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Die Problematik jüdischer Apotheker, Pharmazie- und Medizinstudenten im Vormärz am Beispiel des „Apotheker-Subjects“ Leo Piepes und seines Umfeldes

Title: Die Problematik jüdischer Apotheker, Pharmazie- und Medizinstudenten im Vormärz am Beispiel des „Apotheker-Subjects“ Leo Piepes und seines Umfeldes

Seminar Paper , 2002 , 30 Pages , Grade: 1

Autor:in: Ilsemarie Walter (Author)

History of Europe - Modern Times, Absolutism, Industrialization
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Wie in vielen Teilen Europas waren auch in Österreich Einwohner jüdischen Glaubens im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Verfolgungen und Diskriminierungen ausgesetzt. Eine nicht geringe Anzahl von ihnen ließ sich mehr oder weniger freiwillig taufen, um der Verfolgung zu entgehen oder bessere Chancen im Leben zu haben. Bei jüdischen Kindern sind viele Zwangstaufen dokumentiert.

In der vorliegenden Arbeit ging es darum, ausgehend von einer in den Jahren zwischen 1784 und 1868 vorgenommenen Eintragung der Taufe einer Person ursprünglich jüdischen Glaubens in den Wiener Pfarrarchiven, den Kontext zu erforschen, in dem diese Taufe geschah. Ausgewählt wurde Leo Piepes, Hörer der Pharmazie an der Universität Wien, der am 1. Dezember 1829 im Alter von 22 Jahren in der Wiener Pfarre St. Leopold katholisch getauft wurde und den Vornamen Joseph Franz annahm.

Leo Piepes entstammte einer angesehenen Lemberger Familie und ist als „Apotheker-Subject“ eingetragen, was einem Apotheker-Gesellen entsprach, während zwei seiner Brüder, Salomon und Simon Piepes, hier Medizin studierten. In Lemberg selbst war es zu dieser Zeit nicht möglich, ein vollwertiges Medizin- oder ein Pharmaziestudium zu absolvieren. Das Jahr 1829 war jedoch kein günstiges Jahr für einen Juden, der Apotheker werden wollte. Am 16. Mai 1829 verbot eine Höchste Entschließung den Juden, das Apothekergewerbe auszuüben - eine Bestimmung, die erst 1860 wieder außer Kraft trat. Es kann als wahrscheinlich angenommen werden, dass dieses Verbot zu Piepes’ Entschluss, den katholischen Glauben anzunehmen, zumindest beitrug.

Leo Piepes, der sich nach seiner Taufe selbst Franz nannte, schloss sein Apothekerstudium mit einer Prüfung ab. Dann verliert sich seine Spur – als katholisch Getaufter wurde er von den Behörden nicht mehr so genau verfolgt wie vorher als jüdischer Einwohner der Monarchie. Salomon Piepes vollendete sein Medizinstudium in Wien, er hatte jedoch so gut wie keine Chancen, sich hier als praktizierender Arzt niederzulassen. Der jüngere Bruder Simon promovierte im Jahr 1835 in Pavia.

In der Arbeit werden die Entwicklung der gesetzlichen Vorschriften, die Debatten zwischen einzelnen Behörden und die Ausnahmeregelungen in Bezug auf jüdische Apotheker und Ärzte näher verfolgt, wobei eine Fülle konkreter Schwierigkeiten und Diskriminierungen sichtbar wird, mit denen diese Bevölkerungsgruppe zu kämpfen hatte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Ausgangspunkt

2. Der Konvertit und seine Familie

3. Der Taufpate

4. Lemberg - Heimatstadt der Familie Piepes

5. Die wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen

5.1 Zum Apothekerberuf

5.2 In bezug auf jüdische Apotheker und Studenten

6. Sonderregelungen

6.1 Der Fall der Apothekerfamilie Jeiteles in Prag

6.2 Der Fall Michael Perl aus Tarnopol

6.3 Eingaben italienischer Judengemeinden

7. Nochmals der Konvertit und seine Familie

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Schicksals des jüdischen Pharmaziestudenten Leo Piepes die spezifischen rechtlichen und gesellschaftlichen Barrieren, mit denen jüdische Studenten im Vormärz konfrontiert waren, wenn sie eine akademische Laufbahn im Apothekerwesen anstrebten.

  • Rechtliche Restriktionen für Juden beim Zugang zum Apothekerberuf in Österreich.
  • Die Rolle der Konversion zum christlichen Glauben als Anpassungsstrategie.
  • Der Einfluss von Taufpaten und familiären Netzwerken auf die Integration.
  • Regionale Unterschiede in der Behandlung jüdischer Studenten und Apotheker (Wien, Lemberg, Prag, Italien).
  • Akademische Lebensläufe jüdischer Studenten in einem Klima der Diskriminierung.

Auszug aus dem Buch

1. Ausgangspunkt

Am 1. Dezember 1829 wurde der israelitische Hörer der Pharmazie Leo Piepes, ehelicher Sohn des Lemberger Gemeinde-Actuars Joachim Piepes und der Maria Piepes geborene Meisels, in der Wiener Pfarre St. Leopold vom dortigen Pfarrer Johann Baptist Weber getauft. Er nahm dabei den Namen Joseph Franz Pipys an. Der Vorname Joseph war offensichtlich von seinem Taufpaten, dem Hausinhaber und Gerichtsbeisitzer Joseph Langer, übernommen; die Änderung des Familiennamens in Pipys kann als Polonisierung des Namens interpretiert werden. Leo Piepes war am 17. November 1807 geboren, also bei seiner Taufe 22 Jahre alt.

