Im Kontext globaler Märkte gewinnen die int. Rechnungslegungsstandards, vornehmlich IAS/IFRS und US-GAAP, zunehmend an Bedeutung. Die Gründe hierfür sind primär in der steigenden Integration der Kapitalmärkte, sowie der voranschreitenden Internationalisierung der Wirtschaft und den dadurch bedingten, veränderten Anforderungen an die Rechnungslegung zu suchen. (...)
Im Zuge dieser Entwicklung haben sich auch die Rechnungslegungsgrundsätze deutscher Unternehmen, nicht zuletzt aufgrund der 2002 erlassenen, sog. „IAS-Verordnung“, verändert. (...) Durch die soeben beschriebene Hinwendung zur int. Rechnungslegung rückt, im Gegensatz zur von Gläubigerschutz und Vorsichtsprinzip beherrschten HGB-Bilanzierung, die Informationsfunktion ins Zentrum des Interesses. Anders ausgedrückt entsteht ein zunehmendes Bedürfnis nach einem „(…)“Mehr“ an Darstellung der ökonomischen Realität(…)“. Die int. Standardsetter IASB und FASB sehen in der Neuorientierung der Bewertung am „Fair Value“ und der damit einhergehenden Abkehr von den historischen Anschaffungskosten als Bewertungsmaßstab die geeigneten Maßnahmen, um dieser Anforderung gerecht zu werden. Das Hauptargument hierfür besteht ihrer Auffassung nach darin, dass Zeitwertinformationen, im Gegensatz zu kostenbasierten Wertansätzen, eine höhere Entscheidungserheblichkeit für sich verbuchen können. (...)
Diese Orientierung hin zum FV wird in der Literatur schon jetzt oftmals als Ausdruck eines Paradigmenwechsels in der Rechnungslegung betrachtet. (...) Welch starke Bedeutung er bereits heute erlangt hat, lässt sich auch daran erkennen, dass er bereits als „Markenzeichen“ und sogar als „Hoffnungsträger“ der int. Rechnungslegung gilt. (...)
Bei aller Begeisterung für den neuen Wertmaßstab existieren jedoch auch kritische Stimmen. (...) Das Fehlen detaillierter und konsistenter Vorschriften zur Definition und Er-mittlung des FVs, seine vielfältigen Ausprägungen und die teils widersprüchlichen Einzelregelungen führen darüber hinaus zu weiterer Kritik aus Theorie und Praxis und damit zu einer anhaltenden Debatte. Angesichts dieser Problemstellungen wird die auch zukünftig steigende Bedeutung des FVs von manchen auch als „Anlaß zu großer Besorgnis“ genommen.
Innerhalb der gesamten Arbeit liegt der Fokus der Betrachtung des Fair Values auf der Sichtweise der IAS/IFRS. Weiterhin beruht die Erstellung der Arbeit auf den aktuell gültigen Standards und Regelungen mit besonderer Berücksichtigung des IFRS 13.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Begriff und Einordnung
2.2 Marktpreisbildungshypothese und aktiver Markt
3. Anwendungsfälle der Fair Value-Bewertung
3.1 Finanzinstrumente
3.2 Nicht-finanzielle Positionen
4. Ermittlungskonzept
5. Ermittlungsmethoden
5.1 Überblick und Bewertungsgrundsätze
5.2 Marktpreisorientieres Verfahren
5.2.1 Fair Value als Marktpreis
5.2.2 Analogiemethode
5.3 Kapitalwertorientiertes Verfahren
5.3.1 Lizenzpreisanalogiemethode
5.3.2 Mehrgewinnmethode
5.3.3 Residualwertmethode
5.3.4 Bestimmung des Kapitalisierungszinssatzes
5.4 Kostenbasiertes Verfahren
6. Kritik an der Fair Value-Bewertung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die methodischen Ansätze zur Ermittlung des Fair Value im Rahmen der internationalen Rechnungslegung nach IAS/IFRS. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen zu erläutern, die Anwendungsbereiche aufzuzeigen und eine kritische Würdigung der verschiedenen Ermittlungsverfahren vor dem Hintergrund ihrer praktischen Anwendbarkeit und Zuverlässigkeit vorzunehmen.
- Definition und Einordnung des Fair Value-Konzepts
- Anwendungsfälle bei Finanzinstrumenten und nicht-finanziellen Positionen
- Systematik der Fair Value-Ermittlungshierarchie
- Analyse marktpreis-, kapitalwert- und kostenorientierter Bewertungsverfahren
- Kritische Diskussion der Ermittlungsspielräume und Volatilitätseffekte
Auszug aus dem Buch
5.2.1 Fair Value als Marktpreis
Das direkte Verfahren der markpreisorientieren FV Ermittlung besteht in der unmittelbaren Übernahme von auf einem aktiven Markt notierten Preisen (Level 1 Inputs) als FV. Daher ist bei näherer Betrachtung festzustellen, dass es sich hierbei um überhaupt kein Bewertungsverfahren handelt, da lediglich der beobachtete Marktpreis unverändert zum FV (um-)deklariert wird. Dies wird auch aus folgender Feststellung Ballwiesers ersichtlich: „Hat man aussagefähige Marktpreise, so kann man sich Bewertungen ersparen.“ Damit bestehen die Hauptaufgaben dieses „Verfahrens“ in der Prüfung des Vorliegens eines aktiven Markts sowie der Identifikation der beobachtbaren Marktpreise identischer Vermögenswerte.
