„Wie klein die Welt doch ist!“ Sätze wie diesen hört man immer wieder. Allerdings schrumpft die Welt nicht, sondern größere Entfernungen können in kürzerer Zeit überwunden werden. Außerdem rücken Kulturen, Gesellschaften und Staaten immer enger zusammen. Dies ist eine Folge der Globalisierung, die seit etwa 1980 die Weltwirtschaft bestimmt. Neben der Ökonomie werden auch die meisten Menschen direkt von dieser Veränderung beeinflusst. Die unterschiedlichen Kulturen ändern sich durch verschiedene Einwirkungen aus der ganzen Welt und nähern sich so einander weiter an. Zum Beispiel ist die Pizza mittlerweile nicht nur in Italien und Europa beliebt, sondern inzwischen gibt es weltweit italienische Restaurants. Genauso kann in fast der ganzen Welt ein deutsches Bier getrunken werden. Zum Essen bestellt man dann eine amerikanische Cola oder einen spanischen Wein. Byung-Chul Han beschreibt dies als Hyperkulturalität:
„Die Kultur platzt gleichsam aus allen Nähten, ja aus allen Begrenzungen oder Fugen. Sie wird ent-grenzt, ent-schränkt, ent-näht zu einer Hyper-Kultur. Nicht Grenzen, sondern Links und Vernetzungen organisieren den Hyperraum der Kultur“
(Byung-Chul Han, Hyperkulturalität 2005, S. 16f.)
Dies scheint auf den ersten Blick ein weiterer Schritt hin zu einer besseren Welt zu sein. Trotzdem birgt die Globalisierung Schattenseiten. Denn trinken wir auch eine Cola aus Afrika oder einen Wein aus Chile? Dr. Vandana Shiva, Trägerin des Alternativen Nobelpreises1, sagte in einem Interview2, dass wir heute Zeugen einer neuen Kolonialisierung durch die Globalisierung sind. Führt die Globalisierung zu neuen wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeiten und zu einer Behinderung dcr eigenständigen Entwicklung der unterentwickelten Länder?
In dieser Facharbeit möchte ich sowohl auf die Gefahren und Probleme als auch auf die Chancen der Globalisierung in Bezug auf die unterentwickelten Länder eingehen. Am Ende werde ich auf die Aspekte, die sich neu erschlossen haben, in dem expliziten Beispiel Ecuador eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Globalisierung
2.1 Was ist Globalisierung?
2.2 Bedeutung für unterentwickelte Länder
3 Entwicklungsländer
3.1 Allgemeine Informationen
4 Chancen und Gefahren der Globalisierung
4.1 Chancen
4.2 Probleme und Gefahren
5 Ecuador
5.1 Geographie, Demographie und Geschichte
5.2 Amazonasgebiet
6 Globalisierung im Amazonasgebiet
6.1 Beispiel Yachana
6.2 Globalisierung – ein Gegner des Umweltschutzes?
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Facharbeit untersucht das komplexe Spannungsfeld zwischen den Chancen und Risiken der Globalisierung für unterentwickelte Länder. Am Beispiel von Ecuador analysiert der Autor, wie globale ökonomische Prozesse lokale Strukturen beeinflussen und welche Möglichkeiten für eine eigenständige, nachhaltige Entwicklung bestehen.
- Theoretische Grundlagen und Definitionen der Globalisierung
- Differenzierung von Entwicklungs- und Schwellenländern
- Analyse ökonomischer, ökologischer und sozialer Auswirkungen
- Fallbeispiel Yachana als Modell für nachhaltige Bildung und Tourismus
- Die Yasuní-ITT-Initiative als Konfliktfeld zwischen Ressourcenschutz und ökonomischen Zwängen
Auszug aus dem Buch
6.1 Beispiel Yachana
An den Flüssen im Amazonasgebiet haben sich in den letzten Jahrzehnten viele „Hotels“ angesiedelt, die sich meistens als „Lodge“ (Hütte, Herberge) bezeichnen. Diese Lodges werben oft mit dem Begriff „Ecotourismo“ (Ökotourismus). Die Unterkünfte, die häufig nur mit dem Boot erreichbar sind, sind sehr einfach gestaltet und es wird kein großer Luxus geboten. Es wird sogar teilweise damit geworben, dass es keinen Pool gibt. Tagsüber gibt es verschiedene Ausflüge und es wird den Besuchern die Tier- und Pflanzenwelt näher gebracht. Ich habe Anfang Februar 2010 selber eine solche Lodge besucht. Diese hat neben dem Tourismus noch weitere Projekte ins Leben gerufen, die meiner Meinung nach ein gutes Beispiel für die Globalisierung darstellen. Der folgende Text stellt meine eigenen Erfahrungen und Ansichten dar.
Die Lodge, die ich im Folgenden beschreiben werde, nennt sich Yachana („Platz des Lernens“) und befindet sich drei Stunden mit dem Boot von der letzten Stadt entfernt. Die Gemeinde Mondaña befindet sich allerdings nur wenige Minuten zu Fuß entfernt.
Im Jahre 1991 wurde die Stiftung Yachana mit dem Ziel der „Nachhaltigkeit durch Bildung“ von dem US-Amerikaner Douglas McMeekin gegründet. Vier Jahre später wurde die Herberge eröffnet, um erstmals auch Touristen aufnehmen zu können. Zwei weitere Jahre später folgte die Mondaña Medical Clinic. Im Jahre 2005 wurde die Technische Hochschule Yachana gegründet. Im Folgenden möchte ich diese drei Projekte im Bezug auf die Globalisierung beschreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema Globalisierung als weltweiter Prozess, der Kulturen und Ökonomien verbindet, aber auch neue Abhängigkeiten schafft.
2 Globalisierung: Definition des Begriffs Globalisierung und Untersuchung ihrer technologischen und politischen Voraussetzungen.
3 Entwicklungsländer: Erläuterung der Klassifizierungsmerkmale von Entwicklungsländern anhand von Indikatoren wie dem HDI und der Einordnung von LDCs.
4 Chancen und Gefahren der Globalisierung: Analyse der Ambivalenz globaler Verflechtungen, insbesondere durch den Vergleich von Schwellenländern und bestehenden strukturellen Problemen wie Kapitalmangel.
5 Ecuador: Überblick über die geografische, demografische und historische Ausgangslage Ecuadors sowie dessen sozioökonomische Situation.
6 Globalisierung im Amazonasgebiet: Untersuchung konkreter Auswirkungen der Globalisierung auf lokaler Ebene durch das Beispiel der Stiftung Yachana und das ökologische Schutzprojekt im Nationalpark Yasuní.
7 Fazit: Zusammenfassende Bewertung, wie Ecuador durch lokale Initiativen und eine stärkere nationale Wertschöpfung der Abhängigkeit von globalen Konzernen entgegenwirken kann.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Ecuador, Entwicklungsländer, Schwellenländer, Amazonasgebiet, Yachana, Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Direktinvestitionen, Bildung, Yasuní, Ökotourismus, Wirtschaftsentwicklung, Abhängigkeit, Biodiversität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Globalisierung auf unterentwickelte Länder, wobei der Fokus auf den Chancen und Gefahren liegt, die dieser Prozess für die lokale Bevölkerung und die Umwelt mit sich bringt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit deckt die Bereiche Wirtschaft (Globalisierung, Investitionen), Politik, soziale Entwicklung (Bildung, Gesundheit) und ökologische Nachhaltigkeit im Kontext von Entwicklungsländern ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Länder wie Ecuador trotz globaler Abhängigkeiten eigene, nachhaltige Entwicklungswege beschreiten können, um Armut zu bekämpfen und Ressourcen zu schützen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine deskriptive Facharbeit, die aktuelle Literatur, statistische Daten und eigene Reiseerfahrungen (Feldforschung/Beobachtung) in Ecuador kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Definitionen von Globalisierung und Entwicklungsländern sowie eine praktische Fallstudie über das Amazonasgebiet mit den Projekten Yachana und der Yasuní-Initiative.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Globalisierung, Nachhaltigkeit, Amazonasgebiet, Schwellenländer, Eigenständigkeit und ökologischer Schutz.
Wie unterscheidet sich Ecuador von anderen Entwicklungsländern in Bezug auf die Globalisierung?
Ecuador verfolgt unter der Regierung Correa Ansätze wie die Verstaatlichung von Ölkonzernen und die Initiative zum Verzicht auf Ölbohrungen im Yasuní-Park, um eine nationale, unabhängige Entwicklung zu fördern.
Welche Rolle spielt die Stiftung Yachana in der Argumentation des Autors?
Yachana dient als bestes Praxisbeispiel für eine "Nachhaltigkeit durch Bildung", die lokale Gemeinschaften aktiv in den globalen Tourismus und moderne Bildung einbindet, ohne ihre Identität zu opfern.
- Arbeit zitieren
- Marvin Kirschner (Autor:in), 2011, Chancen und Gefahren der Globalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187552