Die Problematik einer einheitlichen Geldpolitik in Europa


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

27 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

III Abkürzungsverzeichnis

IV Abbildungsverzeichnis

V Symbolverzeichnis

1 Zielsetzung, Strategie und Instrumentarium der Europäischen Zentralbank

2 Länderspezifische Unterschiede

3 Einschränkung durch den Stabilitäts- und Wachstumspakt

4 Theorie optimaler Währungsräume

5 Asymmetrische und symmetrische Schocks
5.1 Auslöser
5.2 Auswirkungen in Modellanalysen
5.3 Geld vs. Fiskalpolitik am Beispiel der deutschen Wiedervereinigung

6 Empirisches Beispiel: Die Finanzkrise und die Geldpolitik der EZB

7 Zusammenfassende Bewertung

8 Literaturverzeichnis

III Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

IV Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Nachfragekurvenverschiebungen durch Schock, Quelle: in Anlehnung an De Grauwe, 2005, S. 6 (Eigene Darstellung)

Abbildung 2: Anpassungsprozess, Quelle: In Anlehnung an De Grauwe, 2005, S. 7 (eigene Darstellung)

Abbildung 3: Ableitung der IS-Kurve, Quelle: in Anlehnung an Blanchard/Illing, 2006, S. 143 (eigene Darstellung)

Abbildung 4: Ableitung der LM-Kurve, Quelle: in Anlehnung an Blanchard/Illing, 2006, S. 147 (eigene Darstellung)

Abbildung 5: IS-LM Modell, Quelle: in Anlehnung an Blanchard/Illing, 2006, S. 149 (eigene Darstellung)

Abbildung 6: Phillipskurven in flexiblen und starren Ländern, Quelle: in Anlehnung an De Grauwe, 2005, S. 204 (eigene Darstellung)

Abbildung 7: Verschiebungen der Phillipskurven nach symmetrischem Schock, Quelle: in Anlehnung an De Grauwe, 2005, S. 205 (eigene Darstellung)

Abbildung 8: Verschiebung der aggregierten Angebotskurve (AS-Modell) bei höherem erwartetem Preisniveau, Quelle: in Anlehnung an Blanchard/Illing, 2006, S. 209 (eigene Darstellung)

Abbildung 9:

Ableitung der aggregierten Nachfragekurve (AD), Quelle: in Anlehnung an Blanchard/Illing, 2006, S. 211 (eigene Darstellung)

Abbildung 10: Anpassungsprozess im AS-AD Modell, Quelle: in Anlehnung an Blanchard/Illing, 2006, S. 217 (eigene Darstellung)

V Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Zielsetzung, Strategie und Instrumentarium der Europäischen Zentralbank

Um eine Aussage über die einheitliche Geldpolitik in Europa und den damit verbundenen Problematiken machen zu können, ist es von Bedeutung, sich das ausübende Organ, die Europäische Zentralbank (EZB), näher anzusehen. Das geldpolitische Ziel, welches von der EZB ausgegeben wird, ist die Wahrung der Preisstabilität, im Artikel 105 Absatz 1 des EG- Vertrages auch schriftlich dargelegt. Zur Durchsetzung dieses Ziels, wurde der EZB und den nationalen Zentralbanken nach Artikel 108 des EG-Vertrages Unabhängigkeit zugesichert.1 Im Einklang mit diversen Meinungsumfragen in der europäischen Bevölkerung würde der Großteil das Leben am liebsten weder mit Inflation noch mit Deflation bestreiten. Das ausgegebene Ziel der Preisstabilität bewirkt, dass die Geldpolitik auf das wirtschaftliche Wohlergehen aller ausgerichtet ist, also gleichbedeutend mit hoher wirtschaftlicher Aktivität und Beschäftigung. Dies bedeutet auf Dauer, den Menschen einen stetigen Anstieg des Lebensstandards zu gewährleisten.2 Die EZB hat das Ziel folgendermaßen definiert: „Price stability shall be defined as a year-on-year increase in the Harmonised Index of Consumer Prices (HICP) for the euro area of below 2%.”3 Demzufolge ist das Ziel der EZB eine jährliche Inflation von weniger, jedoch so nahe wie möglich des 2%-Wertes in den Euroländern zu erreichen. Diese Aussage wurde dann in 2003 erweitert, indem dieses Ziel über die mittlere Frist für den Fall unerwarteter Marktströmungen erreicht werden sollte. Die EZB stellte jedoch nicht klar, welcher Zeitraum damit gemeint ist.4 Oft wird gesagt, dass es für die EZB vielleicht von Vorteil gewesen wäre, zunächst ein höheres Inflationsziel auszugeben und dieses dann über die Zeit zu reduzieren.5

