Vergleich der großen Weltreligionen im Hinblick auf das Projekt „Weltethos“ von Hans Küng


Seminararbeit, 2011

28 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Projekt „Weltethos“

3 Die großen Weltreligionen im Vergleich
3.1 Die Heiligen Schriften
3.2 Unterschiedliche Glaubens-Gottheiten
3.3 Die Schöpfung der Welt
3.4 Leib und Seele
3.5 Ethik und Glaube
3.6 Die Erlösung
3.7 Das Endziel

4 Die „Erklärung zum Weltethos“
4.1 Ethisches Handeln braucht Werte
4.2 Religion als Konfliktauslöser
4.3 Wandel vom Religionskrieg zum Terrorismus
4.4 Geschichtlicher Rückblick und Ausblick zum Weltfrieden
4.5 Hans Küng, Komponenten zum Weltfrieden

5 Grundfragen an universale Menschenrechte
5.1 Die Nicht-Anwendung der Menschenrechte
5.2 Grundforderungen zum ewigen Frieden

6 Kritik am Projekt Weltethos

7 Literaturliste:

Internet:

Bücher:

1 Einleitung

Jeder Tag führt uns vor Augen, dass ein nicht hinehmbarer Riss durch unsere Welt geht. Millionen von Menschen leben in extremer Armut. Viele sind Ungerechtig-keiten, mangelnder Bildung, Kriegen, Folter und sogar der Todesstrafe ausgesetzt ebebso wie in ökonomischen und ökologischen Katastrophen. Das Projekt „Weltethos“ basiert auf einer Vision eines globalen Bewusstseinswandels im Ethos der Menschen, weltweit, national und lokal. Alle Menschen sind heute auf ein friedliches Zusammenleben, auf gemeinsame ethische Werte und deren Maßstäbe Haltungen und Handlungen angewiesen. In der vorliegenden Arbeit werde ich auf die großen Weltreligionen, ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten, auf den Wandel von den Religionskriegen zum Terrorismus und auf die Grundforderungen der Menschheit, auf ihrem Weg zu einem Weltethos eingehen.

2 Das Projekt „Weltethos“

Wir haben es mit einer großen Idee zu Tun, der Entwicklung zur ethischen Globalisierung. Die Erklärung zum Weltethos wurde Anfang September 1993 in Chicago von Vertretern verschiedener Religionen erstellt. Insgesamt kamen etwa 6.500 Vertreter aus allen Religionen und Weltanschauungen zu dem Treffen. Deutlich geworden sind Konvergenzen und Divergenzen zwischen den Religionen. Es finden sich aber durchaus Gemeinsamkeiten, die einen Diskurs zu den Fragen der Religionen und Kulturen, erlauben. Dieser Diskurs muss fortgesetzt werden..

Warum muss er weitergehen? Um seine Mitmenschen besser zu verstehen, aber auch um uns besser zu verstehen, was nur auf dem Wege von Vergleich und Konfrontation geschehen kann. Es wurde deklariert, dass es ein Wertefundament für die Grundlage eines friedlichen Zusammenlebens geben muss. Der interreligiöse Dialog ist alles andere als eine private, persönliche, lokale oder regionale Angelegenheit. Niemand wird heute bestreiten, wie sehr der Frieden der Welt vom Frieden unter den Religionen abhängt. Ethos, Menschenrechte und Globalisierung sind Teil unserer Alltagserfahrung und aus diesem Grund müssen wir die Weichen danach stellen.

3 Die großen Weltreligionen im Vergleich

Vergleicht man Buddhismus, Hinduismus, Islam und Christentum, findet man in jeder Religion auch Weisheit und Gutes. Es gibt Parallelen, aber es gibt auch deutliche Unterschiede.

Die verbreiteste Weltreligion ist das Christentum mit 2 Milliarden Anhängern. An zweiter Stelle folgt der Islam mit 1,2 Milliarden. Dann folgt der Hinduismus mit 550 Millionen, der Buddhismus mit 300 Millionen und schließlich das Judentum mit 14 Millionen.

