Globalisierung und Governance

Analyse und wirtschaftsethische Kritik des Ansatzes von Ulrich Beck


Bachelorarbeit, 2010

36 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Ulrich Becks Sicht auf die globalisierte Welt

3. Ulrich Becks Idee zur Rettung des Staates - Eine Rekonstruktion

4. Kritik an Ulrich Beck - Eine wirtschaftsethische Sicht

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2.1: Becks Sicht auf die Lage vor der Globalisierung

Abbildung 2.2: Becks Sicht auf die Lage nach der Globalisierung

Abbildung 3.1: NGOs helfen dem Staat

Abbildung 4.1: Trade-off Denken

Abbildung 4.2: Pareto-inferiores Nash-Gleichgewicht

1. Einleitung

Der deutsche Soziologe Ulrich Beck hat sich in zahlreichen seiner Werke Gedanken über die Globalisierung gemacht. Die Welt hat sich in den Augen Becks stark verändert. Nichts ist mehr wie es mal war. Er glaubt, bestimmte Probleme erkannt zu haben, die im Zuge dieses Prozesses auftauchten. Laut Beck beginnt ein Ringen um Macht und Vorherrschaft auf der Welt, welches die Wirtschaft zu gewinnen scheint. Die Lösung Becks für diese Entwicklung heißt „Kosmopolitischer Realismus“1 und zielt vor allem darauf, Staaten international zu stärken und ihnen Hilfe im Kampf gegen die Ökonomie zu suchen.2

Das Thema dieser Arbeit wurde gewählt, um sich intensiv mit den Theorien Ulrich Becks auseinanderzusetzen. Beck ist ein bedeutender Vertreter der Soziologie und macht in der heutigen Zeit häufig mit Auftritten in Zeitungen und im Fernsehen auf sich aufmerksam. Besonders nach dem 11. September 2001 und dem damit verbunden Anschlag auf New York hörte man immer mehr von Beck in den Medien. „Terrorgruppen als neue globale Akteure“3 titelte der Soziologe und schien damit den Nerv der Zeit zu treffen. Die Welt hat sich in den letzten Jahren verändert und Ulrich Beck scheint eine Antwort auf viele Fragen unserer Zeit zu haben. Das macht den bekannten Soziologen so interessant.

Ziel dieser Bachelorarbeit soll es ein, sich mit den Theorien Ulrich Becks kritisch und aus einem wirtschaftsethischen Blickwinkel heraus zu beschäftigen. Am Ende werden seine Ideen widerlegt. Zu Beginn jedes Kapitels wird aus diesem Grund noch einmal explizit auf die zu bearbeitenden Thesen eingegangen. Deshalb ist es besonders wichtig, zuerst die wesentlichen Punkte von Ulrich Becks Ideen zusammenzufassen. Besonders sein Buch „Macht und Gegenmacht im globalen Zeitalter“ wird im Laufe dieser Arbeit eine wesentliche Rolle spielen, da er in diesem Werk seine Idee des „Kosmopolitischen Realismus“ am ausführlichsten erörtert. Nach der Zusammenfassung der wesentlichen Inhalte soll zunächst die Lösung von Ulrich Beck dargestellt werden.

Neben zahlreichen Ideen, die besonders das Miteinander der Staaten betreffen und das Ausbrechen aus dem nationalen Denken, geht es besonders darum, dass die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) dem Staat helfen sollen, sich aus seiner Krise zu befreien. Die NGOs sollen den Staaten die nötige Waffe an die Hand geben, um sich gegen die Wirtschaft aufzulehnen. Politik und Zivilgesellschaft müssen sich im Kampf gegen die

Übermacht des Kapitals vereinen.4 Ein schweres Unterfangen, bedenkt man, dass Kapital nicht territorial gebunden ist und sich jederzeit frei bewegen kann. Ein Problem, welches auch Beck erkannte und durch sein Spiel von Macht und Gegenmacht zu lösen versucht. Die Macht der Wirtschaft kann durch die Gegenmacht der NGOs in Zusammenarbeit mit den Staaten geschwächt werden. Becks Idee ist vor allem auf eines ausgerichtet: Die Wirtschaft so stark wie möglich zu schwächen und unter die Kontrolle der Staaten zu stellen.

