Ältere Menschen verfügen heute über wertvolle Potenziale für Wirtschaft und Gesellschaft. Die Zunahme des Anteils der Älteren an der Gesamtbevölkerung steigt. Die heute älteren Menschen sind im Vergleich zu früheren Generationen gesünder, sie fühlen sich jünger, sie sind aktiver denn je, sie verfügen über einen höheren Bildungsstand und über bessere finanzielle Ressourcen und somit über ein höheres Nachfragepotential.
Dabei stehen speziell die sog. Woopies (well-of-older-persons)11 im Blickpunkt. Denn sie gelten als kaufkräftig und werden daher von Wirtschaftsunternehmen und sonstigen Dienstleistern umworben. Ergänzend stellt diese Bezeichnung die positiven Aspekte des Alterns heraus. Im Regelfall kann davon ausgegangen werden, dass die Zielgruppe dieser Untersuchung zu den sog. Woopies zählt.
Das allgemeine Ziel dieser Untersuchung ist es, Antworten auf das Ruhestandsverhalten ehemaliger Top-Manager hervorzubringen. Es gilt dabei herauszufinden, welche Aktivitäten ehemalige Top-Manager im Ruhestand mit welcher Intensität ausführen und welche Motivation sie dabei leitet. Des Weiteren kann aus den Antworten abgeleitet werden, ob speziell dieser Personenkreis (die sog. Woopies) ggf. andere Ansprüche an ihre Ruhestandsaktivitäten legen, als dies „normale Rentner‟ tun.
Relevanz
Die Forschungsabsicht entwickelte sich aus der Erkenntnis, dass die Zielgruppe der Top-Manager in den bisherigen Studien/ Untersuchungen zum Ruhestandsverhalten nur zum Teil Berücksichtigung fand. Informationen aus Artikeln von Wirtschaftszeitschriften (beispielhaft: Manager Magazin 12 (Eigenschreibweise: manager magazin), Artikelreihe: Was macht eigentlich…)
fokussieren sich zwar auf die Zielgruppe, lassen jedoch wissenschaftliche Ansätze vermissen (vgl. Kap. 2.4.3 dieser Arbeit).
Ausgehend von den Erkenntnissen der empirischen Untersuchungen und der bestehenden Forschungslücke kann die Forschungsabsicht auf der anderen Seite auch zur Bildung von praxisorientierten Lösungen dienen. Denn speziell bei der Zielgruppe der Top-Manager kann vermutet werden, dass durch höhere finanzielle Ressourcen umfangreiche Ruhestandsaktivitäten wahrgenommen oder erwünscht werden, diese jedoch bis dato noch nicht erfasst bzw. erschlossen sind. Somit können aus den Studienergebnissen ggf. neue
zielgruppenspezifische Sach- und/ oder Dienstleistungsangebote abgeleitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 MANAGER IM RUHESTAND
1.1 Klarstellung
1.2 Motivation zur Arbeit
1.3 Ziel und Relevanz der Arbeit
1.4 Aufbau der Arbeit
2 AKTUELLE DATENLAGE UND FORSCHUNGSSTAND
2.1 Definitionen und Zahlen
2.1.1 Ruhestand, Rentner und Rente
2.1.2 Pensionierung, Pensionär und Pension
2.1.3 Top-Manager: Rentner und Pensionäre
2.2 Das Management
2.2.1 Historie, Begriff, Institution und Funktionen
2.2.2 Manager: Definition, Aufgaben und Charakterisierung
2.3 Die Ruhestandsforschung
2.3.1 50er und 60er Jahre
2.3.2 70er und 80er Jahre
2.3.3 90er Jahre bis heute
2.4 Der Ruhestand
2.4.1 Planung für den Ruhestand
2.4.2 Der Übergang in den Ruhestand
2.4.3 Das Gestalten und Erleben des Ruhestands
2.5 Zusammenfassung und Motivation zur eigenen Untersuchung
3 METHODIK
3.1 Fragestellung und Untersuchungskonzept
3.2 Forschungsmethode
3.2.1 Datenerhebung mittels Leitfadengespräch
3.2.2 Datenauswertung mittels qualitativer Inhaltsanalyse
3.2.2.1 Die qualitative Forschung
3.2.2.2 Definition und Ziel der Inhaltsanalyse
3.2.2.3 Das Auswertungsverfahren dieser Studie
3.2.3 Transkription
3.2.4 Typenbildung
3.2.5 Stichprobengewinnung
3.2.6 Beschreibung der Stichprobe
4 TOP-MANAGER IM RUHESTAND -EINE EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG DES RUHESTANDSVERHALTENS- ERGEBNISPRÄSENTATION
4.1 Vor dem Ruhestand
4.1.1 Top-Manager im Arbeitsalltag und der formale Ausstieg
4.1.2 Antizipation
4.2 Der Übergang in den Ruhestand
4.2.1 Die Veränderungen im Alltag
4.2.2 Die Veränderungen im familiären Umfeld
4.2.3 Einschnitt und Abschnitt
4.3 Der Ruhestandsalltag
4.3.1 Übersicht der Aktivitäten
4.3.2 Arbeit und Engagement
4.3.3 Aktivitäten im familiären, sportlichen und kulturellen Umfeld
4.4 Gesamtbild und Ziele
4.4.1 Resümee
4.4.2 Herausforderungen und Wünsche
4.4.3 Exkurs: Aus Erfahrungen lernen - Tipps für Kollegen
4.5 Interpretation der Ergebnisse
4.5.1 Zusammenfassung
4.5.2 Hypothesenprüfung
4.5.3 Typengenerierung
4.5.3.1 Bildung der Typen
4.5.3.2 Charakterisierung der Typen und Subtypen
4.5.4 Einhaltung von Gütekriterien
4.5.5 Limitation der Untersuchung
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit hat das allgemeine Ziel, Antworten auf das Ruhestandsverhalten ehemaliger Top-Manager zu finden, indem untersucht wird, welche Aktivitäten diese im Ruhestand mit welcher Intensität und Motivation ausüben, um daraus unter anderem zielgruppenspezifische Rückschlüsse abzuleiten.
- Analyse des Ruhestandsverhaltens ehemaliger Top-Manager
- Einfluss von beruflicher Sozialisation und Arbeitsintensität auf den Ruhestand
- Empirische Untersuchung mittels halbstandardisierter Leitfadeninterviews
- Generierung von "Ruhestands-Typen" (Weiter-Macher vs. Neustarter)
- Herausforderungen des Übergangs und Gestaltung des Ruhestandsalltags
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Top-Manager im Arbeitsalltag und der formale Ausstieg
Um den individuell erlebten Übergang in den Ruhestand und weiterfolgende Tätigkeiten ggf. besser nachvollziehen zu können, wurde vorab erfragt, ob der Tagesablauf im Büro sehr stark strukturiert und sehr stark fremdgesteuert war. Vier der sieben Befragten haben diese Frage mit einem klaren „ja“ beantwortet (vgl. beispielhaft FRED, KARL und MAX). Bezogen auf die Fremdsteuerung waren zwei der Befragten komplett entgegengesetzter Meinung (vgl. HANS und EMIL).
„Ja, genauso ist es. (…) Man meint immer, dass man (.) im Vorstand, (…) es erreicht hat und (.) die Dinge so gestalten kann wie man will. Das ist ein Trugschluss! Wir haben bis Mitte Januar (…) die (.) Termine festgelegt für Vorstandssitzungen, für Aufsichtsratssitzungen, für Beiratssitzungen usw. (…). Das heißt für das ganze Jahr. Wenn man es genau genommen hat, konnte man quasi keine 14 Tage ununterbrochen Urlaub machen, ohne einen Pflichttermin zu haben. (…) Im Grund genommen war (.) der Terminkalender von Januar bis Dezember voll.“ [Fred, Z. 90-96]
„Ja. (.) ungefähr 90% der Tageszeit waren bestimmt durch andere Aktivitäten, die an einen herangetragen wurden. Da konnte man nur ja oder nein sagen, aber das war keine echte Alternative. Und dann hatte man einen ganz kleinen zeitlichen Freiraum, den man (.) selbst ausfüllen konnte mit eigenen Aktivitäten oder Gedanken (...) sehr starke Abhängigkeit von allen möglichen Menschen, auch Einflüssen. [Karl, Z. 58-62]
Zusammenfassung der Kapitel
1 MANAGER IM RUHESTAND: Einführung in die Zielgruppe der Top-Manager, Darlegung der Motivation für die Arbeit sowie Abgrenzung und Zielsetzung der Studie.
2 AKTUELLE DATENLAGE UND FORSCHUNGSSTAND: Definition grundlegender Begrifflichkeiten, historische und aktuelle Betrachtung der Ruhestandsforschung sowie Analyse der spezifischen Situation von Top-Managern.
3 METHODIK: Vorstellung der Forschungsfrage, des Untersuchungskonzepts und der qualitativen Forschungsmethodik mittels Leitfadeninterviews und qualitativer Inhaltsanalyse.
4 TOP-MANAGER IM RUHESTAND -EINE EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG DES RUHESTANDSVERHALTENS- ERGEBNISPRÄSENTATION: Detaillierte Darstellung der empirischen Ergebnisse, gegliedert in die Phasen vor, während und nach dem Übergang, inklusive Hypothesenprüfung und Typengenerierung.
5 FAZIT: Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse der Studie und Rückbezug auf die aufgestellten Hypothesen.
Schlüsselwörter
Top-Manager, Ruhestand, Vorbereitung, Übergang, Aktivitäten, Motivation, Ziele, qualitative Inhaltsanalyse, Leitfadeninterviews, Arbeitstypen, Lebenszufriedenheit, Management, Pensionierung, Altersforschung, Berufsaufgabe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit untersucht das Ruhestandsverhalten ehemaliger Top-Manager, einer Zielgruppe, die in der bisherigen gerontologischen Forschung im Ruhestandskontext eher wenig fokussiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit umfasst die Planung für den Ruhestand, den Übergang aus der aktiven Berufstätigkeit, die Gestaltung des Ruhestandsalltags, die Motivation für ein anhaltendes berufliches Engagement sowie die soziale Einbettung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Antworten darauf zu finden, wie Top-Manager ihren Ruhestand gestalten und erleben, welche Aktivitäten sie mit welcher Intensität verfolgen und welche Motive ihr Verhalten leiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin wählte eine qualitative Forschungsstrategie. Als Datenerhebungsinstrument dienten halbstandardisierte Leitfadeninterviews, deren Auswertung mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mühlfeld erfolgte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil (Kapitel 4) werden die empirischen Ergebnisse präsentiert: das Erleben des Berufsalltags vor dem Ruhestand, der Übergangsprozess, die täglichen Aktivitäten im Ruhestand (insbesondere berufliches Engagement und Ehrenamt) sowie die Typisierung der Ruhestandsverläufe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Top-Manager, Ruhestand, Übergang, Vorbereitung, Aktivitäten, Motivation und Arbeitstypen beschreiben.
Welche Arbeitstypen hat die Autorin identifiziert?
Die Autorin unterscheidet primär zwischen den "Weitermachern", die kontinuierlich beruflich aktiv bleiben, und den "Neustartern", die ihren beruflichen Ausstieg aktiver gestalten und Mandate eher niederlegen.
Was schlussfolgert die Autorin hinsichtlich der "Planung" des Ruhestands?
Die Hypothese, dass Top-Manager während der Berufszeit bereits klare Vorstellungen zur Ruhestandsgestaltung haben, wurde in der Untersuchung bestätigt, wenn auch mit individuell stark divergierender Ausprägung und Intensität der Vorbereitungen.
- Arbeit zitieren
- Dipl. Betriebswirt, Gerontologe M.A. Ivonne Kuss (Autor:in), 2011, Manager im Ruhestand. Eine empirische Untersuchung des Ruhestandsverhaltens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187280