Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Geschichte - Allgemeines

Heidrun Friese: Lampedusa - Kann das Werk der Historischen Anthropologie im Sinne der Geschichtswissenschaften zugerechnet werden?

Titel: Heidrun Friese: Lampedusa - Kann das Werk der Historischen Anthropologie im Sinne der Geschichtswissenschaften zugerechnet werden?

Hausarbeit , 1998 , 23 Seiten , Note: 1

Autor:in: Ilsemarie Walter (Autor:in)

Geschichte - Allgemeines
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Unter der beschönigenden Bezeichnung „Euthanasie“ wurden im Dritten Reich Hunderttausende behinderter Menschen ermordet. Als Motiv wurden – vor allem von den Nationalsozialisten selbst, aber auch von späteren Historikern – hauptsächlich wirtschaftliche Gründe angegeben, nämlich der dringende Bedarf an Anstaltsbetten für Wehrmachtsangehörige und allgemeine Einsparungen. Der tiefere Beweggrund lag jedoch in einer Ideologie, deren Ideal ein rassisch homogenes und gesundes Volk war, das durch Ausschaltung alles „rassisch“ oder erbmäßig „Minderwertigen“ geschaffen werden sollte.

In allen drei Phasen der Mordaktionen waren nicht nur Ärzte, sondern auch Pflegepersonen in die Taten verwickelt. Dementsprechend wurden in den Nachkriegsprozessen auch Pfleger und Pflegerinnen der Mitwirkung an der Euthanasie angeklagt und zum Teil verurteilt. Um diese Prozesse geht es in dieser Arbeit. Zwei in Deutschland und zwei in Österreich in den ersten Nachkriegsjahren geführte Prozesse werden im Detail verglichen; im besonderen werden die Anklagepunkte und die angewendeten Gesetze, die Verteidigung der Angeklagten, die Urteile und die Urteilsbegründungen in den Blick genommen.

Die Untersuchung ergab, dass sowohl in Österreich als auch in Deutschland über ähnliche Taten sehr verschiedene Urteile gefällt wurden, wobei in Österreich drei Gesetze zur Verfügung standen, in Deutschland nur eines. Bereits zwischen 1945/46 und 1948 ist in beiden Ländern ein Milderwerden der Urteile festzustellen. Die österreichischen Urteile waren in den hier untersuchten Fällen eher strenger als die deutschen. Für die vorgefundenen Unterschiede in der Urteilssprechung zwischen Deutschland und Österreich – aber auch zwischen den einzelnen Prozessen im gleichen Land – waren vermutlich verschiedene Gründe maßgebend. Unter anderem gehören dazu: tatsächliche Unterschiede bei der Begehung der Taten, Unterschiede in der Gesetzgebung und die Anwendung unterschiedlichen Rechts; größeres oder geringeres Bemühen des Gerichts um ein Urteil, das den speziellen Umständen Rechnung trägt; die prinzipielle Einstellung der Richter, verschiedene Interventionen, die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung und ähnliche Umstände sowie auch die weitgehende Nichteignung der für „normale“ Verhältnisse geschaffenen Gesetze für die Anwendung auf die NS-Euthanasie-Verbrechen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Historische Anthropologie – ein komplexes Feld

2. Das Buch – zu Inhalt und Methode

3. Das Leben auf einer Insel – eine Mikrogeschichte?

3.1. Kleiner Untersuchungsgegenstand, weite Erkenntnisperspektive

3.2 Möglichkeit einer „histoire totale“?

4. Weitere Charakteristika der Historischen Anthropologie –

inwieweit treffen sie auf „Lampedusa“ zu?

4.1 Fremdes und Fremde

4.2 Neue Subjektivität

4.3 Kulturen statt Kultur und Geschichten statt Geschichte

4.4 Das Menschenbild der Historischen Anthropologie

5. Philosophisch orientierte Historische Anthropologie

6. Wie bringt die Autorin sich selbst ein?

7. Zur Vermittlung von Geschichte

8. Gesellschaftlicher Bezug

9. Konklusion

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Heidrun Frieses Werk „Lampedusa; Historische Anthropologie einer Insel“ im Hinblick auf dessen wissenschaftstheoretische Einordnung. Dabei wird analysiert, inwieweit das Buch die Kriterien der Historischen Anthropologie erfüllt und ob es den methodischen Ansprüchen dieses Forschungsfeldes gerecht wird.

  • Analyse der Anwendbarkeit des Mikrogeschichte-Ansatzes auf das Werk.
  • Untersuchung der Forschungsstrategien und des Umgangs mit Archiv- und Interviewmaterial.
  • Reflektion der philosophischen Einflüsse und der methodologischen Darstellung.
  • Kritische Würdigung der subjektiven Positionierung der Autorin.
  • Diskussion der Eignung des Buches zur Vermittlung historischer Zusammenhänge.