Nach den theoretischen Grundlagen wird die Lösung von Beck einer wirtschaftlichen Kritik unterzogen. Anhand mehrerer Grafiken wird der Beweis unternommen, dass Beck im Trade-Off denkt. Beck schafft es nicht, eine Win-Win Situation mit seiner Lösung zu erreichen. Der Soziologe verbessert das Problem nicht, er kehrt lediglich die Richtung des Denkens um. Diese Theorie wird auch anhand einer spieltheoretischen Matrix genauer untersucht. Ziel dieser Analyse ist es zu beweisen, dass Beck letztlich falsch gedacht hat. Seine Vorschläge führen am Ende zu einem Gefangenendilemma und einem pareto-inferioren Nash Gleichgewicht. Beck übersieht eine Situation, in der es für alle Beteiligten möglich wäre, sich zu verbessern. Der Soziologe will, dass sich der Staat gegen die Unternehmen stellt. Damit widerspricht er jedoch seinen eigenen Aussagen. Er übersieht Situationen die er selbst als richtig erachtet. Darauf wird in der Kritik genauer eingegangen.

Ein weiterer Punkt wird die Untersuchung der Normativität in den Analysen von Beck sein. Dabei fällt auf, dass Ulrich Beck häufig mit wertenden Aussagen arbeitet. Der Grund dafür ist darin zu suchen, dass der Soziologe selbst merkt, dass seine Ideen keine Lösung darstellen. Er versucht an die Vernunft und an die Moralvorstellungen der Menschen zu appellieren, um sie doch noch von sich überzeugen zu können. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dieses Vorgehen stark zu kritisieren. Mithilfe einiger Beispiele soll diese Behauptung gestützt werden.

Schließlich wird noch eine kurze Kritik aus soziologischer Sicht unternommen. Zwar ist die Kritik aus diesem Blickwinkel der Wissenschaft nicht ausschlaggebend für diese Arbeit, dennoch aber wichtig, um Beck auch aus seinem eigenen Fachgebiet heraus zu beurteilen. Letztlich gibt es zwischen dem wirtschaftlichen und dem soziologischen Blickwinkel einige Gemeinsamkeiten, die kurz herausgestellt werden. Am Ende der Arbeit wird eine Zusammenfassung mit Fazit stehen.

2. Ulrich Becks Sicht auf die globalisierte Welt

Die Welt befindet sich im Wandel. Was einst vom Staat als demokratisch legitimierter Machthaber gelenkt und entschieden wurde, wird heute wesentlich von Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) mitgestaltet. So sieht laut Ulrich Beck die Gegenwart aus und so lässt sich seiner Meinung nach die Globalisierung beschreiben. Unternehmen und NGOs haben ihren Einfluss auf die Weltbevölkerung längst über den gesamten Globus erstreckt und können dank geschickter Schachzüge die politischen Entscheidungen der Staaten mitbestimmen. Beck sieht neue Probleme auftauchen, neue Krisen entstehen und neue Akteure im Ringen um die globale Macht gegeneinander kämpfen.5 Becks Ansicht zu den veränderten Machtarchitekturen in der globalisierten Welt soll anhand folgender These zunächst genauer untersucht werden: Die Globalisierung f ü hrt zu einer Verschiebung der Machtpositionen. Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) erhalten weltweit immer mehr politischen und wirtschaftlichen Einfluss.

