1. Einleitung
1975 wurde die bekannteste Greenpeace-Kampagne „Rettet die Wale“ ins Leben
gerufen.Bob Hunter und Rex Weyler machten sich auf den Weg, um eines der
eindrucksvollsten Bilder zu machen (siehe Abbildung 1). Damit hatten sie nicht nur auf
die Missstände in Bezug auf den Walfang aufmerksam gemacht, sondern sie
entwickelten daraufhin ein neues Werbekonzept: „Mindbombs“. Überall in den Medien
wurden die Bilder präsentiert und lösten bei den Menschen Emotionen wie Entsetzen
oder Mitgefühl aus. Mit wenigen Mitteln wurde also eine große öffentliche
Aufmerksamkeit erreicht und die Kampagne ist bis heute noch aktiv.
Bob Hunter beschrieb die Grundgedanken in seinem bereits 1971 erschienen Buch
„ The Storming of Mind“ und konnte diese dann mit jener Aktion umsetzen. Viele
weitere Kampagnen folgten. In diesem Essay soll es darum gehen, zu hinterfragen, ob
Mindbombs auch in der Politik angewandt werden, speziell in den Wahlkämpfen der
BRD. Martin Ludwig Hofmann, Soziologe und Journalist, stellte im ersten Kapitel
seines Buches „Mindbombs. Was Werbung und PR von Greenpeace & Co. lernen
können“ ,die Frage : „Wenn Konzerne … erfolgreich Kampagnen entwickeln konnten,
um in das Bewusstsein der Menschen vorzudringen – warum sollte das nicht auch einer
Ökö- Bewegung gelingen?“ (Hofmann, Müchen 2008, S. 17) Dieses Zitat könnte man
fortsetzen mit : Warum nicht auch einer Partei?
Dafür ist zunächst einmal zu klären, was das Konzept der Mindbombs beinhaltet, wie
sie richtig gezündet werden und auf welchen Grundideen bzw. -bewegungen sie
beruhen. Im Folgenden werden Vergleiche mit politischen Kampagnen gezogen, sowie
Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgezeigt. Abschließend soll anhand von zwei
ausgewählten Beispielen (die Wahlkämpfe der Parteien zur Bundestagswahl in den
Jahren 1983 und 2009) genauer analysiert werden, inwiefern Mindbombs anwendbar
und effektiv sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mindbombs und Politikkultur
2.1. Das Konzept der Gedankenbombe
2.2. Minbombs in Wahlkämpfen?
3. Anwendungen in Wahlkämpfen in der BRD
3.1. Bundestagswahl 1983
3.2. Bundestagswahl 2009
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Übertragbarkeit des "Mindbomb"-Konzepts, einer ursprünglich aus der Umweltbewegung stammenden PR-Strategie, auf den politischen Wahlkampf in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei wird analysiert, inwiefern politische Akteure durch den Einsatz provokanter Bilder und Slogans erfolgreich Aufmerksamkeit generieren und Wähler mobilisieren können.
- Grundlagen des Mindbomb-Konzepts
- Vergleich zwischen PR-Kampagnen und politischer Kommunikation
- Analyse der Bundestagswahl 1983 am Beispiel der Grünen
- Analyse der Bundestagswahl 2009 unter Berücksichtigung neuer Medien und kleinerer Parteien
- Grenzen und Wirksamkeit aggressiver Inszenierungen im modernen Wahlkampf
Auszug aus dem Buch
2.1.Das Konzept der Gedankenbombe
Das wichtigste, was Mindbombs ausmachen, sind die Bilder. Es handelt sich häufig um spontane Aufnahmen einschlägiger Situationen, die eine starke Auswirkung auf die Emotionen der Menschen haben. Hinzu kommen prägnante Slogans, die klar formuliert sind und vorerst keinen Platz für Diskussionen bieten. Der Inhalt wird sprachlich zwar auf ein Minimum reduziert, doch verbirgt sich dahinter meist eine Botschaft größerer Tragweite. Durch die bewusste Kurzhaltung können die Slogans eine große Masse erreichen und sich ins Gedächtnis einbrennen. Kurzum sind Mindbombs also „ein medientheorethisches Konstrukt, mit dem bis heute das Geheimnis kraftvoller und erfolgreicher Werbekampagnen beschrieben werden können.“ ( Hofmann, München 2008, S. 11)