Die geldpolitische Strategie der EZB basierte im Wesentlichen auf zwei Säulen. Die erste Säule umfasste das Geldmengenwachstum. Dies bedeutete, dass die EZB die Entwicklung der Geldmenge als wesentlichen Bestandteil ihrer geldpolitischen Strategie ansah. Im Jahre 2003 wurde der Beurteilung der Geldmengenentwicklung dann jedoch vonseiten der EZB etwas weniger Geltung zugemessen, nachdem deren Aussagekraft infrage gestellt worden war. Zurückzuführen ist dies darauf, dass das Geldmengenwachstum in der meisten Zeit außerhalb des Referenzrahmens (4,5%) lag und selbst die EZB dem Referenzwert kaum noch Wichtigkeit zugemessen hatte. Die EZB hatte also das Ziel Geldmengenwachstum ausgegeben, dieses Ziel jedoch nicht in ihre geldpolitischen Entscheidungen mit einbezogen.

Die zweite Säule stellten die anderen Variablen, die Einfluss auf die Preisstabilität haben, dar. Dies sind Faktoren und Indikatoren, die helfen, Zukunftsaussichten bezüglich der Inflation zu äußern. Enthalten sind etwa der Wechselkurs, das Lohnniveau, Anleihekurse, Preis- und Kostenindizes, Umfragen und andere.6 Der EZB ist es somit möglich auf etwaige Veränderungen der Faktoren mit dementsprechenden geldpolitischen Antworten zu reagieren. Als Folge kann man feststellen, dass die EZB seither die Strategie der direkten Inflationssteuerung verfolgt. Das bedeutet, dass nunmehr eine „Ein-Säulen-Strategie“ gefahren wird, „direct inflation targeting“, also direkte Inflationssteuerung. Darunter versteht man, dass Inflation nicht nur das ultimative Ziel ist, sondern auch als Zwischenziel genutzt wird. Die EZB verwendet halbjährliche Inflationsvorhersagen um das ausgegebene Ziel der Preisstabilität zu erreichen.7 Die EZB soll das ausgegebene Inflationsziel mit der erwarteten Preisentwicklung vergleichen und somit ihre Geldpolitik adäquat einsetzen. Das Ziel der Strategieumstellung war, der Bevölkerung eindeutig klar zu machen, dass Preisstabilität oberste Prämisse ist und auch zukünftig sein wird. Mit dieser Maßnahme wird bei der Bevölkerung ein Zuwachs an Glaubwürdigkeit erreicht. Außerdem ist bei direkter Inflationssteuerung wesentlich mehr Transparenz von Nöten.8

Der EZB stehen zur Durchführung ihrer Geldpolitik drei verschiedene Hauptinstrumente zur Verfügung. Sie sind unter dem Begriff der Offenmarktgeschäfte zusammengefasst, den ständigen Fazilitäten und der Mindestreserveverpflichtung. Hauptsächlich wird in der Europäischen Währungsunion mit Offenmarktgeschäften operiert. Hier werden Wertpapiere gekauft bzw. verkauft, um die Liquidität am Markt entweder zu erhöhen oder zu verringern.