„Man kann als (politischer) Nichthandler (politisch) handeln, und zwar äußerst effektvoll, mit der Macht, die Tatsachen schafft.“6 Was Beck damit meint, wird schnell klar. Auch wenn weltweit agierende Akteure nicht direkt der Politik angehören, treffen sie dennoch wesentliche politische Entscheidungen, die die Macht des Staates untergraben können. Die Wirtschaft und die globale Zivilgesellschaft erhalten immer mehr politischen Einfluss. Ein neues Spiel von „Macht und Gegenmacht“7 entsteht und ein Ringen um die besten Positionen und die Vorherrschaft in der globalisierten Welt. Laut Beck wird „Politik entgrenzt und entstaatlicht, mit der Folge, dass zusätzliche Spieler, neue Rollen, neue Ressourcen, unbekannte Regeln, neue Widersprüche und Konflikte auftauchen.“8 Beck unterscheidet dabei im Wesentlichen drei große Akteure, die an diesem Machtspiel teilnehmen. Die Staaten, weltwirtschaftliche Akteure oder auch das Kapital sowie die Akteure der globalen Zivilgesellschaft, die NGOs.9 Aber nicht nur neue Akteure treten auf die internationale Bühne.

Auch das Spiel verändert sich. Beck vergleicht das Ringen um Macht und Gegenmacht mit einem Dame- und einem Schachspiel. Gab es bei dem alten Damespiel vor der Globalisierung immer nur einen Spielzug pro Spieler, gibt es in Zeiten der Globalisierung eine Vielzahl von Strategien, Zügen und Zielen. Die Globalisierung gleicht dem Schachspiel.10 Doch dabei bleibt es nicht. Beim Schach steht das Ziel fest, beim neuen internationalen Spiel um das Ringen von Macht nicht. Alles verändert sich: Strategien, Ziele, Institutionen, Machtverhältnisse. Die Welt befindet sich in einem ständigen Wandel:

Weder die alten Basisinstitutionen und Spielregelsysteme noch die spezifischen Organisationsformen und Rollen der Handelnden liegen fest, sondern werden im laufenden Spiel aufgebrochen, umgeschrieben, ausgehandelt; wie weit das geht, ist ebenso unklar, abhängig von kontingenten Umständen, wie die Ziele und Alternativen von Politik überhaupt.11

Dadurch ist jeder Spieler gezwungen sich ständig mit anderen zu messen und kluge Strategien für sich se]lbst zu entwickeln. Um die Aussagen von Beck besser zu verstehen, sollen nun die einzelnen Akteure vorgestellt und ihre Möglichkeiten beim Kampf um Macht und Gegenmacht erläutert werden.

Die besten Chancen in diesem Spiel und damit die besten Möglichkeiten, eine starke Position in der Welt einzunehmen, haben die Unternehmen, die durch die „Macht des Neins“12 ein mächtiges Instrument an die Hand bekommen haben, welches ihnen erlaubt auch ohne demokratische Wahlen legitimiert zu sein, politisch aber legal zu handeln. Weltweite Firmen haben sich aus dem Griff des Nationalstaates gelöst und sind laut Beck zum „Spieler ohne Gegenspieler im Raum weltstaatlicher Politik“13 geworden. Alles in allem haben sich die Machtpositionen der Weltgesellschaft dramatisch verschoben, worauf nun genauer eingegangen werden soll.14

Ein Unternehmen ist laut Beck schon lange keine vom Staat und Politik abhängige Organisation mehr. Er spricht immer wieder von einer Veränderung der „Machtarchitektur“15 zwischen dem Territorialstaat und der Wirtschaft. Die Wirtschaft ist ein mächtiger Akteur in einem globalen Spiel um Macht geworden. Den Grund dafür sieht Beck in der Entgrenzung von Politik, Zivilgesellschaft und Ökonomie, in dem sich neue Herrschaftsformen herausbilden.16 Beck beschreibt diesen Machtkampf wie folgt:

Im Verhältnis von Weltwirtschaft und Staat ereignet sich ein Meta-Machtspiel, das heißt ein Machtkampf, in dem die Machtbalance, die Machtregeln des nationalen und internationalen Staatensystems verändert und umgeschrieben werden. Es ist insbesondere die Wirtschaft, die eine derartige Meta-Macht entwickelt hat, indem sie aus dem Käfig des territorialen, nationalstaatlich organisierten Machtspiels ausgebrochen ist und sich neue Machtstrategien im digitalen Raum gegenüber den territorial verwurzelten Staat erobert hat.17

