1.1Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
Aufgrund der aufgezeigten Schwierigkeiten für die Unternehmen in der Finanz- und Wirtschaftskrise, wollte die Bundesregierung einspringen, um die Unternehmen mittels steuerlicher Maßnahmen und Gesetzeskorrekturen zu entlasten. Maßnahmen wie die Zinsschranke, die durch das Unternehmsteuerreformgesetz 2008 eingeführt wurde um die Eigenkapitalbasis der deutschen Unternehmen zu stärken, mussten derzeit wieder entschärft werden. „Einzelne steuerliche Maßnahmen, die die Eigenkapitalbasis deutscher Unternehmen stärken sollten, können in einer rezessiven konjunkturellen Entwicklung wachstumshemmend wirken", schrieben ministerialen Fachleute in der Wirtschaftswoche vom 30.11.2009. Die Maßnahmen, die die Bundesregierung dann ergriffen hat, wurden in einem neuen Gesetz erlassen: „Das Gesetz zur Beschleunigung des Wirtschaftswachstums“ (Wachstumsbeschleunigungsgesetz). Die Benennung des Gesetzes sagt bereits, welches Ziel die Bundesregierung damit erreichen möchte. Die vorliegende Diplomarbeit erörtert die Folgen des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes und inwieweit die Steuerentlastungen tatsächlich zum Wachstum der Wirtschaft beitragen können. Es soll aufgezeigt werden, ob die Gesetzesänderungen, die gleichzeitig auch zusätzliche Kosten für den Staat darstellen, umfangreich genug sind. Dabei werden die Änderungen aufgrund des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes beim Verlustabzugsbeschränkungsparagraphen im Körperschaftsteuergesetz, der Zinsschranke im Einkommensteuergesetz und die Einführung einer Konzernklausel im Grunderwerbsteuergesetz dargelegt. Die weiteren Gesetzesänderungen durch das WaBeschG zum 01.01.2010 werden in der vorliegenden Arbeit nicht dargelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Wachstumsbeschleunigungsgesetz
2.1 Gründe zur Einführung
2.2 Kosten der Einführung
3. Einkommensteuer – Zinsschranke
3.1 Voraussetzungen zur Anwendung
3.1.1 Steuerliches EBITDA
3.1.2 Konzernzugehörigkeit
3.1.3 Eigenkapitalquote
3.1.4 Zinsvortrag
3.2 Gesellschafter-Fremdfinanzierung
3.3 Zinsschranke zum 01.01.2010
3.3.1 EBITDA-Vortrag und Zinsvortrag
3.3.2 Escape-Klausel
3.3.3 Beispiele
3.3.4 Kritik
4. Körperschaftsteuergesetz - Verlustabzugsbeschränkung
4.1 Definitionen
4.2 Voraussetzung zur Anwendung
4.2.1 Quotaler Untergang des Verlustvortrags
4.2.2 Vollständiger Untergang des Verlustvortrags
4.3 Vergleichbare Sachverhalte
4.4 Umfang des Untergangs
4.5 Einführung der Sanierungsklausel
4.5.1 Voraussetzung zur Anwendung
4.5.1.1 Arbeitsplatzregelungen
4.5.1.2 Einhaltung Lohnsumme
4.5.1.3 Zuführung von neuem Betriebsvermögen
4.5.2 Zeitlicher Anwendungsbereich
4.6 Sanierungsklausel zum 01.01.2010
4.6.1 Beispiel
4.6.2 Kritik
4.6.3 Prüfung von der Europäischen Kommission
4.7 Konzernklausel zum 01.01.2010
4.7.1 Voraussetzung zur Anwendung
4.7.2 Behandlung bei Kapitalerhöhung und -herabsetzung
4.7.3 Beispiel
4.7.4 „Eine Person“ im Sinne der Konzernklausel
4.7.5 Kritik
4.8 Verschonungsregel zum 01.01.2010
4.8.1 Voraussetzung zur Anwendung
4.8.2 Allokation des Verschonungsvolumens
4.8.3 Rückwirkung der stillen Reserven
4.8.4 Beispiel
4.8.5 Kritik
5. Grunderwerbsteuer – Konzernklausel
5.1 Grunderwerbsteuerliche Konzernklausel zum 01.01.2010
5.1.1 Umwandlungen und Rechtsvorgänge
5.1.2 Einbeziehung EU/EWR-Umwandlungen
5.1.3 Ein herrschendes Unternehmen und abhängige Gesellschaften
5.1.4 Abhängigkeitsbegriff
5.1.5 Konzernzugehörigkeitsfristen
5.2 Zeitlicher Anwendungsbereich
5.3 Beispiel
5.4 Kritik
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die steuerlichen Auswirkungen des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes, insbesondere im Hinblick darauf, ob die enthaltenen Steuerentlastungen tatsächlich das Wirtschaftswachstum fördern können und ob die staatlichen Kosten der Maßnahmen gerechtfertigt sind. Die Untersuchung erörtert, inwieweit die Gesetzesänderungen Unternehmen in der Finanz- und Wirtschaftskrise entlasten.
