Die Wirtschaftskrise von 1929-1933 in Brasilien und die staatliche Krisenpolitik


Seminararbeit, 2011

39 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

1 MOTIVATION UND GANG DER ARBEIT

2 ENTWICKLUNG BRASILIENS WÄHREND DER WELTWIRTSCHAFTSKRISE ZWISCHEN 1929 UND 1933

3 KONZEPTE ZUR ERKLÄRUNG DES VERHALTENS BRASILIENS WÄHREND DER WELTWIRTSCHAFTSKRISE
3.1 Drei Formen des Dirigismus als staatliches Eingreifen in die Wirtschaft
3.2 Keynesianismus als Denkkonzept zum staatlichen Verhalten während einer Wirtschaftskrise
3.3 Importsubstitution als Konzept zum Schutz der inländischen Industrie

4 STAATLICHE MAßNAHMEN UND DEREN AUSWIRKUNGEN AUF BRASILIANISCHE KERNBRANCHEN
4.1 Die „Kaffeekrise“
4.2 Baumwolle: Ein Ersatz für Kaffee?
4.3 Vargas Zielbranche: Förderung der Eisen- und Metallindustrie

5 FAZIT UND AUSBLICK

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und Trend des Bruttoinlandsprodukts in Brasilien von 1900 bis 2008 4

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Tabellarische Zusammenfassung der Merkmale des Dirigismus

Tabelle 2: Tabellarische Zusammenfassung der Merkmale des Keynesianismus

Tabelle 3: Tabellarische Zusammenfassung der Merkmale der Importsubstitution

Tabelle 4: Dirigismus in der Kaffeebranche

Tabelle 5: Keynesianismus in der Kaffeebranche

Tabelle 6: Importsubstitution in der Kaffeebranche

Tabelle 7: Dirigismus in der Baumwoll- und Textilbranche

Tabelle 8: Keynesianismus in der Baumwoll- und Textilbranche

Tabelle 9: Importsubstitution in der Baumwoll- und Textilbranche

Tabelle 10: Dirigismus in der Eisen- und Metallindustrie

Tabelle 11: Keynesianismus in der Eisen- und Metallindustrie

Tabelle 12: Importsubstitution in der Eisen- und Metallindustrie

1 Motivation und Gang der Arbeit

„Konjunktur ist nicht unser Schicksal, sondern unser Wille.“ Karl Schiller (1911-1994), ehemaliger deutscher Wirtschaftsminister

Mit dem Crash der Börse in New York läutete sich die weltweite Wirtschaftskrise von 1929 bis 1933 ein. Die „Goldenen Zwanziger“ waren auf einen Schlag beendet und die großen Volkswirtschaften wie die USA, England, Frankreich oder Deutschland sahen sich Massenarbeitslosigkeit und Deflation gegenüber. Über den Verlauf der Krise in diesen entwickelten, westlichen Länder, die Maßnahmen ihrer Regierungen und die Wirkungen auf volkswirtschaftliche Indikatoren wurde in der Wissenschaft bereits umfassend diskutiert.

Wenig Fokus hat die deutsch- und englischsprachige Wissenschaft bisher auf Krisenverlauf und - überwindung in den Entwicklungs- und Schwellenländer gelegt. Gerade die Zweitgenannten, also Länder, die einen Wandel von reinen Agrarstaaten hin zur Industrialisierung bestritten, finden sich in der Literatur zur Weltwirtschaftskrise nur bedingt wieder. Doch Ausnahmesituationen wie die Jahre von 1929 bis 1933 stellen Chancen aber auch Risiken für aufstrebende Volkswirtschaften dar. Einerseits können sie gestärkt aus der Krise hervorgehen, durch zielgerichtete Politik Schwachstellen in ihren Wirtschaftssystemen beseitigen und so große Schritte in Richtung Industrienation und „Erste Welt“ gehen. Andererseits besteht die Gefahr durch Massenarbeitslosigkeit, De- oder Inflation und steigende Staatschulden erneut ins Hintertreffen zu geraten und einen Schritt zurück in Richtung „Dritte Welt“ zu machen.

