Intensivstationen sind mit die empfindlichsten Bereiche in einem Krankenhaus, wenn es um die Betreuung von Angehörigen geht. Lärm, unbekannte Geräusche und Personen sowie die akute und lebensbedrohliche Situation ihres Angehörigen bringt Besucher von Intensivstationen in emotionale Krisen. Die Folge von einer Stunde Besuchszeit ist vor allem Stress zwischen Pflegekräften und Angehörigen. Zudem kommt, dass der Informationsfluss auf der Intensivstation vonseiten der Pflegekräfte sehr gering ist und Ärzte ihre Gespräche sehr kurz halten. Die Fragezeichen und die Unsicherheit bei Angehörigen vergrößern sich. In mehreren Studien zwischen 2000 und 2010 wurden Intensivstationen auf die Betreuung von Angehörigen hin untersucht. Ergebnis war stets der positive Effekt bei Angehörigen, sobald die Betreuung auf diese ausgerichtet war. Gegenstand dieser Bachelor Thesis war es, Handlungen und Empfindungen zwischen Pflegekräften und Angehörigen im Rahmen von einer Stunde Besuchszeit zu untersuchen. Wichtig bei der Untersuchung war die Fragestellung, ob Pflegekräfte bei Angehörigen Beratungs- und Kommunikationskompetenzen benötigen und ob Angehörige den Bedarf nach Beratung überhaupt signalisieren. Im Vordergrund der Untersuchungen standen die Aussagen der Pflegekräfte über ihre Meinung und ihre Gefühle zum Thema Besuchszeit und Angehörige. Bereits bestehende Studien wurden zum Anlass genommen, Aussagen über Intensivpflegekräfte zu überprüfen und durch eigene Ergebnisse zu ergänzen. Zur Untersuchung der Handlungen von Intensivpflegekräften und Angehörigen zur Besuchszeit wurde im Oktober 2010 das wissenschaftliche Forschungsprojekt gestartet. Zu Beginn der Forschung stand das gründliche Literaturstudium über vorhandene Studien zum Thema Intensivstationen und Angehörige. Nach Beschreibung des theoretischen Hintergrundwissens und Definitionen über Beratung, Kommunikation und Kompetenzen wurden die Aussagen von Pflegekräften aus Interviews qualitativ ausgewertet und auf die Beratungs- und Kommunikationsnotwendigkeit hin überprüft. Der Schwerpunkt der Bachelor Thesis liegt auf der Interpretation der Interviews und der Gestaltung von Möglichkeiten zur Verbesserung der Handlungsbeziehungen zwischen Pflegekräften und Angehörigen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Abkürzungen
1 Einleitung
2 Die projektgebende Einrichtung
3 Beratung, Kommunikation und Kompetenz im Krankenhaus
3.1 Die Forschungsfragen im Projekt
4 Projektzeitraum
5 Vorprojektphase
5.1 Ausgangssituation und Projektidee
5.2 Analyse existierender Literatur und Studien
5.3 Projektziele
5.4 Stakeholder
5.4.1 Stärken-Schwächen-Analyse der Stakeholder
5.5 Risikoanalyse
5.6 Rahmenbedingungen und Variablenanalyse im Projekt
5.7 Projektteam und Projektleitung
5.8 Systeme im Projekt
5.8.1 Informationssystem
5.8.2 Dokumentationssystem
5.8.3 Sachmittelsystem
6 Planungsphase
6.1 Strukturplanung
6.1.1 Organigramm im Projekt
6.1.2 Terminplanung
6.1.3 Kosten-Nutzenplan
6.2 Qualitative Forschung
6.2.1 Theorie qualitativer Forschung
6.2.2 Aktionsforschung
6.3 Forschungssetting
6.3.1 Feldforschung
6.3.2 Zugang zum Feld
6.4 Forschungsdesign
6.4.1 Qualitative Vergleichsstudie
6.4.2 Querschnittstudie
6.4.3 Triangulation
6.5 Dokumente auf der Intensivstation
6.6 Stichprobenauswahl
6.7 Forschungsmethode
6.7.1 Problemzentriertes Experteninterview mit Leitfaden
6.7.2 Leitfaden im Projekt
6.8 Pretest
7 Realisierungsphase
7.1 Datenerhebung
7.1.1 Die Durchführung der Leitfadeninterviews
7.1.2 Die Transkription
7.2 Datenauswertung und Forschungsergebnisse
7.2.1 Dokumentenanalyse
7.2.2 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
7.2.3 Forschungshypothesen
8 Abschlussphase
8.1 Forschungsbericht und Projektcontrolling
8.1.1 Angewandte Methoden
8.1.2 Kosten- und Terminkontrolle
8.1.3 Risikenkontrolle
8.1.4 Gütekriterien im Projekt
8.2 Die Nachhaltigkeit des Projektes
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit Pflegekräfte auf einer Intensivstation die Belastungssituation von Angehörigen erkennen und ob eine kompetente Beratung sowie Kommunikation in diesem Kontext eine notwendige Ergänzung des pflegerischen Handelns darstellen.