Beck meint damit, dass sich die geltenden Herrschaftsbedingungen verändert haben. Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft kämpfen um die Vorherrschaft und die beste Position auf internationaler und nationaler Ebene. Jeder will der Beste sein und seine Ziele möglichst schnell vor den anderen Akteuren durchsetzen. Da die Ökonomie von der Globalisierung am stärksten profitiert, sieht Beck diese jedoch klar im Vorteil. Man könnte auch sagen, die Wirtschaft hat einen Vorsprung gegenüber den Staaten und der Zivilgesellschaft.18

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Becks Sicht auf die Lage vor der Globalisierung19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.2: Becks Sicht auf die Lage nach der Globalisierung20

Becks Sicht auf die veränderten Machtarchitekturen lassen sich auch anhand von zwei Abbildungen genauer erläutern. Wie Abbildung 2.1 zeigt, befand sich die Welt vor der Globalisierung in einer Art Gleichgewicht. Im Status-Quo waren die Machtverhältnisse gleich aufgeteilt und sowohl die Interessen des Staates, als auch die der Wirtschaft kamen zum Zug. Beck bezeichnet diese Situation als „erste Moderne.“21 Im Zuge der Globalisierung entwickelte sich die „erste Moderne“ zur „zweiten Moderne.“22 In letzterer verschiebt sich die Lage dramatisch zu Gunsten der Wirtschaft. Wie in Abbildung 2.2 zu sehen, gelingt der Ökonomie eine klare Verschiebung des Status-Quo in Richtung der Unternehmen. Die wirtschaftlichen Akteure können ihre Interessen deutlich besser durchsetzen als die Staaten.23 Beck sieht diese sogar als Erfüllungsgehilfen für die Unternehmen an.24 Problematisch an dieser Sicht ist das Denken im Trade-off, worauf an dieser Stelle zunächst nur hingewiesen werden soll. Beck beginnt zunächst die Frage zu klären, wie die Ökonomie den Staaten ihren Willen aufzwingen kann. Die Globalisierung hat den Wirtschaftsakteuren mächtige Werkzeuge an die Hand gegeben. Beck bezeichnet das als eine Art Macht des Nichts-Tuns: „Immer und überall etwas nicht zu tun, nicht zu investieren, ohne öffentlich begründungspflichtig zu werden - das ist der zentrale Machthebel weltwirtschaftlicher Akteure.“25 Weiterhin sagt er: „Das Zwangsmittel ist nicht der drohende Ein marsch, sondern der drohende Nicht - Einmarsch der Investoren oder ihr drohender Aus marsch. Es gibt nur eines, das schlimmer ist, als von Multis überrollt zu werden: nicht von Multis überrollt zu werden.“26 In Zeiten, in denen Kapital nahezu zeitlos und ohne Probleme von einem Land in das andere verlagert werden kann, ist der Staat davon abhängig, alles für potenzielle Unternehmen zu tun. Die Stärke der Unternehmen beruht demnach auf der grenzenlosen Beweglichkeit des Kapitals. Das ist die Macht der Ökonomie, der die Staaten zunächst ausgeliefert scheinen. Nicht die Politik legt die Spielregeln der Weltwirtschaft fest, sondern die Wirtschaft selbst. Die Unternehmen handeln völlig frei und bestimmen die für sie günstigsten Konditionen.