An diesem Punkt möchte die hier vorliegende Arbeit ansetzen und Maßnahmen und Auswirkungen der Politik in einem Schwellenland während der Weltwirtschaftskrise beleuchten. Als Beispielland wurde Brasilien gewählt, welches aus vier Gründen als besonders interessant erscheint: als größter Kaffeeproduzent und -exporteur zu dieser Zeit konnte es den Weltmarktpreis für ein Agrargut bestimmen, es hatte enge wirtschaftliche Beziehungen zu den USA und Europa und damit zu den Ausgangspunkten der Krise und die Regierung griff traditionell stark in die Wirtschaft ein. Zudem befand sich das Land in einer turbulenten politischen Zeit, welche von der Machtergreifung Getúlio Dornelles Vargas bestimmt war. Diese Umstände verdienen einen genaueren Blick auf dieses Land und seinen Weg durch die Krise von 1929 bis 1933.

Im Rahmen dieser Arbeit sollen folgende Forschungsfragen diskutiert werden:

1. Wie entwickelte sich die Volkswirtschaft Brasiliens während der Krisenjahre von 1929 bis 1933?
2. Wie reagierte die Regierung von Getúlio Dornelles Vargas auf die Krise und welche theoretischen Konzepte liegen dahinter?
3. Spiegeln sich die theoretischen Konzepte auch in konkreten Maßnahmen und Entwicklungen in bestimmten Branchen wider?

Zur Beantwortung der Fragen wurde folgender Gang der Arbeit gewählt. Zu Beginn werden die politischen Umstände während der Krise zusammengefasst und eine Übersicht gegeben, wie sich die Wirtschaft und die makroökonomischen Zahlen Brasiliens in den Krisenjahren entwickelten. In Kapitel 3 werden anschließend drei volks- und wirtschaftswissenschaftliche Konzepte theoretische behandelt, welche zur Erklärung und Beschreibung der politischen Maßnahmen der brasilianischen Regierung herangezogen werden können. Dabei werden Merkmale und Charakteristika der Konzepte Dirigismus, Keynesianismus und Importsubstitution herausgearbeitet. Diese bilden die Grundlagen für Kapitel 4. Hier liegt der Fokus auf den drei wichtigsten Branchen Brasiliens im frühen 20sten Jahrhundert: Kaffee, Baumwolle und Textil sowie Eisen und Metall. Mit Hilfe der Kriterien aus Kapitel 3 wird überprüft, ob sich die Konzepte tatsächlich in den betrachteten Branchen wiederfinden. Abgerundet wird die Arbeit mit einem zusammenfassenden Fazit und einem Ausblick auf künftige Forschungsfragen, die im Rahmen dieser Arbeit nicht beantwortet werden konnten.

2 Entwicklung Brasiliens während der Weltwirtschaftskrise zwischen 1929 und 1933

Obwohl die Industrialisierung Brasiliens ihren Anfang bereits um die vorletzte Jahrhundertwende fand,1 zeichnen die Beschäftigungszahlen aus den 1920ern eine immer noch agrarisch geprägte Volkswirtschaft. Der Zensus von 1920 ergab, dass von den 9,1 Millionen Arbeitern nach wie vor 6,2 Millionen, und damit um die 70%, in der Landwirtschaft tätig waren und gerade mal 14% in der Industrie.2 Diese Übermacht der landwirtschaftlichen Produktion spiegelte sich auch in politischen Entscheidungen in der „Alten Republik“ von 1889 bis 1930 wider.3 Dort herrschte die sogenannte „Milchkaffee- Politik“, in der sich die beiden mächtigsten, landwirtschaftlich geprägten Staaten, der Milchproduzent Minas Gerais und der Kaffeeproduzent São Paulo, bei der Besetzung der Zentralregierung abwechselten.4 Trotz der geringen bestehenden Industrialisierung wuchs der Wohlstand im Land. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stieg das Bruttosozialprodukt durchschnittlich um 4,3% pro Jahr.5 Letzter Präsident der „Alten Republik“ war Washington Luís. Vor Beginn der Krise verfolgte er eine aktive Politik der Verbesserung der Infrastruktur und legte sein Augenmerk auf den Ausbau von Straßen, welche für eine weitere Industrialisierung als Vorraussetzung galten. Zusätzlich bemühte er sich um eine Stabilisierung der brasilianischen Währung auf Basis eines Goldstandards, was der Beginn der Weltwirtschaftskrise aber verhinderte.6

