Zur Untersuchung der Semantik deutscher Adjektive


Seminararbeit, 2011
29 Seiten, Note: 1
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkungen

2. Die Themenstellung

3. Die Semantik deutscher Adjektive: Der Forschungsstand

4. Fallstudie: Die Adjektive in altertümlichen Sagen
4.1 Versuch einer operationalisierten Definition des Adjektivs
4.2 Übersicht über die vorhandenen Adjektive
4.3 Die Untersuchung der Adjektive „glänzend“, „golden“ und „rein“
4.3.1 Die Semantik des Adjektivs „glänzend“
4.3.2 Die Semantik des Adjektivs „golden“
4.3.3 Die Semantik des Adjektivs „rein“

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang
7.1 Verwendete Textstelle
7.2 Verzeichnis der Adjektive

1. Vorbemerkungen

Im Rahmen des Hauptseminars „Die Semantik deutscher Adjektive“ hielt ich am 01.12.2010 zusammen mit meiner Kommilitonin Stefanie B. ein Referat über das Textgebiet „Naturwissenschaft und Technik“. Ich stellte dabei einige Adjektive des Textes „Emissionsprospekt Doric Flugzeugfonds 8“ im Bereich „Technik“ vor.

Der Text war ein Ausschnitt aus einem Prospekt über Flugzeugfonds, in dem die Leistung der Boeing 777 beschrieben wird. Dort traten hauptsächlich zwar einige interessante, jedoch sehr auf Größe, Technik und Leistung beschränkte Adjektive auf, deren Gebrauch in diesem Zusammenhang nicht ungewöhnlich ist. Im Laufe des Seminars kamen in anderen Referaten über Themen wie „Werbetexte“ u.ä. Adjektive vor, die zum Teil völlig aus ihrer gängigen Verwendung herausgenommen und in einem anderen Kontext eingesetzt worden waren. Dies hielt ich für sehr viel interessanter, so dass mir mein ausgewählter Referatstext mit seinen Adjektiven nicht mehr vielseitig und geeignet genug erschien, um damit in einer Seminararbeit Untersuchungen im Hinblick auf die Semantik einzelner Adjektive anzustellen. Ich wählte daher einen Text aus einer Sammlung antiker Sagen, auf den ich in der Vorbereitung für mein zweites Studienfach Latein gestoßen war.

Die Beschaffung der Sekundärliteratur für die Arbeit gestaltete sich teilweise etwas schwierig, da, wie so oft, die für die Arbeit empfohlenen Bücher bereits verliehen waren oder in der Bibliothek von anderen Nutzern verwendet wurden. So musste ich manchmal auf das zurückgreifen, was von anderen über die benötigte Literatur geschrieben worden war.

Sehr gut funktionierte die Befragung von deutschen Muttersprachlern in Bezug auf die mögliche Verwendung einiger Adjektive, da diese mir mit ihrem Gefühl für die deutsche Sprache auch dann stets weiterhalfen, wenn mich das meine zwischenzeitlich einmal verlassen hatte.

2. Die Themenstellung

In dieser Seminararbeit soll zunächst ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Semantik deutscher Adjektive gegeben werden. Bevor einige Adjektive im Hinblick auf ihre Semantik genauer untersucht werden können, muss zuerst festgestellt werden, was die Wortart des Adjektivs auszeichnet. Zu Beginn wird daher nach einer Definition für ein Adjektiv in seiner Wortart und seiner Funktion im Satz gesucht. Dabei werden Überlegungen zu den Adjektiven angestellt, die im ausgewählten Text vorkommen, da sich darunter neben eindeutig identifizierbaren Adjektiven auch Problem- und Zweifelsfälle befinden. All diese Adjektive werden tabellarisch im Anhang aufgeführt und nach bestimmten Kriterien bewertet und gegliedert. Dann werden drei ausgewählte Adjektive, die z. T. in ihrer Verwendung im Text bereits ungewöhnlich erscheinen, in den Mittelpunkt der Untersuchung gestellt. Da sie semantisch besonders interessant und vielseitig sind, werden sie in alle möglichen bekannten und weniger bekannten Zusammenhänge gesetzt und auf ihre mögliche Verwendung und ihre Sinnhaftigkeit im Deutschen hin getestet. Sie werden nach bestimmten Aspekten überprüft, wie etwa nach der Häufigkeit ihres Vorkommens, ihrer Verwendung in Phraseologien und ihrem metaphorischen oder idiomatischen Gebrauch. Außerdem wird ein Blick auf ihren Eintrag in Wörterbüchern geworfen und versucht, sie in eine Gesamtgliederung von Adjektiven einzuordnen. Die eigenen Gedanken und Erkenntnisse werden dabei mit wissenschaftlichen Ergebnissen der Sekundärliteratur verglichen, erweitert und belegt.