Auch wenn erst Anfang der 70er Jahre das Konzept als solches niedergeschrieben wurde, so findet man dessen Wurzeln bereits in den 60ern. Die Entwicklung geht zurück auf die Gegenkultur-Bewegung und auf die Situationistische Internationale, eine linksradikale Gruppe, die 1957 gegründet wurde. Den Situationistischen Internationalen ging es vor allem darum, entgegen der Entwicklung in Richtung Konsumgesellschaft zu wirken. Für sie galt Werbung als ein Mittel, um die Masse ruhig zu stellen. Warum sollte man nicht auch das Gegenteil damit bewirken können, sprich Werbung verwenden, um die Masse zu einer Gegenbewegung mobilisieren? Ziel war es „ die scheinbar alles dominierende Ordnung zu durchbrechen und immer wieder Momente der Aufmerksamkeit zu erzeugen,...“ (Hofmann, München 2008, S.31) Ein Gründer dieser Bewegung war der französische Autor Guy-Ernest Debord. 1967 veröffentlichte er sein Werk „ Die Gesellschaft des Spektakels“, in welchem er Gründe dafür aufbringt, warum Spektakel für die breite Masse notwendig sind. Erstens braucht man eine Aktion oder eine Inszenierung, um wahrgenommen zu werden. Zweitens dienen solche Handlungen auch als symbolischer Wert. Spektakel werden aus einem bestimmten Hintergrund gemacht, egal ob nun provozierend, mahnend oder einfach nur schockierend. Der wichtigster Grundsatz heißt:„Langeweile ist immer konterrevolutionär“(Hofmann, München 2008 aus: Greil Marcus: Lipstick Traces, Reinbeack, 1996, S.52).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Entstehung des Mindbomb-Begriffs durch Greenpeace und Formulierung der Forschungsfrage zur Anwendbarkeit in deutschen Wahlkämpfen.
2. Mindbombs und Politikkultur: Theoretische Herleitung des Konzepts sowie Analyse der strukturellen Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen politischer Kommunikation und Werbekampagnen.
3. Anwendungen in Wahlkämpfen in der BRD: Fallstudien zu den Bundestagswahlen 1983 und 2009 unter Fokus auf die Grünen, die Linke und die Piratenpartei.
4. Fazit: Kritische Reflexion über die schwindende Wirksamkeit von Schockmomenten in einer medial gesättigten Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Mindbomb, politische Kommunikation, Wahlkampf, BRD, Greenpeace, Politikkultur, Gegenkultur, Mobilisierung, Bundestagswahl 1983, Bundestagswahl 2009, Medien, Inszenierung, Die Grünen, Die Linke, Piratenpartei
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Umsetzbarkeit von "Mindbombs" – emotional aufgeladenen, schockierenden oder aufmerksamkeitsstarken Werbestrategien – im Kontext politischer Wahlkämpfe in der Bundesrepublik Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die medientheoretischen Grundlagen von Werbestrategien, die historische Entwicklung gegenkultureller Bewegungen sowie die Analyse spezifischer Wahlkampfstrategien deutscher Parteien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu hinterfragen, ob und in welcher Form sich die PR-Methoden von NGOs, wie Greenpeace, auf den politischen Betrieb und das Wahlverhalten übertragen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Konzept, ergänzt durch eine deskriptive Fallanalyse vergangener Bundestagswahlen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition der Gedankenbombe und eine praktische Überprüfung anhand der Bundestagswahlen 1983 und 2009.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Mindbomb, Wahlkampf, Politische Kommunikation, Gegenkultur, Medienspektakel und Politikkultur.
Welche Rolle spielten die Grünen bei der Anwendung des Konzepts?
Die Grünen werden als Erfolgsbeispiel angeführt, da sie zu Beginn der 80er Jahre durch ihren gegenkulturellen Habitus und eine klare inhaltliche Fokussierung auf Umweltpolitik effektiv Aufmerksamkeit generieren konnten.
Warum hält die Autorin das Konzept heute für verblassend?
Aufgrund der medialen Überflutung und der Gewöhnung der Gesellschaft an Schockmomente seien die Menschen kaum noch durch einzelne Aktionen langfristig für politische Anliegen zu mobilisieren.
- Arbeit zitieren
- Carolin Teubert (Autor:in), 2010, Mindbombs als Wahlkampagne in der BRD, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187245