Auszug aus dem Buch

3.1. Kleiner Untersuchungsgegenstand, weite Erkenntnisperspektive

Als Prototyp für einen Untersuchungsgegenstand der Mikrogeschichte wird meist ein Dorf genannt; damit wäre Lampedusa, eine sehr kleine Insel, durchaus vergleichbar. Gefragt muß aber vor allem werden, welchen Sinn eine solche Begrenzung haben kann. Dressel sieht diesen Sinn in der Überschaubarkeit des Gegen-standes, die es ermöglicht, sowohl in die Tiefe zu gehen als auch so umfassend wie möglich zu arbeiten. „Der genauere und tiefere Blick eröffnet plötzlich Zusammenhänge und Bedeutungen, die im ersten Moment dem Historiker oder der Hi-storikerin als unwichtig und unbedeutend erscheinen mögen.“ Man könne damit auch sehr fremden Logiken, nach denen das Soziale und Kulturelle organisiert ist, auf die Spur kommen. Damit werde die Bedeutung, die die Elemente einer Kultur für die betreffende soziale Gruppe haben, in den Vordergrund gerückt, Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen können rekonstruiert und Beziehungsgeflechte nachgezeichnet werden. Dies werde dadurch möglich, daß der/die Forschende „wie mit einem Mikroskop“ an den Untersuchungsgegenstand herangeht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Historische Anthropologie – ein komplexes Feld: Einführung in das Forschungsfeld der Historischen Anthropologie und Darstellung der Zielsetzung der vorliegenden Analyse anhand des Werkes „Lampedusa“.

2. Das Buch – zu Inhalt und Methode: Überblick über den inhaltlichen Fokus der Besiedlungsgeschichte Lampedusas und die von der Autorin angewandten, teils widersprüchlichen Forschungsmethoden.

3. Das Leben auf einer Insel – eine Mikrogeschichte?: Diskussion, ob das Werk die methodischen Anforderungen an eine Mikrogeschichte erfüllt, insbesondere hinsichtlich der Anbindung an eine Makroebene.

4. Weitere Charakteristika der Historischen Anthropologie – inwieweit treffen sie auf „Lampedusa“ zu?: Prüfung zentraler Konzepte wie „Fremdheit“, „Subjektivität“ und „Multiperspektivität“ im Kontext der Fallstudie.

5. Philosophisch orientierte Historische Anthropologie: Untersuchung von Affinitäten zwischen Frieses Werk und der philosophisch orientierten Ausrichtung der Historischen Anthropologie.

6. Wie bringt die Autorin sich selbst ein?: Reflexion über die Rolle der Autorin als Forscherin und die explizite Thematisierung ihrer eigenen Subjektivität.

7. Zur Vermittlung von Geschichte: Kritische Bewertung des akademischen Schreibstils und der semantischen Probleme bei der Übersetzung von Archivquellen.

8. Gesellschaftlicher Bezug: Analyse der gesellschaftlichen Aktualität des Themas und der indirekten Vermittlungsabsichten der Autorin.

9. Konklusion: Abschließende Einschätzung, dass das Werk eher als anthropologisch-ethnologische Studie denn als geschichtswissenschaftliche Mikrogeschichte einzuordnen ist.

Schlüsselwörter

Historische Anthropologie, Mikrogeschichte, Lampedusa, Forschungsstrategie, Methodik, Archivmaterial, Oral History, Subjektivität, Interdisziplinarität, Fremdheit, Besiedlungsgeschichte, Wissenschaftstheorie, Heidrun Friese, Gert Dressel, Montage.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Heidrun Frieses Buch „Lampedusa“ kritisch auf seine wissenschaftliche Fundierung innerhalb der Disziplin der Historischen Anthropologie.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die methodische Anwendung der Mikrogeschichte, die Untersuchung von Elementarerfahrungen, das Verhältnis von Archiv- und Interviewquellen sowie die wissenschaftstheoretische Positionierung der Autorin.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu klären, ob Frieses Werk den methodischen und wissenschaftlichen Kriterien der Historischen Anthropologie gerecht wird oder ob es primär anderen disziplinären Ansätzen zuzuordnen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Autorin der vorliegenden Arbeit nutzt eine wissenschaftstheoretische Analyse und vergleicht das Werk „Lampedusa“ mit den theoretischen Vorgaben von Gert Dressel zur Historischen Anthropologie.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zentrale Merkmale wie die Mikrogeschichte, das Konzept des Fremden, neue Subjektivität und das Menschenbild der Historischen Anthropologie mit den Inhalten des Buches „Lampedusa“ konfrontiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Historische Anthropologie, Mikrogeschichte, Methodik, Subjektivität und Forschungsstrategie.

Wie bewertet die Arbeit Frieses Umgang mit Archivquellen?

Die Arbeit kritisiert die Übersetzung der Archivtexte ins Deutsche, insbesondere die Verwendung falscher Freunde und umgangssprachlicher Begriffe, welche die wissenschaftliche Qualität mindern.

Warum sieht die Autorin die Verwendung der „Montage“ kritisch?

Obwohl das Prinzip der Montage als Darstellungsmittel diskutiert wird, empfindet die Autorin den Rückgriff auf Walter Benjamins Begriff des „Abfalls“ in Bezug auf die Erinnerungen der Gesprächspartner als ethisch bedenklich.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Heidrun Friese: Lampedusa - Kann das Werk der Historischen Anthropologie im Sinne der Geschichtswissenschaften zugerechnet werden?
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte)
Veranstaltung
Lehrveranstaltung Wissenschaftstheorie I: Paradigmenwechsel in der Geschichtswissenschaft?
Note
1
Autor
Ilsemarie Walter (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1998
Seiten
23
Katalognummer
V18734
ISBN (eBook)
9783638230063
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heidrun Friese Lampedusa Kann Werk Historischen Anthropologie Sinne Geschichtswissenschaften Lehrveranstaltung Wissenschaftstheorie Paradigmenwechsel Geschichtswissenschaft
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ilsemarie Walter (Autor:in), 1998, Heidrun Friese: Lampedusa - Kann das Werk der Historischen Anthropologie im Sinne der Geschichtswissenschaften zugerechnet werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18734
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  23  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum