Fremdenpolitik in Dänemark. Emigranten im Dänischen Exil nach 1933


Hausarbeit, 2007
17 Seiten

Leseprobe

INHALT

1. EINLEITUNG: DÄNEMARK ALS ASYLLAND
1.1. FRAGE- UND PROBLEMSTELLUNG

2. DÄNISCHE FLÜCHTLINGE IN SKANDINAVIEN 1934-1940

3. DIE FREMDENPOLITIK BIS ZUR BESETZUNG 1940

4. HILFSORGANISATION IN DÄNEMARK BIS 1941
4.1. DAS EMIGRANTENHEIM

5. DIE SITUATION DER FLÜCHTLINGE IN DÄNEMARK WÄHREND DER BESATZUNGSZEIT

5.1. DIE RETTUNG DER JUDEN 1943

6. ZUSAMMENFASSUNG

7. LITERATUR

1. EINLEITUNG: DÄNEMARK ALS ASYLLAND

Die Frage: Wo die Politik der dänischen Regierung während der Zeit der NSDAP einzuordnen ist, war schon oft Gegenstand diverser Diskussionen, insbesondere der Blick auf die deutsche Besatzungszeit Dänemarks zwischen 9. April 1940 bis 4. Mai 1945. Anders sieht es aus mit der Exilforschung in Dänemark, die erst seit den siebziger Jahren im Zuge einer sich etablierenden Internationalen Exilforschung durch die sogenannte ‚Grundforschung‘ und den ‚Länderstudien‘ an größeres Interesse gewonnen hat.

Dänemark spielte als Asylland während des Zeitraums 1933-1945 nur eine verhältnismäßig bescheidene Rolle, wenn man die schieren Zahlen innerhalb der Flüchtlingsströme in Europa nach 1933 miteinander vergleicht.

Seitens dänischer Regierungskreise war man stets in der deutsch-dänischen Außenpolitik darum bemüht, eine möglichst geringe ‚Angriffsfläche‘ zu bieten und eine Politik der Vermeidung jeglicher Konflikte mit dem südlichen Nachbarn zu führen. Ausgedrückt wird das durch die Politik der Zusammenarbeit der dänischen Behörden mit der deutschen Besatzungsmacht.

Einerseits musste die dänische Regierung tausende Emigranten irgendwie abfertigen, die sich gen Norden aufgemacht haben und in oder über Dänemark, nach der Ergreifung der Macht durch die NSDAP, eine Fluchtmöglichkeit sahen. Anderseits herrschte die Meinung in Regierungskreisen, dass es möglichst vermieden werden sollte, gegenüber der deutschen Regierung negativ aufzufallen.

Durch verschiedene juristische Maßnahmen wurde in Dänemark, aber auch in anderen Skandinavischen Ländern, der Anteil am gesamten Flüchtlingsstrom so klein wie möglich gehalten. Die Verschärfung des Fremdengesetzes war Mittel zum Zweck.

Das kleine Land Dänemark mit einer Bevölkerung von 3.623.000 Einwohner, davon 6.000 Juden, also weniger als 0,17 % der gesamten Bevölkerung, wurde zwischen 19331945 mit etwa 20.000 -30.000 Emigranten konfrontiert, die über Dänemark ins entferntere Ausland flohen. Nicht weniger als 2.200 Emigranten hielten sich für längeren Zeitraum in Dänemark auf und suchten Unterstützung bei verschiedenen Hilfsorganisationen.

1.1. FRAGE- UND PROBLEMSTELLUNG

Dänemark nahm, trotz des relativ kleinen Flüchtlingsstroms gen Norden, eine markante Rolle in flüchtlingspolitischen Fragen ein. Wenn nicht die dänische Regierung selbst, die damit ein großes Risiko gegenüber den Deutschen einging, dann vertrat doch eine nicht geringe Anzahl von Dänen die Position - stets unter nicht minder risikoreichen Einsatz bei der Rettung von religiös- und politisch Verfolgter aus den Deutschen Gebieten mitzuhelfen.

