Denkmäler sind ein fester Bestandteil unserer Kultur, sie sind beinahe allgegenwärtig. Dabei wird die Bedeutung des jeweiligen Denkmals, solange es nicht komplett übersehen wird, oft vergessen. Diese besteht zum einen aus dem konkreten Anlass der Errichtung, sei es der Huldigung einer besonderen Person, der Erinnerung an ein bestimmtes historisches Ereignis oder einen bestimmten Brauch, und zum Anderen in der weitergehenden Intention, welche hinter dieser Erinnerung steht. Auch wenn die Vorstellung ein manches Mal nicht einfach erscheint, so wurden wohl die meisten Denkmäler in ihrem Entstehungsprozess von einem künstlerischen und intentionalen Diskurs begleitet.
Dies ist auch in heutiger Zeit nicht anders. Als eines der besten Beispiele dient hier wohl der sich über mehr als ein Jahrzehnt hingezogene Entstehungsprozess des „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ in Berlin. Dieser Entstehungsprozess war stets begleitet von scharf geführten Auseinandersetzungen, in welchen immer wieder die künstlerische Gestaltung, die inhaltliche Ausrichtung und somit auch die vermittelte Botschaft, die Intention hinter diesem Denkmal, thematisiert und kritisiert wurde.
Der Entstehungsprozess des Denkmals und die Diskussion um seine Funktion im Speziellen soll in dieser Arbeit nachgezeichnet werden. Dabei wird zunächst das Konzept der Erinnerungsorte von Pierre Nora vorgestellt werden und mit dem kollektiven Gedächtnis, wie es Aleida Assmann beschrieben hat, in Verbindung gebracht werden. Auf dieser theoretischen Basis soll daraufhin die Debatte um das Denkmal für die ermordeten Juden Europas wiedergegeben werden, wobei der Fokus hier auf seine Funktion als Erinnerungsort gerichtet sein wird.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Kollektives Gedächtnis und Erinnerungsorte
- Individuelles Gedächtnis - kollektives Gedächtnis
- Das Konzept der Erinnerungsorte
- Der Entstehungsprozess des „Denkmal[s] für die ermordeten Juden Europas“
- Die Anfänge bis zum ersten Wettbewerb
- Der erste Wettbewerb
- Der zweite Wettbewerb und die endgültige Entscheidung
- Die Funktion des „Denkmal[s] für die ermordeten Juden Europas“ als Erinnerungsort
- Denkmal oder Mahnmal? – durch historische Trauer zu nationaler Identität
- Die Begleichung der Schuld – Ein Schlussstrich unter die Geschichte?
- Verschiedene Argumente gegen den Bau des Holocaustdenkmals
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, den Entstehungsprozess des „Denkmals für die ermordeten Juden Europas“ in Berlin nachzuzeichnen und dessen Funktion als Erinnerungsort zu analysieren. Sie untersucht die Debatten und Kontroversen, die diesen Prozess begleitet haben.
- Das Konzept des kollektiven Gedächtnisses und seine Verbindung zu individuellen Erinnerungen
- Pierre Noras Konzept der Erinnerungsorte und seine Relevanz für das Holocaust-Denkmal
- Die verschiedenen Phasen des Entstehungsprozesses des Denkmals
- Die Funktion des Denkmals als Ort der Erinnerung und Auseinandersetzung mit der Vergangenheit
- Die Kontroversen und Kritikpunkte im Zusammenhang mit dem Denkmal
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 (Einleitung): Die Einleitung führt in das Thema ein und beschreibt die Bedeutung von Denkmälern und den komplexen Entstehungsprozess des „Denkmals für die ermordeten Juden Europas“ als Beispiel.
Kapitel 2 (Kollektives Gedächtnis und Erinnerungsorte): Dieses Kapitel erläutert die Konzepte des individuellen und kollektiven Gedächtnisses nach Halbwachs und führt das Konzept der Erinnerungsorte nach Pierre Nora ein. Es werden die Unterschiede und Zusammenhänge zwischen diesen Konzepten beleuchtet.
Kapitel 3 (Der Entstehungsprozess des „Denkmal[s] für die ermordeten Juden Europas“): Dieses Kapitel beschreibt die verschiedenen Phasen des Entstehungsprozesses des Denkmals, von den ersten Überlegungen bis zu den Wettbewerben und der endgültigen Entscheidung für den Entwurf.
Kapitel 4 (Die Funktion des „Denkmal[s] für die ermordeten Juden Europas“ als Erinnerungsort): Dieses Kapitel beleuchtet verschiedene Aspekte der Funktion des Denkmals als Erinnerungsort, einschließlich der Debatten um seine Bedeutung und die daran geknüpften Erwartungen und Interpretationen.
Schlüsselwörter
Kollektives Gedächtnis, Erinnerungsorte, Pierre Nora, Holocaust-Denkmal, Berlin, Geschichtspolitik, nationale Identität, Erinnerungskultur, Kontroverse, Debatte.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein „Erinnerungsort“ nach Pierre Nora?
Erinnerungsorte sind materielle oder immaterielle Symbole, die für das kollektive Gedächtnis einer Gemeinschaft von zentraler Bedeutung sind und die Identität prägen.
Warum war der Entstehungsprozess des Holocaust-Denkmals in Berlin so langwierig?
Der Prozess dauerte über ein Jahrzehnt, da intensive Debatten über die künstlerische Gestaltung, die inhaltliche Ausrichtung und die Frage, ob man der Schuld ein Denkmal setzen könne, geführt wurden.
Was ist der Unterschied zwischen einem Mahnmal und einem Denkmal?
Ein Denkmal dient oft der Ehrung oder Erinnerung, während ein Mahnmal explizit zur Warnung vor künftigen Fehlern durch das Gedenken an vergangenes Unrecht aufruft.
Welche Rolle spielt das kollektive Gedächtnis bei diesem Projekt?
Das Denkmal soll das kollektive Gedächtnis an die ermordeten Juden Europas im öffentlichen Raum Berlins verankern und eine dauerhafte Auseinandersetzung mit der Geschichte fördern.
Wer waren die zentralen Akteure im Diskurs um das Denkmal?
Neben Politikern und Historikern spielten Bürgerinitiativen (wie die von Lea Rosh) und Künstler eine entscheidende Rolle im Wettbewerbs- und Entscheidungsprozess.
- Quote paper
- Joscha Dick (Author), 2007, Der Entstehungsprozess des „Denkmals für die ermordeten Juden in Europa und seine Funktion als Erinnerungsort, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186980