Zu Beginn der Bearbeitung des Themas trat ein generelles Problem auf. Es war nicht
einfach, typisch deutsche bzw. typisch ausländische Jugendgruppen zu finden, da sich
Gruppen eher über Interessensgemeinsamkeiten bilden als über eine gemeinsame Nationalität.
Nachdem wir uns dann allerdings für zwei Jugendgruppen entschieden hatten, trat eine neue
Schwierigkeit auf. Es gibt keine empirischen Daten über die Mediennutzung einzelner
Jugendgruppen. Demzufolge war es nicht möglich, genaue Daten über die Mediennutzung
von deutschen bzw. ausländischen Jugendlichen zu erhalten.
Bei der Literaturrecherche war es kein Problem, Literatur über Jugendgruppen zu
finden und Literatur über die Medienforschung zu bekommen. Jedoch war es schwierig,
Literatur zu finden, die diese beiden Themengebiete miteinander verbindet. Trotz der
gezeigten Schwierigkeiten ist es uns gelungen, die integrativen bzw. desintegrativen
Funktionen der Medien mit den Gruppenbildungsprozessen bei Jugendlichen in Verbindung
zu setzen.
Unsere These lautet: „Jugendliche begeben sich mit Hilfe der Medien auf die Suche
nach Identität, wodurch es zu Gruppenbildungen kommt, die ohne Integration und
Desintegration nicht stattfinden könnte“. Während der Ausarbeitung der Hausarbeit haben
wir unsere These noch etwas erweitert: „ die Medien dienen als selektiver Vermittler von
Identitätsmuster und nicht als Auslöser von Integration und Desintegration bei
Jugendgruppen“ Zu Beginn der Hausarbeit werden wir die Funktion der Medien darstellen und wie
diese gesellschaftlich integrativ bzw. desintegrativ wirken können. Um die Wirkungsweise
von medialen Darstellung zu verdeutlich, gehen wir auf die Bilder ein, welche die
Massenmedien von dem Migranten in den Köpfen der Rezipienten konstruieren.
Im Hauptteil unserer Hausarbeit beschäftigen wir uns mit den deutschen und ausländischen
Jugendgruppe. Zuerst interessiert uns, wie Jugendliche auf der Suche nach der eigenen
Identität vorgehen und wie sie sich von den Medien beeinflussen lassen. Nach Simmel ist die
Suche nach einem stabilen und identitätssichernden Stil des Lebens eine existentielle Notwendigkeit moderner Daseinsgestaltungen (vgl. Vogelgesang, 1999: 359). So stoßen die
Jugendlichen
bei ihrer Identitätssuche auf andere Jugendliche in ihrem Alter mit den gleichen
Interessen oder der gleichen Herkunft, und es kommt zu Gruppenbildungsprozessen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Vorgehensweise
3. Funktion der Medien: Integration und Desintegration
4. Pictures in our head
5. Identitätssuche
6. Gruppenbildung
7. Einleitung zu den Jugendgruppen
8. Gruppebildung über Stil und Weltanschauung: Skinheads und ihre mediale Darstellung
8.1. Exkurs zur Geschichte der Skinheads
8.2. Skinhead ist nicht gleich Skinhead
8.3. Das Erscheinungsbild der Skinheads
8.4. Rechte Skinheads als Beispiel für eine deutsche Jugendszenen: Deutschland den Deutschen
8.5. Resümme über die Skinheads
9. Exkurs zur Mediennutzung türkischer Mitbürger und zur Darstellung dieser Migrantengruppen in den Medien
10. Die „Turkish Power Boys“ – nur eine Reaktion auf Ausgrenzung?
10.1 Hintergrund der Untersuchung zu den Turkish Power Boys
10.2 Gründung und die Anfänge der Turkish Power Boys
10.3 Gewalt und ihre Rechtfertigung
10.4 Das endgültige aus der Turkish Power Boys
11. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Massenmedien auf Integrations- und Desintegrationsprozesse am Beispiel spezifischer Jugendszenen. Dabei wird analysiert, inwiefern Medien als Vermittler von Identitätsmustern fungieren und wie Jugendliche diese Angebote zur Gruppenbildung nutzen.
- Wechselwirkung zwischen Mediennutzung und Identitätsfindung
- Funktionen der Medien als integrative oder desintegrative Faktoren
- Analyse der Skinheadszene als deutsche Jugendkultur
- Fallstudie der "Turkish Power Boys" als migrantische Jugendgang
- Bedeutung von Stil, Weltanschauung und Ethnie für die Gruppenbildung
Auszug aus dem Buch
Die "Turkish Power Boys" - nur eine Reaktion auf Ausgrenzung?
Ich habe mich für eine türkische Jugendgruppe entschieden, da diese Migrantengruppe "sich der Einheimischen Bevölkerungsstruktur angeglichen hat" (Greger; Otto 2000: 233). Außerdem handelt es sich um eine verhältnismäßig junge Bevölkerungsgruppe, da 63,6% der türkischen Einwohner unter 25 Jahre alt sind (vgl. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Ausländer 1997). Besonders interessant ist hierbei der Aspekt, dass "zwei drittel aller türkischen Migrantenkinder, die in Deutschland leben, hier geboren wurden" (Greger; Otto 2000: 233).