Die EZB verwendet hierzu sogenannte Tender, besser bekannt als Hauptrefinanzierungsgeschäfte. Hierbei wird Zentralbankgeld versteigert. Unterteilt wird in Mengen- und Zinstender. Mengentender haben festgelegte Zinssätze, während Zinstender ausschließlich auf Gebote reagieren. Unter dem Begriff der ständigen Fazilitäten versteht man Liquidität über Nacht bereitzustellen. Allerdings ist der Zins etwa ein Prozent höher als bei den Tendergeschäften.9 Dem Begriff der Mindestreserve wird im europäischen Raum wenig Volumen beigemessen. Sie soll stabilisierend wirken. Darunter ist zu verstehen, dass für Verbindlichkeiten der Kreditinstitute, bei dem Eurosystem in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes, Guthaben gehalten werden müssen.10

2 Länderspezifische Unterschiede

Um sich der Thematik zu nähern, welche geldpolitischen Problematiken sich in der EWU ergeben, liegt zunächst der Gedanke an die differenzierten Strukturen und Präferenzen der Teilnehmerstaaten nahe.11 Es existieren große Unterschiede auf den Arbeitsmärkten und bei den Teilnehmern. In Deutschland sind die Gewerkschaften unter einem Dachverband zentralisiert. Im Gegensatz dazu hat in Großbritannien jede Firma, bzw. jede Region ihre eigene Gewerkschaft. Dies kann dazu führen, dass sich Lohn- und Preisentwicklungen bei Unruhen oder Störungen unterschiedlich auswirken. Die Gewerkschaften reagieren auf Angebots- bzw. Nachfrageschocks unterschiedlich in Tarifverhandlungen. Steigt beispielsweise der Ölpreis, achten zentralisierte Gewerkschaften darauf, dass Lohnsteigerungen einem inflationären Effekt gleichkommen. Wenn Gewerkschaften höhere Löhne fordern, nimmt die Inflation zu. Der Reallohn stagniert somit. Demgegenüber können bei Angebotsschocks nominale Lohnsteigerungen nicht den Verlust an Reallohn ausgleichen. Bei Betrachtung von Ländern mit dezentralisierten Gewerkschaften ist die Auswirkung von Lohnforderungen auf das allgemeine Preisniveau wesentlich geringer. Allerdings wird durch die Versuche, aller Gewerkschaften einen höheren Nominallohn für die Mitglieder zu erreichen, ebenso ein inflationärer Effekt entstehen, der sich negativ auf die Reallohnentwicklung auswirken würde. Dies zeigt die Macht der zentralisierten Gewerkschaften. Außerdem wird keine Gewerkschaft auf Schocks mit Nominallohnkürzungen reagieren. Eine Reallohnverringerung ist die Folge. Demzufolge sollte die Geldpolitik stets darauf ausgerichtet sein, das Ziel der Preisstabilität vor allem bei Schocks zu verwirklichen, um zu vermeiden, dass durch unterschiedlichste Lohnanpassungen plötzlich Inflationstendenzen in unterschiedlichsten Stärken in den Teilnehmerstaaten auftreten. Desweiteren tragen die unterschiedlichen Rechtssysteme in den Teilnehmerstaaten dazu bei, dass die Geldpolitik der EZB erschwert wird. In manchen Staaten werden die Banken vonseiten des Staates besser geschützt als in anderen. Unter anderem führen Unterschiede innerhalb der Rechtssysteme dazu, dass die Zinsen in manchen Ländern öfter als in anderen angepasst werden. Es gibt Banken in Staaten die variable Zinsen anbieten dürfen, während in anderen Staaten der Zinssatz bei Hypothekenkrediten festgelegt sein muss. Somit haben Schocks, wie beispielsweise eine Erhöhung der Leitzinsen der EZB, unterschiedlichste Auswirkungen auf die EWU. Außerdem gibt es erhebliche Unterschiede im Hinblick auf die Entwicklung der Finanzmärkte in der EWU. In manchen Ländern (z. B. Deutschland) finanzieren sich die Firmen auf konservative Art über Bankendarlehen. Aufgrund dessen, sind die Finanzmärkte weniger entwickelt als in den meisten angelsächsischen Staaten, die ihre Finanzierung hauptsächlich über den Kapitalmarkt sichern und somit höher entwickelte Finanzmärkte haben.12 In diesem Fall hat eine Erhöhung der Leitzinsen einen weitaus größeren Effekt auf die angelsächsischen Märkte, da Konsumenten viele Aktien und Anleihen halten. Höhere Leitzinsen verringern deren Preise, worunter die Konsumenten zu leiden hätten.

