The Tramp - Imagewandel bei Charlie Chaplin


Hausarbeit, 2011
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Image- und Charakterbegriff bei Richard Dyer

Chaplins Tramp

Vorstellung zweier Chaplinfilme
The Tramp und dessen Charakterzeichnung
Der Tramp in „Moderne(n) Zeiten“

Wandel des Image und Nachwort

Quellen

Vorwort

Denkt man an die Stummfilmzeit, als alles noch Schwarzweiß war und niemand nur ein Wort gesprochen hatte, denkt man auch an einen der größten Slapstick-Schauspieler dieser Zeit. Charlie Chaplin (*16.04.1889 in London, †25.12.1977 in Vevey) ist, neben Buster Keaton, Stan Laurel und Oliver Hardy, wohl der größte Vertreter des frühen Films. Filme wie The Vagabond, The Kid, Modern Times und The Great Dictator[1] machten ihn zu dem größten Star anfangs des 20. Jahrhunderts. Der in England geborene Charles Spencer Chaplin startete seine Karriere als Filmschauspieler bei der Keystone Film Company in den USA und wie viele seiner Schauspielkollegen war er bei einer Firma angestellt und litt unter deren Verträge, sodass er 1919 zusammen mit Mary Pickford, Douglas Fairbanks und D. W. Griffith die unabhängige Produktionsfirma United Artists gründete[2].

Grund für diesen Erfolg war sein Image des Tramps, den er in fast jedem seiner Filme verkörperte und dessen Spezifik im Rahmen dieser Hausarbeit näher untersucht wird. Dabei soll vor allem geklärt werden, wie sich das Image des Tramps im Laufe der Zeit und mit dem Wechsel zu unterschiedlichen Filmfirmen veränderte.

Dafür möchte ich zunächst den Begriff des „star as image“ und des „star as character“ nach Richard Dyer definieren und kurz eine Charakterisierung des Trampimage Chaplins skizzieren. Anhand zweier Filme, die zeitlich weit auseinander liegen, soll das Bild des Landstreichers dann nochmal verdeutlicht und die Unterschiede der Figur herausgestellt werden.

Image- und Charakterbegriff bei Richard Dyer

Nach Richard Dyer sind Stars Images, das bedeutet sie sind nur Zeichenkonstrukte, die nicht mit den realen Personen übereinstimmen. Sie sind immer komplex, multimedial und intertextuell. Dazu gehören nicht nur die Filme, sondern auch die Vermarktung der Person und des Films selbst, aber auch alles, was zu dem jeweiligen Star berichtet wird.[3]

Eine Grundlage zur Klärung des Begriffs Image ist die Art und Weise, wie ein Starimage hergestellt wird. Stars werden vor allem von den Medienfabriken hergestellt, diese, wie auch Hollywood, haben nicht nur Einfluss auf die Produktion von Filmen, sondern auch auf alle dabei entstehenden Nebenprodukten wie Glamourfotografien, Fanclubs und Pressemitteilungen[4].

Zur Imagebildung gehört auch das Publikum. Dieses kann zwar keine Images herstellen, jedoch kann es aus der Vielfalt der gebotenen Zeichenkonstrukte dasjenige auswählen, das am besten zu ihrer Vorstellung passt.[5] Was rückwirkend die Produzenten anspricht. Schließlich sind Stars dazu gemacht Profit aus dem, was sie produzieren zu schlagen. Sie sind sozusagen Werbung für ihren Film. Ihre Präsenz in Filmen verspricht dem Rezipienten eine gewisse Erwartung an den Film, sie sind dem Publikum bereits bekannt und spiegeln somit eine Vertrautheit vor.[6]

Das Starimage besteht aus dem Konstrukt, was wir uns, aus dem was die Filmrolle und das öffentliche Auftreten uns anbieten, vorstellen und aus dem Bild, das die „Imagefabriken“ uns vom jeweiligen Star vormachen. Jedes dieser Konstrukte ist in sich komplex und widersprüchlich.[7] Sie sind also mehrdeutig und ermöglichen den Rezipienten sich selektiv und aktiv damit auseinanderzusetzen. Jedoch sind Images nicht unstrukturiert, sie werden in Gegensätzlichkeiten wie privat/ öffentlich, individuell/sozial und authentisch/konstruiert ausgedrückt[8].

Da ich in meiner Hausarbeit auf das intertextuelle Image eingehen möchte ist es also nötig den Charakterbegriff Dyers zu definieren.

„ In films, stars play characters, that is, constructed represenattions of person. (…) characters are not real people, that they are an effect of the text constructions, critics and theorists have not proceeded to an examination of how this effect, so widely known and understood, is achieved, and just what the rules of construction are”[9]

Richard Dyer geht davon aus, dass alle fiktionalen Charaktere, sei es im Film oder in der Literatur, die Geschichte vorantreiben.

Dem literarischen Charakter schreibt er folgende Züge zu: Besonderheit, Teilnahme, Autonomie, Rundheit, Entwicklung, geistiges Innenleben, Motivation, eigenständige Persönlichkeit und Be- schaffenheit[10].

