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Das Protektorat Böhmen und Mähren; Sozialgeschichtliche Aspekte

Titel: Das Protektorat Böhmen und Mähren; Sozialgeschichtliche Aspekte

Seminararbeit , 2000 , 28 Seiten , Note: 1

Autor:in: Ilsemarie Walter (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Nachdem im „Münchener Abkommen“ vom 29. September 1938 die mehrheitlich von Deutschen bewohnten Grenzgebiete der Tschechoslowakischen Republik Deutschland zugesprochen worden waren, wurden am 15. März 1939 die böhmischen Länder von Deutschland militärisch besetzt und am 16. März das sogenannte „Protektorat Böhmen und Mähren“ errichtet, das dem Deutschen Reich eingegliedert wurde. Die Slowakei hatte sich zwei Tage zuvor als „selbständiger“ Vasallenstaat Deutschlands konstituiert. Nach R. Gebel war die Situation im Protektorat Böhmen und Mähren durch eine „Spannung zwischen Terror und Unterdrückung einerseits und einer fast erstaunlichen Normalität andererseits“ gekennzeichnet. Diese Arbeit geht der Frage nach, wie die große Mehrheit der tschechischen Bevölkerung, die weder im Widerstand war noch kollaborierte, die Zeit des Protektorats erlebt hat.

Da die tschechische Bevölkerung dringend für die Produktion benötigt wurde, waren nicht alle Schichten gleich stark betroffen. Am härtesten trafen die deutschen Maßnahmen die Intellektuellen, während andere Gruppen der Bevölkerung, zum Beispiel Rüstungsarbeiter, eine eher bevorzugte Stellung einnahmen. Nach Unruhen im November 1939 wurden mehr als 1800 tschechische Studenten und Dozenten verhaftet, neun von ihnen ohne Gerichtsurteil erschossen. Alle tschechischen Universitäten und Hochschulen wurden geschlossen. Die tschechischen Zeitungen und Zeitschriften wurden „gleichgeschaltet“ und einer Zensur unterworfen, die mit der Zeit immer unerträglicher wurde. Hunderttausende Einwohner des Protektorats waren zwischen 1939 und 1945 im Arbeitseinsatz im deutschen Reich, zunächst freiwillig, dann immer mehr unter Zwang. Zwangsarbeit gab es aber auch im Protektorat selbst. Viele der Maßnahmen bedeuteten nicht nur eine Einschränkung der Freiheit, sondern verletzten auch das National- und Selbstgefühl der Betroffenen.

Die schwerste Krise durchlebte die Bevölkerung nach dem Attentat auf Heydrich im Juni 1942. Die Angaben über die Zahl der Opfer an Menschenleben unter der nichtjüdischen Bevölkerung des Protektorats bewegen sich zwischen 36.700 und 55.000. Für die jüdische Bevölkerung des Protektorats gab die tschechisch-deutsche Historikerkommission im Jahr 1996 eine Zahl von ca. 78.000 Personen an. Auch die meisten Roma – ca. 6.000 Personen – fielen der NS-Rassenpolitik zum Opfer.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

