„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit erwiesen sich [während der Französischen Revolution] sogleich als Fanfarenstöße, die nicht allein die Franzosen erregten und mobilisierten, die vielmehr den Traum der Menschheit von einer besseren Welt aus der Utopie in die Realität zu holen versprachen.“ 1 Dieses Zitat Horst Möllers fasst Bestandteile der Französischen Revolution zusammen, die wesentlich für die vorliegende Arbeit „Die Idee des Vernunftstaates bei Johann Gottlieb Fichte - Allgemeine Gesellschaftsentwürfe nach 1789“ sind und in eine verständliche Beziehung gesetzt werden sollen. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit als Maxime der bürgerlich-revolutionären Bewegung zeigen einen Paradigmenwechsel in bezug auf das Staatsverständnis breiter Bevölkerungsschichten auf, der jedoch nicht allein die Franzosen erfasste, sondern in abgeschwächter Form in vielen Regionen Europas Fuß fasste. Der Versuch der Realisierung des Traums der Menschheit, schon bei Thomas Morus Utopia beschrieben, soll in der Beschreibung verschiedener Gesellschaftsentwürfe um 1800 Ausdruck verliehen werden. Hierzu ergänzend soll ein wesentlicher Einflussfaktor für die Sozialphilosophie und die Französische Revolution, die Vernunft im Rahmen der Aufklärung, kurz beleuchtet werden. Darauffolgend soll untersucht werden, inwieweit sich Elemente der Schriften der Staatstheoretiker um die 18. Jahrhundertwende bei späteren Philosophen/Nationalökonomen wiederfinden, wobei die Fokussierung hier beinahe logischerweise auf Marx liegen wird. Abschließend folgt eine zusammenfassende Analyse.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. FRANKREICH WÄHREND DER GROßEN REVOLUTION
3. DIE AUFKLÄRUNG UND SOZIALPHILOSOPHIE – DER ZEITGEIST SUCHT SEINE VER-KÖRPERUNG
4. GESELLSCHAFTSENTWÜRFE NACH 1789
4.1. CHARLES FOURIER
4.2. ROBERT OWEN
4.3. JOHANN GOTTLIEB FICHTE
5. ZUSAMMENFASSENDE ANALYSE
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und die theoretischen Kernpunkte ausgewählter Gesellschaftsentwürfe der Zeit um 1800. Ziel ist es, die Einflüsse der Aufklärung und der Französischen Revolution auf diese Entwürfe aufzuzeigen und die Ansätze von Fourier, Owen und Fichte in eine historische Beziehung zu späteren sozialökonomischen Theorien, insbesondere jener von Karl Marx, zu setzen.
- Die gesellschaftlichen Ursprünge und Auswirkungen der Französischen Revolution
- Die Rolle der Vernunft und Aufklärung in der Sozialphilosophie
- Die utopischen Gesellschaftsmodelle von Fourier und Owen
- Fichtes Konzept des „geschlossenen Handelsstaates“
- Vergleichende Analyse der Ansätze hinsichtlich ihrer zeitgenössischen Kritik und späteren Rezeption
Auszug aus dem Buch
4.1. Charles Fourier
Charles Fourier wurde 1772 in Besançon bei Lyon geboren. Im Schlepptau der Französischen Revolution machte er vornehmlich negative Erfahrungen: Im Bürgerkrieg von Lyon kämpfte er gezwungenermaßen mit den unterlegenen Föderalisten gegen die siegreichen Truppen des Konvents, woraufhin er gefangengenommen wurde und sein 1793 in den Kolonialwarenhandel investiertes Vermögen verlor. Nach seiner Freilassung schlug er sich als kleiner kaufmännischer Angestellter und Handlungsreisender durch. Nach eigenen Angaben „entdeckte“ er seine Theorie 1799 als Kaufmannsgehilfe in Marseille.
In den Geschehnissen der Französischen Revolution sah Fourier unter anderem das Versagen der Philosophen, deren „Wissenschaft als eine Verirrung des menschlichen Geistes“ anzusehen sei. Weiterhin müsse man „das allgemeine Wohl bei einer neuen Wissenschaft suchen“, die Fourier ebenso wie die Intentionen der Natur (oder Gottes) gefunden zu haben glaubte. Trotzdem folgt Fourier den Spuren der Aufklärer, indem er es zur Regel erhoben hat, „alles anzuzweifeln und von allem Bisherigen abzuweichen.“
Gesellschaftskritik übt Fourier insbesondere am Handel, obwohl oder weil er selbst viele Jahre Händler war, den er pauschal als ´Schmarotzertum´ abkanzelt. Ebenso missfällt ihm die Monogamie in der Gesellschaft, „da dass Glück der Männer der Freiheit entspricht, die die Frauen genießen“. Ein weiterer Kritikpunkt Fouriers wird an diesem Zitat deutlich: Die Unfreiheit (hier: Keuschheit), in der sich die Frauen zu Fouriers Lebzeiten befanden, wurde ihnen von den Männern auferlegt. Dieses geschlechterspezifische Ungleichgewicht wollte Fourier aufheben, indem er die Frauen in seiner Theorie der vier Bewegungen aus dem Jahre 1808 in drei verschiedene Klassen einteilt, die entsprechend von monogam bis polygam reichten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Das Kapitel führt in die Thematik ein, indem es die Bedeutung der Französischen Revolution als Ausgangspunkt für ein neues Staatsverständnis und den Wunsch nach einer besseren Gesellschaft thematisiert.
