Idiomatische Wendungen - Phraseologismen und ihre Übersetzung

Am Beispiel Deutsch - Englisch


Hausarbeit, 2011

14 Seiten


Leseprobe

Phraseologismen und ihre Übersetzung am Beispiel Deutsch - Englisch

1. Einleitung

In jedem Text und in jedem Gespräch stößt man auf Wendungen wie jmdm. ins Wort fallen, aus der Haut fahren, die Katze im Sack kaufen, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen etc.

Diese Ausdrücke werden unter anderem idiomatische Wendungen, Idiome, Redewendungen, feste oder phraseologische Wortverbindungen, Phraseme oder Phraseologismen genannt. Erforscht werden sie in der Phraseologie, einer Teildisziplin der Linguistik. Da unterschiedliche Phraseologen aufgrund von unterschiedlichen Herangehens- und Sichtweisen verschiedene Termini verwenden, gibt es eine Vielzahl von Bezeichnungen, die teilweise unter­schiedlich und teilweise synonym verwendet werden. In der europäischen Phraseologieforschung hat man sich inzwischen aufdie Bezeichnungen „Phrasem“ bzw. „Phraseologismus“ geeinigt (vgl. Dobrovol’skij/Piirainen 2009:11), weshalb ich diese Bezeichnungen sowie die Bezeichnungen „Idiom“ bzw. „idiomatische Wendung“ in meiner Arbeit synonym verwende.

Die vorliegende Hausarbeit soll dem Leser einen Überblick über die Thematik und die Schwierigkeiten beim Übersetzen von Phraseologismen geben und mögliche Lösungswege aufzeigen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Idiomen, die den größten Teil der Phraseologismen ausmachen.

2. Was ist ein Phraseologismus?

2.1. Definition: phraseologische Verbindung

Die oft zitierte und auch von Burger als fur immer noch gultig gehaltene Definition nach urger/Buhofer/Sialm (1982:1) im Handbuch der Phraseologie lautet:

Phraseologisch ist eine Verbindung von zwei oder mehr Wortern dann, wenn (1) die Worter eine durch die syntaktischen und semantischen Regularitaten der Verknupfung nicht voll erklarbare Einheit bilden, und wenn (2) die Wort-verbindung in der Sprachgemeinschaft, ahnlich wie ein Lexem, gebrauchlich ist.

Im Englischen werden meist die Bezeichnungen “phraseological unit” oder „idiom“ benutzt.

“Idiom” wird im Oxford Advanced Learner’s Dictionary definiert als

a group ofwords whose meaning is different from the meanings ofthe individual words “Let the cat out ofthe bag” is an idiom meaning to tell a secret by mistake.

2.2. Definition: Phraseologie im engeren Sinne

Burger (2007:14 f.) unterscheidet nach Phraseologie im engeren Sinne und Phraseologie im weiteren Sinne. Dabei handelt es sich um Phraseologie im engeren Sinne, wenn folgende drei Voraussetzungen erfüllt werden: Polylexi- kalität, Festigkeit und Idiomatizität. Hierbei handelt es sich um Idiome. Werden nurdie ersten beiden Voraussetzungen erfüllt, also Polylexikalität und Festig­keit, spricht Burger von Phraseologie im weiteren Sinne.

2.2.1. Polylexikalität

„Der Phraseologismus besteht aus mehr als einem Wort“ (Burger 2007:14 f.). Dies scheint eine einfach zu überprüfende Vorraussetzung zu sein. Doch hin­sichtlich der Wörter gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, was als Wort zählt und was nicht. Bei Wörtern wird unterschieden in Autosemantika (In­haltswörter) mit eigener Bedeutung, wie schwarz oder fahren, und Synseman- tika (Funktionswörter) ohne Inhalt, wie an und zu (vgl. auch Donalies 2009:8). Man ist sich uneinig darüber, ob es sich bei den zwei Wörtern um Autoseman­tika handeln muss, oder ob die Wortverbindung auch aus einem Inhalts- und einem Funktionswort, odersogar, und dieser Meinung ist auch Burger, nur aus Funktionswörtern (z. B. bis zu im Sinne von „maximal“) bestehen kann. Fleischer (19972:29) hierzu: „Legen wir weiter fest, dass ein Phraseologismus eine Wortverbindung ist, die mindestens ein autosemantisches Wort ent­hält [...]“. Als Obergrenze phraseologischer Wortverbindungen gilt weithin der Satz.

2.2.2. Festigkeit

„Wir kennen den Phraseologismus in genau dieser Kombination von Wörtern, und er ist in der Sprachgemeinschaft - ähnlich wie ein Wort - gebräuchlich“ (Burger 2007:14). Dabei ist der Phraseologismus Burger zufolge mental als Einheit abgespeichert und weist eine strukturelle Festigkeit auf - im Gegen­satz zur freien Wortverbindung, bei der die Kombination von Wörtern lediglich durch die morphosyntaktischen und semantischen Regeln eingeschränkt ist. Donalies (2009:11 f.) erklärt es so:

Natürlich istjedes Phrasem durch ein erstes Aussprechen oder Aufschreiben entstanden, aber ein Phrasem wird es nach diesem Kriterium erst, wenn es wieder und wieder wiederholt wird. Durch die vielfache Wiederholung wird es en bloc in unser Gedächtnis eingebrannt.

