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Übergangsrituale in der Moderne nach Arnold van Gennep und Victor Turner

Title: Übergangsrituale in der Moderne nach Arnold van Gennep und Victor Turner

Term Paper , 2007 , 11 Pages , Grade: 1

Autor:in: Joscha Dick (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Die Beschreibung und Erforschung von Ritualen ist seit jeher ein zentraler Bestandteil der kultur- und sozialanthropologischen Wissenschaftsarbeit. Sie ging hervor „aus der Rezeption von (Reise-) Beschreibungen über die Bräuche und Sitten sogenannter „Wilder“, die von sogenannten „Zivilisierten“ hauptsächlich im Verlauf der zweiten Kolonialisierungsphase, also etwa ab der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, nach Mitteleuropa gelangten.“1 Seit der Entstehung der kultur- und sozialanthropologischen Wissenschaft ist eine Vielzahl unterschiedlicher Rituale beobachtet und beschrieben worden. Jedoch wurden diese lange Zeit zumeist isoliert und lediglich in Ausschnitten betrachtet, selten in der gesamten Struktur ihres Ablaufs gedeutet geschweige denn untereinander verglichen.2
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts versuchten einzelne Wissenschaftler, bei den solcherart beschriebenen Ritualen durch vergleichende Analyse Analogien in Bedeutung und Abfolge herauszuarbeiten um auf dieser Grundlage weiterführende Theorien und Modelle zu erstellen. Durch diese Arbeitsweise zeichneten sich z.B. Marcel Mauss, der aus einer Vielzahl dokumentierter Riten sein Modell des Gabenaustausches entwickelte, oder Arnold Van Gennep aus, auf den das Modell der Übergangsrituale zurückgeht, welches in dieser Arbeit vorgestellt und anhand von Beispielen näher erläutert werden soll.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Arnold van Genneps Modell des Übergangsrituals

2.1. Struktur einer Gesellschaft

2.2. Das Übergangsritual

3. Victor Turners Erweiterung und Vertiefung der Ritualtheorie van Genneps

3.1. Schwellen- bzw. Umwandlungsphase und Communitas

3.2. Millenarisch religiöse Bewegungen

4. Übergangsrituale am Beispiel des Übergangs von einem Gymnasium zur Universität

5. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Ritualtheorie von Arnold van Gennep sowie deren Erweiterung durch Victor Turner darzustellen und ihre Anwendbarkeit auf Übergangsprozesse in der modernen Gesellschaft zu belegen. Dabei wird untersucht, wie das dreigliedrige Schema von Übergangsriten – bestehend aus Trennung, Schwelle und Angliederung – zur Analyse heutiger ritueller Bräuche und Lebensphasen genutzt werden kann.

  • Grundlagen und Modellbildung der Übergangsriten nach Arnold van Gennep.
  • Die Bedeutung der sozialen Struktur und der liminalen Phase.
  • Victor Turners Erweiterung der Ritualtheorie durch das Konzept der Communitas.
  • Die soziologische Einordnung millenarischer religiöser Bewegungen.
  • Anwendung des Ritualmodells auf den Übergang vom Gymnasium zur Universität.

Auszug aus dem Buch

2.2. Das Übergangsritual

Jedes Individuum befindet sich immer in mindestens einer, meistens aber in einer Vielzahl verschiedener sozialer Gruppierungen. Nach Van Gennep „besteht das Leben eines Individuums in jeder Gesellschaft darin, nacheinander von einer Altersstufe zur nächsten und von einer Tätigkeit zur anderen überzuwechseln“, wobei dieser Wechsel auch immer den Übergang von einem sozialen System in ein anderes bedeutet. Jeder dieser Übergänge ist von speziellen Handlungen begleitet, etwa der Hochzeit beim Übergang von der Gruppe der Junggesellen in die Gruppe der Verheirateten.

Am ausgeprägtesten sind diese „speziellen Handlungen“ jedoch beim Übergang von einem säkularen in ein sakrales System. Hier muss z.B. ein Laie, welcher als Priester in das System der Kirche aufgenommen werden möchte, eine genau determinierte Abfolge von „speziellen Handlungen“ oder auch „zeremoniellen Sequenzen“ durchlaufen. Diese fasst van Gennep unter dem Begriff der „Übergangsrituale“ („rites de passage“) zusammen.

Da van Gennep zufolge der Einfluss der sakralen Welt in Gesellschaften umso größer ist, je tiefer sie auf der „Stufenleiter der Zivilisation“ stehen, werden auch die „zeremoniellen Sequenzen“ hier umso deutlicher sichtbar. Darum belegt er sein Modell mit einer Vielzahl von Beispielen aus sogenannten „halbzivilisierten“ Völkern. Trotzdem kann sein Modell „auch in einem modernen [...] Theorierahmen durchaus weitergedacht werden“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die kultur- und sozialanthropologische Erforschung von Ritualen ein und erläutert die Notwendigkeit, Rituale nicht isoliert, sondern als Teil struktureller Übergangsprozesse zu betrachten.

2. Arnold van Genneps Modell des Übergangsrituals: Das Kapitel stellt die Person Arnold van Gennep vor und erläutert sein fundamental-theoretisches Modell der Übergangsriten, das soziale Systeme und deren Phasen (Trennung, Schwelle, Angliederung) analysiert.

3. Victor Turners Erweiterung und Vertiefung der Ritualtheorie van Genneps: Hier werden die Beiträge von Victor Turner beleuchtet, insbesondere die Einführung der Begriffe Communitas und Liminalität sowie die Untersuchung von Randgruppierungen in komplexen Gesellschaften.

4. Übergangsrituale am Beispiel des Übergangs von einem Gymnasium zur Universität: Dieses Kapitel transferiert die theoretischen Modelle in die Moderne und analysiert den Bildungsübergang eines Schülers in das universitäre System als rituellen Prozess.

5. Fazit: Das Fazit resümiert die Anwendbarkeit der vorgestellten Theorien auf zeitgenössische gesellschaftliche Phänomene und bestätigt die Relevanz des Ritualmodells für die Analyse alltäglicher Lebensübergänge.

Schlüsselwörter

Übergangsrituale, Rites de passage, Arnold van Gennep, Victor Turner, Liminalität, Communitas, Sozialanthropologie, Lebenslaufrituale, soziale Systeme, Struktur, Anti-Struktur, Neophyten, moderne Gesellschaft, Ritualtheorie, kulturelle Übergänge.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Analyse von Übergangsriten, basierend auf den Modellen von Arnold van Gennep und Victor Turner.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Schwerpunkten zählen die Struktur sozialer Systeme, die Dynamik von Übergängen (Trennung, Schwelle, Angliederung) und die Bedeutung von Ritualen in sowohl archaischen als auch modernen Gesellschaften.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die theoretische Aufarbeitung der Ritualmodelle und deren Anwendung auf aktuelle Beispiele, um zu zeigen, dass Übergangsrituale auch in modernen, komplexen Strukturen existieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die vergleichende Analyse sowie die theoretische Aufbereitung ethnologischer und anthropologischer Fachliteratur zur Ritualforschung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Basismodelle von van Gennep, deren Erweiterung durch Turner sowie die praktische Anwendung auf den Übergang vom Gymnasium zur Universität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Übergangsrituale, Liminalität, Communitas, Sozialstruktur und Ritualtheorie.

Wie unterscheidet Victor Turner die Communitas von der Gemeinschaft?

Turner zieht den Begriff Communitas vor, um eine spezifische Form der Sozialbeziehung zu beschreiben, die sich durch Statuslosigkeit und Homogenität auszeichnet und vom regulären Alltag abgrenzt.

Was sind „millenarische religiöse Bewegungen“ im Kontext dieser Arbeit?

Dies sind Gruppen, die sich am Rande einer Gesellschaft bilden, Werte der Liminalität (wie Gleichheit) teilen und oft als Reaktion auf soziale Instabilitäten oder Fremdherrschaft entstehen.

Wie lässt sich der Übergang zur Universität als Ritual deuten?

Der Übergang wird in drei Phasen unterteilt: die Trennung vom Schulsystem (Abitur), eine liminale Phase der Neuorientierung und die Angliederung durch Einschreibung und universitäre Sozialisation.

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Details

Title
Übergangsrituale in der Moderne nach Arnold van Gennep und Victor Turner
College
University of Münster
Grade
1
Author
Joscha Dick (Author)
Publication Year
2007
Pages
11
Catalog Number
V186984
ISBN (eBook)
9783656101475
ISBN (Book)
9783656101161
Language
German
Tags
Übergangsrituale van Gennep Rite de Passage
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Joscha Dick (Author), 2007, Übergangsrituale in der Moderne nach Arnold van Gennep und Victor Turner, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186984
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