Paul Celan - Interpretation des Gedichts "Psalm"


Hausarbeit, 2006

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Lyriker

2. Paul Celans Poethologie

3. Das Gedicht „Psalm“
3.1 Aspektorientierte Analyse
3.2 Gesamtdeutung

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Gedichtinterpretation des Gedichtes „Psalm“ von Paul Celan. Es stammt aus dem fünften Gedichtband „Die Niemandsrose“. Dieser Titel war zuerst nur Bestandteil des Gedichtes „Psalm“. Erst am 31.01.1961 ersetzte er die ursprünglich erwogene Überschrift „Nouveaux Poèmes“ bzw. Stationen. Paul Celan kombinierte zunehmend zwei im Grunde nicht kompatible Begriffe zu einem Neologismus (z.B. Atemwende, Fadensonne und Lichtzwang). Auf den Neologismus Niemandsrose soll später bei der Gedichtinterpretation noch genauer eingegangen werden, da Paul Celan diese Art der Kompositumbildung nicht nur für die Titel aller späteren Zyklen benutzt, sondern auch in dem Gedicht „Psalm“ mit dem Neologismus arbeitet.

Die Gliederung der Hausarbeit ist so gestaltet, dass zuerst auf den Dichter eingegangen werden soll, da seine Biografie im sehr engen Verhältnis zu seinen Gedichten steht. Anschließend wird die Poethologie Celans näher erläutert, um ein Verständnis der Gedanken Celans in Hinsicht auf die dann folgende Gedichtinterpretation des Gedichtes „Psalm“ zu gewährleisten. Die Hausarbeit findet ihren Abschluss in einem Versuch einer Gesamtdeutung und in einer Darstellung der Ergebnisse in der Schlussbetrachtung.

1. Der Lyriker

Paul Celan kommt am 23. November 1920 in Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina im heutigen Rumänien als einziger Sohn deutschsprachiger, jüdischer Eltern zur Welt. Czernowitz, damals Kronland der Habsburger Monarchie, ist ein Vielvölkerstaat, der durch eine Vielzahl von Völkern, Religionen und Sprachgemeinschaften geprägt wurde. Nach der Absolvierung des Abiturs im Juni 1938, beginnt er in Tours/ Frankreich mit dem Studium der Medizin. Jedoch bedingt der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges den Abbruch seines Aufenthaltes, so dass er nach Bukowina zurückkehrt, wo er das Studium der Romanistik aufnimmt.

Zwei Jahre später wird seine Heimat durch sowjetische Truppen besetzt und kurze Zeit später von der deutschen sowie der rumänischen Armee. Noch im Juni 1942 fallen die Eltern Celans den „Säuberungsaktionen“ der deutschen SS- Brigade zum Opfer. Er selbst kann sich der Deportation entziehen, indem er sich bei einem Freund versteckt hält.

Dennoch wird er von Juli 1942 bis zur Befreiung des Lagers im Februar 1944 in einem rumänischen Arbeitslager inhaftiert. Während der zweiten sowjetischen Besetzung schreibt sich Celan an der Universität Czernowitz, die von den Besatzern wieder eröffnet wurde, als Student der Anglistik ein.

Im Juli 1945 geht er nach Bukarest, wo er als Lektor sowie Übersetzer in einem Bukarester Verlag arbeitet1, wobei er die Übersetzertätigkeit lange Zeit fortführt und auf diese Weise mit diversen Autoren und Dichtern in Kontakt gerät2. Es ist hierbei nicht weitgehend geklärt, ob Celan diese Arbeit aus finanziellem Zwang oder aus sprachlichen Interessen ausübt. Er gelangt aber schließlich über Wien und Innsbruck Ende 1949 nach Paris. Dort lebt er als Schriftsteller und lehrt als Dozent.

Bis dahin veröffentlicht er seine Gedichte unter dem Pseudonym Celan, anstelle seines Familiennamens Antschel. 1950 nimmt er die französische Staatsbürgerschaft an und heiratet zwei Jahre später die Künstlerin Gisèle Lestrange. Für seine Werke erhielt er 1958 den Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen, 1960 den Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, 1964 den Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen.

Am 26. April 1970 setzt er seinem Leben ein Ende, indem er den Freitod in der Seine wählt3.

Sein lyrisches Werk gilt weithin als Höhepunkt und Vollendung der klassischen Moderne4. Celan, der sich zeitlebens intensiv mit literarischen Traditionen auseinandersetzte, verstand sein Schreiben stets auch als ein „poethologisch reflektiertes Experiment der Sprache“5. Insgesamt verfasste er, neben einigen wenigen Prosatexten und Reden, eine Reihe von Gedichtbänden: Mohn und Gedächtnis (1952), Von Schwelle zu Schwelle (1955), Sprachgitter (1959), Die Niemandsrose (1963), Atemwende (1967) und Fadensonnen (1968). Nach seinem Freitod erschienen noch die Gesamtwerke Lichtzwang (1970) und Schneepart (1971)6.

