Welche Motivation steht hinter dem Erstkontakt mit Tabak von Kindern und Jugendlichen?


Hausarbeit, 2011

10 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Risikoverhalten und Einstiegsprozesse

3. Einstiegsmotivation
3.1 Operante Konditionierug
3.2 Modell-Lernen
3.3 Die Gesellschaft als begünstigender Faktor

4. Genetische Prädisposition

5. Ausblick: Präventive Maßnahmen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Konsum von Tabak ist vielmehr ein soziales Phänomen, denn eine Sucht, so scheint es. Interessant ist hierbei, dass der Erstkontakt mit Tabak zumeist in der Adoleszenz stattfindet. Seit das „Rauchen“ Einzug in alle gesellschaftlichen Schichten gefunden hat, ist gesundheitsrelevantes Risikoverhalten von Kindern und Jugendlichen zu einem bedeutsamen Zielgebiet präventiver Gesundheitsförderung und -erziehung geworden.

Daher möchte ich mich im folgenden mit der Motivation zum ersten Griff zur Zigarette von Kindern und Jugendlichen beschäftigen.

Diese Fragestellung ist in jener Weise wichtig, als dass es für ein umfassendes Störungsmodell der Tabakabhängigkeit unerlässlich ist zu klären, warum eine Person zum Raucher wird oder auch nicht. Hieraus ließen sich dann im besten Fall das Rational der Behandlung sowie präventive Ansätze ableiten (vgl. Kröger/Lohmann, 2007, S. 19).

2. Risikoverhalten und Einstiegsprozesse

Der Begriff „gesundheitsgefährdendes Risikoverhalten“ ist in den letzten Jahrzehnten zu einem Schlagwort präventivmedizinischen Sprachgebrauchs geworden. Unter diesem Begriff finden sich alle Handlungsmuster die je nach Grad der Ausübung, Dauer und wechselseitiger Beeinflussung zu sogenannten Risikofakten beitragen, welche eine grundlegende Rolle bei chronisch-degenerativen Erkrankungen spielen (vgl. Franzkowiak, 1986, S. 4). Oftmals geht ein bewusst ausgeübtes Risikoverhalten mit einem hohen Maß an Bedeutungs- und Funktionseigenschaften einher (vgl. Franzkowiak, 1986, S. 8). Zur Entwicklung präventiver Modelle ist daher eine detaillierte Analyse von Einstiegsprozessen und begünstigenden Faktoren in einer jeweiligen Zielgruppe unerlässlich.

Die Notwendigkeit einer Einführung erfolgversprechenderer Modelle als der bisherigen Anti-Raucher-Kampagnen wird bei dem Anstieg von jugendlichen Rauchern deutlich. Zwar sank die Raucherquote bei Kindern und Jugendlichen laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) in den letzten 30 Jahren auf ein neuen Tiefstand von 18% im Jahr 2007 (vgl. Lux/Walter, 2009, S. 178). Jedoch ist zu vermerken, dass sich neben einem erneuten Anstieg in den 90er Jahren um 5,8% bei männlichen Jugendlichen und 4,1% bei weiblichen Jugendlichen (vgl. Batra/Buchkremer, 2004, S. 16) besonders das Alter jugendlicher Raucher herabsenkt. Wo derart hohe Zahlen einst nur bei jungen Erwachsenen zu finden waren, erreicht heute die Gruppe der 17-Jährigen Mädchen eine Raucherquote von 42,0%, bei den Jungen 43,1% (vgl. Lampert, 2008, S. 265-271).

3. Einstiegsmotivation

Beim Einstieg in das Rauchen zwischen dem 11. und 18. Lebensjahr gelten vielfältige psychosoziale Aspekte als Auslöser.

Bei einer umfassenden Analyse finden wir u.a. ethnische Zugehörigkeit, Familienstruktur, Einstellung und Rauchverhalten von Eltern, Geschwistern und Freunden, schulische Aspekte, den Lebensstil sowie sozialökonomische Faktoren und das Erleben von Stress, Depressivität und Selbstwertproblematiken (vgl. Dohnke/Keller, 2009, S. 213).

3.1 Operante Konditionierug

Ein Erklärungsansatz ist das operante Lernen, hier spielt die positive soziale Verstärkung und negative Verstärkung eine wichtige Rolle dabei ein bestimmtes Verhalten weiterhin zu zeigen und es ggf. zu verfestigen, während negative Konsequenzen das Verhalten schwächen.

Anerkennung, positive Wertschätzung durch Gleichaltrige und das Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe wirken als positive soziale Verstärker. Das Einhalten von Gruppennormen und das Praktizieren von Ritualen (in diesem Fall das Rauchen) intensiviert das Gruppenzugehörigkeitsgefühl. Auch die Assoziation des Konsums mit einem bestimmten Lebensgefühl und das Auftreten von als angenehm erlebten pharmakologischen Effekten von Tabak dienen als positive Verstärker. Daneben wirkt negative Verstärkung, das Ausbleiben negativer Konsequenzen durch den Konsum, wie Stressreduktion oder der Wegfall von Entzugssymptomen.

