, Heide, idyllische Natur, Heimat, Trivialität, Provinz ‚Zieprack‘ , Happy End.
Dies sind Assoziationen, die mit dem Wort Heimatfilm in Verbindung gebracht werden. In den 1950er Jahren entstand dieses erste genuin deutsche Genre, das durchaus grob gekürzt mit diesen Vokabeln definiert werden kann. Bis zum Ende der 1960er Jahre konnte der traditionelle Heimatfilm große kommerzielle Erfolge feiern. Doch der Beigeschmack der Trivialität blieb die Jahrzehnte hindurch an diesem Genre haften. Kein Regisseur, der als Künstler ernst genommen werden wollte, beschäftigte sich mit dieser Filmgattung. Vereinzelt wurden in den 1970er Jahren Heimatfilme produziert, die solche Begriffe, wie oben genannt, als zynisches Zitat aufnahmen und gesellschaftskritisch auftraten. Doch diese Filme blieben die Minderheit.
Im Jahr 2001 schließlich kam der Film DIE SCHEINHEILIGEN in die Kinos, gefolgt von HIERANKL 2003 und 2005 GRENZEVERKEHR. Plötzlich gab es Regisseure, die sich wieder dem Thema Heimat und der Provinz zuwandten. Der „Charme des Regionalen“ hielt wieder Einzug in die bayerische Kinolandschaft und das mit Erfolg. Maßgeblich dazu beigetragen haben auch die Filme von Marcus H. Rosenmüller. Allen voran sein Erstlingswerk WER FRÜHER STIRBT IST LÄNGER TOT, der in etwa 2 Millionen Zuschauer bundesweit verzeichnen konnte. Damit haben die Regisseure Hans Steinbichler (HIERANKL), Thomas Kronthaler (DIE SCHEINHEILIGEN), Stefan Betz (GRENZVERKEHR) und Marcus H. Rosenmüller (WER FRÜHER STIRBT IST LÄNGER TOT) eine Entwicklung angestoßen, die Kritiker und Filmtheoretiker mit der „Neue Bayerische Heimatfilm“ betiteln. Die „Neuen Wilden“, wie es in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung hieß, gehen sorglos mit ihren bayerischen Wurzeln um. Heimat ist bei ihnen keine kitschig-heile Welt, aber auch nicht das ‚Schreckbild-Land‘, wie einst kritische Heimatfilme wie von Volker Schlöndorff das Bild Heimat zeichneten.
Diese Arbeit geht nun der Frage nach, wie die „Neuen Bayerischen Heimatfilme“ in die Tradition der klassischen Heimatfilme eingeordnet werden können. Außerdem betrachtet die Arbeit die Filme von Marcus H. Rosenmüller genauer, um herauszufinden, was die Besonderheiten der Filme sind und warum sie dem „Neuen Bayerischen Heimatfilmen“ zugeordnet werden können.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
1 Das Genre Heimatfilm und seine Merkmale
1.1 Der traditionelle Heimatfilm
1.1.1 Das Milieu
1.1.2 Die Natur
1.1.3 Die Personen
1.1.4 Das Wertesystem
1.1.5 Das Geschehen
1.2 Der kritische Heimatfilm
2 Die Geschichte des Heimatfilms von 1918 bis 2011
2.1 Der Berg- und Volksfilm als Vorreiter des Heimatfilms
2.2 Der Heimatfilm und seine Rolle im Nationalsozialismus
2.3 Die Trümmerfilme in den Nachkriegsjahren
2.4 Die Fünfziger Jahre und der Heimatfilm-Boom
2.5 Der Jägerporno und der Touristenfilm in den 1960er und 1970er Jahren
2.6 Das „Oberhausener Manifest“ und der „kritische Heimatfilm“
2.7 Die neue Vielseitigkeit des Heimatfilms in den 1980er Jahren
2.8 Die 1990er Jahre und die Flaute der Heimatfilm-Produktionen
2.9 Das Jahr 2001 und die Geburt des „Neuen Bayerischen Heimatfilms“
II Marcus H. Rosenmüller und sein filmisches Werk
1 Die Biographie
2 Die Filmographie
3 Die Filme: Beschreibung des Inhalts, Darstellung der vorhandenen Genremerkmale und Besonderheiten, Untersuchung der Rezensionen
3.1 Wer früher stirbt ist länger tot
3.1.1 Allgemeines zum Film
3.1.2 Inhalt
3.1.3 Genremerkmale und Besonderheiten
3.1.4 Rezensionen
3.2 Schwere Jungs
3.2.1 Allgemeines zum Film
3.2.2 Inhalt
3.2.3 Genremerkmale und Besonderheiten
3.2.4 Rezensionen
3.3 Beste Zeit
3.3.1 Allgemeines zum Film
3.3.2 Inhalt
3.3.3 Genremerkmale und Besonderheiten
3.3.4 Rezensionen
3.4 Beste Gegend
3.4.1 Allgemeines zum Film
3.4.2 Inhalt
3.4.3 Genremerkmale und Besonderheiten
3.4.4 Rezensionen
3.5 Räuber Kneissl
3.5.1 Allgemeines zum Film
3.5.2 Inhalt
3.5.3 Genremerkmale und Besonderheiten
3.5.4 Rezensionen
3.6 Die Perlmutterfarbe
3.6.1 Allgemeines zum Film
3.6.2 Inhalt
3.6.3 Genremerkmale und Besonderheiten
3.6.4 Rezensionen
III Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht, wie sich die Werke des Regisseurs Marcus H. Rosenmüller in die Tradition des Heimatfilms einordnen lassen und welche Besonderheiten sie als „Neuen Bayerischen Heimatfilm“ auszeichnen.