2. Paul Celans Poethologie

Das Schreiben Paul Celans zeigt bis hin zu seinen späten Werken „eine eigenwillige Aufnahme und Umsetzung literarischer Formen“7. So stand er in seinen frühen Werken insbesondere unter dem Einfluss des Symbolismus und er setzte sich durchgehend mit Motiven der literarischen Moderne auseinander.

Hierbei zeigen seine Gedichte Anklänge an die Lyriker Trakl, George und insbesondere an Rilke, den er als Vorbild ansieht. Darüber hinaus beschäftigte er sich mit zahlreichen Dichtern des französischen Symbolismus und des Surrealismus. Zudem finden auch deutsche Literaten wie Hofmannsthal, Fontane und Thomas Mann seine Beachtung. Einen breiten Raum nehmen die Gedichte des russisch- jüdischen Dichters Ossip Mandelstam ein, den er als eine Art Seelenverwandten ansieht, da ihn ein ähnliches biografisches Schicksal ereilte8.

„Die fortgesetzte poetische Reflexion richtet sich bei Celan freilich nicht auf eine losgelöste Ästhetik, sondern ist in erster Linie historisch begründet“9. Denn den Schwerpunkt seiner Gedichte bildet die Erfahrung des Nationalsozialismus und des Holocaust, was auch eine biografische Begründung besitzt10.

Celan hat sich zeitlebens nur begrenzt zu seinem poethologischen Ansatz geäußert. Lediglich in seiner Rede bei der Verleihung des Georg- Büchner- Preises, die später „Der Meridian“ betitelt wurde, gibt er Antworten auf poethologische Fragen11.

So macht die Struktur der Gedichte selbst deutlich, dass in Hinblick auf die Geschichte ein ungebrochener Dialog mit dem Leser nicht mehr denkbar ist, weshalb er seine Aussagen stark verschlüsselt darstellt. Folglich kann er mit Hilfe des dichterischen Wortes zu ihnen sprechen. Hierbei fühlt sich Celan besonders der Bewahrung der Erinnerung an die Vergangenheit verpflichtet. “Weiterleben ist für ihn nur möglich im beständigen Bezug auf die Vergangenheit“12, denn „nur wenn die Vergangenheit bewahrt wird, hat die Zukunft eine Chance“13.

Celan ist überzeugt, da er selbst Überlebender des Holocaust ist, mit den Toten für immer verbunden zu sein, weshalb er ihnen seine Worte und sein Schaffen verpflichtet. Somit ist Dichtung für ihn eher „Totengedächtnis“14 und die Aufgabe des Dichters besteht darin, über das Medium des Gedichtes zu ihnen in Verbindung zu treten. Außerdem schenkt er den Toten durch das Gedicht neues Leben und macht ihre Stimmen hörbar, indem er eine Begegnung zwischen den Lebenden bzw. Lesern und den Toten herstellt. Für ihn ist somit die Dichtung auch Nachfolgerin der Religion, da die Rede von Gott angesichts des Holocaust sinnlos geworden ist. Denn Gott hat die Menschen nicht vor ihrer Vernichtung in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten geschützt, womit die Religion (und somit Gott) ihre Berechtigung verloren hat.

Die Dichtung stellt nun einen Ersatz für die Religion dar. Nun ist der Dialogpartner der Lebenden nicht mehr Gott, sondern die Gemeinschaft der Toten15.

3. Das Gedicht „Psalm“

Den Gedichtband „Die Niemandsrose“, welcher das zu analysierende Gedicht „Psalm“ enthält, widmet der Lyriker Paul Celan dem russisch- jüdischen Dichter Ossip Mandelstam. Celan hat sich in seiner Übersetzertätigkeit mit Gedichten Mandelstams auseinandergesetzt und fühlt sich mit ihm in einer Art Seelenverwandtschaft verbunden, was aber nicht auf seiner Poethologie beruht, sondern auf einem ähnlichen biografischen Schicksal:

[...]


1 Pausch, Holger: Paul Celan, S.22ff

2 Pausch, Holger: Paul Celan, S.22ff

3 Pausch, Holger: Paul Celan, S.22ff

4 Vgl. Kindlers Autorenlexikon, S.774

5 Ebd.

6 Vgl. ebd., S.775

7 Ebd.

8 Vgl. Pausch, Holger: Paul Celan, S.25

9 Kindlers Autorenlexikon, S.775

10 Vgl. ebd.

11 Vgl. Pausch, Holger: Paul Celan, S.43

12 Schmitz, Simone: Grenzüberschreitungen in der Dichtung Paul Celans, S. 383

13 Ebd.

14 Ebd.

15 Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Paul Celan - Interpretation des Gedichts "Psalm"
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V187239
ISBN (eBook)
9783656105176
ISBN (Buch)
9783656105459
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paul Celan, Poetologie, Gedicht Psalm, Biograghie
Arbeit zitieren
Sarah Nolte (Autor), 2006, Paul Celan - Interpretation des Gedichts "Psalm", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187239

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