3. Die Semantik deutscher Adjektive: Der Forschungsstand

Lange Zeit hielt man die Semantik für einen nur kleineren, unbedeutenderen Teil der Linguistik. Dies änderte sich jedoch zunehmend im 20. Jahrhundert. Einen Gesamtüberblick über die historische Semantik bietet hierzu Gerd Fritz.[1] Gustav Stern verschafft laut Ullman[2] 1931 einen Überblick über die Thematik der Semantik in „Meaning and change of meaning. With reference to the English language“[3]. Erst in den 60-iger Jahren folgten eine Reihe weiterer Werke wie z.B. von Kronasser das „Handbuch der Semasiologie“ 1952[4]. Von Leisi erscheint 1975 eine Klassifikation von Adjektiven nach den Kriterien ihres Gebrauches: „Der Wortinhalt. Seine Struktur im Deutschen und im Englischen.“[5]. Auch Jost Trier hatte mit „Der deutsche Wortschatz im Sinnbezirk des Verstandes. Von den Anfängen bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts.“[6] 1973 Einfluss auf die weitere Forschung. Hundsnurscher/ Splett beschäftigen sich 1982 mit der „Semantik der Adjektive des Deutschen“[7], die mittels anderer Kriterien den gesamten deutschen Adjektivwortschatz (12.500 Adjektive) gliedern: Zum einen wird die Wortbedeutung anhand unterschiedlicher Gebrauchsweisen bestimmt; außerdem der Bezug zu verschiedenen Bereichen sowie zu ähnlich verwendeten anderen sprachlichen Mitteln bedacht und der semantischen Relation wird die Synonymierelation zugrunde gelegt.[8] Grammatikalisch gesehen wird das Adjektiv ausführlich bei Engel[9], Helbig/ Buscha[10], Bierwisch[11] oder bei Eisenberg[12] behandelt. Untersuchungen zur Syntax und Semantik des deutschen Adjektivs liefert auch Gerhard Bickes in „Das Adjektiv im Deutschen“[13]. Überlegungen zur Wortfeldforschung stellen Peter Rolf Lutzeier in „Wort und Feld“ 1981[14], oder Jost Trier u.a. in „Wortfeldforschung“, 1973 herausgegeben von Lothar Schmidt[15], oder aktueller Horst Geckeler mit „Strukturelle Wortfeldfoschung heute“[16] 1993, an. Ebenfalls 1993 äußert sich Franz Hundsnurscher zu den Unterschieden in den Verwendungsweisen in „Die Lesart als Element der semantischen Beschreibung“[17]. Phraseologien und Redewendungen können zu jeweiligen Stichworten in alphabetischer Reihenfolge im Duden Band 11[18] und 12[19] nachgeschlagen werden. An einer Klassifizierung von deutschen Adjektiven versucht sich Tang Wenping in „Die semantische Klassifikation des Adjektivs im Hinblick auf seine Morphologie und Syntax. Eine Untersuchung am Beispiel der deutschen Gegenwartssprache.“[20] Zu der neueren Forschungsliteratur gehört auch „Das deutsche Adjektiv“ von Igor Trost (2006)[21]. Trost geht in einem ersten Teil auf die Semantik, Grammatik und Komparation von Adjektiven ein und im zweiten Teil analysiert und klassifiziert er das Adjektiv semantisch und grammatisch. Zur Wortart des Adjektivs hat Ludger Hofmann 2007 ein „Handbuch der deutschen Wortarten“[22] herausgegeben.

