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Der Vampir als literarische Figur der Romantik

Title: Der Vampir als literarische Figur der Romantik

Examination Thesis , 2011 , 89 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Rebecca Tille (Author)

German Studies - Literature of History, Eras
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Summary Excerpt Details

„Es ist Nacht. Eine dunkle Gestalt, nur schemenhaft zu erkennen, schleicht sich im Dunkeln unbemerkt an einen Menschen heran. Im Mondlicht kann man nur die spitzen, scharfen Zähne erkennen…“ Unweigerlich handelt es sich hierbei um die Schilderung eines Vampirangriffs. Doch woher stammt diese? Sie könnte aus einer Erzählung eines antiken Geschichtenerzählers aus Homers Zeiten entnommen oder von einem Romanautor des 19. Jahrhunderts verfasst worden sein oder aber gleichfalls aus einem Kinofilm des letzten Sommers hervorgehen. Es treffen viele Möglichkeiten zu, welche die Annahme verstärken, dass das Motiv des Vampirs die Jahrhunderte überdauert hat.
Die Gestalt des blutsaugenden Wiedergängers hat sich zu einem beliebten literarischen Motiv entwickelt. Als angsteinflößendes Monster, erotisches Ungeheuer oder auch bleiche Gestalt, die seine Opfer zähnefletschend verfolgt, wandelt es durch zahlreiche Filme, Gruselgeschichten, Lieder, Comics, Werbungen oder PC-Spiele. Doch worin fundiert sich eine solche Faszination des Vampirmythos? Die Gesellschaft nimmt den Urglauben des Wiedergängers als gegeben hin, doch stellt sich dabei die Frage, was ein Vampir überhaupt ist und wie sich der Glaube an solche Wesen erst entwickeln konnte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Vampir als Phänomen des Volksglaubens

2.1 Definition und Etymologie des Vampirs

2.2 Vorläufer und verwandte Phänomene

2.3 Die Historie des Vampirmythos

2.3.1 Der Ursprung des Vampirglaubens

2.3.2 Christliche Einflüsse

2.3.3 Die Vampirhysterie und ihre Folgen

3. Der literarische Ursprung des Vampirgenres

4. Die Behandlung des Vampirstoffs im Zeitalter der Aufklärung

5. Die Romantik als Blütezeit des Vampirs

5.1 Die Schwarze Romantik und ihre Schauerliteratur

5.2 Das Vampirmotiv in der Epoche der Romantik

5.3 Die Darstellung der literarischen Vampirfigur im 19. Jahrhundert

5.4 Die sexualpsychologische Dimension des Vampirs

5.4.1 Der männliche Vampir

5.4.2 Der weibliche Vampir

6. Eine Suche nach vampiristischen Motiven in Goethes Braut von Korinth

6.1 Antike Quellen der Ballade

6.2 Der Vampir in der Braut von Korinth

6.3 Kontrastierende Interpretationsansätze

7. The Vampyre von John William Polidori oder Lord Byron?

7.1 Eine schwarzromantische Entstehungsgeschichte

7.2 Der byroneske Vampir in Polidoris Erzählung

7.3 Der Vampir als gesellschaftskritisches Instrument

7.4 Der Vampir in der romantischen Oper

8. Der Upyr von Alexej Konstantinowitsch Tolstoi

8.1 Analyse des Vampirischen und Unheimlichen in Tolstois Upyr

9. Die Entwicklung der Vampirliteratur im 20. Jahrhundert

10. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die wissenschaftliche Arbeit analysiert die Entwicklung des Vampirmotivs von einem Phänomen des Volksglaubens bis hin zu seiner literarischen Etablierung, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Epoche der Romantik liegt. Ziel ist es, die kulturelle und psychologische Faszination der Vampirgestalt zu ergründen und darzulegen, wie sich die Darstellung des Blutsaugers von der Folklore zur komplexen, oft erotisch aufgeladenen literarischen Figur wandelte.

