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Die Auslegung der Bergpredigt im Dritten Reich

Title: Die Auslegung der Bergpredigt im Dritten Reich

Term Paper (Advanced seminar) , 2011 , 41 Pages , Grade: 12

Autor:in: Diplom Wirtschaftspädagoge Oliver Heil (Author)

Theology - Biblical Theology
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„Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm. Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:“ Mit dieser Einleitung beginnt die erste Rede von Jesus Christus im Evangelium des Matthäus des Neuen Testaments. In dem systematisierten Aufbau des Matthäus Evangelium steht die Bergpredigt ganz bewusst als Einleitung für das weitere Wirken Jesus Christus. Die Bergpredigt erstreckt sich über die Kapitel 5-7 des Matthäusevangeliums. In ihr wird Jesus als ein Messias des Wortes dargestellt. In den folgenden Kapiteln 8-9 wird Jesus von Matthäus hingegen als ein Messias der Tat dargestellt. Die Bergpredigt wurde in den folgenden Jahrhunderten ihrer Veröffentlichung kontrovers diskutiert, interpretiert und ausgelegt. Besonderes Augenmerk verdient hierbei die Zeit des dritten Reichs, da hier besonders radikale Positionen und Interpretationen vertreten wurden. Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 brach die Zeit des totalitären Staates in Deutschland an und mit ihr das Bestreben, die Kirchen und die Theologie des Landes gleichzuschalten. Die Deutschen Christen trieben die institutionelle Gleichschaltung der Kirche in Deutschland mit brachialer Gewalt voran. Die Tatsache, daß Jesus Jude war hindert die Deutschen Christen nicht daran, ihn und seine Lehren für ihre eigene Ideologie zu instrumentalisieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Verlauf

2 Die Zwei Reiche Lehre

3 Die Auslegung der Bergpredigt durch Ludwig Müller

3.1 Die Eliminierung von Bezügen zum Alten Testament und zum Judentum

3.2 Die Abschwächung des Imperative der Bergpredigt

3.3 Die Relativierung der unbedingten Forderung und gleichzeitige Moralisierung

3.4 Die Offenbarungsvorstellung

3.5 Abschwächung der eschatologischen Züge

4 Die Auslegung der Bergpredigt durch Dietrich Bonhoeffers

4.1 Die Seligpreisungen

4.2 Die sichtbare Gemeinde

4.3 Christi Gerechtigkeit

4.4 Der Bruder

4.5 Das Weib

4.6 Die Wahrhaftigkeit

4.7 Die Vergeltung

4.8 Der Feind – das „ Außerordentliche“

4.9 Die verborgene Gerechtigkeit

4.10 Die Verborgenheit des Gebets

4.11 Die Verborgenheit der frommen Übung

4.12 Die Einfalt des sorglosen Lebens

4.13 Die Jünger und die Ungläubigen

4.14 Die große Scheidung

4.15 Der Schluss

4.16 Kritik an Bonhoeffers Auslegung

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit den gegensätzlichen Interpretationen der Bergpredigt durch Ludwig Müller und Dietrich Bonhoeffer während der Zeit des Nationalsozialismus auseinander. Ziel ist es aufzuzeigen, wie unterschiedliche theologische Ansätze zur Instrumentalisierung bzw. zur konsequenten christlichen Nachfolge führen können.

  • Vergleich der Theologie Luthers und ihrer Wirkung im Nationalsozialismus
  • Analyse der „Verdeutschung“ der Bergpredigt durch Ludwig Müller
  • Untersuchung der Auslegung durch Dietrich Bonhoeffer in „Nachfolge“
  • Gegenüberstellung von Ideologisierung und christlichem Widerstand

Auszug aus dem Buch

Die Abschwächung der eschatologischen Züge

Die Verheißung und eschatologischen Züge auf das nahende Reich Gottes wurde in den „Deutschen Gottesworten“ stark abgeschwächt.55 Diese Abschwächung bildet das fünfte Änderungsprinzip in Müllers Werk. Schneider konstatiert, dass in den „Deutschen Gottesworten“ z.B. die „Seligpreisungen der Leidtragenden“ in „Wohlpreisungen, der sein Leid mannhaft trägt“ und die „Seligpreisungen derer, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden“ in die „Wohlpreisung jener, die ehrlich und treu leben und arbeiten und trotzdem verfolgt werden“ verändert wurden.56 Durch die Umformulierung von MT 5,4 in „Er wird Kraft finden, nie mutlos zu verzweifeln“ in den „Deutschen Gottesworten“ wird Gottes Trost nach Otto Dibelius Einschätzung obsolet. 57 Finze-Michaelson betont, dass die „Verdeutschung“ die Ideologie des NS-Regimes in die Bergpredigt transportierte. Bereits in der „Verdeutschung“ der zweiten Seligpreisungen manifestiert sich die gnadenlose Ideologie des NS-Regimes. Mannhaftigkeit, Stärke und die Kraft niemals zu zweifeln triumphieren hier über das Leid und lassen keinen Raum für Trauer und Mitgefühl. Diese Ideologie ebnete letztlich den Weg für das Leid von Millionen von Menschen. 58