Dobrovoľskij/Piirainen (2009:11) sprechen hiervon Stabilität. Idiome werden „jeweils in der nahezu gleichen Form und Bedeutung reproduziert“.

Beispiele für die Festigkeit von Phrasemen, vgl. auch Burger (2007:22 f.):

a. Lexikalische Gebundenheit

Bei freien Wortverbindungen ist derAustausch von Wörtern möglich:

Die Äpfel auf dem Markt kaufen. > Die Kartoffeln im Supermarkt kaufen.

Bei Phrasemen ist diesjedoch nicht ohne weiteres möglich:

Die Katze im Sack kaufen. > Den Hund im Beutel kaufen.

b. Syntaktische Gebundenheit

Während man die freie Wortverbindung problemlos umstellen kann, geht bei einer Umstellung des Phrasems die phraseologische Bedeutung verloren und der Phraseologismus wird zu einer freien Wortverbindung:

Das ist kaltes Wasser. > Das Wasser ist kalt.

Das ist kalter Kaffee. > Der Kaffee ist kalt.

c. Gebundenheit an Singular und Plural

Auch kann nicht einfach der Singular oder Plural eines Ausdruckes geändert werden, ohne dass das Phrasem nicht mehr funktioniert oder zumindest selt­sam klingt:

DerApfel fällt nicht weit vom Stamm. > Die Äpfel fallen nicht weit von den Stämmen.

Es liegt allerdings keine absolute Festigkeit vor, denn oft sind Variationen zu­gelassen. So kann man z. B. bei einer Sache seine Hand oder seine Hände im Spiel haben. Man kann mit beiden Beinen oder mit beiden Füßen fest im Le­ben stehen. Auch Fleischer (19972:29) spricht davon, dass die Komponenten ihren „Wort-Charakter prinzipiell bewahrt haben, was sich vor allem in den syntaktischen und lexikalischen Variationsmöglichkeiten zeigt“.

Des Weiteren kann man Phraseologismen auch für einen bestimmten Zweck modifizieren, um z. B. durch den VerfremdungseffektAufmerksamkeitzu erre­gen oder etwas zu verstärken, z. B. das ist eiskalterKaffee, oder das ist Schnee von Vorgestern.

2.2.3. Idiomatizität

Die lexikalischen Bestandteile (Komponenten) bilden „eine durch die syntakti­schen und semantischen Regularitäten derVerknüpfung nicht voll erklärbare Einheit“ (Burger2007:15). Es gibt unterschiedliche Beziehungen zwischen der idiomatischen Bedeutung und der freien Bedeutung der Komponenten bzw. dergesamten Wortverbindung. Bestehteine Diskrepanz, so ist „derAusdruck idiomatisch im semantischen Sinn“ (Burger2007:31), wobei Ausdrücke und Wendungen mehr oder weniger idiomatisch sein können.

So können Phraseme unterteilt werden in voll-, teil- und nichtidiomatische Wendungen, je nachdem, ob jeder Bestandteil der Wendung, ein Teil oder gar keiner idiomatisch ist.

a. Vollidiomatizität

Aufder Ebene des Sprachsystems besteht keine Beziehung zwischen der freien und der idiomatischen Bedeutung. Während sich die freie Bedeutung ableiten lässt, funktioniert dies bei der idiomatischen Bedeutung nicht (vgl. Burger 2007:31).

Nimmt man das Beispiel ins Gras beißen, so ist klar, dass man die Wendung kennen muss, um die idiomatische Bedeutung „sterben“ zu verstehen. Weitere Beispiele sind: aus derHaut fahren, jemanden um die Ecke bringen oder den Nagel auf den Kopf treffen.

b. Teilidiomatizität

Ein Teil der Wendung ist idiomatisch, während ein andererTeil seine freie Be­deutung beibehält.

Burger nennt hier als Beispiel den blinden Passagier. Es geht um einen Pas­sagier (freie Bedeutung), der aber nicht unbedingt wirklich blind (idiomatische Bedeutung) sein muss, sondern unbemerkt und unberechtigt mitreist.

c. Nichtidiomatizität

Die Wendung ist „durch keine (oder nur minimale) semantische Differenzen zwischen phraseologischer und wörtlicher Bedeutung charakterisiert“ (Burger 2007:32). Die freie Bedeutung einesjeden Bestandteils bleibt erhalten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Idiomatische Wendungen - Phraseologismen und ihre Übersetzung
Untertitel
Am Beispiel Deutsch - Englisch
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V187435
ISBN (eBook)
9783656108009
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Redewendungen, idiomatische Wendungen, Idiome, Phraseologie
Arbeit zitieren
Sonja Liesen (Autor), 2011, Idiomatische Wendungen - Phraseologismen und ihre Übersetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187435

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