Der Beginn der „Neuen Republik“ fällt in das zweite Jahr der Krise und wird durch die Neuwahlen von 1930 gekennzeichnet. Eigentlich gewann Julio Prestes diese Wahlen, doch die Oppositionspartei wollte sich mit diesem Ergebnis nicht abfinden. Unter der Führung von Vargas proklamierte sie Wahlbetrug, brachte die Armee hinter sich und setzte schließlich mit Hilfe eines Staatsstreiches Luís vor Ende seiner Amtszeit ab. Am 03. November 1930 übernahm Getúlio Dornelles Vargas die vorläufige Regierung und markierte damit die Geburtsstunde der „Neuen Republik“.7 Aus Gründen der Vollständigkeit sei hier erwähnt, dass Vargas seine Regierungszeit nicht als „vorläufig“ empfand und bis 1945 im Amt blieb.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und Trend des Bruttoinlandsprodukts in Brasilien von 1900 bis 20088

Mit der Machtergreifung Vargas änderte sich die bisherige Richtung der brasilianischen Wirtschaftspolitik. Er zielte auf eine diktatorische und zentralistisch gesteuerte Entwicklungspolitik ab und wollte eine Industrialisierung aus eigener Kraft mit Hilfe von Staatskapital schaffen. Zusätzlich wollte er die politische Macht der Agraroligarchien aus der „Alten Republik“ schwächen, allerdings ohne ihnen ihre wirtschaftliche Position zu nehmen.9

Vargas Machergreifung geschah mitten in der Weltwirtschaftskrise, welche nach Untersuchungen von Haber in Brasilien zum Teil schon etwas früher begonnen hatte als in den westlichen Industrienationen.10 Die Krise traf Brasilien wie die meisten Entwicklungsländer hart. Das Bruttoinlandsprodukt sank, die Inflation stieg und es kam zu Wachstums-, Beschäftigungs- und Zahlungsbilanzproblemen.11 Im Jahr 1930 fiel das Bruttoinlandsprodukt um 3,4%, im darauffolgenden Jahr dann noch einmal um 4,6%. Allerdings erholte es sich ab 1932 wieder.12 Diese Entwicklung zeigt sich auch am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, welches in Abbildung 1 dargestellt ist. Zwar zeigt sich in der Zeit von 1929 bis 1932/33 ein deutlicher Einbruch, der Trend bleibt aber auch in dieser Zeit positiv und bereits 1935 ist wieder der Ausgangswert von 1928 erreicht.