- Belastungen und Ängste von Angehörigen auf Intensivstationen
- Die Rolle der Kommunikation zwischen Pflegekräften und Angehörigen
- Notwendigkeit von Beratungs- und Kommunikationskompetenzen im Pflegealltag
- Einfluss von Zeitmangel und Arbeitsorganisation auf die Angehörigenbetreuung
- Potenziale zur Optimierung durch Reflexion und zielgerichtete Ausbildung
Auszug aus dem Buch
Die Forschungsfragen im Projekt
Forschungsfragen sind Instrumente in der qualitativen Sozialforschung und dienen der Vorbereitung des Forschungsprozesses, indem z.B. Fragebögen oder Leitfäden für Interviews auf eine solche Frage aufbauen und den Forschungsprozess thematisch einleiten und steuern. Dabei bezieht sich eine Forschungsfrage auf ein gesellschaftlich relevantes Problem, welches es mittels Forschung zu bearbeiten bzw. zu ergründen gilt. Die Ergebnisse der Forschung sollen dazu dienen, nicht dieses Problem zu lösen, aber durchaus Lösungsansätze zu bieten. Junginger, Perneczky, Vahl und Werner (2008) beschreiben die Situation für Angehörige auf einer Intensivstation mit folgender Formulierung:
„Während die Belastungssituation des Patienten auf der Intensivstation gut untersucht ist, ist das Erleben und die Verarbeitung des Erlebten auf der Seite der Angehörigen erst seit kurzem in das Blickfeld wissenschaftlichen Interesses gerückt. Erste Ergebnisse machen deutlich, dass durch die vitale Bedrohung des Intensivpatienten auch die Angehörigen eine kritische Lebensphase durchmachen, die durch Bestürzung, Ungewissheit, Gefühlschaos und Stress gekennzeichnet ist. Vor allem in den ersten Tagen auf der Intensivstation kennen sie die Abläufe noch nicht, wissen nicht, wie es um ihren nahen Verwandten steht, wie es weitergeht, wen sie fragen können, wie sie sich verhalten sollen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Belastungssituation von Angehörigen auf Intensivstationen und stellt die Relevanz von Kommunikation und Beratung als pflegerische Aufgabe heraus.
2 Die projektgebende Einrichtung: Dieses Kapitel beschreibt das Klinikum, seine Strukturen sowie die spezifische Organisation der Intensivstation, in der das Projekt durchgeführt wurde.
3 Beratung, Kommunikation und Kompetenz im Krankenhaus: Hier werden zentrale Begriffe definiert und in den Kontext der pflegerischen Arbeit mit Angehörigen und Patienten eingeordnet.
4 Projektzeitraum: Dieser Abschnitt bietet einen zeitlichen Überblick über den Verlauf des Forschungsprojekts.
5 Vorprojektphase: Die Vorprojektphase beleuchtet die Ausgangssituation, Projektziele sowie die Analyse von Stakeholdern und Risiken.
6 Planungsphase: Hier erfolgt die methodische Ausführungsplanung, inklusive Forschungsdesign, Stichprobenauswahl und Erstellung des Interviewleitfadens.
7 Realisierungsphase: Die Phase der praktischen Datenerhebung durch Interviews sowie deren methodische Auswertung mittels Inhaltsanalyse nach Mayring wird hier dargestellt.
8 Abschlussphase: Dieses Kapitel enthält den Forschungsbericht, eine Kosten- und Terminkontrolle sowie die Reflexion der Ergebnisse.
9 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und diskutiert die Notwendigkeit sowie die Umsetzung von Beratungs- und Kommunikationskompetenzen in der Pflege.
Schlüsselwörter
Intensivstation, Angehörige, Beratungskompetenz, Kommunikation, Pflege, Belastung, Zeitmangel, qualitative Forschung, Experteninterview, Krisenintervention, Patientenversorgung, Primary Nursing, Betreuung, Pflegemanagement, Gesundheitswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Beratungs- und Kommunikationskompetenzen von Pflegekräften im direkten Kontakt mit Angehörigen von Intensivpatienten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernpunkten gehören die Belastungssituation der Angehörigen, der Zeitdruck der Pflegekräfte sowie die Diskrepanz zwischen dem Bedarf an Information und der gelebten Kommunikation auf Station.
Welches Ziel verfolgt das Projekt primär?
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, ob und inwieweit Pflegekräfte die Bedürfnisse der Angehörigen wahrnehmen und ob eine professionellere Beratung notwendig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um ein qualitatives Forschungsprojekt, bei dem problemzentrierte Experteninterviews mit Pflegekräften geführt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorprojektphase, Planung, Realisierung und Abschluss, wobei insbesondere die Dokumentenanalyse und die Experteninterviews im Mittelpunkt stehen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Intensivstation, Angehörigenbetreuung, Beratungskompetenz, Kommunikation, Pflegemanagement und qualitative Sozialforschung.
Welche Rolle spielt der Zeitmangel bei der Angehörigenbetreuung?
Der Zeitmangel wird von den Pflegekräften als ein zentrales Hindernis genannt, das dazu führt, dass die Kommunikation oft auf das Nötigste reduziert wird, obwohl ein hoher Gesprächsbedarf besteht.
Warum fühlen sich manche Pflegekräfte im Kontakt mit Angehörigen belastet?
Die Belastung entsteht häufig aus der Überforderung durch die emotionalen Krisen der Angehörigen, der Angst, etwas Falsches zu sagen, sowie dem Druck durch die eigene Aufgabenlast.
Was schlägt die Autorin zur Verbesserung der Situation vor?
Die Autorin empfiehlt unter anderem eine stärkere Reflexion im Team, Supervisor-Ansätze, gezielte Trainings zu Beratungskompetenzen sowie eine bewusstere Wahrnehmung der pflegerischen Verantwortung.
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- Yvonne Weber (Author), 2011, Beratungs- und Kommunikationskompetenzen im Kontakt mit Angehörigen , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187556