10.1. Politischer Hintergrund

10.2. Grundsätze der deutschen Besatzungspolitik im Protektorat

2. Schulwesen

2.1. Hochschulwesen

2.2. Andere Schulen

3. Sprachregelungen

4. Literatur, Kunst, Kultur

4.1. Zeitungen, Zeitschriften, Bücher und Bibliotheken

4.2. Theater und Film

4.3. Weitere kulturelle Bereiche

4.4. Schaffung zentraler Stellen zur Überwachung kultureller Angelegenheiten

4.5. Resümee

5. Bevölkerungsentwicklung

6. Arbeit

6.1. Sinken der Arbeitslosigkeit

6.2. Arbeitseinsatz im Deutschen Reich

6.3. Arbeitserziehungslager

7. Versorgungslage während des Krieges

8. Situation in der Landwirtschaft

9. Furcht vor Germanisierungsmaßnahmen

10. Das Schicksal der jüdischen Bevölkerung im Protektorat

10.1. Tschechen und Juden

10.2. Arisierungsmaßnahmen

10.3. Verlust bürgerlicher Rechte

10.4. Vernichtungsmaßnahmen

11. Das Schicksal der Roma

12. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebenswirklichkeit der tschechischen Bevölkerung im Protektorat Böhmen und Mähren während der deutschen Besatzungszeit. Das primäre Ziel ist es, die Erfahrungen der breiten Bevölkerungsmehrheit aufzuarbeiten, die weder dem aktiven Widerstand angehörte noch kollaborierte, und dabei die sozialen Folgen der nationalsozialistischen Besatzungs- und Germanisierungspolitik zu beleuchten.

  • Alltag unter nationalsozialistischer Besatzungsherrschaft
  • Eingriffe in das tschechische Bildungswesen und kulturelle Leben
  • Arbeitseinsatz und wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen
  • Verfolgung und Schicksal der jüdischen Minderheit und der Roma
  • Reaktionen der Bevölkerung und Strategien zur Bewahrung nationaler Eigenart

Auszug aus dem Buch

1.1. Politischer Hintergrund

Um mich ausführlicher meinem eigentlichen Thema widmen zu können, möchte ich mich bei der Schilderung der politischen Lage im Protektorat auf einige wenige Gedanken beschränken.

Nachdem das „Münchener Abkommen“ vom 29. September 1938, mit dem die mehrheitlich von Deutschen bewohnten Grenzgebiete Deutschland zugesprochen wurden, den eigentlichen Einschnitt in der tschechischen Geschichte markiert hatte - er wurde und wird bis heute von den meisten Tschechen als Trauma empfunden -, wurde im März 1939 Präsident Hácha dazu gezwungen, „das Schicksal des tschechischen Landes und Volkes vertrauensvoll in die Hände des Führers“ zu legen. Am 15. März wurden die böhmischen Länder von Deutschland militärisch besetzt, am 16. März das sogenannte „Protektorat Böhmen und Mähren“ errichtet, das dem Deutschen Reich eingegliedert wurde. Die Slowakei hatte sich zwei Tage zuvor als „selbständiger“ Vasallenstaat Deutschlands konstituiert.

Die tschechische Protektoratsregierung hatte nur einen sehr beschränkten Wirkungskreis, da ein deutscher Reichsprotektor ernannt wurde, der gegen alle Maßnahmen der Regierung einschreiten konnte. Während die Protektoratsregierung unter Ministerpräsident Eliáš „zu retten versuchte, was noch zu retten war“ und teilweise mit der Exilregierung in London zusammenarbeitete (Eliáš selbst wurde 1942 von den Nationalsozialisten hingerichtet), ist die ab 1942 im Amt befindliche Regierung unter Krejí bzw. ab 24. 1. 1945 unter Bienert als ausgesprochene Kollaborationsregierung zu bezeichnen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung und methodische Vorgehensweise zur Untersuchung des Alltags der tschechischen Bevölkerung.

2. Schulwesen: Darstellung der drastischen Eingriffe in das tschechische Bildungssystem, einschließlich der Schließung von Hochschulen und ideologischer Umerziehung.

3. Sprachregelungen: Analyse der Einführung der deutschen Sprache als Amtssprache und der Versuche, das Tschechische als Dialekt zu degradieren.

4. Literatur, Kunst, Kultur: Untersuchung der Zensurmaßnahmen, der Gleichschaltung des kulturellen Lebens und der Propagandabemühungen.

5. Bevölkerungsentwicklung: Analyse demografischer Veränderungen und der Auswirkungen von Emigration und politischem Druck.

6. Arbeit: Erörterung der Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch den Arbeitseinsatz im Reich und die Einführung von Arbeitserziehungslagern.

7. Versorgungslage während des Krieges: Untersuchung der wirtschaftlichen Situation, des Schwarzmarktes und der Rationierungssysteme.