Weiterhin werden die Indikative aus MT 5,13 von Müller in Imperative umgewandelt. Schneider kritisiert weiter, dass die zwei „Vaterunser bitte“ aus MT 6,10 „Dein Reich komme“ in Müllers Werk in „Herrsche in unserem Herzen“ umgewandelt wurde, wodurch die ursprüngliche Verheißung auf das nahende Reich Gottes im Vergleich zum Text von Matthäus stark abgeschwächt wurde.59

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Bergpredigt im Matthäusevangelium ein und skizziert die konträre Rezeption durch die Nationalsozialisten einerseits und die Bekennende Kirche andererseits.

1.1 Verlauf: Dieser Abschnitt beschreibt den methodischen Aufbau der Arbeit sowie die thematische Struktur der folgenden Kapitel.

2 Die Zwei Reiche Lehre: Hier wird Martin Luthers Zwei-Reiche-Lehre thematisiert und deren Bedeutung für das Verhältnis zwischen Kirche, Staat und politischer Passivität dargelegt.

3 Die Auslegung der Bergpredigt durch Ludwig Müller: Dieses Kapitel analysiert die „Verdeutschung“ der Bergpredigt durch Ludwig Müller, die gezielt auf die Anpassung an die nationalsozialistische Ideologie abzielte.

3.1 Die Eliminierung von Bezügen zum Alten Testament und zum Judentum: Es wird dargelegt, wie Müller alle jüdischen Kontexte aus der Bergpredigt entfernte, um sie für das deutsche Volk umzudeuten.

3.2 Die Abschwächung des Imperative der Bergpredigt: Untersuchung der Umformulierungen Müllers, die den universellen Geltungsanspruch der Bergpredigt auf den Kreis der „Volksgenossen“ reduzierten.

3.3 Die Relativierung der unbedingten Forderung und gleichzeitige Moralisierung: Analyse der Manipulation der „Goldenen Regel“ zu einer Anleitung für Volksgemeinschaft und Kameradschaft.

3.4 Die Offenbarungsvorstellung: Aufzeigen, wie Müller Offenbarung an „Blut“ und „Volkstum“ band und Jesus als „ewigen Christus“ in diesen Kontext stellte.

3.5 Abschwächung der eschatologischen Züge: Kritik an der Entfernung der eschatologischen Hoffnung zugunsten einer militärisch geprägten, gegenwartsbezogenen Tatkraft.

4 Die Auslegung der Bergpredigt durch Dietrich Bonhoeffers: Darstellung der Bonhoefferschen Theologie der Nachfolge und des Kreuzes als Gegenmodell zur kirchlichen Gleichschaltung.

4.1 Die Seligpreisungen: Bonhoeffers Interpretation der Seligpreisungen als Ruf zur Leidensnachfolge und Verheißung des Himmelreichs für die Jünger.

4.2 Die sichtbare Gemeinde: Untersuchung der Rolle der Jünger als „Salz der Erde“, deren Handeln die Gemeinde sichtbar macht.

4.3 Christi Gerechtigkeit: Bonhoeffers Verständnis, dass die Jünger durch die Nachfolge Jesu das neue Gesetz Christi erfüllen.

4.4 Der Bruder: Thematisierung der Liebe zum Bruder als Voraussetzung für die Gemeinschaft mit Gott.

4.5 Das Weib: Deutung der Ehe als Symbol für den Bund Jesu mit seinen Jüngern.

4.6 Die Wahrhaftigkeit: Bonhoeffers Begründung für die Ablehnung des Schwurs aufgrund der Lüge in der Welt.

4.7 Die Vergeltung: Analyse des widerstandslosen Ertragens von Leid im Vertrauen auf Jesus.

4.8 Der Feind – das „ Außerordentliche“: Darstellung des Liebesgebots als notwendiges außerordentliches Handeln in der Nachfolge.