In der aktuellen Literatur beschäftigt man sich oft intensiver mit einem bestimmten Bereich in der Semantik, wie z. B. Ludmila Klara 2009 mit dem Zusammenhang von Wortakzent und seiner Bedeutung in „Ist steinreich auch steinreich?“[23] oder Ilja Kirschbaum 2002 mit der Intensivierung von Adjektiven in „Schrecklich nett und voll verrückt. Muster der Adjektiv-Intensivierung im Deutschen.“.[24] Untersuchungen zu den Vorkommensweisen von Farbadjektiven stellen Christiane Wanzeck in „Zur Etymologie lexikalisierter Farbwortverbindungen. Untersuchungen anhand der Farben Rot, Gelb, Grün und Blau.“[25] und Caroline Kaufmann in „Zur Semantik der Farbadjektive rosa, pink und rot.“[26] an. Zuletzt erschienen von Iris Bons „Zur Polysemie von Adjektiven“[27] und „Das Adjektiv im heutigen Deutsch“[28] mit verschiedenen Beiträgen zu Syntax, Semantik und Pragmatik vom deutschen Adjektiv, kürzlich herausgegeben von Günther Schmale.

4. Fallstudie: Die Adjektive in altertümlichen Sagen

4.1 Versuch einer operationalisierten Definition des Adjektivs

Bevor über die Semantik der Adjektive diskutiert werden kann, muss zunächst der Begriff des Adjektivs erläutert werden.

Das Wort „Adjektiv“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „das Hinzugefügte“ (lat. adiectum). Das Adjektiv wird somit einem Substantiv hinzugefügt. Der in der Grundschule erlernte Begriff „Eigenschaftswort“ auf die Frage „wie?“ ist an dieser Stelle daher nicht vollkommen aussagekräftig. „Die eigentlichen Eigenschaftswörter werden in der bisherigen Forschung als Qualitätsadjektive (Eichinger) […], qualifikative Adjektive (Engel) […], absolute […], relative […] und Qualitätsadjektive (Eisenberg) sowie als sensorische und qualifizierende Eigenschaften (Duden Grammatik 1998) beschrieben.“[29] Schlägt man in einem sprachwissenschaftlichen Lexikon unter dem Schlagwort „Adjektiv“ nach, wird beschrieben, dass es „die Wörter umfasst, die syntaktisch beim Nomen stehen (attributive Verwendung […]) oder von einer Kopula regiert werden (prädikative Verwendung […]) und zum Teil auch Valenz aufweisen […].“[30] Außerdem muss es in Kasus, Numerus und Genus in Kongruenz zu seinem Substantiv stehen. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass nicht alle Adjektive auch alle syntaktischen Funktionen erfüllen können. So seien einige attributiv und prädikativ verwendbar, aber nicht graduierbar, andere nur attributiv und wiederum andere nur prädikativ zu gebrauchen. Nach der Fünf-Wortartenlehre nach Glinz in den 1970er Jahren können Adjektive anhand folgender morphologischer Kriterien ermittelt werden: Ein Adjektiv muss flektierbar, deklinierbar, nicht genusfest und komparierbar sein.[31] Zusätzlich sind jedoch morphologische und syntaktische Kriterien zu beachten. Allerdings gibt es auch Wörter, die nicht alle diese Kriterien erfüllen können und dennoch der Wortart der Adjektive zugeordnet werden. So sind einige Adjektive nicht komparierbar, wie z.B. „tot“, „schwanger“ oder „besonders“.[32] Zur Definition der Adjektive in verschiedenen Grammatiken liefert Trost einen guten Überblick.[33] In dieser Arbeit wird hauptsächlich Bezug auf die Informationen im Duden genommen: Danach erkennt man ein Adjektiv an folgenden grammatischen Eigenschaften: Adjektive sind flektierbar, ihre unflektierte Form wird prädikativ gebraucht; die meisten Adjektive sind graduierbar und nur Adjektive können zwischen definitem Artikel und Substantiv stehen.[34] In einem Satzgefüge können dabei verschiedene Testverfahren angewendet werden: Bei der Permutationsprobe werden einzelne Wortgruppen oder Wörter im Satz um das Finitum herumgeschoben und bei der Substitutionsprobe sollen Attribut und Substantiv durch ein Personalpronomen ersetzt werden.[35]

[...]


[1] Fritz, Gerd: Historische Semantik. Weimar 2006.

[2] Ullmann, Stephen: Neue Richtungen in der Semantik. In: Geckeler, Horst (Hg.): Strukturelle Bedeutungslehre. Darmstadt 1978, S. 15.

[3] Stern,Gustav: Meaning and Change of Meaning. With Reference to the English language. Greenwood 1975.