8. Situation in der Landwirtschaft: Analyse der Kontrolle der tschechischen Landwirtschaft zur Versorgung des Deutschen Reiches und der Folgen der Germanisierungspolitik.

9. Furcht vor Germanisierungsmaßnahmen: Beschreibung der Ängste vor Umsiedlung und der subtilen Methoden der völkischen Bestandaufnahme.

10. Das Schicksal der jüdischen Bevölkerung im Protektorat: Detaillierte Darstellung der Arisierung, Entrechtung und Deportation der jüdischen Minderheit.

11. Das Schicksal der Roma: Analyse der nationalsozialistischen Rassenpolitik gegen die Roma und ihrer Internierung in speziellen Lagern.

12. Zusammenfassung: Fazit über das Spannungsfeld zwischen Terror, Unterdrückung und der erzwungenen Normalität im Protektorat.

Schlüsselwörter

Protektorat Böhmen und Mähren, Nationalsozialismus, Besatzungspolitik, Germanisierung, Tschechien, Zweiter Weltkrieg, Arbeitseinsatz, Holocaust, Judenverfolgung, Roma, Widerstand, Kollaboration, Schulwesen, Propaganda, Unterdrückung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die sozialen und lebensgeschichtlichen Aspekte der tschechischen Bevölkerung im Protektorat Böhmen und Mähren während der deutschen Besatzung zwischen 1939 und 1945.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen Bildung, Kultur, Arbeit, die demografische Entwicklung, die Versorgungslage, Landwirtschaft sowie die rassenpolitische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung und der Roma.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, den Alltag und die Erfahrungen der tschechischen Bevölkerungsmehrheit zu untersuchen, die sich zwischen aktivem Widerstand und Kollaboration befand.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Autorin nutzt eine umfassende Literaturanalyse, die sowohl deutsche als auch tschechische Quellen sowie Dokumentationen einbezieht, um ein möglichst breites Bild der Zeit zu zeichnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Lebensbereiche, von der Politik über das Schulwesen und den Arbeitsmarkt bis hin zur systematischen Verfolgung von Minderheiten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Protektorat, Germanisierung, Besatzungspolitik, Arbeitseinsatz, Entrechtung und Widerstand definiert.

Warum war der Arbeitsalltag der tschechischen Frauen so stark von Veränderungen betroffen?

Durch die drohende Dienstverpflichtung und den Arbeitseinsatz im Deutschen Reich sahen sich viele Frauen gezwungen, ihre Lebensplanung anzupassen, etwa durch frühe Eheschließungen, um dem Einsatz zu entgehen.

Wie reagierte die Bevölkerung auf die Germanisierungsversuche im Bereich der Landwirtschaft?

Es gab einen „zähen Kleinkrieg“, bei dem Bauern versuchten, Ablieferungspflichten zu umgehen oder durch Sabotage die deutsche Kriegsökonomie zu behindern.

Welche Rolle spielten die sogenannten Arbeitserziehungslager?

Sie dienten als Disziplinierungsinstrumente für Personen, die sich dem Arbeitseinsatz entzogen, und fungierten teilweise als Durchgangsstation für Konzentrationslager.

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Details

Titel
Das Protektorat Böhmen und Mähren; Sozialgeschichtliche Aspekte
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Zeitgeschichte)
Veranstaltung
Seminar für Zeitgeschichte: Geschichte der Tschechoslowakei
Note
1
Autor
Ilsemarie Walter (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2000
Seiten
28
Katalognummer
V18697
ISBN (eBook)
9783638229821
ISBN (Buch)
9783638691567
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Protektorat Böhmen Mähren Sozialgeschichtliche Aspekte Seminar Zeitgeschichte Geschichte Tschechoslowakei
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ilsemarie Walter (Autor:in), 2000, Das Protektorat Böhmen und Mähren; Sozialgeschichtliche Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18697
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Leseprobe aus  28  Seiten
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