Handelt ein Staat nicht nach den Wünschen dieser Akteure, läuft er Gefahr, wichtige

Investoren zu verlieren. Das kann sich ein Staat nicht leisten. Die weltweite Position eines Landes hängt von seiner wirtschaftlichen Stellung ab. Staaten brauchen die Unternehmen und können sie nicht einfach ziehen lassen. Der Staat ist gefangen in seinen territorialen Grenzen. Es bleibt ihm keine andere Wahl als auf die Wünsche der Investoren einzugehen oder seine wirtschaftliche Stellung an andere Länder zu verlieren. Laut Beck besteht die Weltmachtstellung eines Staates nicht mehr in seiner militärischen Stärke. Die Macht des Territorialstaates hängt von seiner Position am Weltmarkt ab. Damit ist der Staat völlig abhängig von der Wirtschaft und die Ökonomie selbst wird immer mehr ein politischer Akteur. Unternehmen sind im Begriff die Grenzen zwischen wirtschaftlichem Akteur und Staat zu überschreiten. „Auf diese Weise entstehen im globalen Raum neuartige, hochfragile, hochflexible, weder demokratisch noch staatlich legitimierte, ökonomisch bestimmte Meta- Machtgebilde, die nicht mehr nur Wirtschaft, aber auch noch nicht Staaten sind: >>Quasi- Staaten>>.“27 Dies ist laut Beck das Dilemma des Staates, aber gleichzeitig auch die neue Macht der Unternehmen, die sich immer mehr zum globalen, politischen Spieler entwickeln.28

Einen weiteren Vorteil hat das Kapital gegenüber der Politik ebenfalls auf seiner Seite. Die Macht der Unternehmen ist völlig frei von dem Einverständnis der Bevölkerung, frei von demokratischer Legitimation, aber nicht illegal. Kapital ist nicht an die Regeln der Demokratie gebunden. Und darin liegt der große Unterschied zwischen Staat und Wirtschaft:

Die Weltwirtschaftsmacht beruht also genau auf dem Gegenteil dessen, woraus der demokratische Nationalstaat seine Macht schöpft: demokratische Wahlen, öffentliche Legitimation, Gewaltmittelmonopol. Die Machtformel der transnationalen Wirtschaft lautet demgegenüber: vors ä tzliche, gezielte Nicht-Eroberung.29

Das ist der große Vorteil gegenüber der Politik. Unternehmen müssen nicht erst gewählt werden und sie brauchen für ihre Vorhaben keine Zustimmung von der Bevölkerung. Sie können einfach agieren, ohne dabei gegen Gesetze zu verstoßen. Die Herrschaft der Unternehmen ist frei und ungebunden.30

Beck geht davon aus, dass die neue weltwirtschaftliche Macht eine sehr starke ist. Sie unterscheidet sich sogar von der Macht der NGOs und der Staaten. Sie ist simpel ausgedrückt unkomplizierter. Wenn die globale Zivilgesellschaft oder die Politik ein Ziel verfolgt, bedarf es zunächst immer der Öffentlichkeit. Parteien sind nötig, eine politische Rechtfertigung unvermeidlich. In der Wirtschaft ist es laut Beck anders:

Die Macht des Nein setzt weder ein politisches Ziel voraus, noch bedarf sie einer politischen Rechtfertigung. Sie folgt dem Selbstverständnis der Akteure nach den Kriterien ökonomischen Handelns. Dies verringert keineswegs, sondern steigert im Gegenteil die politische Meta-Macht weltwirtschaftlicher Akteure.31

Damit hat die Wirtschaft auf den ersten Blick einen entscheidenden Vorteil: Sie braucht keinen Grund, keine Zustimmung für ihr Handeln. Die Weltwirtschaft handelt nach Beck translegal, was für ihn bedeutet, sie handelt weder legal noch legitim und auch nicht illegal oder illegitim.32 Zwar muss auch die Wirtschaft mit einer Gegenmacht kämpfen, darauf soll jedoch erst im späteren Teil der Arbeit eingegangen werden. Dabei spielt die Globalisierung eine große Rolle. Die veränderten Spielregeln, die die Globalisierung offen legt, schaffen der Weltwirtschaft einen völlig neuen Handlungsrahmen, in dem auf den ersten Blick kein Platz für die Interessen der anderen ist. Beck sagt dazu: „Wirtschaftliche Globalisierung schafft aber nicht nur ökonomische Fakten mit weltpolitischen, weltverändernden Nebenfolgen, sondern eröffnet auch für ökonomisches Handeln neue Legitimationsquellen.“33 Der Nationalstaat scheint immer mehr seinen politischen Einfluss zu verlieren, wie es auch in Abbildung 2.2 deutlich wird.34