Insbesondere Jugendliche bei denen sich noch keine gesundheitlichen Einschränkungen aufgrund einer langen Racherkarriere manifestiert haben, erleben die verstärkenden Faktoren intensiver als eventuelle negative Konsequenzen die aus der Verhaltensweise Rauchen hervor gehen (vgl. Sieder/Angst, 1981, S. 30-31).

3.2 Modell-Lernen

Neben dem Zugehörigkeitsgefühl zur Peergruppe, dem Abgrenzen gegenüber Normen und Regeln der Erwachsenenwelt und Neugierde geht es hierbei auch um die Identitätsentwicklung. Durch das Rauchen kann eine Identifikation mit positiven rauchenden Modellen stattfinden, was insbesondere bei dem in der Pubertät oft schwankenden Selbstwertgefühl und der Entwicklung des eigenen Selbstkonzeptes attraktiv scheint (vgl. Kröger/Lohmann, 2007, S. 14-21). Modellernen oder auch Beobachtungslernen genannt ist für das Aneignen von einer Vielzahl sozialer Verhaltensweisen ausschlaggebend. Zudem wirkt es nicht als Entweder-oder-Prinzip, sondern kann eine Prädisposition noch verstärken. Beispielsweise können wir bei Kindern rauchender Eltern neben den biologischen Determinationen auch von dem Faktor des Modell-Lernens ausgehen (vgl. Sieder/Angst, 1981, S. 30). Kinder beobachten relevante Bezugspersonen, welche in den meisten Fällen die Eltern sind. Es entstehen bestimmte Erwartungen und Vorstellungen bezüglich der beobachteten Verhaltensweise (beispielsweise dass Rauchen entspannt). Zudem imitieren sie ihre Verhaltensweisen, wie den Bewegungsablauf des Rauchens mit einem Stift. Für den tatsächlichen Raucheinstieg ist die Peergruppe bedeutsam. Mit der Pubertät kommen die Jugendlichen in eine Entwicklungsphase in welcher die Eltern als Modell zunehmend von Gleichaltrigen oder älteren Jugendlichen abgelöst werden. Die erste Zigarette rauchen die meisten Kinder und Jugendlichen im Beisein von Gleichaltrigen oder Geschwistern. Rauchen die meisten Mitglieder der Peergruppe, so bekommt das Rauchen ein positives Image und erscheint als attraktives Verhalten. Es entstehen Erwartungen bezüglich positiver emotionaler und sozialer Konsequenzen beim noch nicht rauchenden Beobachter. Das Rauchen wir hier nicht als Sucht oder Suchtmittelkonsum wahrgenommen, sondern es repräsentiert funktional das „Dazugehören“ zur Gruppe, Autonomie und Erwachsenwerden. Begünstigt wird der Gruppendruck durch eine geringe Selbstwirksamkeit bzw. Kompetenzeinschätzung (vgl. Dohnke/Keller, 2009, S. 123-124).

3.3 Die Gesellschaft als begünstigender Faktor

Ein weiterer Faktor welcher den Einstieg in das Rauchen von Kindern und Jugendlichen erklären soll, greift in ein kaum abänderliches Phänomen. Nämlich in den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang unserer westlichen Welt. So ließ sich aufzeigen, dass das Konsumverhalten bezüglich Tabaks in Gesellschaften in denen dieses nicht dem Erwachsenenstatus gleichgesetzt wird gänzlich anders verläuft.

Es gibt Ansätze die darauf hindeuten, dass das Rauchen in einer Phase der Jugend weniger eine Abgrenzung gegenüber Normen und Regeln der Erwachsenenwelt ist, als vielmehr ein Stadium in welchem der Jugendliche das Erwachsenwerden anstrebt. Und dass die Eigenart dieses Anstreben durch Rituale wie dem des Rauchens Ausdruck zu verleihen maßgeblich von dem Rauchverhalten erwachsener Personen und dem gesellschaftlichen Bild vom Rauchen abhängt (cgl. Sieder/Angst, 1981, S. 29).

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Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Welche Motivation steht hinter dem Erstkontakt mit Tabak von Kindern und Jugendlichen?
Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel
Veranstaltung
Klinische Sozialarbeit in der Suchtkrankenhilfe
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
10
Katalognummer
V187721
ISBN (eBook)
9783656112907
ISBN (Buch)
9783656113324
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
welche, motivation, erstkontakt, tabak, kindern, jugendlichen
Arbeit zitieren
Britt Fender (Autor), 2011, Welche Motivation steht hinter dem Erstkontakt mit Tabak von Kindern und Jugendlichen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187721

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