Das Judentum ist die älteste der Weltreligionen. Die Anfänge der jüdischen Religion gehen auf die Zeit der Patriarchen im 18. Jh. v. Chr. zurück. Dann folgt der Hinduismus, der seinen Ursprung im 12. Jh. v. Chr. hat. An dritter Stelle folgt der Buddhismus, der auf das 6. Jh. v. Chr., zurückgeht. Das Christentum entstand im 1. Jh. n. Chr. und der Islam im 7. Jh. n. Chr. Der Islam zählt heute (2000 n. Chr.) etwa 1,2 Milliarden Anhänger.Er ist von Nordafrika über Arabien, Syrien, die Türkei, den südlichen Balkan, Irak, Persien, Afghanistan, Pakistan, Malaysia bis nach Indonesien verbreitet. Islamisch sind aber auch verschiedene südliche Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Im westlichen Europa gibt es derzeit durch die Zuwanderung etwa 40 Millionen Muslime.

In den Vereinigten Staaten findet der Islam vor allem unter der schwarzen Bevölkerung immer mehr Anhänger (die sog. „Black Muslims“). Keine der großen religiösen Traditionen der Menschengeschichte, weder die semitischen noch die der indischen oder die der chinesischen Ursprungs haben ein einheitliches, uniformes Verständnis der letzten, höchsten Wirklichkeit, des Himmels, des Tao, des Absoluten, der Gottheit, Gottes. Schon die Verschieden-heit der Benennungen zeigt, eher ein Verwandtes, Analoges, immer ein Erstes oder Letztes, Höchstes oder Tiefstes, das alle Wirklichkeit bestimmt, sei es als beherrschende oder innewohnende Person, sei es als überragendes oder durchwaltendes Prinzip.

3.1 Die Heiligen Schriften

Alle großen Weltreligionen haben bedeutende Heilige Schriften. Der Hinduismus gründet auf den Veden und den Upanischaden sowie der Bhagavadgita. Der Buddhismus auf den Lehrreden von Buddha und auf den kanonischen Schriften (Tripitaka). Das Judentum betrachtet die hebräische Bibel und den Talmud als seine heiligen Schriften. Das Christentum hat das Alte und das Neue Testament als seine schriftliche Grundlage und der Islam sieht im Koran sein heiliges Buch.[1]

3.2 Unterschiedliche Glaubens-Gottheiten

Der Hinduismus verkündet mehrere Arten von Gottheiten. An der Spitze steht das Eine, unpersönliche Brahman. Im Brahman existieren die drei Hochgottheiten Brahma, Vischnu und Shiva. Um jeden dieser drei Hochgötter scharen sich viele niedere Götter, die für spezielle Bereiche zuständig sind. Schließlich gibt es noch die Avataras, die eine irdische Verkörperung der Hochgottheiten darstellen. Der bekannteste dieser Avataras ist Krishna. Die hinduistische Gottesvorstellung ist gleichzeitig monotheistisch und polytheistisch, unpersönlich und persönlich, transzendent und immanent.

Der Buddhismus verkündet je nach Richtung recht unterschiedliche Lehren von Gott. Die Richtung des Hinayana lehrt, dass Gott nebensächlich sei, da der Mensch nach der Auslöschung im Nirwana[2] strebt. Die Richtung des Mahayana kennt ein unpersönliches Absolutes, persönliche Gottheiten und geschichtliche Erscheinungen von Gott bzw. Buddha (z. B. Gautama Siddhartha).

Das Judentum lehrt die Existenz von einem einzigen Gott. Dieser Gott ist transzendent, geistig und personal. Er ist ein Schöpfergott, der den Kosmos, die Welt und den Menschen erschaffen hat. Er ist der Herr des Himmels und der Erde.

Er ist der Vater der Menschen und greift in die Geschichte ein. Gott ist schließlich auch der Richter der Menschen, der das Gute belohnt und das Böse bestraft.

Das Christentum baut auf der jüdischen Lehre von Gott auf, geht aber noch über diese hinaus. Die christliche Lehre betont vor allem, dass Gott ein liebender und barmherziger Vater ist. Gott setzt sich auch in besonderer Weise für die Erlösung des Menschen ein und sendet seinen eigenen Sohn in die Welt. Gott ist aber auch ein gerechter Gott, der den unbußfertigen Menschen bestraft. Das Christentum verkündet schließlich auch die Lehre von einem dreifaltigen Gott, der aus drei Personen, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, besteht.

