Die Aufgabe der Statistik liegt in der übersichtlichen Zusammenfassung und Darstellung von Informationen. Ein Vorhandensein eines anerkannten Systems zur Einordnung der verfügbaren statistischen Daten ist daher eine Grundvoraussetzung, damit diese sinnvoll präsentiert und analysiert werden können.
Der Dienstleistungssektor ist ein sehr heterogener Wirtschaftssektor. Folglich sind die methodischen Konzepte ─ anhand derer der gesetzliche Auftrag der Statistik umgesetzt wird ─ genauso vielfältig. Typisch sind jedoch Konjunktur- und Strukturerhebungen.
Das Statistische Bundesamt Deutschland arbeitet seit Jahren mit der Klassifikation der Wirtschaftszweige, um neben dem primären und sekundären Sektor auch die Dienstleistungen einheitlich zuordnen zu können. Dies gestaltet sich jedoch aufgrund der Heterogenität nicht einfach, wie es in dieser Arbeit verdeutlicht werden soll.
Nach einer kurzen Definition zum Dienstleistungsbegriff (Kapitel 2) wird in Kapitel 3 auf einer der beiden Schwerpunkte dieser Arbeit fokussiert. Die Strukturierung von Dienstleistungen soll anhand der Klassifikation der Wirtschaftszweige (3.1) sowie exemplarisch dazu der Wirtschaftsabschnitt G (3.2) belegt werden, bevor auf die höhere Strukturierungsstufe der Euros-tat (3.3) und auf eine weitere Gliederungsmöglichkeit nach Qualität, Fristigkeit und funktionalen Merkmalen (3.4) eingegangen wird. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Methodik und Anwendung von Dienstleistungsstatistiken (Kapitel 4), die abhängig vom Dienstleistungsstatistikgesetz (4.1) durchgeführt werden müssen. Die methodischen Grundlagen der Konjunktur- (4.2) und Strukturstatistiken (4.3) werden dabei am Beispiel des Einzelhandels näher beleuchtet. Alle Dienstleistungsbranchen gehören einem Dachverband an (Kapitel 5), der speziell für eine (5.2) oder für die Gesamtheit der Dienstleistungsbranchen (5.1) verantwortlich ist. In diesem Zusammenhang stehen auch die wissenschaftlichen Analysen verschiedener Branchen des tertiären Sektors (Kapitel 6), die von den Verbänden in Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten oder von eigenständigen Unternehmen durchgeführt werden. Die Arbeit wird mit einem Fazit in Kapitel 7 abgerundet. Dieses soll noch einmal die wichtigsten Aussagen dieser Arbeit herausstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 „Dienstleistung“ ─ ein Definitionsversuch
3 Strukturierung von Dienstleistungen
3.1 Dienstleistungen als Teil der Klassifikation der Wirtschaftszweige
3.2 Einteilung einesDienstleistungsabschnitts am Beispiel des Abschnitts G (WZ 2008) - Handel
3.3 NACE: Statistische Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft
3.4 Gliederung nach Qualität, Fristigkeit und funktionalen Merkmalen
4 Methodik und Anwendung von Dienstleistungsstatistiken
4.1 Gesetzesgrundlage: Dienstleistungsstatistikgesetz (DlStatG)
4.2 Konjunkturstatistiken
4.2.1 Methodische Grundlage der Konjunkturstatistiken
4.2.2 Anwendung am Beispiel statistischer Daten des Einzelhandels
4.3 Strukturstatistiken
4.3.1 Methodische Grundlage der Strukturstatistiken
4.3.2 Anwendung am Beispiel statistischer Daten des Einzelhandels
5 Dienstleistungsverbände
5.1 Bundesverbände der Dienstleistungsbranche
5.2 Beispiele von Bundesverbänden spezieller Dienstleistungsbranchen
6 Wissenschaftliche Analysen in der Dienstleistungsbranche
7 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die methodischen Herausforderungen bei der statistischen Erfassung und Strukturierung des heterogenen Dienstleistungssektors in Deutschland nach 1990, wobei sie insbesondere die Anwendung der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2008) sowie die Rolle von Wirtschaftsverbänden beleuchtet.
- Systematische Einordnung von Dienstleistungen in der WZ 2008 und NACE.
- Detaillierte Analyse der Konjunktur- und Strukturstatistiken am Beispiel des Einzelhandels.
- Problematiken bei der Klassifizierung statistischer Einheiten und Ersatzkriterien für die Wertschöpfung.
- Rolle und Aufgaben von Dienstleistungsverbänden in der Interessenvertretung und wissenschaftlichen Begleitung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Dienstleistungen als Teil der Klassifikation der Wirtschaftszweige
In der Klassifikation der Wirtschaftszweige (kurz: WZ) sind die verschiedenen Bereiche der Wirtschaftssektoren (primärer, sekundärer und tertiärer Sektor) mit ihren unterschiedlichen Anforderungen einheitlich klassifiziert. Daten, die sich auf statistische Einheiten beziehen ─ das kann eine fachliche, örtliche oder institutionelle Einheit sein, ein einzelner Betrieb oder eine Gruppe von Betrieben, die eine wirtschaftliche Gesamtheit bilden ─ sind in der WZ eingeordnet und dienen als Grundlage für die Erstellung von Statistiken. Bei der WZ handelt es sich um eine vollständige Erfassung der beobachteten Gesamtheit. Die Kategorien schließen sich gegenseitig aus, das heißt jedes relevante Element ist nur einer Kategorie zugeordnet. Grundlage für die Ermöglichung der einheitlichen Zuordnung der Elemente zu den verschiedenen Kategorien bilden methodische Grundsätze, auf die in Kapitel 4 näher eingegangen wird (Destatis 2008:7).