Als letzten Punkt kann man aufführen, dass die Wachstumsraten der Mitgliedsstaaten sehr stark divergieren. Somit sind für diese Länder auch die optimalen Inflationsraten divergent.13 Auch hierin liegen Problematiken bezüglich der optimalen geldpolitischen Maßnahmen, die die EZB unternehmen soll.

3 Einschränkung durch den Stabilitäts- und Wachstumspakt

Durch den im Vertrag von Maastricht verankerten Stabilitäts- und Wachstumspakt (SWP) verpflichten sich die Teilnehmer der EWU über die mittlere Frist einen nahezu ausgeglichenen, oder im Idealfall, einen Überschuss ausweisenden Haushalt zu verwirklichen. Der gesetzliche Rahmen wird folgendermaßen definiert: Das Haushaltsdefizit darf den Referenzwert von 3% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht überschreiten. Desweiteren darf die Staatsverschuldung den Wert von 60% des BIP nicht überschreiten.14 Hauptsächlicher Grund für die Einführung des SWP ist, dass negative spill-over Effekte zwischen Ländern vermieden werden. Dies bedeutet, dass in der Regel ein Haushaltsüberschuss vorhanden sein muss, um genügend Rücklagen und Handlungsflexibilität in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten, beispielsweise einer Rezession, zu haben. Hier werfen die nationalen Regierungen den europäischen Einrichtungen fehlende Budgetflexibilität vor. Zunächst ist es den Ländern nicht möglich ihre automatischen Stabilisatoren durch ihr Budget wirken zu lassen. Dies verstärkt den Druck auf die EZB, die Geldpolitik etwas in den Hintergrund zu stellen. Allerdings sollte der SWP ursprünglich helfen, die EZB von diesem politischen Druck zu befreien. Desweiteren ist die EZB in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten, statt geldpolitische Maßnahmen zu unternehmen, dazu gezwungen den defizitgefährdeten Staaten Mahnungen auszusprechen oder Sanktionen aufzuerlegen. Außerdem zeigte die jüngste Vergangenheit, welchen Glaubwürdigkeitsverlust die europäischen Institutionen, am meisten die EZB, erleiden mussten. Da Rezessionen in wirtschaftlichen Schwankungen unvermeidbar sind, können Regierungen nicht immer Rücksicht auf den SWP nehmen. Je stärker und mächtiger der Staat, umso weniger Gefahr einer Sanktion, die letztendlich nicht nur angedroht, sondern auch durchgesetzt wird. Für die EZB ist es auch schwierig eine für alle zufriedenstellende Geldpolitik durchzuführen, wenn kein einheitliches europäisches Budget zur Verfügung steht. Damit könnte in Krisenzeiten Geld in die betroffenen Länder transferiert werden, ohne sich dem Vorwurf der Ungleichheit aussetzen zu müssen.15 Eine weitere Problematik stellt der Schuldenstand einzelner Länder dar. Für den Fall, dass diese Gefahr laufen sich übermäßig zu verschulden, wird der Druck auf die EZB und deren Politik sehr groß. Im Normalfall sollte eine Zentralbank die Zinsen senken, um somit die Geldmenge auszuweiten und den Konsum anzuregen. Allerdings trägt diese geldpolitische Maßnahme die Gefahr einer Inflation durch die Liquiditätsversorgung des Marktes in sich.16 Andererseits sind hohe Defizite in der Regel Folgen von Ausgaben. Diese können dazu führen, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt und durch die daraus folgenden Preiserhöhungen Inflationsdruck auslösen können. Das bedeutet, dass die EZB die Zinsen anheben müsste um dem entgegenzuwirken. Allerdings können aus restriktiver Geldpolitik, wie später erklärt wird, wirtschaftliche Schocks resultieren, die die Mitgliedsländer symmetrisch oder asymmetrisch treffen können.17 Man darf auch nicht vergessen, dass die Entscheidung der EZB stets durch Abwägen gefällt werden muss, weil der Schuldenstand innerhalb der Teilnehmerländer sehr stark divergiert. Somit muss die EZB darauf achten, dass sie keine Schocks auslöst. Um dies in der EWU zu vermeiden, werden geldpolitische Maßnahmen nur äußerst vorsichtig ausgeführt.

