Der Darfur-Konflikt ist im Frühjahr 2003 international in das Blickfeld der Medien geraten. Als Beginn der Auseinandersetzungen wird oftmals der Überfall von Rebellenorganisationen auf den Militärflughafen Al-Fashir im April 2003 genannt (vgl. Khalafalla 2005: 44, vgl. Agence France Presse 2003a). Andere Berichte sehen mit der Besetzung der Stadt Gulu durch die Rebellenorgansation „Darfur Liberation Front“ im Februar 2003 bereits den Startpunkt des Konfliktes (vgl. www.rp-online.de 2009, Agence France Presse 2003b).
[...] Folgend wird gezeigt werden, dass die Hauptursache des Darfur-Konflikts in der anhaltenden politischen Exklusion bestimmter ethnischer Gruppen der Region von der Regierungsmacht liegt. Dies wird anhand der Theorie des „Ethno-Nationalismus“ von Lars-Erik Cederman, Andreas Wimmer und Brian Min dargelegt werden, die sie aus dem „Ethnic-Power-Relations-Datensatz“ entwickelt haben.
Unter Ethnizität selbst verstehen die Autoren dabei jede Art von subjektiv wahrgenommener Gemeinschaft, die auf dem Glauben einer geteilten Kultur und Herkunft basiert, wie eine gemeinsame Sprache, gleiche phänotypische Eigenschaften, gemeinsames Schicksal, etc. (vgl. Cederman et al. 2010: 98, bez. auf. Weber 1978: 385-398).
Die folgend vorgestellte Theorie des „Ethno-Nationalismus“ wurde auf Grundlage von Aggregatdaten von 124 ethnischen Konflikten zwischen 1946 und 2005 entwickelt (Cederman et al. 2010: 101). Andere Erklärungsansätze und Daten sind nach Ansicht der Autoren aufgrund verschiedener Umstände kritikwürdig. Diese Kritik wird im nächsten Gliederungsabschnitt kurz zusammengefasst dargelegt, bevor sich dann das eigentliche theoretische Konstrukt anschließt. Relevant für die Anwendung auf den Darfur-Konflikt sind dabei insbesondere die von Cederman et al. entwickelten Hypothesen des „Ethno-Nationalismus“.
In der eigentlichen Analyse des Konflikts wird dann geprüft, ob die Vermutungen der Forscher auch in diesem Einzelfall zutreffen, beziehungsweise ob die Theorie von Cederman als Erklärungsmuster insgesamt dienen kann oder nicht. Das Forschungsdesign ist darauf ausgerichtet, die in der Theorie von den Autoren angenommenen Kausalitäten in Form von „Process Tracing“ zu analysieren. Am Ende wird dann nochmal ein zusammenfassendes Fazit gezogen, inwieweit die Theorie des „Ethno-Nationalismus“ im Falle des Darfur-Konflikts eine gute Erklärungsgrundlage bietet oder nicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Theorie des „Ethno-Nationalismus“ nach Cederman et al.
2.1. Die Grundlagen des „Ethno-Nationalismus“
2.2. Die Hypothesen des „ethnischen Nationalismus“
3. Der Darfur-Konflikt in der Analyse
3.1. Included and Excluded Groups“ und ihre geographische Verbreitung im Sudan
3.2. Testung der Hypothesen zur Motivation der marginalisierten Bevölkerung im Darfur-Konflikt
3.3. Testung der Hypothese zum Mobilisierungspotenzial der Rebellenorganisationen im Darfur-Konflikt
3.4. Testung der Hypothese zur Konfliktvergangenheit im Sudan und der Darfur-Region
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern der 2003 ausgebrochene Darfur-Konflikt als direkte Folge politischer Exklusion ethnischer Gruppen durch die sudanesische Regierung verstanden werden kann. Dabei wird die Theorie des „Ethno-Nationalismus“ von Cederman et al. angewandt, um die Kausalzusammenhänge zwischen Marginalisierung, mangelnder politischer Repräsentation und der Entstehung gewaltsamer Aufstände zu analysieren.
- Analyse der politischen Exklusion ethnischer Minderheiten im Sudan.
- Anwendung der Theorie des „Ethno-Nationalismus“ auf den Darfur-Konflikt.
- Untersuchung von Mobilisierungspotenzialen marginalisierter Bevölkerungsgruppen.
- Evaluation der historischen Konfliktvergangenheit und deren Einfluss auf aktuelle Gewalt.
Auszug aus dem Buch
3.2. Testung der Hypothesen zur Motivation der marginalisierten Bevölkerung im Darfur-Konflikt
Alle Ethnien, die nicht zu der arabischen Gruppierung der „Shaygiyya“, „Ja'aliyyin“ und „Danagla“ gehören waren scheinbar bis zum Ausbruch des Darfur-Bürgerkrieges von politischer Exklusion betroffen. Im Rahmen der Theorie von Cederman et al. stellt sich die Frage, inwieweit es vor der Eskalation des Konfliktes begünstigende Faktoren gegeben haben könnte, die Gruppierungen aus dem Westen des Landes dazu motiviert haben, in Form einer Rebellion gegen die Regierung vorzugehen und sodass ein „ethno-nationalistischer“ Konflikt entstehen konnte.