Im Allgemeinen möchte ich mit dieser Arbeit auf die Veränderung der dänischen Flüchtlingspolitik während der Zeit des Nationalsozialismus eingehen. Zum anderen möchte ich dabei auf die rechtliche und soziale Situation der Flüchtlinge, ihrer Stellung in der dänischen Gesellschaft und den Gefahren darlegen, den die Flüchtlinge in Dänemark gegenüber standen.

Die Erfassung der Flüchtlingszahlen ist im Allgemeinen sehr schwierig zu lösen. Die Analyse des Flüchtlingsstroms in Dänemark unterliegt einer Dunkelziffer von Emigranten, also Flüchtlinge die nicht amtlich erfasst wurden. So geben die von mir angegebenen Zahlen nur die Untersuchungen wieder, die auf Statistiken öffentlicher Ämter und Schätzungen von Flüchtlingsorganisationen basieren.

2. DEUTSCHE FLÜCHTLINGE IN DÄNEMARK SEIT 1933

Mit dem Sieg der NSDAP mit Adolf Hitler bei den Reichstagswahlen 1933 erfolgte die erste Flüchtlingswelle nach Dänemark. Schon ein Jahr später lag die Zahl der Flüchtlinge in Dänemark bei ca. 800. Bereits 1935 stieg diese auf 1.100 und im folgenden Jahr auf 1.340. Infolge des Anschlusses Österreichs ans Deutschen Reich im März 1938‚ der ‚Reichskristallnacht‘ im November 1938 und des Münchener Abkommens im September 1939 mit der Annexion der sudetendeutschen Gebiete in der Tschechischen Republik stieg die Zahl der Flüchtlinge weiter an, so dass bis zur Besetzung Dänemarks am 09. April 1940 durch die Deutschen mit etwa 1.600 Emigranten gerechnet werden kann1.

Diese doch relativ kleine Anzahl von Flüchtlingen muss neben dem Umstand betrachtet werden, dass Dänemark ein kleines Land mit einer kleinen Bevölkerungszahl ist. Zudem stellten die hohe Anzahl an Immigranten, die Dänemark zwischen 1933 bis 1945 als Transitland nutzten, sowie der überdurchschnittlich große Anteil an politischen Flüchtlingen2 die dänische Regierung vor eine große politische Herausforderung. Wie viele Flüchtlinge tatsächlich in den Norden flohen, ist aus den bisherigen Nachforschungen nicht zu entnehmen, sondern nur zu schätzen, da nur die Anzahl der von den Behörden oder von den Hilfsorganisationen erfassten Flüchtlinge bekannt ist. Diejenigen, die sich nicht haben amtlich registrieren lassen oder Skandinavien als Transitregion benutzten, fallen somit aus den Zahlen heraus. Der Historiker Aage Friis, der zugleich eine zentrale Position im dänischen Hilfskomitee während der NS-Zeit besaß, ging davon aus, dass zwischen 20.000 bis 30.000 Emigranten3 über Dänemark als Transitland in andere Länder flohen. Viele dieser Emigranten trachteten danach mithilfe von Ausreiseanträgen, über Dänemark nach England, die USA, Russland, Schweden oder Norwegen zu kommen.

Untersuchungen zufolge ergeben die Flüchtlingszahlen, dass 1940 sich etwa 6.440 politisch und rassisch-Verfolgte4 in Nordeuropa aufhielten, davon waren etwa 200 Asylanten in Finnland, 840 in Norwegen, 3200 in Schweden und 1600 in Dänemark auf. Nicht mit eingerechnet sind die etwa 380 jüdische landwirtschaftlichen Hechaluz-Schüler, die sich in Dänemark auf die Aussiedlung nach Palästina vorbereiteten und 265 jüdischen Alijah-Kinder5, die durch die Initiative von Mélanie Oppenhejm (1897-1982) und zwei Frauenorganisation nach Dänemark geholt wurden.

Die in Dänemark etwa 1.600 rassisch und politisch Verfolgten wurden behördlich in Gruppen unterteilt. Davon waren 66 % jüdischer Abstammung, 12 % Sozialdemokraten, 10 % Kommunisten, 8% sogenannte Geistesarbeiter und zu 5 % Hitlerflüchtlinge aus der Tschechoslowakei6. Erwähnenswert ist, dass in Dänemark zwischen 34% - 49% politische Flüchtlinge waren, während der allgemeine Flüchtlingsstrom zu 90 % aus Gründen des Antisemitismus geflohen ist7. Somit zog Dänemark bis 1940 eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an politischen Flüchtlingen an. Sicherlich ist der hohe Anteil auch ein Ausdruck der restriktiven Fremdenpolitik gegenüber jüdischen Flüchtlingen. Ähnlich sind die Zahlen auch in Norwegen und Schweden.