Später wurde in der Taufmatrikel die Bezeichnung „Hörer der Pharmacie“ durchgestrichen und statt dessen „Apotheker-Subject“ – was einem Apotheker-Gesellen entsprach – geschrieben. Diese Änderung wurde mit einem Vermerk begründet, dass sie im Jahre 1830 von der Landesregierung angeordnet worden sei.

Ausgehend von diesem Taufprotokoll, habe ich versucht, der Person Leo Piepes’ und seinem Umfeld nachzugehen, vor allem aber den Schwierigkeiten nachzuspüren, die Juden im Vormärz hatten, wenn sie den Apothekerberuf wählen wollten. Denn das Jahr 1829, in dem sich Leo Piepes taufen ließ und in dem er wahrscheinlich auch mit seinen Pharmazie-Studien an der Wiener Universität begann, war kein günstiges Jahr für ein solches Vorhaben, wenn man Jude war. Am 16. Mai 1829 verbot eine Höchste Entschließung den Juden, das Apothekergewerbe auszuüben - eine Bestimmung, die erst 1860 wieder außer Kraft trat. Es kann als wahrscheinlich angenommen werden, dass dieses Verbot zu Piepes’ Entschluss, den katholischen Glauben anzunehmen, zumindest beitrug.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Ausgangspunkt: Einführung in die Biografie von Leo Piepes und Schilderung der restriktiven Umstände des Jahres 1829, die zu seiner Konversion führten.

2. Der Konvertit und seine Familie: Beleuchtung des familiären Hintergrunds der Gebrüder Piepes in Lemberg und ihrer Studienzeit in Wien.

3. Der Taufpate: Analyse der Rolle des Taufpaten Joseph Langer und dessen gesellschaftlicher Stellung in Wien und Böhmen.

4. Lemberg - Heimatstadt der Familie Piepes: Untersuchung der sozioökonomischen Situation in Lemberg und der dortigen Einschränkungen für die jüdische Bevölkerung.

5. Die wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen: Darstellung der rechtlichen Ausbildungsvoraussetzungen für Apotheker und der spezifischen Verbotsregelungen gegenüber Juden.

6. Sonderregelungen: Analyse von Ausnahmefällen, wie der Familie Jeiteles in Prag oder dem Fall Michael Perl, sowie Reaktionen italienischer Judengemeinden auf die Verbote.

7. Nochmals der Konvertit und seine Familie: Rückblick auf das Schicksal der Brüder Piepes nach ihrem Studium und die Schwierigkeiten, als Jude in den akademischen Berufen Fuß zu fassen.

Schlüsselwörter

Vormärz, Jüdische Apotheker, Pharmaziestudium, Konversion, Leo Piepes, Wien, Lemberg, Berufsverbot, Bildungsgeschichte, Rechtliche Restriktionen, Integration, Antisemitismus, Apothekerwesen, Akademische Laufbahn, Medizinstudium.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Situation jüdischer Studenten und Absolventen, insbesondere angehender Apotheker und Mediziner, im österreichischen Vormärz unter dem Druck diskriminierender gesetzlicher Bestimmungen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die rechtlichen Beschränkungen der Berufsausübung, die soziale Integration jüdischer Familien aus Galizien, die Strategie der Konversion sowie der Alltag und die Hindernisse im universitären Studienbetrieb.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, anhand der exemplarischen Biografie von Leo Piepes und seinem Umfeld aufzuzeigen, welche existenziellen Konsequenzen die restriktive österreichische Judenpolitik für talentierte junge Menschen hatte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine akribische Auswertung zeitgenössischer Dokumente, Taufmatrikel, Archivalien sowie historischer Fachliteratur und Gesetzessammlungen des 19. Jahrhunderts.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Apothekerwesen, die spezifischen Sonderregelungen für bestimmte jüdische Familien und die unterschiedlichen Karrierewege der Gebrüder Piepes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Vormärz, Judentum, Pharmazie, Berufszulassung, Emanzipation und Diskriminierung im österreichischen Kaiserreich zusammenfassen.

Inwiefern spielte der Taufpate eine Rolle für die Biografie des Protagonisten?

Der Taufpate Joseph Langer bot nicht nur ein soziales Prestige, sondern seine Rolle als „Hausinhaber und Gerichtsbeisitzer“ verdeutlicht das Netzwerk, in dem sich Konvertiten bewegen mussten, um in Wien Anerkennung oder Unterstützung zu finden.

Was unterscheidet den Fall der Familie Jeiteles von anderen betroffenen Apothekern?

Die Familie Jeiteles in Prag besaß durch ein historisches Privileg eine Ausnahmegenehmigung für den Betrieb ihrer Apotheke, was sie zu einem seltenen Sonderfall innerhalb der restriktiven Gesetzgebung machte.

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Details

Title
Die Problematik jüdischer Apotheker, Pharmazie- und Medizinstudenten im Vormärz am Beispiel des „Apotheker-Subjects“ Leo Piepes und seines Umfeldes
College
University of Vienna  (Institut für Geschichte)
Course
Seminar: Jüdische Konvertiten in Wien 1784-1868
Grade
1
Author
Ilsemarie Walter (Author)
Publication Year
2002
Pages
30
Catalog Number
V18735
ISBN (eBook)
9783638230070
ISBN (Book)
9783638682176
Language
German
Tags
Problematik Apotheker Pharmazie- Medizinstudenten Vormärz Beispiel Piepes Umfeldes Seminar Jüdische Konvertiten Wien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ilsemarie Walter (Author), 2002, Die Problematik jüdischer Apotheker, Pharmazie- und Medizinstudenten im Vormärz am Beispiel des „Apotheker-Subjects“ Leo Piepes und seines Umfeldes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18735
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