4 Theorie optimaler Währungsräume

Um die Wirkungsweise und Konsequenzen der bereits angesprochenen Schocks zu verstehen, ist es unabdingbar, die Theorie optimaler Währungsräume näher zu betrachten. Den Grundgedanken formulierte im Jahre 1961 der später ausgezeichnete Nobelpreisträger Robert A. Mundell. Speziell behandelt wird, wie relevant Unterschiede zwischen Ländern sind. Die Annahme ist, dass zwei Länder (Land A und Land B) eine Währungsunion bilden und einen Nachfrageschock erleiden. Das bedeutet, dass die Nachfrage von Land B wegbricht und zu A übergeht, weil beispielsweise die Konsumenten ihre Präferenzen geändert haben. Dies ist in folgender Abbildung an der Verschiebung der Nachfragekurven (DA bzw. DB) zu erkennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Nachfragekurvenverschiebungen durch Schock

Als Konsequenz erwartet man eine steigende Arbeitslosigkeit in Land B, weil das Arbeitsaufkommen abgenommen hat. Demgegenüber ist in Land A durch die zusätzliche Nachfrage, inflationärer Druck durch Preisesteigerungen zu erwarten. Um die Arbeitslosigkeit in Land B in den Griff zu bekommen, wird man dort das Geldangebot erhöhen (z. B. durch Zinssenkungen). Damit verstärkt sich allerdings der Inflationsdruck in Land A, da dort die Geldmengenausweitung ebenso verspürt wird. Durch diese kleine Anpassung verursacht die Geldpolitik betreibende Instanz Arbeitslosigkeit im einen, und Inflation im anderen Land.18 Man bezeichnet diese Sicht auch als die Sicht der Europäischen Kommission. Sie besagt, da der Handel zwischen den Teilnehmerstaaten hauptsächlich mit vergleichbaren Gütern stattfindet, trifft ein Nachfrageschock die Länder in gleichem Maße durch die sogenannte aggregierte Nachfrage. Somit würden Schocks viel mehr symmetrisch als asymmetrisch wirken.19 Allerdings besteht das sogenannte Anpassungsproblem. Im Laufe der Zeit hat man herausgefunden, dass es zwei Mechanismen gibt, die beide Länder wieder in ein Gleichgewicht bringen. Lohnelastizität zum einen und Arbeitskräftemobilität zum anderen. Unter Lohnelastizität versteht man, auf das obige Beispiel bezogen, dass durch die Arbeitslosigkeit in Land B die Arbeitslosen ihre Lohnforderungen verringern werden. Im Gegensatz dazu würden in Land A durch die große Arbeiternachfrage die Löhne steigen. Analysiert man die Auswirkungen in einem Preis-Output Diagramm, hätte dies eine Angebots- und Nachfragekurvenverschiebung zur Folge. In diesem Beispiel würde durch den geringeren Lohnsatz in Land B die aggregierte Angebotskurve nach unten verschoben. Das Gegenteil würde sich in Land A zeigen, weil der Lohnsatz dort gestiegen ist. Somit ist der ursprüngliche Output (Y) wieder hergestellt. In Abbildung 2 sieht man deutlich, dass die Preise in Land B gefallen sind (∆ PB) wodurch die Produkte wettbewerbsfähiger gegenüber Land A werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Anpassungsprozess

Im selben Moment steigen die Preise in Land A (∆ PA) wodurch Produkte von Land B attraktiver werden. Die Nachfragekurve von Land B verschiebt sich nach oben und die Nachfragekurve von Land A nach unten. Ein neues Gleichgewicht stellt sich ein. Die Arbeitskräftemobilität ist der zweite Mechanismus, der bei Schocks positiv wirken könnte. Im gewählten Modell wandern die Arbeiter von Land B in Land A ab, da dort Arbeit nachgefragt wird. Somit müssen in Land B die Lohnforderungen nicht verringert und in Land A nicht erhöht werden. Automatisch werden das Arbeitslosenproblem in Land B und die Inflationsgefahr in Land A aufgehoben. Dies funktioniert allerdings nur, wenn tatsächlich Lohnflexibilität und Arbeitermobilität besteht.20

Eine andere Betrachtungsweise wurde von Paul Krugman geprägt. Er vertritt die Ansicht, dass die Produktion zunehmend an die Märkte verlegt werden würde. Somit entstehe regionale Konzentration unterschiedlichster Industrie- und Dienstleistungszweige. Dies könnte im schlechtesten Fall länderspezifische Schocks als Folge haben. Die Gründe für eine solche Konzentration sind unter anderem ein großer Arbeitsmarkt für ausgebildete Arbeiter und geringere Wahrscheinlichkeiten für Arbeitslosigkeit und Arbeitskräftemangel. Desweiteren können in ortsgebundenen Firmen Produktionen spezieller Güter angeregt werden. Durch die einfachere Informationsverteilung gebündelter Firmen kann besser, günstiger und schneller produziert werden.

[...]


1 Vgl. Ohr/Theurl, 2001, S. 442.

2 Vgl. http://www.ecb.int/pub/pdf/other/whypricestabilityen.pdf , S. 11.

3 EZB Monthly Bulletin, 1999, S. 46.

4 Vgl. De Grauwe, 2005, S.205f.

5 Vgl. Carlin/Soskice, 2006, S. 719.

6 Vgl. De Grauwe, 2005, S. 209-211.

7 Vgl. Ohr/Theurl, 2001, S. 450f.

8 Vgl. Görgens/Ruckriegel/Seitz, 2004, S. 152-155.

9 Vgl. De Grauwe, 2005, S. 215-219.

10 Vgl. Görgens/Ruckriegel/Seitz, 2004, S. 202.

11 Vgl. De Grauwe, 2005, S. 13.

12 Vgl. De Grauwe, 2005, S. 15-19.

13 Vgl. De Grauwe, 2005, S. 19f

14 Vgl. www.ecb.de/pub/pdf/other/10thanniversaryoftheecbmb200806de.pdf?4614d27a9a1afdb729719f911f16a6ee, S. 80.

15 Vgl. De Grauwe, 2005, S. 238-240.

16 Vgl. Blanchard/Illing, 2006, S. 718-720.

17 Vgl. www.ecb.de/pub/pdf/other/10thanniversaryoftheecbmb200806de.pdf?4614d27a9a1afdb729719f911f16a6ee, S. 79f.

18 Vgl. Mundell, 1961, S. 658f.

19 Vgl. De Grauwe, 2005, S. 24f.

20 Vgl. De Grauwe, 2005, S. 7.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Problematik einer einheitlichen Geldpolitik in Europa
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
27
Katalognummer
V187328
ISBN (eBook)
9783656105381
ISBN (Buch)
9783656105411
Dateigröße
670 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
problematik, gelpolitik, europa, stabilitätspakt, wachstumspakt, Fiskalunion, symmetrische und asymmetrische Schocks, Fiskalpolitik, EZB, Europäische Zentralbank, Finanzkrise, Schuldenkrise, optimale Währungsräume
Arbeit zitieren
Christopher Klein (Autor), 2009, Die Problematik einer einheitlichen Geldpolitik in Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187328

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