In den 1950er Jahren begann die Formulierung systematischer Verzeichnisse für statistische Zwecke. Die im Allgemeinen seit 1995 angewandte Klassifikation der Wirtschaftszweige basiert auf der Ausgabe im Jahr 1993 (WZ 93). Sie wurde entwickelt, um tätigkeitsbezogene Daten international und besonders EU-weit vergleichen zu können, indem sie sich seit dem auf die ISIC (International Standard Industrial Classification) und die NACE (Statistische Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft, siehe 3.3) stützt. 2003 wurde eine Neufassung ausgearbeitet, die als WZ 2003 veröffentlicht wurde. Parallel zur Änderung der NACE Revision 2 wurde in 2008 „unter intensiver Beteiligung von Datennutzern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Verwaltung sowie Datenproduzenten, d.h. der Statistischen Landesämter und der Fachabteilungen des Statistischen Bundesamtes“ (Destatis 2008:15) die WZ 2008 vorgestellt (Destatis 2008:14-15).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung statistischer Systeme für die Erfassung des heterogenen Dienstleistungssektors und skizziert den Aufbau der Untersuchung entlang der Klassifikation, Methodik und der Rolle von Verbänden.
2 „Dienstleistung“ ─ ein Definitionsversuch: Das Kapitel beleuchtet verschiedene Ansätze zur Definition des Dienstleistungsbegriffs, einschließlich der Abgrenzung zum quartären Sektor.
3 Strukturierung von Dienstleistungen: Dieses Kapitel behandelt die Klassifikation von Dienstleistungen mittels WZ 2008 und NACE sowie alternative Gliederungen nach Qualität und funktionalen Merkmalen.
4 Methodik und Anwendung von Dienstleistungsstatistiken: Hier werden die gesetzlichen Grundlagen sowie die methodische Vorgehensweise bei Konjunktur- und Strukturstatistiken detailliert dargestellt und am Einzelhandel illustriert.
5 Dienstleistungsverbände: Das Kapitel beschreibt die Funktion von Dachverbänden und spezialisierten Wirtschaftsverbänden bei der Interessenvertretung im tertiären Sektor.
6 Wissenschaftliche Analysen in der Dienstleistungsbranche: Dieser Abschnitt analysiert die Kooperation zwischen Verbänden und Forschungsinstituten zur Generierung von Marktdaten und Prognosen.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Schwierigkeiten bei der statistischen Klassifizierung zusammen und betont die Notwendigkeit kontinuierlicher Anpassungen der Systeme an die fortschreitende Spezialisierung.
Schlüsselwörter
Dienstleistungen, Statistik, WZ 2008, Klassifikation, Konjunkturstatistik, Strukturstatistik, Wirtschaftsverbände, tertiärer Sektor, Handelsstatistik, Wertschöpfung, NACE, Datenerhebung, Einzelhandel, Unternehmensregister, Strukturwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit befasst sich mit der Strukturierung und dem methodischen Umgang mit Dienstleistungen in der deutschen Statistik nach 1990.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themen umfassen die statistische Klassifikation (WZ 2008), die Erhebungsmethodik (Konjunktur- und Strukturstatistiken) sowie die Rolle der Dienstleistungsverbände.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Dienstleistungen statistisch geordnet werden und welche methodischen Herausforderungen dabei aufgrund der Heterogenität des Sektors entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung amtlicher statistischer Dokumente und Publikationen von Wirtschaftsverbänden, um die methodische Praxis zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Klassifikationssysteme, die Analyse der gesetzlichen und methodischen Vorgaben für Dienstleistungsstatistiken sowie die Rolle von Verbänden bei Analysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Dienstleistungssektor, Klassifikation der Wirtschaftszweige, Konjunkturstatistik, Strukturstatistik und Verbandsarbeit.
Wie wird die Einteilung eines Wirtschaftabschnitts im Text veranschaulicht?
Die Einteilung wird exemplarisch am Wirtschaftsabschnitt G (Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) der WZ 2008 durch detaillierte Tabellen zu Abteilungen, Gruppen, Klassen und Unterklassen erläutert.
Welche Schwierigkeiten ergeben sich bei der statistischen Klassifizierung?
Herausforderungen entstehen durch die Heterogenität des Sektors, unbekannte Wertschöpfungsanteile bei der Bestimmung der Haupttätigkeit und Probleme bei der Klassifizierung ausgelagerter Dienstleistungstätigkeiten.
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- Isabella Melchert (Author), 2011, Strukturierung und methodischer Umgang mit „Dienstleistungen“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186963