Zusätzlich hatte die Krise vernichtenden Einfluss auf den Export und den Import. So sah sich die brasilianische Wirtschaft einem Rückgang der Exporte um 44% zwischen 1929 und 1932 gegenüber. Neben dem Rückgang der mengenmäßigen Warenausfuhr sanken auch die Exportpreise, und zwar deutlich stärker als die Importpreise. Und dies in einem Umfang, dass sich die Kaufkraft der Exporte um die Hälfte reduzierte.13 Deutlich wird dieser Rückgang, wenn man sich seinen finanziellen Wert vor Augen führt: nach Baer sanken die Exporte von US $ 44,6 Mio. in 1929 auf US $ 18,1 Mio. in 1932.14 Noch stärker als der Export nahm das Importvolumen Brasiliens ab. Dies hängt mit dem sinkenden Einkommen aus den schrumpfenden Exporten zusammen, da weniger Kapital in das Land floss. Verstärkt wurde dieser Effekt durch einen auftretenden Kapitalexport, welcher einer Kapitalflucht gleich kam: während der Krise verminderten sich die Gold- und Devisenreserven Brasiliens von US $ 192 Mio. auf gerade mal US $ 1 Mio.15 Es standen keine Devisen mehr zur Verfügung, um importierte Waren zu bezahlen. Insgesamt sank das Importvolumen Brasiliens bis zum Tiefpunkt der Krise um insgesamt 60%, allerdings federte dieser Umstand die Krisenauswirkungen auf die heimische Industrie ab, da die bisher durch Importe befriedigte Nachfrage nun zum Teil durch inländische Produzenten bedient wurde.16 In wie weit hier der Staat durch eine Förderung der Industrie im Sinne einer Importsubstitution zum Wachstum der heimischen Produktion beigetragen hat, ist Inhalt späterer Kapitel.

Nachdem der geschichtliche und politische Weg Brasiliens durch die Krise aufgezeigt worden ist, bleibt die Frage, welche Maßnahmen die Regierung Vargas ergriffen hat, um die Leistungsfähigkeit Brasiliens sicher zu stellen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Staat schon immer stark in die wirtschaftliche Entwicklung des Landes eingegriffen hat.17 Dennoch reagierte die Regierung vergleichsweise spät auf die Krise, wenn man von Maßnahmen in der Kaffee- und Baumwollbranche absieht, und erst nach 1930 wurden umfassende wirtschaftspolitische Pläne erstellt und umgesetzt.18 Die Politik Vargas war von protektionistischen Ausrichtungen geprägt19 und vor allem auf den Binnenmarkt ausgerichtet, wobei hier erwähnt werden muss, dass dies nur eine bedingt freiwillige Entscheidung war, da die Krise Vargas kaum eine andere Möglichkeit ließ.20 Zu Vargas Maßnahmen, welche Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft Brasiliens und nicht nur auf bestimmte Branchen hatten, gehörten:21

- Wechselkurskontrollen,
- Lohnregelungen,
- direkte Investitionen in die öffentliche Infrastruktur,
- Importverbote, -einschränkungen und -kontrollen,
- Einfuhrzölle zum Schutz der heimischen Industrie und als staatliche Einnahmequelle.

Zusätzlich wurde der entstandenen Schuldenkrise mit einer rigiden Methode begegnet: in den Jahren 1931 und 1932 zahlte Brasilien seine Schulden nicht mehr.22 Diese Maßnahmen bewirkten eine unbewusst antizyklische Politik der Regierung Vargas.23

Dass diese erfolgreich war, zeigt ein Blick auf die Jahre nach der Krise. Der Industriesektor begann bereits 1931 wieder zu wachsen24 und die Produktion stieg bis 1937 um 50%.25 Im Zeitraum von 1929 bis 1937 nahm das Volkseinkommen insgesamt um 20% und das Pro- Kopf-Einkommen um 7% zu.26 Auch in den Jahren vor und nach dem zweiten Weltkrieg hatte Vargas mit seiner Wirtschaftspolitik Erfolg und konnte über viele Jahre hohe Wachstumsraten vorlegen.27

Die oben erwähnten Maßnahmen und das Verhalten Vargas während der Krise lassen vermuten, dass bestimmte Denkkonzepte hinter dem Tun der brasilianischen Regierung lagen. Diese gilt es nun zu benennen, zu beschreiben und an exemplarischen Branchen zu beweisen oder zu widerlegen. Bereits andere Autoren greifen diese Fragestellung auf und verweisen ohne entsprechende Beweisführung auf die Konzepte „Importsubstitution“ und „Staatsinterventionismus“ im Zusammenhang mit Brasiliens Verhalten während der Krise.28 Zusätzlich weist das Stichwort „antizyklische Konjunkturpolitik“ auf ein Gedankengut hin, welches John Maynard Keynes nach der Krise entwickelte und unter dem Begriff „Keynesianismus“ bekannt machte. Kapitel 3 greift diese drei Konzepte auf und beschreibt sie theoretisch, bevor ihre Gültigkeit für Brasilien in Kapitel 4 geprüft wird.

