Im Rahmen dieser Arbeit wurden die ursprünglichen Zielesetzungen zur Gründung von Gesamtschulen mit aktuellen empirischen Schulleistungsvergleichsstudien in Relation gesetzt und überprüft, ob die Gesamtschule ihre originären Zielsetzungen gerecht wird. Dabei wird einerseits ein Überblick zur Historie der Gesamtschule gewährt, als auch der Status quo näher beleuchtet. Zudem werden insebsondere die Befunde der "Fendschen" Vergleichsstudien als auch neuerer Studien (u.a. Fend, Köller, Standardssicherung NRW, PISA etc.) im Hinblick auf die Fragestellung analysiert.
Eine Bilanzierung und Ausblick fassen die Befunde zusammen und erlauben auf Grundlage der empirischen Befunde eine Bewertung der aktuellen Situation von Gesamtschulen (insbesondere in NRW)
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Historische Perspektive: Zur Entstehung und zum gegenwärtigen Stand der Gesamtschule in der BRD
2.1 Begriffsbestimmung Gesamtschule
2.2 Erste Programmentwürfe zu Gesamtschulen bis 1945
2.2.1 Die klassisch-liberale Stufenschule
2.2.2 Die sozialdemokratische „Einheitsschule“
2.2.3 Der Gesamtschulgedanke in der Weimarer Republik
2.3 Die Phase der Restauration im Schulwesen der BRD (1945-1965)
2.4 Vom Experiment zur Regelschule
2.5 Die Situation der Gesamtschule gegenwärtig
3 Konzeptionelle Perspektive: Zur Begründung der Struktur und Zielsetzung von Integrierten Gesamtschulen basierend auf der Empfehlung des Deutschen Bildungsrates
3.1 Ausgangssituation – Das traditionelle Schulsystem in der Kritik
3.2 Die Zielsetzung von Gesamtschulen
3.2.1 Eine wissenschaftliche Schule für alle
3.2.2 Individualisierung des Lernens
3.2.3 Bessere Förderung
3.2.4 Größere Chancengleichheit
3.2.5 Soziale Erfahrung in der Gesamtschule
3.3 Merkmale von Gesamtschulen
3.3.1 Der strukturelle Aufbau von integrierten Gesamtschulen
3.3.2 Formen der Differenzierung an Gesamtschulen
3.3.3 Zur Struktur der Oberstufe
4 Empirische Perspektive: Die Integrierte Gesamtschule im Schulsystemvergleich
4.1 Empirische Befunde zur Gesamtschule im Zuge des Schulversuchsprogramms
4.1.1 Die Schullaufbahnen in unterschiedlichen Schulsystemen
4.1.1.1 Mobilitätsprozesse im Vergleich
4.1.1.2 Individuelle Förderung
4.1.1.3 Abschlüsse in verschiedenen Schulsystemen
4.1.2 Chancengleichheit im Vergleich
4.1.3 Fachliche Leistungen in unterschiedlichen Schulsystemen
4.1.4 Befunde zum affektiven Bereich in unterschiedlichen Schulsystemen
4.2 Neuere empirische Befunde zur Gesamtschule
4.2.1 Schullaufbahnen im Vergleich
4.2.2 Chancengleichheit im Vergleich
4.2.3 Leistungen im Vergleich
4.2.3.1 Ergebnisse der PISA-Studie
4.2.3.2 Studie: Offenheit des Schulsystems beim Zugang zur Hochschulreife
4.2.3.3 Studie: Öffnung von Bildungswegen in der Sekundarstufe II
4.2.3.4 Lernstandserhebung in Nordrhein-Westfalen 2009
4.2.3.5 Zentralabitur in Nordrhein-Westfalen 2010
4.2.4 Befunde zum affektiven Bereich in unterschiedlichen Schulsystemen
4.3 Exkurs - Vorstellung zweier Fallbeispiele: Gesamtschulen mit besonderer pädagogischer Prägung
4.3.1 Fallbeispiel: Schule A
4.3.2 Fallbeispiel: Schule B
5 Bilanz: Hat die Gesamtschule ihre Ziele erreicht?
6 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit hat das Ziel, zu untersuchen, ob die auf Grundlage der Empfehlungen des Deutschen Bildungsrates von 1969 errichtete Gesamtschule in Deutschland ihre ursprünglichen Ziele erreicht hat. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Bilanzierung empirischer Forschungsbefunde im Vergleich zum gegliederten Schulsystem.
- Historische Entwicklung und Begründung der Gesamtschulidee in der Bundesrepublik Deutschland.
- Konzeptionelle Zielvorstellungen und Strukturmerkmale der Integrierten Gesamtschule.
- Empirischer Vergleich zwischen Gesamtschulen und dem traditionellen Schulsystem hinsichtlich Mobilität, Chancengleichheit und fachlicher Leistung.
- Analyse der Wirksamkeit der pädagogischen Konzepte und Fallbeispiele aus der Praxis.
- Diskussion über die zukünftige Optimierung der Gesamtschule und Einordnung in aktuelle bildungspolitische Debatten.