4.9 Die verborgene Gerechtigkeit: Bonhoeffers Zusammenfassung über die Absicht hinter dem außerordentlichen Handeln der Jünger.

4.10 Die Verborgenheit des Gebets: Die Bedeutung des Gebets als reine Ausrichtung auf Gott in der Nachfolge.

4.11 Die Verborgenheit der frommen Übung: Betrachtung von Fasten und Askese als Mittel der Abkehr von der Welt.

4.12 Die Einfalt des sorglosen Lebens: Bonhoeffers Aufruf, das Herz allein an Christus zu binden, statt an weltliche Güter.

4.13 Die Jünger und die Ungläubigen: Abgrenzung der Jünger von der Welt und die Bedeutung des Bündnisses mit Jesus.

4.14 Die große Scheidung: Die existenzielle Trennung zwischen den Jüngern und der Welt durch das Wort Jesu.

4.15 Der Schluss: Bonhoeffers Betonung der Unbedingtheit des Gehorsams und des Handelns nach Jesus Worten.

4.16 Kritik an Bonhoeffers Auslegung: Kritische Würdigung der theologiegeschichtlichen Einordnung und der Limitationen von Bonhoeffers Denken.

5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung des krassen Gegensatzes zwischen der ideologischen Instrumentalisierung Müllers und der existentiellen Praxis Bonhoeffers.

Schlüsselwörter

Bergpredigt, Dietrich Bonhoeffer, Ludwig Müller, Nationalsozialismus, Nachfolge, Deutsche Christen, Zwei-Reiche-Lehre, Kirchenkampf, Theologie des Kreuzes, Antisemitismus, christliche Ethik, Widerstand, Volksgemeinschaft, christliche Existenz, Hermeneutik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die extrem unterschiedliche Auslegung der Bergpredigt durch zwei Theologen im „Dritten Reich“: den Reichsbischof Ludwig Müller und den Widerstandstheologen Dietrich Bonhoeffer.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören das Verhältnis von Kirche und Politik, der Umgang mit dem Judentum in der Theologie, die Bedeutung von christlicher Nachfolge und das Spannungsfeld zwischen „teurer“ und „billiger“ Gnade.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, wie die Bergpredigt entweder zur Rechtfertigung einer totalitären Ideologie instrumentalisiert (Müller) oder als Aufruf zu einem radikalen, leidensbereiten christlichen Leben (Bonhoeffer) gedeutet wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theologisch-historische Vergleichsanalyse, die primär textkritisch arbeitet und Primärquellen (Müllers „Deutsche Gottesworte“ und Bonhoeffers „Nachfolge“) vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Änderungsprinzipien Müllers (Eliminierung jüdischer Bezüge, Moralisierung) und stellt diese Bonhoeffers Auslegung gegenüber, die er in seinem Werk „Nachfolge“ ausführlich exegetisch begründet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bergpredigt, Nationalsozialismus, Nachfolge, christliche Ethik und den Gegensatz zwischen Instrumentalisierung und theologischer Existenz charakterisiert.

Wie hat Ludwig Müller die Bergpredigt konkret verändert?

Müller tilgte alle alttestamentarischen Bezüge, ersetzte religiöse Begriffe durch militärisch-nationale Vokabeln (z.B. „Kamerad“ statt „Bruder“) und reduzierte den universellen Anspruch Jesu auf das deutsche Volk.

Warum kritisieren Theologen Bonhoeffers Auslegung teilweise?

Kritiker werfen Bonhoeffer eine gewisse „Selbstgettoisierung“ der Christen vor, eine ekklesiozentrische Reduzierung der Nachfolge und eine teils unkritische Verwendung von Bibelstellen ohne Berücksichtigung ihres historischen Kontextes.

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Details

Title
Die Auslegung der Bergpredigt im Dritten Reich
College
Saarland University
Grade
12
Author
Diplom Wirtschaftspädagoge Oliver Heil (Author)
Publication Year
2011
Pages
41
Catalog Number
V187063
ISBN (eBook)
9783656102823
ISBN (Book)
9783656102571
Language
German
Tags
auslegung bergpredigt dritten reich Dietrich Bonhoeffer Ludwig Müller Nationalsozialismus arischer Jesus Zwei Reiche Lehre eschatologische Züge Offenbarungsvorstellung Imperativ der Bergpredigt Bezüge zum AT und Judentum Die sichtbare Gemeinde Christi Gerechtigkeit verborgene Gerechtigkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom Wirtschaftspädagoge Oliver Heil (Author), 2011, Die Auslegung der Bergpredigt im Dritten Reich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187063
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