Egon Erwin Kisch - ein Sensationsreporter?


Essay, 2010

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Leben von Egon Erwin Kisch

3. Kischs Reportagetheorie

4. Kritik an der Sensationspresse in der Weimarer Republik

5. Objektivität oder Sensationslust bei Kisch?

6. Schluss

7. Quellenverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Essay befasst sich mit dem Reporter Egon Erwin Kisch, der einen großen Teil seiner Arbeit in der Zeit der Weimarer Republik vollbrachte. In dieser Zeit kam dort ebenfalls die Sensationspresse mehr und mehr auf, so dass sich die Frage nach einem Zusammenhang stellt.

Die These des Essays lautet, dass man Kisch als Sensationsreporter bezeichnen kann, der sich nicht an die Objektivität hielt um sensationelle Geschichten zu generieren.

Zuerst wird in diesem Essay kurz das Leben von Egon Erwin Kisch skizziert. Anschließend wird Kischs persönliche Reportagetheorie geschildert, die eine Grundlage seiner Arbeit bildete. Danach wird in einem kurzen Abriss über die Sensationspresse der Weimarer Republik und die zeitgenössische Kritik daran berichtet.

Als nächstes wird der Frage nach Objektivität oder Sensationslust im Werk Kischs nachgegangen.

Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und beantwortet die anfangs aufgeworfene Frage, ob Egon Erwin Kisch ein Sensationsreporter im eigentlichen Sinne war.

2. Leben von Egon Erwin Kisch

Egon Kisch wurde am 29. April 1885 in Prag als zweites Kind des Tuchhändlers Hermann Kisch und seiner Frau Ernestine geboren. Er besuchte zuerst eine Klosterschule und dann die I. deutsche Staatrealschule. 1901 starb sein Vater. Zwei Jahre später machte Kisch sein Abitur. Nachdem er seinen einjährigen Militärdienst abgeleistet hatte ging er 1905 an die Journalistenhochschule Richard Wrede in Berlin. Ein Jahr später trat Egon Kisch, der sich den zweiten Vornahmen als literarisches Pseudonym zulegte, in die Lokalredaktion der „Bohemia“ in Prag ein.

Landesweit bekannt wurde Kisch durch die Affäre um Oberst Redl 1913. Alfred Redl arbeitete im österreichischen Nachrichtendienst und war gleichzeitig russischer Spion. Als sein Doppelleben enttarnt zu werden drohte, verübte er Selbstmord. Die Österreicher versuchten die Spionageaffäre geheim zu halten, Kisch deckte sie allerdings auf und veröffentlichte die Ergebnisse seiner Recherchen.

Direkt nach der Affäre siedelte Egon Erwin Kisch nach Berlin über, wo er bis zu seiner Einberufung direkt nach Beginn des 1. Weltkrieges lebte. Den Krieg erlebte er an der West- und Ostfront, bis er 1917 in das k.u.k. Kriegspressequartier nach Wien abkommandiert wurde. Kisch nahm im Herbst 1918 aktiv an allen wichtigen Ereignissen teil, die am 12. November zum Sturz der Monarchie führten.

Im Folgenden arbeitete Kisch bei der linken Zeitung „Der neue Tag“ und engagierte sich in sozialistischen Kreisen, bis er 1920 nach Prag zurückkehrte und 1921 erneut Berlin aufsuchte. Dort wurde er Berliner Korrespondent der Brünner Zeitung „Lidové noviny“, publizierte allerdings auch in anderen Zeitungen[1] und gab Reportagebände heraus.

Die Reportagen bestanden zum größten Teil aus Berichten von seinen unzähligen Reisen. Von diesen sind vor allem die Besuche in der Sowjetunion 1925, Algerien und Tunesien 1927, ein mehrmonatiger Aufenthalt in den USA 1928-1929 und China 1932 zu nennen. Diese brachten ihm auch den Namen „rasender Reporter“ ein.

Seine politischen Ansichten schlugen sich besonders in der positiven Schilderung der Sowjetunion und der eher negativ gehaltenen Beschreibung Amerikas nieder.

Nach dem Reichstagsbrand wurde er in Spandau interniert. Nach Protesten der tschechoslowakischen Botschaft wurde er aus Deutschland ausgewiesen.

Er verlegte seinen Lebensmittelpunkt nach Paris, von wo aus er zu weiteren Reisen aufbrach. Seine bekannteste Reise führte ihn 1935 nach Australien. Die australischen Behörden wollten ihn aufgrund seiner bekannten sozialistischen Gesinnung nicht einreisen lassen. Er sprang vom Schiff auf die Kaimauer. Dabei brach er sich ein Bein. Nach großen Protesten der linken Öffentlichkeit wurde Kisch schließlich doch aufgenommen.

Zurück in Europa nahm Egon Erwin Kisch 1935 am I. Internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur in Paris teil und zwei Jahre später am II. Internationalen Schriftstellerkongress in Madrid. Dort berichtete er auch als Reporter vom spanischen Bürgerkrieg.

1938 heiratete Kisch in Versaille seine langjährige Freundin Gisela Lyner.

Nach dem Beginn des 2. Weltkriegs flüchtete Kisch aus Frankreich in die USA, wo er nach einigen Tagen des Wartens auf Ellis Island ein Durchreisevisum erhielt. Ab Ende 1940 lebte Kisch, wie viele andere deutsche Emigranten, in Mexiko-Stadt.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs kehrte Kisch Anfang 1946 in seine Heimatstadt Prag zurück. Dort widmete er sich wieder mehr der Politik. Im November 1947 erlitt er seinen ersten Schlaganfall, am 24. März 1948 folgte der zweite. Egon Erwin Kisch starb am 31. März 1948.