- Wachstumsbeschleunigungsgesetz als steuerpolitisches Instrument
- Abmilderung der Zinsschranke im Einkommensteuergesetz
- Verlustabzugsbeschränkungen im Körperschaftsteuergesetz
- Einführung einer Konzernklausel im Grunderwerbsteuergesetz
- Wirtschaftliche Folgen und Entlastungspotentiale für Unternehmen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Steuerliches EBITDA
Zuerst muss das steuerliche EBITDA errechnet werden, da dies die Bemessungsgrundlage für die abzugsfähigen Zinsaufwendungen ist. Das EBITDA steht für “Earnings before interest, taxes, depreciation and amortisation”. Bei der Ermittlung des EBITDA wird der maßgebliche Gewinn nach § 4h Abs. 3 EStG, um die Zinsaufwendungen, die Zinserträge, die Abschreibungen nach § 7 EStG, die Abschreibungen geringwertiger Wirtschaftsgüter nach § 6 Abs. 2 Satz 1 EStG und die Pool-Abschreibungen für GWG nach § 6 Abs. 2a EStG bereinigt. Dadurch können steuerfreie Einnahmen (Bsp. Investitionszulage, Dividenden bei Körperschaften) die Bemessungsgrundlage nicht erhöhen und nicht abziehbare Zinsaufwendungen die Bemessungsgrundlage nicht kürzen. Als maßgeblicher Gewinn, wird der steuerpflichtige Gewinn vor Anwendung der Zinsschranke bezeichnet. Die Bereinigung des maßgeblichen Gewinns, durch die Hinzuzählung der abgezogenen Abschreibungen, werden Betriebe deren Bilanz ein größeres Betriebsvermögen aufweisen, nicht benachteiligt. Ihr Gewinn, welcher bekanntlich die BMG für die abzugsfähigen Zinsaufwendungen ist, würde aufgrund hoher Abschreibungen niedriger ausfallen und gleichzeitig dazu führen, dass auch weniger Zinsaufwendungen abzugsfähig wären. Durch diese Bereinigung werden alle Betriebe in dieselbe Ausgangsposition gebracht, um die gleiche Basis für die Bemessungsgrundlage zu schaffen, ohne dass ein Betrieb benachteiligt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Hintergründe der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 und definiert das Ziel der Arbeit, die Auswirkungen des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes auf die Unternehmensbesteuerung zu untersuchen.
2. Wachstumsbeschleunigungsgesetz: In diesem Kapitel werden die Gründe für die Einführung des Gesetzes sowie die damit verbundenen Kosten für den Fiskus dargelegt.
3. Einkommensteuer – Zinsschranke: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise der Zinsschranke und analysiert die mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz vorgenommenen Änderungen wie den EBITDA-Vortrag.
4. Körperschaftsteuergesetz - Verlustabzugsbeschränkung: Der Fokus liegt hier auf den Änderungen der Verlustabzugsbeschränkungen sowie der Einführung der Sanierungs- und Konzernklausel im KStG.
5. Grunderwerbsteuer – Konzernklausel: Dieses Kapitel interpretiert die neu eingeführte grunderwerbsteuerliche Konzernklausel und untersucht ihre Anwendungsbereiche sowie kritische Aspekte.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bewertet die Wirksamkeit der Gesetzesänderungen vor dem Hintergrund der allgemeinen Wirtschaftslage.
Schlüsselwörter
Wachstumsbeschleunigungsgesetz, Zinsschranke, EBITDA-Vortrag, Verlustabzugsbeschränkung, Sanierungsklausel, Grunderwerbsteuer, Konzernklausel, Finanzkrise, Unternehmensbesteuerung, Eigenkapitalquote, Escape-Klausel, Steuerentlastung, Steuerarbitrage, Umstrukturierung, Verlustvortrag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die steuerlichen Maßnahmen des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes von 2010 und deren Auswirkungen auf deutsche Unternehmen während der Finanzkrise.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Felder sind die Zinsschranke im Einkommensteuergesetz, die Verlustabzugsbeschränkung im Körperschaftsteuergesetz sowie die Konzernklausel im Grunderwerbsteuergesetz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu prüfen, inwieweit die durch das Gesetz eingeführten Steuerentlastungen das Wirtschaftswachstum fördern können und ob diese Änderungen ausreichend sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse der Gesetzeslage, der steuerlichen Auswirkungen anhand von Fallbeispielen und der kritischen Würdigung durch Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt detailliert die Anwendung der Zinsschranke, die Verlustabzugsbeschränkung inklusive Sanierungsklausel sowie die grunderwerbsteuerliche Konzernklausel, jeweils ergänzt durch Fallbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Zinsschranke, Verlustabzugsbeschränkung, EBITDA-Vortrag, Konzernklausel, Sanierungsklausel, Wachstumsbeschleunigungsgesetz und Grunderwerbsteuer.
Wie wirkt sich der neue EBITDA-Vortrag konkret aus?
Er ermöglicht es Unternehmen, in wirtschaftlich schwächeren Zeiten Zinsaufwendungen steuerlich geltend zu machen, wenn in den Vorjahren das EBITDA-Abzugspotential nicht ausgeschöpft wurde.
Warum ist die Konzernklausel bei der Grunderwerbsteuer so bedeutend?
Sie verhindert, dass Umstrukturierungen innerhalb eines Konzerns, die früher als steuerpflichtige Vorgänge galten, unnötige Steuerbelastungen auslösen, und erleichtert somit unternehmerische Entscheidungen.
- Quote paper
- Bianca Werner (Author), 2010, Wachstumsbeschleunigungsgesetz, Verlustabzugsbeschränkungsparagraph, Zinsschranke und Einführung einer grunderwerbsteuerlichen Konzernklausel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187210