Der Islam lehrt einen strengen Monotheismus und betont die Einzigkeit Gottes. Gott ist geistig und personal. Er thront erhaben über der Welt und bestimmt in seiner Allmacht das Schicksal der Menschen. Gleichzeitig ist er aber auch gütig und barmherzig und hat Verständnis für die Schwächen der Menschen. Er ist stets bereit, dem reuigen Menschen zu vergeben. Der Islam ist eine monotheistische Religion, die auf dem Koran gegründet ist. Muslime glauben, dass der Erzengel Gabriel dem Propheten Mohammed die Heilige Schrift eingegeben hat. Die fünf Grundsäulen des Islam sind: das Glaubensbekenntnis des alleinigen Gottes, fünf-mal täglich Gebet, die Almosensteuer, das jährlich einmonatige Fasten und die Pilgerfahrt nach Mekka.

3.3 Die Schöpfung der Welt

Im Hinduismus wird die Welt nur als Schein und Illusion (Maya) betrachtet. Sie ist nicht die eigentliche Wirklichkeit und hat nur eine untergeordnete Bedeutung. Die Welt ist ein ewiger Kreislauf von Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung. Der Hinduismus hat eine abwertende Vorstellung von der Welt.

Der Buddhismus sieht die Welt ebenfalls als Schein und Illusion. Die Welt fesselt die Begierden des Menschen, sie täuscht ihn mit ihren Illusionen und wird dadurch zu einer Stätte des Leidens. Der Mensch muss die Illusion der Welt durchschauen und darf sich von ihren Verlockungen nicht fesseln lassen.

Das Judentum lehrt, dass die Welt eine Schöpfung Gottes und daher selbst nicht göttlich ist. Die Welt ist gut und zur Freude des Menschen da. Sie ist dem Menschen untertan und darf vom Menschen im Sinne Gottes genutzt werden. Das Judentum vertritt ein lineares Geschichtsbild und eröffnet damit das Fortschritts-denken. Die Welt ist aber nicht die endgültige Stätte des Menschen. Sie dient als Ort der Bewährung auf dem Weg zum Jenseits.

Das Christentum dagegen lehrt die Bejahung der Welt und öffnet die Augen für die Schönheiten der Welt. Es warnt vor einer Welt ohne Gott, Vor einer Welt in der der Mensch nach seinen eigenen Maßstäben lebt. Das Christentum sieht schließlich die Welt als Stätte der Bewährung, in der sich das ewige Schicksal des Menschen entscheidet.

Der Islam sieht in der Welt eine Schöpfung Gottes. Die Welt unterliegt aber nicht bestimmten Gesetzen, die Gott in die Welt hineingelegt hat. Das bedeutet, dass Gott in jedem Augenblick nach seiner willkürlichen Allmacht die Welt weiterschafft.

3.4 Leib und Seele

Der Hinduismus betrachtet den Menschen als ein Wesen aus Leib und Seele. Die Seele ist göttlichen Ursprungs und hat schon vor der Zeugung des Menschen existiert; der Körper ist die irdische Hülle der Seele. Die Seele des Menschen wird von zwei Grundgesetzen bestimmt: dem Gesetz des Dharma, welches die Ordnung aller Dinge bestimmt, und dem Gesetz des Kharma, welches die Vergeltung für begangene Taten festlegt. Der Mensch durchläuft in seinem Leben vier Stadien, nämlich das Stadium des Schülers, das Stadium der Familie

und des Berufs sowie die Stadien des Rückzugs und des Einsiedlers.

Der Buddhismus betont, dass der Mensch ein leidendes Wesen sei. Der Mensch ist auf verschiedene Weise an die Welt gekettet und wird so ständig von bestimmten Begierden heimgesucht. Die Begierden des Menschen können aber keine bleibende Erfüllung finden und sind somit eine ständige Quelle der

Enttäuschung. Der Buddhismus weist auch nachdrücklich auf die Gleichheit aller Menschen hin.