[4] Kronasser, H.: Handbuch der Semasiologie. Heidelberg 1952.

[5] Leisi, Der Wortinhalt. Seine Struktur im Deutschen und im Englischen. Heidelberg 1975.

[6] Trier, Jost: Der deutsche Wortschatz im Sinnbezirk des Verstandes. Von den Anfängen bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts. Heidelberg 1973.

[7] Hundsnurscher/ Splett: Semantik der Adjektive des Deutschen. Analyse der semantischen Relationen. Opladen 1982.

[8] Vgl. Wenping, Tang: Die semantische Klassifikation des Adjektivs im Hinblick auf seine Morphologie und Syntax. Eine Untersuchung am Beispiel der deutschen Gegenwartssprache. Frankfurt am Main 2000, S.22 f.

[9] Engel, Ulrich: Deutsche Grammatik. München 2004, S. 335 – 363.

[10] Helbig, Gerhard und Buscha, Joachim: Deutsche Grammatik. Berlin 2011.

[11] Bierwisch, Manfred: Syntax, Semantik und Lexikon. Berlin 1988.

[12] Eisenberg: Grundriss der deutschen Grammatik. Stuttgart 1994.

[13] Bickes, Gerhard: Das Adjektiv im Deutschen. Frankfurt am Main 1984.

[14] Lutzeier, Peter Rolf: Wort und Feld. Tübingen 1981.

[15] Lothar Schmidt (Hg.): Wortfeldforschung. Darmstadt 1973.

[16] Geckeler, Horst: Strukturelle Wortfeldforschung heute. In: Lutzeier, Peter Rolf: Studien zur Wortfeldtheorie. Tübingen 1993.

[17] Hundsnurscher, Franz: Die „ Lesart" als Element der semantischen Beschreibung. In: Lutzeier, Peter: Studien zur Wortfeldtheorie. Tübingen 1993.

[18] Duden. Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten. 1. Auflage. Band 11. Hrsg. von der Dudenredaktion. Mannheim 1998.

[19] Duden. Zitate und Aussprüche. Herkunft und aktueller Gebrauch. 1. Auflage. Band 12. Hrsg. von der Dudenredaktion. Mannheim 1998.

[20] Wenping, Tang: Die semantische Klassifikation des Adjektivs im Hinblick auf seine Morphologie und Syntax. Eine Untersuchung am Beispiel der deutschen Gegenwartssprache. Frankfurt am Main 2000.

[21] Trost, Igor: Das deutsche Adjektiv. Hamburg 2006.

[22] Hofmann, Ludger (Hg.): Handbuch der deutschen Wortarten. Berlin 2007.

[23] Klara Ludmila: Ist steinreich auch steinreich? München 2009.

[24] Kirschbaum, Ilja: Schrecklich nett und voll verrückt. Muster der Adjektiv-Intensivierung im Deutschen. Düsseldorf 2002.

[25] Wanzeck, Christiane: Zur Etymologie lexikalisierter Farbwortverbindungen. Untersuchungen anhand der Farben Rot, Gelb, Grün und Blau. Amsterdam 2003.

[26] Kaufmann, Caroline: Zur Semantik der Farbadjektive rosa, pink und rot. München 2006.

[27] Bons, Iris: Zur Polysemie von Adjektiven. In: Iris Bons, Thomas Gloning und Dennis Kaltwasser (Hg.): Fest-Platte für Gerd Fritz. 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Gießen 2010.

[28] Schmale, Günther (Hg.): Das Adjektiv im heutigen Deutsch. Tübingen 2011.

[29] Trost (2006), S. 12.

[30] Bußmann, Hadmoud: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart 2002, S. 48.

[31] Vgl. Bußmann (2002), S. 49.

[32] Vgl. Busch/ Stenschke: Germanistiksche Linguistik. Tübingen 2007, S. 121 f.

[33] Vgl. Trost (2006) S. 1 ff.

[34] Vgl. Duden – Die Grammatik, S. 338.

[35] Vgl. Busch/ Stenschke (2007), S. 119 f. .

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Zur Untersuchung der Semantik deutscher Adjektive
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1
Jahr
2011
Seiten
29
Katalognummer
V187150
ISBN (eBook)
9783656104551
ISBN (Buch)
9783656104681
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adjektiv, Deutsch, Untersuchung, Semantik
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Zur Untersuchung der Semantik deutscher Adjektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187150

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