Obwohl die Mehrheit von ihnen hier geboren wurde und hier aufgewachsen ist, ist der Integrationsaspekt in ihrem Leben von tragender Bedeutung. Sie müssen sich entscheiden welcher Kultur sie sich eher verbunden fühlen und gleichzeitig damit rechnen, dass sie weder auf der einen noch auf der anderen Seite vollständig akzeptiert bzw. integriert werden können. Auch die doppelte Staatsbürgerschaft trägt nicht unbedingt zur Lösung dieses Problems bei: "Mit der deutschen Staatsangehörigkeit wäre es manchmal schon einfacher.(...) Man hätte auch viele Rechte. Aber mit dem deutschen Pass hätte ich auch wieder ein schlechtes Gewissen der Türkei gegenüber, weil ich Türkin bin" (Deutsche Shell 2000b: 21).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung bei der Suche nach geeigneten Jugendgruppen sowie Erläuterung der zentralen These zur Mediennutzung bei der Identitätssuche.
2. Zur Vorgehensweise: Erläuterung der methodischen Vorgehensweise und theoretischen Einbettung der Medienfunktion bei der Konstruktion von Feindbildern.
3. Funktion der Medien: Integration und Desintegration: Analyse der gesellschaftlichen Rolle der Massenmedien und deren Potenzial, sowohl integrativ zu wirken als auch Desintegration zu fördern.
4. Pictures in our head: Untersuchung des Einflusses medial erzeugter Stereotypen über Ausländer auf die Wahrnehmung der Rezipienten.
5. Identitätssuche: Beschreibung des jugendlichen Reifungsprozesses und der Bedeutung von Peers und Medien bei der Suche nach einem eigenen Lebensstil.
6. Gruppenbildung: Erklärung der Notwendigkeit von Ingroups und Outgroups zur Identitätsfestigung und der Abgrenzung gegenüber anderen.
7. Einleitung zu den Jugendgruppen: Reflexion über die Schwierigkeit, Jugendkulturen rein national zu definieren, aufgrund stattfindender ethnischer Vermischungen.
8. Gruppebildung über Stil und Weltanschauung: Skinheads und ihre mediale Darstellung: Analyse der Skinhead-Bewegung und der problematischen, negativen Medienberichterstattung über diese Gruppe.
9. Exkurs zur Mediennutzung türkischer Mitbürger und zur Darstellung dieser Migrantengruppen in den Medien: Betrachtung des Medienverhaltens türkischstämmiger Jugendlicher und der Auswirkungen auf den Sozialisationsprozess.
10. Die „Turkish Power Boys“ – nur eine Reaktion auf Ausgrenzung?: Detaillierte Fallstudie zu den Turkish Power Boys, ihrer Entstehung, Gewaltanwendung und internen Organisation.
11. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung der Hypothese, dass Medien zwar eine Rolle spielen, aber Faktoren wie Stil und Herkunft bei der Gruppenbildung mindestens genauso entscheidend sind.
Schlüsselwörter
Medien, Integration, Desintegration, Jugendgruppen, Identität, Gruppenbildung, Skinheads, Turkish Power Boys, Migration, Mediennutzung, Sozialisation, Stereotype, Subkultur, Ethnizität, Gewalt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle der Massenmedien bei der Integration und Desintegration von Jugendgruppen in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung ihrer Identitätssuche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Themenbereiche Medienwirkung, Identitätsentwicklung im Jugendalter, Gruppenbildungsprozesse sowie die mediale Darstellung von Migranten und Subkulturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Jugendliche Medien nutzen, um sich in Szenen zu organisieren und wie diese Prozesse durch gesellschaftliche Ausgrenzung sowie mediale Berichterstattung beeinflusst werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturrecherche und der Sekundäranalyse existierender Studien, wie etwa der ethnografischen Beobachtungen von Hermann Tertilt, basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zwei konkrete Beispiele: die Skinhead-Bewegung als deutsche Jugendkultur und die migrantische Jugendbande "Turkish Power Boys", um deren jeweilige Gruppenbildung und Mediennutzung zu vergleichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Medienintegration, Identitätssuche, Gruppenbildung, Subkulturen, Migration und Gewaltprägung beschreiben.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "rechten" Skinheads und anderen Skinhead-Strömungen so wichtig?
Da die Medien laut Arbeit oft pauschalisierend über Skinheads berichten, ist die Differenzierung notwendig, um aufzuzeigen, dass politische Einstellungen und Motivlagen innerhalb der Szene stark variieren können.
Wie begründen die "Turkish Power Boys" ihr gewalttätiges Verhalten?
Die Mitglieder nutzen primär äußere Vorwände wie Rache für erlebte Diskriminierung oder "Selbstverteidigung" gegenüber Neonazis, wobei die Arbeit zusätzlich psychologische Faktoren wie den Wunsch nach Anerkennung und Macht demonstriert.
- Quote paper
- Mareike Schrödter (Author), Noellie Büsselberg (Author), 2002, Aspekte sozialer Integration und Desintegration durch Medien am Beispiel deutscher und ausländischer Jugendszenen und Subkulturen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18748