Auszug aus dem Buch
3.1 Ausgangssituation – Das traditionelle Schulsystem in der Kritik
In der Debatte zur Qualität des deutschen Schulsystems in den 1960er Jahren wurden folgende Punkte am traditionellen Schulwesen kritisiert:
1. Die pädagogisch-psychologische Kritik
Die frühe Selektion bzw. Übergangsauslese nach Klasse vier wurde grundsätzlich in Frage gestellt. Der Prognosewert der Grundschulnoten und die daran gebundene Empfehlung für den weiteren Bildungsverlauf haben sich, unter dem Gesichtspunkt der begrenzten Korrigierbarkeit negativer Bildungsentscheidungen, als besonders fragwürdig erwiesen. Zudem wurden Zweifel an dem bis dahin üblichen Begabungsbegriff geäußert und Forderungen nach einer individuellen Förderung entsprechend der jeweiligen Neigungen und Fähigkeiten gestellt (Köller 2008, S. 438; Hanisch 1988, S. 15 f.).
Ausgehend von dieser Kritik erschien die Errichtung der Gesamtschule als eine probate Lösung. Die pädagogisch-psychologische Argumentation sah in der Gesamtschule eine Gelegenheit, Bildungswege bis zum Ende der Sekundarstufe I offenzuhalten und die individuelle Profilbildung nach Neigung und Leistung zu ermöglichen (Köller 2008, S. 438).
2. Die bildungsökonomische Kritik
Der historische Überblick hat bereits auf die Prophezeiung von Picht Bezug genommen und verdeutlicht, dass der BRD in den 1960er Jahre ein Mangel an Höherqualifizierten drohte. Auf Basis der von Picht proklamierten „drohenden Bildungskatastrophe“ resultierte eine bildungsökonomische Kritik hinsichtlich der Leistungsfähigkeit des deutschen Schulsystems, da die internationale ökonomische Konkurrenzfähigkeit durch den Mangel an höher qualifizierten Absolventen beeinträchtigt werden könnte (Köller 2008, S. 439).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die bildungspolitische Diskussion über die Struktur des deutschen Schulsystems ein und definiert das Ziel der Arbeit, die empirische Bilanz der Gesamtschule zu prüfen.
2 Historische Perspektive: Zur Entstehung und zum gegenwärtigen Stand der Gesamtschule in der BRD: In diesem Kapitel wird die historische Entwicklung der Gesamtschulidee von frühen Reformansätzen bis zur Etablierung als Regelschule nachgezeichnet.
3 Konzeptionelle Perspektive: Zur Begründung der Struktur und Zielsetzung von Integrierten Gesamtschulen basierend auf der Empfehlung des Deutschen Bildungsrates: Das Kapitel erläutert die theoretischen Begründungen für die Gesamtschule und analysiert die vom Bildungsrat definierten Ziele und Strukturmerkmale.
4 Empirische Perspektive: Die Integrierte Gesamtschule im Schulsystemvergleich: Hier werden empirische Studien herangezogen, um die Gesamtschule im Vergleich zum gegliederten Schulsystem hinsichtlich Schullaufbahnen, Chancengleichheit und Leistungen zu bewerten.
5 Bilanz: Hat die Gesamtschule ihre Ziele erreicht?: In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der empirischen Analyse zusammengeführt, um zu bewerten, inwieweit die Gesamtschule ihren gesetzten Zielvorstellungen gerecht wird.
6 Ausblick: Der Ausblick thematisiert die zukünftige Rolle der Gesamtschule und mögliche Optimierungsstrategien im Kontext eines modernen Schulsystems.
Schlüsselwörter
Gesamtschule, Bildungsrat, Chancengleichheit, Bildungsreform, Schullaufbahn, Leistungsvergleich, PISA-Studie, Individualisierung, Bildungssystem, Sekundarstufe, pädagogisches Profil, Selektion, Mobilität, Fachleistungsdifferenzierung, Schulentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit bilanziert, ob die Integrierte Gesamtschule ihre ursprünglichen bildungspolitischen Ziele erreicht hat, indem sie historische Konzeptionen mit empirischen Forschungsbefunden vergleicht.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Historie der Gesamtschule, den theoretischen Zielsetzungen des Deutschen Bildungsrates sowie dem empirischen Wirksamkeitsnachweis im Vergleich zum gegliederten Schulsystem.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist eine fundierte Überprüfung der Wirksamkeit von Gesamtschulen gemessen an den Erwartungen und Anforderungen, die bei deren Einführung durch den Deutschen Bildungsrat 1969 formuliert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine systematische Auswertung und Bilanzierung von Literatur, historischen Programmentwürfen und zahlreichen empirischen Studien (u.a. Fend, PISA, TIMSS, BIJU).
Welche Themen werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Entstehung, eine konzeptionelle Herleitung der Ziele sowie einen umfangreichen empirischen Vergleichsteil zu Schullaufbahnen, Chancengerechtigkeit und Kompetenzleistungen.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Chancengleichheit, Gesamtschulkonzept, Schulsystemvergleich, Leistungsdifferenzierung und empirische Bildungsforschung charakterisiert.
Wie schneiden Gesamtschulen bei der Chancengleichheit im Vergleich zu anderen Schulformen ab?
Die empirische Bilanz zeigt, dass Gesamtschulen zwar zur Reduktion sozialer Ungleichheit beitragen, soziale Herkunft jedoch auch in diesem System langfristig ein relevanter Faktor für den Bildungsverlauf bleibt.
Welche Rolle spielt die Differenzierung an Gesamtschulen?
Die Differenzierung ist ein konstitutives Merkmal, steht jedoch oft im Spannungsfeld zwischen der Förderung individueller Leistungen und der Notwendigkeit, den sozialen Zusammenhalt in der Klasse zu wahren.
- Arbeit zitieren
- Christiane Mueller (Autor:in), 2011, Hat die Gesamtschule ihre Ziele erreicht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187177