Doch auch ein anderer Akteur spielt im globalen Zeitalter eine wesentliche Rolle und hat es ebenfalls wie die Wirtschaft geschafft, sich von den Grenzen des Territorialstaates zu lösen. Die Rede ist von den NGOs oder der globalen Zivilgesellschaft. Völlig von Staaten freie politische Akteure, die ihre Interessen ebenfalls ohne eine Legitimation durch Wahl durchsetzen können. Auch NGOs wollen ihre Interessen weltweit vertreten und durchsetzen. Das Mittel, welches ihnen dabei zur Verfügung steht, ist letztlich aber ein völlig anderes als das der Wirtschaft.

Zwischen den NGOs beginnt ein großes Ringen um das Anprangern von Problemen. Wem es gelingt, auf Missstände aufmerksam zu machen, dem gelingt es, die globale Bevölkerung auf seine Seite zu ziehen und damit die nötige Legitimation für sein Vorhaben zu gewinnen.

[...]


1 Beck (2002; S.177f).

2 Vgl. Beck (2002; S.23f).

3 Beck (2002; S.33).

4 Vgl. Beck (2002; S.30).

5 Vgl. Beck (2002; S.23f).

6 Beck (2002; S.187).

7 Beck (2002; S.185).

8 Beck (2002; S.24).

9 Vgl. Beck (2002; S.21).

10 Vgl. Beck (2002; S.24).

11 Beck (2002; S.25).

12 Beck (2002; S.187).

13 Beck (1998; S.32).

14 Vgl. Beck (1998; S.19f).

15 Beck (2002; S.98).

16 Vgl. Beck (2002; S.16).

17 Beck (2002; S.96).

18 Vgl. Beck (2002; S.227).

19 Quelle: Eigene Darstellung.

20 Quelle: Eigene Darstellung.

21 Vgl. Beck (2002; S.167).

22 Beck (2002; S.364).

23 Vgl. Beck (2002; S.91).

24 Vgl. Beck (2002; S.192) Hier beginnt Beck das neue „neoliberale Regime“ zu charakterisieren und die Macht des Kapitals hervorzuheben. So ist es laut Beck nötig, dass die Wirtschaft neue „Quellen und Normen der rechtlichen Selbstlegitimation des Kapitals, die es diesem erlauben, autonom legitime Ordnungen zu stiften und entsprechend Konfliktregulierungen zu institutionalisieren“, zu erschließen. Dadurch würden Staaten lediglich zu Erfüllungsgehilfen für die Interessen der Unternehmen degradiert werden.

25 Beck (2002; S.97).

26 Beck (2002; S.97).

27 Beck (2002; S.104).

28 Vgl. Beck (2002; S.95f).

29 Beck (2002; S.97).

30 Vgl. Beck (2002; S.97f).

31 Beck (2002; S. 187).

32 Vgl. Beck (2002; S.124f).

33 Beck (2002; S.189).

34 Vgl. Beck (2002; S.185f).

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Globalisierung und Governance
Untertitel
Analyse und wirtschaftsethische Kritik des Ansatzes von Ulrich Beck
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltung
VWL - Wirtschaftsethik
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
36
Katalognummer
V187491
ISBN (eBook)
9783656110231
ISBN (Buch)
9783656110460
Dateigröße
664 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
globalisierung, governance, analyse, kritik, ansatzes, ulrich, beck, wirtschaftsethik, Kosmopolitischer Realismus
Arbeit zitieren
Sebastian Rhein (Autor), 2010, Globalisierung und Governance, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187491

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