Da Starimages in einem gewissen Kontext von den Medienpersönlichkeiten entwickelt werden, können ihnen ebenfalls die Charakterzüge einer literarischen Figur zugeschrieben werden. Diese besitzt in der Regel zur Identifikation sowohl die sozialtypischen Merkmale, wie auch eine Ausführung von Spezifikum hinsichtlich seines Charakters.[11]

Dyer erwähnt ebenfalls, den Wandel des Roman-Charakters:

„(…) changes in character are hard to handle in this form since they and milieu, rather than plot, are the form’s anchors. Because stars are always appearing in different stories and set- tings, they must stay broadly the same in order to permit recognition and identification.”[12]

Einige dieser Eigenschaften können ebenfalls einem filmischen Charakter zugeschrieben werden. Personen in Filmen erscheinen in bestimmten Situationen mit besonderen Problemen, die Kons- truktion dieser Begebenheiten soll für den Zuschauer jedoch nicht erkennbar sein. Das geistige Innenleben und die eigenständige Persönlichkeit, die die Bausteine für eine Konstruktion einer Filmfigur sind, sollen schwer festzustellen sein, obwohl sie oft außergewöhnlich und offensicht- lich dargestellt werden. Sie sind besonders wichtig für die Narration in einem Film.[13] Nach Leo Braudy sollte der Film selbst die novellistische Absicht einer Figur konstruieren, indem er ihr zeigt, wie sie sich zu entwickeln hat.[14]

Für den Rezipienten sollten folgende Punkte das Erkennen der Konstruktion eines Charakters ermöglichen: Vorwissen der Zuschauer, Name, Erscheinung, die Rede einer Figur, sowie die an- derer Nebenfiguren, Gestik, Handlung, Struktur und mise en scène[15]. Diese Bausteine werden in der noch folgenden Analyse zweier Chaplinfilme aufgegriffen und anhand dieser Beispiele näher erklärt.

Chaplins Tramp

Der Current Opinion veröffentlichte im August 1914 einen Artikel über die Entstehung der Figur des Tramps. Darin wird beschrieben, wie Mack Sennett[16] Charlie Chaplin aufforderte etwas zu improvi- sieren. „Er zog sich viel zu große Schuhe an, schäbige weite Hosen, ein zu enges Jackett, einen klei- nen Derbyhut und klebte ein falsches Bärtchen unter die Nase.“[17] Ein Stock ergänzte das äußerliche Bild des Tramps. Der Charakter wird von Chaplin selbst wie folgt erklärt:

„Ein Tramp, ein Gentleman, ein Poet, ein Träumer, ein einsamer Kerl, stets auf der Suche nach Liebe und Abenteuer. Aber natürlich ist er sich auch nicht zu gut, sich nach Zigarettenkippen zu bücken und kleinen Kindern die Bonbons zu klauen. Und wenn es die Situation erfordert, wird er auch einer Dame in den Hintern treten.“[18]

Mack Sennett beschrieb die Vorführung wie folgt: „Er konnte fallen, stolpern, stürzen, Purzelbäume schlagen, Hiebe austeilen und Gesichter schneiden. Das waren die typischen Versatzstücke, die wir benutzen konnten.“[19]

Später erklärte Charlie seine Figur genauer. Der markante Lippenbart soll ein Kennzeichen der Eitelkeit des Tramps darstellen und die Kleidung eine Karikatur für Exzentrik, Torheit und Geschmacklosigkeit. Der Stock, der in vielen Situationen ein Eigenleben zu haben scheint, ist ebenfalls sehr charakterisierend für die Figur, denn er gab ihm die Eigenschaft eines Clowns, der bemüht ist eine gewisse Würde auszustrahlen.[20]

Die Zeiten des Tramps näherten sich dem Ende, je näher der Tonfilm kam. Pantomime waren jetzt nicht mehr gefragt und somit auch nicht mehr der einsame Landstreicher. Charlie Chaplin selbst kommentierte das Aufkommen des Tonfilms: „Die Stimme finde ich überflüssig. Sie ist künstlerisch ebenso störend wie die Farbe auf einer Statue. (…) Wenn schon Ton - dann kann man auch gleich Theater machen. Der Phantasie bleibt nichts übrig.“[21]

Vorstellung zweier Chaplin Filme

„The Tramp“ und dessen Charakterzeichnung

Wie bereits im Kapitel „Image- und Charakterbegriff bei Richard Dyer“ erwähnt, gehören bestimmte Aspekte zu einer Charakterzeichnung. In diesem und folgendem Kapitel sollen jene jeweils an einem Film verdeutlicht werden.

In The Tramp geht es um, wie der Titel bereits andeutet, den Tramp, der bei einem Farmer und seiner Tochter eine Anstellung findet und selbige zweimal vor einem schweren Schaden bewahrt.

[...]


[1] vgl. http://www.imdb.com/name/nm0000122/ [23. Aug. 2011; 12:30 Uhr]

[2] vgl. Bernhard Matt. München 1993. S.28

[3] vgl. Richard Dyer. London 1986. S. 2 f.

[4] vgl. Ebd. S. 4

[5] vgl. Richard Dyer. London 1986.. S. 4

[6] vgl. Ebd. S. 5

[7] vgl. Ebd. S. 7

[8] vgl. Ebd. S. 13

[9] Richard Dyer. London 1987. S. 89

[10] vgl. Ebd. S. 92

[11] vgl. Ebd. S. 97

[12] Ebd. S. 98

[13] vlg. Ebd. S. 100

[14] vgl. Ebd. S. 101

[15] vgl. Ebd. S. 107

[16] Regisseur und Freund Chaplins

[17] Bernhard Matt. München 1993, S. 21.

[18] Ebd.

[19] Stephan Weissmann. Berlin 2009. S. 235.

[20] vgl. Friedrich Luft. Berlin 1957. S. 15 f.

[21] Ebd. S. 17

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
The Tramp - Imagewandel bei Charlie Chaplin
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Medienwissenschaft - Theorie, Geschichte und Analyse des Stars
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V187722
ISBN (eBook)
9783656114680
ISBN (Buch)
9783656114444
Dateigröße
1222 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tramp, imagewandel, charlie, chaplin
Arbeit zitieren
Phuong Anh Phi (Autor), 2011, The Tramp - Imagewandel bei Charlie Chaplin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187722

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