  • Vampirismus als Volksglaube und historisches Phänomen
  • Die literarische Entwicklung und der Einfluss der Schwarzen Romantik
  • Sexualpsychologische und gesellschaftskritische Dimensionen der Vampirfigur
  • Analyse spezifischer Werke von Goethe, Polidori und Tolstoi
  • Transformation und Trivialisierung des Vampirbildes im 20. Jahrhundert

Auszug aus dem Buch

5.4.1 Der männliche Vampir

Einen literarischen Siegeszug erlebte der männliche Wiedergängers besonders in seiner Darstellung durch Lord Byron und dessen Leibarzt Polidori. Sie statteten die ursprünglich derbe Gestalt des slawischen Volksglaubens mit den Insignien einer maskulinen, aristokratischen Kultur aus. Auch Autoren wie Mérimée, Gogol und Alexej Tolstoi folgten dieser Tradition und verzichteten darauf, die männliche Vampirgestalt als monströse Zwischenexistenz auszustaffieren.

Bereits in den ersten gotischen Romanen traten stereotype Schurken auf, deren Verdammnis ästhetisiert wurde. Diesen Typus des trauernden Zerstörers hat Byron als erster ins Vampirische gewendet. Er siedelte das Bild des Vampirs als metaphysisches Ungeheuer zwischen Leben und Tod an und übersetzte es in die Terminologie seiner Zeit. Diese war bestimmt von dem gotischen Schurken, der auf schreckliche Art und Weise Faszination ausübte und gleichzeitig melancholisch war. Er war also Träger der beiden Empfindungen – Schrecken und Trauer – und zumeist Aristokrat, um das Vergangene des Ancien régime glänzender erscheinen zu lassen. Byron hat somit „den Vampir endgültig aus der Folklore erlöst und in das metaphorische Pandämonium der Romantik eingeführt.“

Laut Brittnacher, eignen sich nur die Aristokraten mit ihrer vom Bürgertum gepflegten und diskreditierten Ikonographie von Ausbeutung, Unterdrückung und erotischer Gier dazu, die im Vampirmythos angelegten Elemente der Gewalt, des Parasitentums und der Wollust zu veranschaulichen. In der theatralischen Inszenierung des Adels mit ihren düsteren Effekten und ihrer rastlosen Suche nach Zerstreuung, zeigt sich besonders stark der Aspekt der Trauer. Der typische männliche Vampir der Romantik – auch gothic villain genannt – ist also der adlige Melancholiker. Der düstere Höfling stellt ein Reversbild aufgeklärter Fortschrittspsychologie dar und spiegelt das zweifelnde, unsichere Bürgertum wider. Dieser Vampirtypus ist nicht allein ein blutiges Scheusal, sondern zeichnet sich ebenso durch die noble Boshaftigkeit eines charismatischen Einzelgängers aus.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zeitlose Faszination des Vampirmythos ein und skizziert das Ziel der Arbeit, die literarische Darstellung des Vampirs von den Anfängen bis in das 21. Jahrhundert zu beleuchten.

2. Der Vampir als Phänomen des Volksglaubens: Dieses Kapitel definiert den Vampir im volkskundlichen Sinne, beleuchtet etymologische Ursprünge und behandelt die historische Entstehung des Vampirglaubens sowie die Rolle der Kirche.

3. Der literarische Ursprung des Vampirgenres: Hier wird der Übergang von den Sagen und Mythen zur fiktiven Literatur untersucht und die Schwierigkeit erörtert, den genauen Ursprung des Vampirgenres festzulegen.

4. Die Behandlung des Vampirstoffs im Zeitalter der Aufklärung: Dieses Kapitel zeigt auf, warum die aufklärerische Literatur das Thema Vampirismus weitgehend mied und nur vereinzelt fiktional aufgriff.

5. Die Romantik als Blütezeit des Vampirs: Es wird analysiert, wie die Schwarze Romantik das Motiv des Vampirs als zentrales Element nutzte, um menschliche Abgründe darzustellen und sexuelle sowie gesellschaftskritische Dimensionen zu erschließen.

6. Eine Suche nach vampiristischen Motiven in Goethes Braut von Korinth: Eine tiefgehende Analyse von Goethes Ballade in Bezug auf vampirische Motive und ihre Aufnahme in der literaturwissenschaftlichen Forschung.

7. The Vampyre von John William Polidori oder Lord Byron?: Dieses Kapitel beleuchtet die faszinierende Entstehungsgeschichte von Polidoris Werk und diskutiert die Autorschaft sowie die Darstellung des byronesken Vampirs.

