Das Selbstverständnis der Gemeinwesenarbeit


Hausarbeit, 2009

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung Gemeinwesenarbeit
2.1 Definition Gemeinwesenarbeit
2.2 Zentrale Merkmale der Gemeinwesenarbeit nach Oelschlägel

3 Das Anliegen der Gemeinwesenarbeit

4 Konzepte in der Gemeinwesenarbeit

5 Bürger und Gemeinwesenarbeiter

6 Ein Beispiel aus der Praxis: Gemeinwesenarbeit im Magdeburger Stadtteil Neustädter Feld

7 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In den meisten größeren Städten kristallisieren sich zunehmend soziale Brennpunkte heraus. Diese Entwicklung macht vielerorts eine Gemeinwesenarbeit notwendig, gar unverzichtbar. Doch besteht nur selten Klarheit darüber, was sich hinter dem „Wunder GWA“ wirklich verbirgt. Genau hiermit, mit dem Selbstverständnis der Gemeinwesenarbeit, möchte ich mich in dieser Hausarbeit genauer befassen. Diese Hausarbeit hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, jedoch auf eine gelungene Übersichtlichkeit.

So möchte ich folgende Aspekte der Gemeinwesenarbeit genauer betrachten:

Der Punkt „Begriffsklärung Gemeinwesenarbeit“ möchte zunächst eine Definition geben. Aus mehreren Quellen zusammengetragen werde ich schließlich den Versuch unternehmen eine eigene Definition für die GWA zu formulieren. Des Weiteren werde ich in diesem Punkt auf zentrale Merkmale der Gemeinwesenarbeit eingehen.

Im dritten Punkt zeige ich in knapper Form Aufgabe und Ziel der GWA auf.

Der darauf folgende Punkt stellt die klassischen und aktuellen Konzepte der Gemeinwesenarbeit vor und macht auf Besonderheiten aufmerksam.

Im Punkt fünf „Bürger und Gemeinwesenarbeiter“ möchte ich eine Abgrenzung in der Aufgabe der Beteiligten in einem Prozess der Gemeinwesenarbeit schaffen.

Im sechsten Kapitel möchte ich die Gemeinwesenarbeit greifbarer machen und bringe ein konkretes Praxisbeispiel aus meiner Heimatstadt Magdeburg an. Ich habe hierfür ein Interview mit der zuständigen Quartiersmanagerin im vorgestellten Stadtteil geführt (Interview nicht beigefügt).

Anschließend werde ich die Ergebnisse dieser Hausarbeit in einer Schluss-betrachtung resümieren.

Ich möchte darauf hinweisen, dass ich aus Gründen der besseren Lesbarkeit auf die explizite Verweiblichung der Begrifflichkeiten verzichte.

2 Begriffsklärung Gemeinwesenarbeit

2.1 Definition Gemeinwesenarbeit

Die Gemeinwesenarbeit, kurz GWA, ist neben der Einzelfallhilfe und der Gruppenarbeit die dritte der drei Basismethoden der Sozialen Arbeit. Heute versteht sie sich jedoch mehr als Arbeitsprinzip, da eine genaue Abgrenzung zu den beiden bereits genannten Methoden eher schwierig ist. Ich sehe beide eher als Bestandteil der GWA, da diese extrem vielfältige Anwendungsgebiete parat hält.

Die Gemeinwesenarbeit greift Probleme innerhalb eines sozialgeografisch definierten Raumes, also zum Beispiel eines Stadtteils, auf und versucht diese im besten Fall zu beseitigen, mindestens jedoch zu lindern.[1] Die Gemeinwesenarbeit kann so auch helfen Konflikte oder Interessengegensätze eines bestimmten Gebiets zunächst aufzudecken.[2] Eine rechtliche Verankerung gibt es nicht.[3]

Dieter Oelschlägel formuliert Gemeinwesenarbeit in meinen Augen sehr treffend als „eine sozialräumliche Strategie, die sich ganzheitlich auf den Stadtteil […] richtet. Sie arbeitet mit den Ressourcen des Stadtteils und seiner Bewohner.“[4]

Einsatz findet die GWA „vor allem in Stadtteilen […], in denen sich soziale Probleme und Benachteiligungen kumulieren.“[5] Das bedeutet, dass es überdurchschnittlich viele Faktoren gibt, die die Lebensbedingungen der Bewohner negativ bestimmen.[6] Oftmals findet man diese Gebiete an Stadträndern, geprägt von beengten, unterdurchschnittlichen Wohnverhältnissen und einer Bevölkerungsgruppe, welche größtenteils als sozial eher benachteiligt bezeichnet werden kann.[7] Da die Problemlage in den beschriebenen Gebieten sehr vielfältig ist, ist es die GWA ebenso. Sie reicht beispielsweise von Freizeit- und Hilfsangeboten für Senioren über spezielle Hausaufgabenhilfe für Kinder mit Migrationshintergrund, oder Kinder- und Jugendfreizeiten bis hin zu einem nachbarschaftlichen Engagement in Form von Einsätzen zum Gemeinwohl. Häufig gibt es auch Stadtteilfeste. Hin und wieder ist es notwendig die Bevölkerung eines Gebiets durch aktivierende Befragungen auf Missstände aufmerksam zu machen, um einen GWA-Prozess überhaupt erst einmal zu implementieren.

Voraussetzung für den Erfolg der GWA ist eine gewisse Kontinuität und Dauerhaftigkeit, da kurzlebige Initiativen meist auch nur kurzlebigen Erfolg versprechen, welcher ebenso schnell zu verpuffen droht. Aus diesem Grunde hat beispielsweise die Bundesregierung im Jahr 1999 das Städtebauförderungs-programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – Soziale Stadt“ ins Leben gerufen. Ziel war und ist es bis heute die „'Abwärtsspirale' in benachteiligten Stadtteilen aufzuhalten und die Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern“[8] Da es den Umfang dieser Hausarbeit übersteigen würde, das Programm der „Sozialen Stadt“ ausführlich vorzustellen, verweise ich an dieser Stelle auf den sehr informativen Internetauftritt.

Eine zentrale Forderung der Gemeinwesenarbeit ist die Partizipation der eigentlich Betroffenen. Sie möchte nicht über deren Kopf hinweg entscheiden, sondern zum Verändern befähigen. Daher sind große Schlagworte der GWA „Stärkung der Selbsthilfepotentiale, Aktivierung statt Betreuung, Lebensweltorientierung, etc.“[9]

Kurzum formuliere ich für die Gemeinwesenarbeit folgende Definition:

Gemeinwesenarbeit sieht sich als Arbeitsweise der Sozialen Arbeit, die Methoden der Einzelfallhilfe und Gruppenarbeit in sich vereint und dementsprechend vielseitig einsetzbar ist. Sie findet Anwendung besonders in Gebieten mit vermehrt negativen Sozialisationsbedingungen und setzt auf die Partizipation von Betroffenen zur Lösung von gebietspezifischen Problemen.

2.2 Zentrale Merkmale der Gemeinwesenarbeit nach Oelschlägel

1) Territoriale, kategoriale und funktionale Abgegrenztheit

Die GWA fokussiert ein größeres soziales Netzwerk, welches auf verschiede Art abgegrenzt ist. So ist es räumlich abgegrenzt, etwa in Form eines Stadtteils oder Dorfes. Kategorial bezieht sich auf bestimmte Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel Familien mit Migrationshintergrund. Funktional meint schließlich, dass besondere Problemschwerpunkte vorliegen, zum Beispiel bzgl. der Wohnsituation.[10]

2) Gemeinwesenarbeit begründet sich in „sozialen Konflikten“

Diese Konflikte treten innerhalb eines sozialen Netzwerkes auf. Die GWA kann an dieser Stelle auch als Frühwarnsystem fungieren, um eventuellen weiteren Konflikten vorzubeugen.[11]

3) Trägerübergreifend

Innerhalb des betrachteten Gemeinwesens werden die möglichen Angebote und Anbieter vermittelt und koordiniert.[12]