- Definition und Merkmale des traditionellen sowie des kritischen Heimatfilms
- Historische Entwicklung des Genres von 1918 bis 2011
- Analyse der sechs bis 2011 erschienenen Spielfilme von Marcus H. Rosenmüller
- Vergleich von Genrekonventionen und deren individueller Umsetzung durch den Regisseur
- Untersuchung zeitgenössischer Filmrezensionen zur Einordnung der Rosenmüller-Filme
Auszug aus dem Buch
1.1.2 Die Natur
Die Landschaft im Heimatfilm dient zunächst nur als Folie, vor dessen Hintergrund sich das Geschehen des Films abspielt. Die Landschaft kann aber auch mit der Handlung verbunden sein, wenn es zum Beispiel um den Erhalt eines bäuerlichen Anwesens geht und um den Schutz des Erbes. Zu finden ist diese Situation in dem Film WEIßES GOLD. Hier kämpft ein alter Bauer um seinen Hof, der durch einen Stausee geflutet werden soll. Erbauer des Staudammes ist sein Sohn, der Ingenieur geworden ist. Hier gewinnt die Landschaft kein Eigenleben, sondern ist zunächst nur Hintergrund des Geschehens. Das heißt, die Entscheidungen die im Film getroffen werden, fallen aufgrund von Dialogen unter den Menschen und Diskussionen, nicht aufgrund einer besonderen Naturverbundenheit. Die Natur nimmt keinen Einfluss auf die Emotionalität des Bauern, die Schönheit der Landschaft kümmert ihn nicht. Rein rationale Gründe lassen ihn um seinen Hof und seinen Erben kämpfen. Doch wird das Landschaftsmilieu durch den Kampf darum als Eigenwert erkannt.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Vorstellung des Themenkomplexes Heimatfilm, Einordnung der „Neuen Bayerischen Heimatfilme“ und methodisches Vorgehen.
1 Das Genre Heimatfilm und seine Merkmale: Definition der Merkmale des traditionellen und kritischen Heimatfilms hinsichtlich Milieu, Natur, Personen und Wertesystemen.
2 Die Geschichte des Heimatfilms von 1918 bis 2011: Chronologischer Abriss über die historische Entwicklung des Genres von den Anfängen bis zur Entstehung des „Neuen Bayerischen Heimatfilms“.
II Marcus H. Rosenmüller und sein filmisches Werk: Vorstellung des Regisseurs sowie detaillierte Filmanalyse seiner sechs Werke hinsichtlich Inhalt, Genremerkmalen und Rezeption.
III Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Einordnung der Rosenmüller-Filme in die Tradition des Heimatfilms.
Schlüsselwörter
Heimatfilm, Neuer Bayerischer Heimatfilm, Marcus H. Rosenmüller, traditioneller Heimatfilm, kritischer Heimatfilm, Genreanalyse, deutsche Filmgeschichte, Provinz, Regionalität, filmische Stilmittel, Rezensionen, Volksfilm, Bergfilm, Identität, Bauerntheater.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Genre Heimatfilm, seine historische Entwicklung und ordnet speziell die Filme des Regisseurs Marcus H. Rosenmüller als „Neuen Bayerischen Heimatfilm“ in diese Tradition ein.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Merkmale des klassischen und kritischen Heimatfilms, die Filmgeschichte von 1918 bis 2011 und analysiert das Werk von Marcus H. Rosenmüller.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszufinden, ob und wie Rosenmüllers Filme durch ihre Besonderheiten dem „Neuen Bayerischen Heimatfilm“ zugeordnet werden können und wo sie in der Tradition des klassischen Heimatfilms stehen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt einen beschreibenden Ansatz, analysiert das Genre anhand filmtheoretischer Grundlagen (z.B. Willi Höfig, Daniel Alexander Schacht) und wertet zeitgenössische Kritiken aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse des Genres sowie eine detaillierte Betrachtung der sechs Kinofilme von Rosenmüller (bis Juli 2011), inklusive Inhaltsangaben und Rezensionsanalysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Heimatfilm, Neuer Bayerischer Heimatfilm, Marcus H. Rosenmüller, Genremerkmale, deutsche Filmgeschichte und Regionalität.
Welche Rolle spielt das Motiv der „Amerika-Sehnsucht“ in den untersuchten Filmen?
In den untersuchten Filmen dient die Amerika-Sehnsucht oft als Hoffnung auf ein besseres Leben oder als Fluchtpunkt, wird jedoch in ihrer Bewertung zwischen traditionellem und kritischem Heimatfilm stark differenziert.
Warum wird „Schwere Jungs“ als Film in der Tradition des klassischen Heimatfilms gesehen?
Kritiker ordnen den Film hier ein, da er sich an klassischen Stereotypen bedient, unschuldige Unterhaltung bietet und die Probleme der Nachkriegszeit bzw. nationale Identitätssuche auf eine Weise verhandelt, die an „Papas Kino“ erinnert.
- Arbeit zitieren
- M.A. Elisabeth Huber (Autor:in), 2011, Der „Neue Bayerische Heimatfilm“ im 21. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186956