8. Der Upyr von Alexej Konstantinowitsch Tolstoi: Die Analyse von Tolstois Novelle zeigt, wie der russische Autor das Motiv des Vampirs mit anderen Elementen der Phantastik verknüpft und neu interpretiert.

9. Die Entwicklung der Vampirliteratur im 20. Jahrhundert: Ein Ausblick auf die Trivialisierung, filmische Adaption und die Wandlung des Vampirs vom Schreckenswesen hin zum tragischen Helden im 20. Jahrhundert.

10. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Unverwüstlichkeit des Vampirmotivs als Spiegel menschlicher Sehnsüchte.

Schlüsselwörter

Vampir, Schwarze Romantik, Wiedergänger, Gothic Novel, Vampirmythos, Sexualpsychologie, Femme fatale, Literaturgeschichte, Volksglaube, Unsterblichkeit, Ästhetik des Horrors, Blutsauger, Phantastik, Gesellschaftskritik, Literatur des 19. Jahrhunderts.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Wandlung der Vampirfigur von einem mythologischen und volkskundlichen Phänomen zu einer komplexen literarischen Motivik, insbesondere während der Epoche der Romantik.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Neben der historischen Genese des Vampirglaubens stehen die literarische Ästhetisierung des Schreckens, die sexualpsychologische Deutung des Vampirbisses sowie gesellschaftskritische Aspekte im Vordergrund.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich der Vampir in der Literaturgeschichte entwickelt hat und warum die Figur bis heute eine so starke Präsenz in der menschlichen Phantasie und Kultur bewahrt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten (z.B. von Goethe, Polidori, Tolstoi) vorgenommen, eingebettet in einen kulturwissenschaftlichen Diskurs über das Motiv des Vampirismus.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Rolle des Vampirs in der Schwarzen Romantik, die spezifische Darstellung von männlichen und weiblichen Vampiren sowie die literarische Behandlung des Themas in verschiedenen europäischen Ländern im 19. und 20. Jahrhundert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Vampir, Schwarze Romantik, Wiedergänger, Gothic Novel, Sexualpsychologie und literarische Motivik.

Wie unterscheidet sich der literarische Vampir von der Sagengestalt des Volksglaubens?

Während der Vampir des Volksglaubens als reines Schreckenswesen für Krankheiten und Tod verantwortlich gemacht wurde, erhält die literarische Figur in der Romantik eine individuelle, oft ästhetisierte oder erotische Dimension und dient der Reflexion psychischer Zustände.

Warum wird die Rolle der Frau im Kontext des Vampirmotivs so stark betont?

Die Figur der Frau wandelt sich in der Literatur des 19. Jahrhunderts von der passiven Femme fragile hin zur gefährlichen Femme fatale, was als Ausdruck männlicher Verstörung angesichts gesellschaftlicher Veränderungen und Emanzipation interpretiert wird.

Welche Rolle spielt Goethes Ballade Die Braut von Korinth für das Genre?

Das Werk gilt als wichtiges frühes Beispiel für die literarische Nutzung des Vampirmotivs, das den Blutsauger nicht bloß als Monster, sondern als zerrissene, tragische Figur innerhalb eines Spannungsfeldes zwischen heidnischem Eros und christlicher Askese darstellt.

Was ist das Besondere an Polidoris Erzählung The Vampyre?

Sie gilt als eine der ersten neuzeitlichen Vampirgeschichten, die den Vampir in die aristokratische Gesellschaft verlegt und maßgeblich zur Etablierung des byronesken Vampirbildes in Europa beigetragen hat.

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Details

Title
Der Vampir als literarische Figur der Romantik
College
http://www.uni-jena.de/  (Institut für germanistische Literaturwissenschaft)
Grade
2,0
Author
Rebecca Tille (Author)
Publication Year
2011
Pages
89
Catalog Number
V187356
ISBN (eBook)
9783656106203
ISBN (Book)
9783656106005
Language
German
Tags
Vampir Vampirgenre Goethe Polidori Byron Tolstoi Vampyre Nachzehrer Vampirroman Vampirliteratur Schwarze Romantik Wiedergänger Revenant femme fatale femme fragile gothic villain Aufklärung Stephenie Meyer Anne Rice
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rebecca Tille (Author), 2011, Der Vampir als literarische Figur der Romantik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187356
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