Das Judentum sieht im Menschen ein geschöpfliches Wesen, das von seinem Schöpfer abhängig und auf den Schöpfer hingeordnet ist. Der Mensch ist ein Abbild Gottes und verfügt als solches über Geist, Freiheit und schöpferische Fähigkeiten. Im Gegensatz zu Gott der diese Eigenschaften in absoluter Weise aufweist, besitzt der Mensch diese Eigenschaften nur in relativer und beschränkter Weise. Der Mensch wird auch als ein körperliches, soziales und geschlechtliches Wesen beschrieben.

Das Christentum bezeichnet den Menschen als Kind Gottes, das zu Gott „Vater“sagen kann. Der Mensch ist aber auch ein Freund Gottes und zur Gemeinschaft mit Gott berufen. Das Christentum zeichnet das Bild vom wahren und vollkommenen Menschen, es weiß aber auch um die Schwächen und um die Bosheit des Menschen. Das Christentum ruft den Menschen auf, mit Hilfe Gottes und durch eine ständige Bekehrung zu einem heiligmäßigen Wesen zu werden.

Der Islam definiert den Menschen als ein Geschöpf, das Gott unterworfen und dessen Schicksal ganz von Gott bestimmt ist. Gleichzeitig wird der Mensch auch als ein Wesen mit freiem Willen beschrieben. Die Freiheit des Willens beschränkt sich aber darauf, das von Gott bestimmte Schicksal freiwillig anzunehmen. Der Islam weist auch auf die vielen Schwächen des Menschen hin. Da Gott um die Schwächen des Menschen weiß, will er ihn nicht durch zu strenge Gebote überfordern.

3.5 Ethik und Glaube

Im Hinduismus soll sich der Mensch von verschiedenen Fehlhaltungen und Begierden lösen. So soll die Ethik zum Verzicht auf Gewalt, zur Überwindung der Lüge, des Materialismus und der sexuellen Begierde führen. Die hinduistische Ethik legt aber auch besonderen Wert auf die Sauberkeit und Genügsamkeit, auf das Ertragen von Widerwärtigkeiten und auf das Schweigen.

Der Buddhismus entfaltet eine sehr umfassende Ethik. Im „Achtteiligen Pfad“ lehrt er die rechte Sicht, die rechte Gesinnung, rechtes Handeln, rechte Lebensführung, rechte Achtsamkeit und rechte Konzentration. In den „Fünf Geboten“ verbietet er jedes Töten, Diebstahl, Lüge, Ehebruch und Genuss von Alkohol. Er empfiehlt auch die Vier „wohlwollenden Haltungen“, nämlich Freundschaft, Mitleid, Mitfreude und Gleichmütigkeit.

Das Judentum kennt eine sehr detaillierte Ethik, die durch viele Gebote und Verbote genau geregelt ist. Den Mittelpunkt der jüdischen Ethik bildet der Dekalog (Zehn Gebote), in dem es um den Schutz der grundlegenden moralischen Werte geht: den Schutz der Familie, des Lebens, der Ehe, des Eigentums, der Wahrheit, der Treue und des sozialen Friedens. Weiters regelt die Tora (das mosaische Gesetz) das ethische Verhalten des Menschen in den verschiedensten Bereichen des Lebens.

Das Christentum baut auf der Ethik des Judentums weiter, vollzieht aber eine Wende nach innen. Entscheidend ist nicht mehr die äußere Erfüllung der Gesetze, sondern die innere Gesinnung bei der Erfüllung der Gebote. Das Christentum geht über die Gebote hinaus und entwickelt auch ideale Zielvorstellungen der Moral, so preist Jesus in der Bergpredigt Haltungen wie Demut, Mitleid, Sanftmut, Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Reinheit, Friedfertigkeit und Standfestigkeit. Jesus spricht auch von der Treue und von der Wahrhaftigkeit und lehnt den Materialismus und die Vergeltung ab. Der Höhepunkt der christlichen Ethik ist die Aufforderung zur Feindesliebe.