3 Konzepte zur Erklärung des Verhaltens Brasiliens während der Weltwirtschaftskrise

Die in Kapitel 2 gezeigte makroökonomische und politische Entwicklung Brasiliens während der Weltwirtschaftskrise führt zu der Vermutung, dass theoretische Konzepte zur Anwendung kamen. Im Rahmen dieser Arbeit lassen sich nicht alle möglichen Ideen für eine Krisenpolitik darlegen und beweisen oder widerlegen. Aus diesem Grund wird sich auf drei Theorien beschränkt, die auf den folgenden Seiten durch eine Recherche und Analyse der Literatur beschrieben werden.

3.1 Drei Formen des Dirigismus als staatliches Eingreifen in die Wirtschaft

Dirigismus lässt sich als Lenkung der Wirtschaft durch den Staat beschreiben. Dabei spricht man von Dirigismus im weiteren Sinne, wenn eine zentrale Steuerung durch eine Planwirtschaft existiert und von Dirigismus im engeren Sinne, wenn nur systemunkonforme Maßnahmen für einen Eingriff in die Marktwirtschaft gewählt werden.29 Die Manipulationen der privaten Marktwirtschaft helfen gruppenbezogene, sektorale oder strukturelle Ziele der vorher beschlossenen Wirtschaftspolitik zu erreichen und setzten dabei die Koordinationsfähigkeit des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs teilweise oder vollständig außer Kraft.30 Das Ziel des modernen Dirigismus ist es nicht, Unternehmenstätigkeit durch Planwirtschaft zu ersetzen und damit privates Eigentum in Kollektivbesitz zu überführen sondern die Korrektur der Produktion und deren Verteilung.31 Zu den typischen Maßnahmen des Dirigismus zählen Eingriffe in die Preisfindung, z. B. setzt die Regierung Höchst- oder Mindestpreise fest, Änderungen der Steuerpolitik oder der Infrastrukturpolitik sowie Ge- und Verbote.32 Im Folgenden werden drei Beispiele für das Eingreifen in die Marktwirtschaft beschrieben: industriespezifische Regulierung, Subventionen und die Strukturpolitik.

Industriespezifische Regulierung befasst sich mit dem Markteintritt, den Preisen, der Leistung und mit den Investitionen. Die Regierung und ihre Organe füllen eine Kontrollaufgabe aus und greifen in den Markt ein.33 Hier ist anzumerken, dass beim Konzept der staatlichen Regulierung der Staat nicht als ein aktiver Marktteilnehmer auftritt sondern nur eine Kontroll- und Schiedsrichterfunktion erfüllt. Aus diesem Grund fallen Maßnahmen der Steuer- und Ausgabenpolitik nicht unter den Begriff der Regulierung.34 Gründe für ein regulierendes Eingreifen des Staates in die Wirtschaft sind vielfältig. Dazu zählen ideologische Motive, ein beobachtetes oder gefühltes Marktversagen, das Ziel, Einkommen zwischen gesellschaftlichen Gruppen umzuverteilen, öffentliches Interesse oder, im negativen Sinne, der reine Selbstzweck staatlicher Verwaltungsstellen.35 Ein weiteres Merkmal der staatlichen Regulierung ist ihr Fokus, da sie sich auf natürliche Monopole oder monopolähnliche Betriebe beschränkt. Nach Koch eignet sich in Krisenzeiten besonders die Regulierung der Preise, da sie eine Möglichkeit für Preiskontrollen oder Preisstopps während der Inflation ermöglicht. Allerdings zeigt die Geschichte, dass Preisregulierung zur Bekämpfung der Inflation bisher nur wenig erfolgreich war.36

[...]


1 Vgl. Manfred Wöhlcke, 500 Jahre Brasilien. Die Entstehung einer Nation, Strasshof 2000, S. 98.

2 Vgl. Eliana Cardoso, Vladimir Kuhl Teles, A brief History of Barzil's Growth, in: TEXTO PARA DISCUSSÃO. São Paulo, Bd. 241, São Paulo 2010, S. 13.

3 Vgl. Manfred Wöhlcke, 500 Jahre Brasilien. Die Entstehung einer Nation, Strasshof 2000, S. 89.

4 Vgl. Sergio Costa, Das politische System Brasiliens, in: Klaus Stüwe, Stefan Rinke (Hrsg.): Die politischen Systeme in Nord- und Lateinamerika, Wiesbaden 2008, S. 114-137, hier: S. 115.

5 Vgl. Rüdiger Zoller, Verschuldung und Entwicklung: der Fall Brasilien (= Lateinamerika-Studien, Bd. 21), München 1986, S. 50.

6 Vgl. Nicolas Forster, Brasilien am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Eine Situationsanalyse unter besonderer Berücksichtigung der Força Expedicionária Brasileira, Wien 2010, S. 21.

7 Vgl. Joseph van den Besselaar, Brasilien. Anspruch und Wirklichkeit, Wiesbaden 1967, S. 223.

8 Vgl. IPEADATA, zit. n.: Eliana Cardoso, Vladimir Kuhl Teles, A brief History of Barzil's Growth, in: TEXTO PARA DISCUSSÃO. São Paulo, Bd. 241, São Paulo 2010, S. 27.

9 Vgl. Manfred Wöhlcke, 500 Jahre Brasilien. Die Entstehung einer Nation, Strasshof 2000, S. 94ff.

10 Vgl. Stephen Haber, Business Enterprise and the Great Depression in Brazil: A Study of Profits and Losses in Textile Manufacturing, in: The Business History Review, Jg. 66, H. 2 (1992), S. 335-363, hier: S. 335f.

17 Vgl. Rüdiger Zoller, Verschuldung und Entwicklung: der Fall Brasilien (= Lateinamerika-Studien, Bd. 21), München 1986, S. 45.

24 Vgl. Nicolas Forster, Brasilien am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Eine Situationsanalyse unter besonderer Berücksichtigung der Força Expedicionária Brasileira, Wien 2010, S. 41.

18 Vgl. Nicolas Forster, Brasilien am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Eine Situationsanalyse unter besonderer Berücksichtigung der Força Expedicionária Brasileira, Wien 2010, S. 41f.

19 Vgl. Eliana Cardoso, Vladimir Kuhl Teles, A brief History of Barzil's Growth, in: TEXTO PARA DISCUSSÃO. São Paulo, Bd. 241, São Paulo 2010, S. 9.

20 Vgl. Rüdiger Zoller, Verschuldung und Entwicklung: der Fall Brasilien (= Lateinamerika-Studien, Bd. 21), München 1986, S. 46.

21 Vgl. José Natanson, Ungeliebte Vergleiche. Drei Momente in der Geschichte Brasiliens und Argentiniens, in: Nueva Sociedad Sonderheft (2010), S. 115-137, hier: S. 125; Rüdiger Zoller, Staat und Wirtschaftsentwicklung in Brasilien, in: Detlev Schelsky; Rüdiger Zoller (Hrsg.), Brasilien. Die Unordnung des Fortschritts (= Lateinamerika-Studien, Bd. 33), Frankfurt am Main 1994, S. 359-386, hier: S. 365; Werner Baer, The Brazilian economy. Growth and development, Westport 2001, S. 35 und Marcelo de P. Abreu, Alfonso S. Bevilaqua, Brazil as an Export Economy, 1880-1930, in: Workshop Economic History of Latin America in the 20th Century in Panajachel, Guatemala 1996, S. 1-36, hier: S. 23.