In Anbetracht der deutschen jüdischen Flüchtlinge, die zwischen 1933 und 1940 keine andere Möglichkeit als die Flucht sahen, emigrierten laut damaliger deutscher Statistik8 nur 2.650 der 362.737 der in Deutschland lebenden Juden nach Skandinavien und Finnland, während der größte Anteil der Flüchtlinge in andere europäische Länder Asyl suchte, hier waren vor allem Frankreich, Tschechoslowakei, aber auch die Schweiz und die Niederlande von Bedeutung. Nach den Novemberpogromen 1938 wurde England und außereuropäische Ziele (u.a.: USA, Palästina) wichtige Anlaufpunkte für Asylsuchende. Zudem emigrierten nach Nordeuropa bis Oktober 1941 laut Wolfgang Wilhelmus 2963 Juden aus dem 1938 an das Deutsche Reich angegliederte Österreich, so dass in Nordeuropa etwa 5.613 jüdische Emigranten aus ‚Großdeutschen Reich‘ lebten9.

3. FREMDENPOLITIK BIS ZUR BESETZUNG 1940

Laut dem dänischen „Fremdengesetz“ konnten deutsche, österreichische und tschechoslowakische Staatsbürger ursprünglich ohne Visum nach Dänemark reisen. Ausländer konnten sich generell bis zu 6 Monaten im Lande aufhalten. Jedoch konnten im Allgemeinen nur diejenigen, die vor März 1926 in Dänemark eingereist waren eine berufliche Tätigkeit in Dänemark ausüben. Diejenigen die danach kamen, brauchten fortan eine Genehmigung des Justizministeriums.

Anhand des „Fremdengesetzes“ ist gut zu beobachten wie die Rechte der Emigranten im Laufe der 30er Jahre vom Justizministerium, unter Carl Theodor Zahle (1866-1946), später unter Karl Kristian Steincke (1880-1963) korrigiert, beschränkt und verschärft wurden. Das „Fremdengesetz lässt sich im Grad der Verschärfung gegenüber Asylsuchende periodisieren.

[...]


1 Petersen, Hans Uwe: Die dänische Flüchtlingspolitik 1933-1941. ABA 2002. S.1.

2 Petersen, Hans Uwe: Die dänische Flüchtlingspolitik 1933-1941. ABA 2002. S.1.

3 Friis, Aage: De tyske emigranter og den internationale flygtningehjælp, in: Politiken, 4.1.1954.

4 eigene Berechnung basierend auf verschiedenen Quellen: Petersen, Hans Uwe: Hitlerflüchtlinge im Norden Asyl und politisches Exil 1933-1945. S. 19; Petersen, Hans Uwe: Die Dänische Flüchtlingspolitik 1933-1941. S.1.; Dähnhardt, Will: Exil in Dänemark. S.18.

5 Flygtningestatistik, 15.04.1940, Justitsministeriet, 3. Kontor (JM), 1941/1912, Rigsarkivet (RA)

6 Ebenda.

7 Petersen, Hans Uwe: Die dänische Flüchtlingspolitik 1933-1941. S.1.

8 Wilhelmus, Wolfgang: Hitlerdeutschland, Schweden, Skandinavien und die Juden. S. 33.

9 Vgl. Wilhelmus, Wolfgang: Hitlerdeutschland, Schweden, Skandinavien und die Juden. S.33. Nordlund, Sven: Invanderingen till Sverige 1920-1945. S.1.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Fremdenpolitik in Dänemark. Emigranten im Dänischen Exil nach 1933
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V187181
ISBN (eBook)
9783656899792
ISBN (Buch)
9783656899808
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fremdenpolitik, dänemark, emigranten, dänischen, exil
Arbeit zitieren
Christian Schewe (Autor), 2007, Fremdenpolitik in Dänemark. Emigranten im Dänischen Exil nach 1933, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187181

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