4) Methodenintegrativität

Methodenintegrativität meint die bereits in Punkt 2.1 angesprochene Verknüpfung der unterschiedlichen Methoden der Sozialen Arbeit.[13]

5) Gemeinschaft als Ressource

Die Bevölkerung des betreffenden Gebiets ist selbst größte Ressource ihres Gemeinwesens; sie muss aktiviert werden.[14]

6) Qualifizierung und Bildung

Betroffene werden mit Hilfe entsprechender Angebote befähigt sich ihrer spezifischen sozialräumlichen Probleme selbst anzunehmen.[15]

3 Das Anliegen der Gemeinwesenarbeit

Gemeinwesenarbeit will grundsätzlich die Menschen in ihren Stadtteilen stärken und befähigen ihre Anliegen selbst oder mit ihren Mitbürgern gemeinsam zu bearbeiten. Sie sollen also aktiviert werden und Unterstützung erfahren.[16] Dadurch gewinnt das Zusammenleben im Stadtteil an Qualität. Durch das eigenständige Handeln der Betroffenen selbst wird Selbsthilfepotential auf- und Fürsorgeabhängigkeit abgebaut.[17]

Die Ziele der Gemeinwesenarbeit sind unmittelbar mit den Prinzipien selbiger verknüpft und sollen daher an dieser Stelle Erwähnung finden:

Ein wichtiger Grundsatz in der GWA ist die Orientierung am Sozialraum, denn ohne Nähe zum Geschehen ist es nur schwer möglich die Probleme der Menschen zu verstehen und für sie überhaupt als Ansprechpartner zu agieren. Oft sind es auch Probleme, die aus der Entwicklung eines Stadtteils und seiner Bevölkerung resultieren. Da die GWA nicht eigenständig handelt, sondern bei den Bedürfnissen der Bürger ansetzt, ist die ständige Präsenz unabdingbar. Die Gemeinwesenarbeit will die Bürger ermuntern, selbst zu handeln. Daher rückt sie vorhandene Ressourcen in den Vordergrund und konzentriert sich auf die dadurch entstehenden Handlungsmöglichkeiten und deren nachhaltigen Einsatz. Häufig wissen die Menschen nicht, wozu sie in der Gemeinschaft fähig sind, daher ist eine Vernetzung unter ihnen ein weiteres Prinzip. Aber auch die Vernetzung mit anderen „Professionellen“ eröffnet manchmal neue Handlungsmöglichkeiten. In ihrer Arbeit ist die GWA stets parteilich für die Bürger des betreffenden Gebiets.[18]

Das Anliegen der Gemeinwesenarbeit ist also, mit knappen Worten formuliert, das nachhaltige Aktivieren der Ressourcen der Bürger eines Gebiets.

[...]


[1] Vgl. Anonymus 2003 In: Schnee u.a. o.J., S.3

[2] Manuela H. 17.08.2009

[3] Ebd.

[4] Oelschlägel In: Gillich 2007, S.30

[5] http://www.wegweiser-buergergesellschaft.de/politische_teilhabe/modelle_methoden/beispiele/gemeinwesen arbeit_quartiersmanagement.php 18.04.2006

[6] Deutscher Verein für Öffentliche und Private Fürsorge 1993 In: Casanova u.a. 2001, S.31

[7] Casanova u.a. 2001, S.31f

[8] http://www.sozialestadt.de/programm/ 17.08.09

[9] Casanova u.a. 2001, S.23

[10] Oelschlägel 1983, 1992 In: Galuske 2009, S.101ff

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Schnee u.a. o.J., S.4

[17] Casanova u.a. 2001, S.34

[18] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Selbstverständnis der Gemeinwesenarbeit
Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V187031
ISBN (eBook)
9783656918547
ISBN (Buch)
9783656918554
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hausarbeit 4. Semester Soziale Arbeit (Bachelor)
Schlagworte
selbstverständnis, gemeinwesenarbeit
Arbeit zitieren
Katharina Voigt (Autor), 2009, Das Selbstverständnis der Gemeinwesenarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187031

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