22 Vgl. Eliana Cardoso, Vladimir Kuhl Teles, A brief History of Barzil's Growth, in: TEXTO PARA DISCUSSÃO. São Paulo, Bd. 241, São Paulo 2010, S. 13.

23 Vgl. Lutz Hoffmann, Importsubstitution und wirtschaftliches Wachstum in Entwicklungsländern unter besonderer Berücksichtigung von Argentinien, Brasilien, Chile und Kolumbien, Tübingen 1970, S. 215.

25 Vgl. Manfred Wöhlcke, 500 Jahre Brasilien. Die Entstehung einer Nation, Strasshof 2000, S. 99f.

26 Vgl. Lutz Hoffmann, Importsubstitution und wirtschaftliches Wachstum in Entwicklungsländern unter besonderer Berücksichtigung von Argentinien, Brasilien, Chile und Kolumbien, Tübingen 1970, S. 216f.

27 Vgl. Peter Birle, Zwischen Rivalität und Partnerschaft, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, H. 12 (2010), S. 3-9, hier: S. 5.

28 Vgl. Eliana Cardoso, Vladimir Kuhl Teles, A brief History of Barzil's Growth, in: TEXTO PARA DISCUSSÃO. São Paulo, Bd. 241, São Paulo 2010, S. 13.; Rüdiger Zoller, Staat und Wirtschaftsentwicklung in Brasilien, in: Detlev Schelsky; Rüdiger Zoller (Hrsg.), Brasilien. Die Unordnung des Fortschritts (= Lateinamerika-Studien, Bd. 33), Frankfurt am Main 1994, S. 359-386, hier: S. 366 und Lutz Hoffmann, Importsubstitution und wirtschaftliches Wachstum in Entwicklungsländern unter besonderer Berücksichtigung von Argentinien, Brasilien, Chile und Kolumbien, Tübingen 1970, S. 205ff.

29 Vgl. Duden (Hrsg.), Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag, Mannheim 2009.

30 Vgl. Gabler Verlag (Hrsg.), Gabler Wirtschaftslexikon. Online verfügbar unter http://wirtschaftslexikon.gabler.de/ Archiv/2124/ dirigismus-v4.html, zuletzt geprüft am 19.07.2011.

31 Vgl. Fritz Marbach, Zur Frage der wirtschaftlichen Staatsintervention, Bern 1950, S. 35.

32 Vgl. Wirtschaftslexikon24.net, Dirigismus. Online verfügbar unter http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/ dirigismus/dirigismus. htm, zuletzt geprüft am 19.07.2011.

33 Vgl. Karl Koch, Staatliche Regulierung. Amerikanische Erfahrungen und Folgerungen für die schweizerische Agrarmarkt- regulierung, Bern 1984, S. 1 und S. 14f.

34 Vgl. Karl Koch, Staatliche Regulierung. Amerikanische Erfahrungen und Folgerungen für die schweizerische Agrarmarkt- regulierung, Bern 1984, S. 18.

35 Vgl. Fritz Marbach, Zur Frage der wirtschaftlichen Staatsintervention, Bern 1950, S. 195f und Karl Koch, Staatliche Regulierung. Amerikanische Erfahrungen und Folgerungen für die schweizerische Agrarmarktregulierung, Bern 1984, S. 8.

36 Vgl. Karl Koch, Staatliche Regulierung. Amerikanische Erfahrungen und Folgerungen für die schweizerische Agrarmarkt- regulierung, Bern 1984, S. 20ff.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Die Wirtschaftskrise von 1929-1933 in Brasilien und die staatliche Krisenpolitik
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
39
Katalognummer
V187128
ISBN (eBook)
9783656103387
ISBN (Buch)
9783656103066
Dateigröße
716 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftskrise, Brasilien, Dirigismus, Keynesianismus, Importsubstitution
Arbeit zitieren
Dipl.-Wirtsch.-Ing. (Uni) Helena Preiß (Autor), 2011, Die Wirtschaftskrise von 1929-1933 in Brasilien und die staatliche Krisenpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187128

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