3. Kischs Reportagetheorie

1918 tritt in Kischs Arbeiten der Begriff der „Reportage“ zu den vorher verwendeten „Feuilletons“, „Skizzen“, „Studien“ und „Artikeln“.[2] Der Berichtscharakter der Reportage führt zu zwei zentralen Definitionspunkten. Der erste ist die Beschreibung von wirklichen Begebenheiten, die mehr oder weniger exakt sein kann. Dadurch besitzt die Reportage einen spezifischen Wahrheitsgehalt. Sie hat eine relative Wahrheit, wenn sie mit dem gewählten Lebensbereich im Ganzen und in den Details übereinstimmt[3].

Der zweite Definitionspunkt umfasst die Arbeit des Reporters, der als Vermittler des Berichts auftritt und dem von der Leserschaft ein gewisses Vertrauen gegenüber gebracht wird. Dieser tritt aufgrund der geforderten Objektivität hinter die Reportage zurück und benutzt Verallgemeinerungen und Beurteilungen nur in geringem Maße. Trotzdem beinhaltet die Reportage neben dem dokumentarischen Charakter auch einen Ausdruck der „Weltsicht […] eines Autors“[4].

Der Wert einer Reportage hängt ganz besonders von der Wahl und Darstellung eines bestimmten Lebensausschnitts ab. Kisch hebt dies in seinem Werk „Klassischer Journalismus“ besonders am Beispiel von Charles Dickens und Emile Zola hervor. Er wollte mit seinen Reportagen besonders an Zola anschließen und wie dieser das gewöhnliche Leben porträtieren[5].

Weiterhin beeinflusst der Autor durch das besondere Herausheben einzelner Fakten eine Wertung von Wirklichkeit. Bei Kisch war dies besonders der „pointierte Humor“[6]. Durch seine Ironie prägte Kisch die Subjektivität seiner Reportagen, sodass kaum von einer objektiven Berichterstattung gesprochen werden kann.

Kisch äußerte sich zum ersten Mal in dem Aufsatz „Wesen des Reporters“[7] zur Theorie der Reportage. Er sah die Reporter als wichtigste Instanz einer Zeitung, da nur in der Reportage mit dem ursprünglichen Faktenmaterial gearbeitet würde.

Er persönlich fand, dass die Gestaltung von Wahrheit genau so Fantasie erfordere wie andere Gattungen der Literatur. In seinem Aufsatz „Von der Reportage“ beschreibt er seine Arbeit, die ihm nur Gestaltungsmöglichkeiten auf dem „schmale[n] Steg zwischen Tatsache und Tatsache“[8] ließe. Neben der Tatsachenerforschung sei also für einen Reporter auch fantasievolles Arbeiten notwendig. Allerdings bleibt festzuhalten, dass bei Kisch der ästhetische Aspekt häufig den formalen dominierte[9].

Somit wird Kischs „Anspruch auf Objektivität und Wahrheit problematisch“[10], da sein Begriff von Objektivität sehr schwammig gehalten ist.

Im Vorwort für die erste Aufgabe seines weltberühmten Werkes „Der rasende Reporter“, das 1924 erschien, beschreibt Kisch sein journalistisches Selbstverständnis. Seine Maxime wird im folgenden Zitat deutlich:

[...]


[1] In der AIZ (1926 – 1931), in der Arbeiterstimme (1927 – 1932), in der Frankfurter Zeitung (1926 – 1932), in der Literarischen Welt (1926 – 1930), in Das Neue Rußland (1926 – 1932), im Prager Tagblatt (1919 – 1932), in der Roten Fahne in Berlin (1926 – 1932), in der Welt am Abend (1925 – 1932), in der Weltbühne (1928 – 1930) etc.

[2] Vgl. Schlenstedt, Dieter, Schriftsteller der Gegenwart. Egon Erwin Kisch, Berlin (Ost) 1970, S. 62.

[3] Vgl. ebenda, S. 65.

[4], Ebenda, S. 66.

[5] Vgl., Schlenstedt, Schriftsteller, S. 64.

[6] Ebenda, S. 67.

[7] erschienen in: Das literarische Echo, Berlin 20. Jg., Heft 8, 15. Januar 1918, S. 437 – 440.

[8] Kisch, Egon Erwin, Von der Reportage, in: derselbe, Marktplatz der Sensationen, Berlin/Weimar 19794, S. 292.

[9] Vgl. Walter, Hans-Albert, Ein Reporter, der keiner war. Rede über Egon Erwin Kisch, Stuttgart 1988, S.10.

[10] Leiwes, Heike, Kehrichtsammler der Tatsachenwelt?. Egon Erwin Kisch auf dem Weg zur literarischen Reportage, Bielefeld 1990, S. 45.

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Details

Titel
Egon Erwin Kisch - ein Sensationsreporter?
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V187679
ISBN (eBook)
9783656112082
ISBN (Buch)
9783656111856
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kisch, Reporter, rasender, Weimarer Republik, Sensation, Sensationsreporter, Theorie, Reportagetheorie, Skandal, Sensationspresse, Presse
Arbeit zitieren
Fabian Hartl (Autor), 2010, Egon Erwin Kisch - ein Sensationsreporter?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187679

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