In der Region Darfur haben vor Ausbruch des Konflikts circa 6,5 Millionen Menschen gelebt. Die Mehrheit davon, schätzungsweise 4 Millionen, konnten dabei afrikanischen Stämmen zugeordnet werden, womit diese gegenüber den übrigen arabischen Einwohnern regional eine klare Mehrheit bildeten (vgl. www.sudantribune.com 2005: 3). Die von Cederman et al. seit Ausbruch des Konfliktes als diskriminiert eingestuften Volksgruppen der „Fur“, „Masalit“ und „Zaghawa“ sind die in der Provinz West-Darfur vorwiegend angesiedelten Ethnien, wobei es hier Überschneidungen gibt mit einigen arabischen Gruppierungen (siehe Abbildung 1). Somit lässt sich also bereits feststellen, dass schwarzafrikanische Stämme, insbesondere die „Fur“ in der Region zahlenmäßig die regional vorherrschende Ethnie sein müssten.
Im Mai des Jahres 2000 erschien von einer Gruppe anonymer Verfasser ein Manuskript mit dem Titel „The Black Book: The Imbalance of Power and Wealth in Sudan“, dessen Inhalt sich innerhalb kürzester Zeit über weite Teile des Sudans verteilte und auch die schwach entwickelten Landesteile erreichte (vgl. www.sudantribune.com 2004: 1). William Wallis von der Financial Times sieht in dem Schwarzbuch die Grundlage für die Rebellionen in Darfur: „In it were the seeds of the rebellion in Darfur – an austere western territory of desert plains and rocky outcrops larger than Iraq, neglected by successive governments, where a tragedy of epic dimensions is playing out.” (www.sudantribune.com 2004: 1)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den Rahmen der Untersuchung fest und präsentiert den Haftbefehl gegen Omar al-Bashir sowie den Ausbruch des Darfur-Konflikts als Ausgangspunkt, wobei die zentrale These der politischen Exklusion als Hauptursache formuliert wird.
2. Die Theorie des „Ethno-Nationalismus“ nach Cederman et al.: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Fundament der Arbeit und definiert zentrale Begriffe wie Ethnizität und Nationalismus sowie die Typologie der Machtbeteiligung ethnischer Gruppen.
3. Der Darfur-Konflikt in der Analyse: In diesem Hauptteil wird die Theorie anhand von Daten des „GROW-Up-Portals“ und des „Black Book“ auf den konkreten Fall Darfur angewendet, um Exklusionsgrade, Motivationslagen und historisch gewachsene Konfliktlinien zu prüfen.
4. Fazit: Das Fazit bestätigt die Anwendbarkeit der Theorie des „Ethno-Nationalismus“ auf den Darfur-Konflikt und betont die Notwendigkeit einer stärkeren Inklusion und regionalen Autonomie zur Befriedung der Region.
Schlüsselwörter
Darfur-Konflikt, Politischer Exklusion, Ethno-Nationalismus, Cederman, Sudan, Rebellion, Marginalisierung, Ethnische Gruppen, SLM/A, Janjaweed, Politische Repräsentation, Bürgerkrieg, Mobilisierungspotenzial, Omar al-Bashir, Ethnizität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Ursachen des Darfur-Konflikts in Sudan und prüft, inwieweit politische Exklusion bestimmter ethnischer Gruppen für den Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2003 verantwortlich war.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind ethnische Konflikte, der Zusammenhang zwischen staatlicher Machtverteilung und ethnischer Identität sowie die Dynamiken von bewaffneten Rebellionen in marginalisierten Regionen.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass die anhaltende politische Exklusion von schwarzafrikanischen Gruppen durch eine arabisch dominierte Regierung die Hauptursache für den bewaffneten Widerstand darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das „Process Tracing“ angewandt, um die Kausalitäten zwischen den theoretischen Hypothesen von Cederman et al. und dem tatsächlichen Konfliktverlauf im Darfur-Gebiet empirisch zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Anwendung der Theorie des „Ethno-Nationalismus“ auf den Sudan, untersucht die ethnische Zusammensetzung der Regierung, die Rolle der Rebellenorganisationen und die historische Konfliktvergangenheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ethno-Nationalismus, politische Exklusion, Marginalisierung, Darfur-Konflikt und ethnische Identität charakterisiert.
Warum wird das „Black Book“ als Quelle angeführt?
Das „Black Book“ dient als zentrales Beweisstück, da es die eklatanten Ungleichheiten bei der Verteilung von Macht und Wohlstand im Sudan aufzeigt und als ideologische Grundlage für die Rebellionen in Darfur identifiziert wurde.
Wie bewertet der Autor die Rolle der „Janjaweed“-Milizen?
Der Autor ordnet die Milizen als Instrument der sudanesischen Regierung ein, die gezielt zur Unterdrückung und gewaltsamen Marginalisierung der schwarzafrikanischen Bevölkerung in Darfur eingesetzt wurden.
- Arbeit zitieren
- Florian Meier (Autor:in), 2011, Warum ist der 2003 ausgebrochene Darfur-Konflikt eine Folge von politischer Exklusion?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187528