Der Islam bezieht sich in seiner Ethik mehrfach auf den jüdischen Dekalog und die Tora. Er verbietet die Tötung, den Ehebruch, den Diebstahl und die Lüge. Der Islam erlaubt die Polygamie und die Scheidung. Der Islam hat für manche ethische Schwächen viel Verständnis, ist aber in anderen Bereichen rigoros (z.B.bei Alkohol). Es fällt auch auf, dass dem Mann mehr Rechte zugestanden werden als der Frau. Unangenehm berührt die Tatsache, dass verschiedene Verstöße gegen die Ethik heute noch drastisch bestraft werden (Peitschenhiebe bei Unzucht und Homosexualität, Steinigung bei Ehebruch, Abhacken der Hand bei Diebstahl).[3]

3.6 Die Erlösung

Der Hinduismus predigt die Selbsterlösung des Menschen. Diese erfolgt durch das Gebet, die Buße, das Almosengeben, durch Kulthandlungen, Wallfahrten und Waschungen. Wenn der Mensch nicht imstande ist, seine Schuld abzubüßen, muss er über die Seelenwanderung wieder in diese Welt zurückkehren, bis er seine ganze Schuld abgebüßt hat.

Der Buddhismus des Hinayana kennt nur die Selbsterlösung durch Meditation, Tugend und Askese. Der Buddhismus des Mahayana kennt neben der Selbsterlösung auch noch das hilfreiche Eingreifen Gottes, bei der Erlösung des Menschen.

Das Judentum lehrt die Erlösung durch Gott, der den Menschen aus seiner Schuld und Not befreit. Es lehrt aber auch, dass Gott das Volk Israel als ganzes befreit und erlöst. Die Erlösung des Menschen und des Volkes ist allerdings an bestimmte Bedingungen gebunden. Der Mensch und das Volk müssen sich an das Gesetz Gottes und an den Bund mit Gott halten. Mensch und Volk müssen ihre Untaten bereuen und zu Gott zurückkehren.

Das Christentum verkündet, dass Gott seinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt hat, um den Menschen zu erlösen. Jesus nahm die Sünden der Welt auf sich und erlangte dadurch die Versöhnung zwischen Gott und Mensch. Der Mensch muss aber auch seinen Teil zur Erlösung beitragen und durch Gebet, Buße und gute Werke für seine Sünden, Sühne leisten.

Der Islam lehrt, dass Gott nicht durch die Sünden der Menschen beleidigt werden kann und dass es daher wegen Gott keine Versöhnung und Wiedergutmachung braucht. Die Erlösung hat also nur die Aufgabe, den Menschen in einen Zustand zu versetzen, der ihm den Eintritt in das Paradies ermöglicht.

Der Islam lehrt weiter, dass Gott um die Schwäche des Menschen weiß und daher auch Verständnis für die Schwächen und Fehler des Menschen hat. In seiner umfassenden Barmherzigkeit verzeiht Gott dem Menschen immer wieder seine Fehler und Sünden.

3.7 Das Endziel

Es gibt zwei Lehren im Hinduismus. Der theistische Hinduismus erklärt, dass die Seele nach der völligen Abbüßung ihrer Schuld zur seligen Vereinigung mit Gott gelangt. Der pantheistische Hinduismus hingegen lehrt, dass der Mensch schließlich im Brahman aufgeht und verschwindet.

Der Buddhismus hat - je nach Richtung -unterschiedliche Vorstellungen vom Endziel. Die Richtung das Hinayana verkündet als Endzustand das Nirwana, d. h. das völlige „Verwehen“ bzw. die völlige Auslöschung des Menschen. Die Richtung des Mahayana glaubt an die Vereinigung mit Gott im Nirwana.

Das Judentum verkündet, dass der Gerechte in die Gemeinschaft mit Gott eingeht und dass der Sünder in die Unterwelt bzw. Hölle gestürzt wird. Im antiken Judentum gab es auch die Gruppe der Sadduzäer, die die Ansicht vertraten, dass es kein Weiterleben der Seele nach dem Tod gebe. Die orthodoxen Juden von heute glauben an die Seligkeit bzw. an die Verdammnis des Menschen. Das säkularisierte Judentum vertritt u. a. einen agnostischen Standpunkt , glaubt aber an ein Weiterleben im Volk Israel.