Sind aufgrund eines nicht vorliegenden aktiven Markts für den Bewertungsgegenstand Preise nicht unmittelbar feststellbar, muss u.U. auf die Analogiemethode ausgewichen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der wachsenden Bedeutung internationaler Rechnungslegungsstandards und der Einordnung des Fair Value als Paradigmenwechsel in der Finanzberichterstattung.
2. Theoretische Grundlagen: Erläuterung des Fair Value-Begriffs innerhalb des IAS/IFRS-Rahmenkonzepts sowie Analyse der Marktpreisbildungshypothese und des Konzepts aktiver Märkte.
3. Anwendungsfälle der Fair Value-Bewertung: Untersuchung der Einsatzgebiete von Fair Value-Bewertungen, differenziert nach Finanzinstrumenten und nicht-finanziellen Vermögenswerten.
4. Ermittlungskonzept: Vorstellung der dreistufigen Ermittlungs-Hierarchie zur Bewertung der Güte von Inputs bei der Fair Value-Bestimmung.
5. Ermittlungsmethoden: Detaillierte Analyse marktpreisorientierter, kapitalwertorientierter und kostenbasierter Bewertungsverfahren inklusive ihrer jeweiligen Berechnungsmethoden.
6. Kritik an der Fair Value-Bewertung: Kritische Auseinandersetzung mit der Subjektivität, den Ermessensspielräumen und der Ergebnisvolatilität, die mit der Fair Value-Bewertung einhergehen.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Fortschritte durch IFRS 13 bei gleichzeitiger Hervorhebung der verbleibenden praktischen Probleme bei der Fair Value-Ermittlung.
Schlüsselwörter
Fair Value, IFRS, Rechnungslegung, Marktpreis, Bewertungsverfahren, Kapitalwertorientiertes Verfahren, Ermittlungshierarchie, Finanzinstrumente, Unternehmensbewertung, Diskontierung, Cash Flow, Markttransaktion, Bilanzierung, Entscheidungsnützlichkeit, Volatilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Ermittlung des Fair Value im Kontext der internationalen Rechnungslegung nach IAS/IFRS.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Fair Value-Definition, den verschiedenen Bewertungsansätzen (markt-, kapitalwert- und kostenorientiert) sowie der kritischen Analyse der praktischen Anwendung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, ein tiefgehendes Verständnis für die Ermittlungsmethoden des Fair Value zu schaffen und die Problematiken bei deren praktischer Umsetzung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse bestehender Fachliteratur, internationaler Standards (IFRS) und relevanter Rechnungslegungsvorschriften basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Ermittlungshierarchie sowie die detaillierte Beschreibung und kritische Würdigung der verschiedenen Bewertungsverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fair Value, IFRS, Bewertungsverfahren, Ermittlungshierarchie, Kapitalwertorientierung und Bilanzierungspraxis.
Wie unterscheidet sich der "mark-to-market" vom "mark-to-model" Ansatz?
Der "mark-to-market" Ansatz nutzt beobachtbare Marktpreise direkt (Stufe 1 und 2), während "mark-to-model" (Stufe 3) auf Bewertungsmodelle zurückgreift, wenn keine Marktpreise verfügbar sind.
Warum wird die Fair Value-Bewertung in der Literatur oft kritisch gesehen?
Kritisiert werden vor allem die erheblichen Ermessensspielräume bei der Bewertung, die zu einer "Entobjektivierung" führen können, sowie die resultierende Ergebnisvolatilität.
Welche Rolle spielt die IFRS 13-Norm für diese Untersuchung?
IFRS 13 dient als aktueller Standard, der die Definitionen und die Ermittlungshierarchie für den Fair Value vereinheitlicht und somit eine zentrale Basis für die Arbeit bildet.
Warum sind "abschreibungsbedingte Steuervorteile" bei der Bewertung relevant?
Diese Steuervorteile (TAB) entstehen durch die Einzelbewertung von Vermögenswerten (Asset Deal) und müssen dem Barwert der Cash Flows zugerechnet werden, um den korrekten Fair Value zu ermitteln.
- Arbeit zitieren
- Stefan Kraft (Autor:in), 2011, Der Fair Value in der internationalen Rechnungslegung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187651