2. FRANKREICH WÄHREND DER GROßEN REVOLUTION: Hier werden die ökonomischen und politischen Krisenherde vor 1789 analysiert, die zum Zusammenbruch der alten Ordnung und zur Formulierung neuer Menschenrechte führten.
3. DIE AUFKLÄRUNG UND SOZIALPHILOSOPHIE – DER ZEITGEIST SUCHT SEINE VER-KÖRPERUNG: Dieses Kapitel beleuchtet den Einfluss der Vernunft als Legitimationsgrundlage und das Wirken der Aufklärer als „der Praxis verpflichtete Denker“ im Kontext gesellschaftlicher Umbrüche.
4. GESELLSCHAFTSENTWÜRFE NACH 1789: Der Hauptteil vergleicht die Ansätze von Fourier, Owen und Fichte hinsichtlich ihrer spezifischen Lösungsstrategien für die Missstände ihrer Zeit.
4.1. CHARLES FOURIER: Das Kapitel erläutert Fouriers Idee der „allgemeinen Harmonie“ und das Modell der „Phalanstères“, basierend auf der Entfaltung menschlicher Leidenschaften.
4.2. ROBERT OWEN: Hier wird Owens praktischer Ansatz der Sozialreformen in New Lanark dargestellt, wobei der Fokus auf Bildung und der Veränderung der sozialen Umwelt liegt.
4.3. JOHANN GOTTLIEB FICHTE: Das Kapitel analysiert Fichtes Modell des „geschlossenen Handelsstaates“ als philosophische Antwort auf monarchische Machtansprüche und divergierende Handelsinteressen.
5. ZUSAMMENFASSENDE ANALYSE: Abschließend werden die utopischen Ansätze der Sozialphilosophen gewürdigt und ihre Bedeutung als Vorläufer für spätere ökonomische Theorien, besonders im Marxismus, reflektiert.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Französische Revolution, Utopie, Sozialphilosophie, Vernunftstaat, Charles Fourier, Robert Owen, Johann Gottlieb Fichte, Gesellschaftsentwürfe, industrielle Revolution, Eigentum, Menschenrechte, Handel, Arbeit, Harmonie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Umbrüche um 1800 durch Sozialphilosophen in theoretische Entwürfe gefasst wurden, um soziale Ungerechtigkeiten zu überwinden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Französische Revolution, die Prinzipien der Aufklärung, den Utopismus und die Analyse spezifischer Staatsmodelle im 19. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Theorien von Fourier, Owen und Fichte im Kontext ihrer Zeit darzustellen und ihren Einfluss auf die spätere wirtschaftstheoretische Entwicklung zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit bedient sich einer historisch-analytischen Methode, bei der Literaturrecherche und die Interpretation zentraler Schriften der genannten Sozialphilosophen im Vordergrund stehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Ansätze von Fourier (Leidenschaftstheorie), Owen (Sozialreformen in New Lanark) und Fichte (geschlossener Handelsstaat).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Aufklärung, Utopie, Sozialphilosophie, Eigentum, gesellschaftliches Gleichgewicht und industrieller Wandel.
Warum spielt das Eigentum bei Fichte eine so zentrale Rolle?
Im Gegensatz zu Fourier definiert Fichte Eigentum nicht über Objekte, sondern als exklusives Recht zur Ausübung einer bestimmten Tätigkeit, was er als notwendig für den staatlichen Zusammenhalt erachtet.
Inwiefern scheiterte Robert Owen mit seinen praktischen Versuchen?
Owens Projekte, wie New Harmony, scheiterten primär an der mangelnden Umsetzung der altruistischen Ideale durch die beteiligten Akteure und an der utopischen Annahme, man könne durch eine neue Umgebung sofort „neue Menschen“ erziehen.
- Quote paper
- Fabian Mantau (Author), 2003, Die Idee des Vernunftstaates bei Johann Gottlieb Fichte (Allgemeine Gesellschaftsentwürfe nach 1789), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18752