Das Christentum lehrt, dass der gerettete Mensch in die Gemeinschaft mit Gott eingeht und dass der verdammte Mensch in die ewige Hölle gestürzt wird. Nach katholischer Vorstellung gibt es auch das Purgatorium bzw. das Fegefeuer, in dem der gerettete Mensch vor seinem Eintritt in den Himmel noch geläutert wird. Gegen Ende der Zeiten wird es zu einem großen Drangsal und zu einer

kosmischen Katastrophe kommen. Nach dieser Katastrophe erfolgt die Wiederkunft Christi und die Auferstehung der Toten. Es folgt ein allgemeines Gericht, dass zur endgültigen Belohnung und Bestrafung der Menschen führt. Am Ende steht der Triumph des Gottesreiches.

Der Islam glaubt, dass der gerettete Mensch in das Paradies eingeht und dass der unbußfertige Sünder in die Hölle gestürzt wird. Muslime glauben an ein Leben nach dem Tod. Der Mensch wird am Tag des Gerichts für seine Taten zur

Rechenschaft gezogen. Nur wer es schafft, ohne Schuld und Fehler zu leben, kommt ins Paradies. Das Paradies bietet dem Menschen alle sinnlichen Freuden, es ermöglicht ihm in gewissen Augenblicken auch die Anschauung Gottes. In das Paradies können nur die gläubigen Muslime gelangen, die Ungläubigen hingegen kommen in die ewige Hölle. Am Ende der Zeiten kommt es zu einer kosmischen Katastrophe. Es folgt ein allgemeines Gericht und die endgültige Belohnung oder Bestrafung der Menschen.

4 Die „Erklärung zum Weltethos“

Die „Erklärung zum Weltethos“ enthält folgende Kernelmente eines gemeinsamen Weltethos:

- Das Prinzip der Menschlichkeit
- Die „Goldene Regel“ der Gegenseitigkeit
- Die Verpflichtung auf Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit
- Die Partnerschaft von Mann und Frau.

Die „Erklärung zum Weltethos“ enthält entscheidende Leitsätze wie: Die Verpflichtetung jeder Religion, eine Kultur ohne Gewalt und mit Ehrfurcht vor Leben, in Solidarität und einer gerechten Wirtschaftsordnung, voll Toleranz und Leben in Wahrhaftigkeit, mit Gleichberechtigung und Partnerschaft, zu leben. Diese Forderungen wurden teilweise aus den 10 Geboten des Christentums und des Judentums abgeleitet, wobei Ausgangspunkt die Bergpredigt ist.

Die Goldene Regel besagt: „Alles Tun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.“[4] In der Chinesischen Ethik finden wir in den 30 Lehren des Konfutius (551-479 v.Chr.) folgende Aussage: „Zi-gong fragte Konfutius „Gibt es ein Wort, das ein ganzes Leben lang als Richtschnur des Handelns dienen kann?“, Konfuzius antwortete: „Das ist die gegenseitige Rücksichtsnahme.“ „Was man mir nicht antun soll, will ich auch nicht anderen Menschen zufügen.“[5] In den altägyptischen Weisheitslehren wird die Goldene Regel folgendermaßen formuliert: „Tu

niemanden etwas Böses an, um nicht heraufzubeschwören, dass ein anderer es dir antue.“ Es wird also klar, das es in der philosophischen Ethik eine Reihe von goldenen Regeln gibt.

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Weltreligion

[2] http://evol-dei.ch/?mid=TVRneQ

[3] Küng,H. ebd. Christentum und Weltreligionen

[4] Höffe, O. 2002: In,Lesebuch der Ethik, 3.Aufl., S.42

[5] Höffe, O., 2002: In, Lesebuch zur Ethik, S.52,Verlag C.H.Beck

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Details

Titel
Vergleich der großen Weltreligionen im Hinblick auf das Projekt „Weltethos“ von Hans Küng
Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Autor
Jahr
2011
Seiten
28
Katalognummer
V187416
ISBN (eBook)
9783656107293
ISBN (Buch)
9783656107477
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Sozialwissenschaften Altenpflege
Arbeit zitieren
Dipl.Pflegewirtin Jenny Enssle (Autor), 2011, Vergleich der großen Weltreligionen im Hinblick auf das Projekt „Weltethos“ von Hans Küng, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187416

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