Die Mühsal mit der Kommunikation auf den Punkt gebracht

Das Wesentliche von Schulz von Thun und seinen Vorgängern für den Praxisgebrauch


Studienarbeit, 2004

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einstieg

2. Einleitung

3. Das Bühlersche Organon-Modell der Sprache
3.a Karl Bühler - ein kurzes Porträt
3.b Die Vorgänger - Platon, de Saussure, Wundt, Husserl
3.c „Dreifach ist die Leistung der menschlichen Sprache ..." Bühler 1978, S. 28) - Darstellung des Organon-Modells
1. Darstellungsfunktion
2. Appellfunktion
3. Ausdrucksfunktion
3.d Kritik des Organon-Model

4. Das 2.e Axiom von Paul Watzlawick: Inhalts- und Beziehungsaspekt

5. Das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun
5.a Schulz von Thun - kurze Vorstellung
5.b Darstellung des Kommunikationsmodells
- Grundlagen: Ableitungen, Begriffe, Definitionen
- Die vier Seiten der Nachricht
- Beispiel einer Nachricht-Analyse
- Der „vierohrige" Empfänger
- Gesendete und empfangene Nachricht
5.c Kritik des Kommunikationsmodells von Schulz von Thuns

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

1. Einstieg: Nach dem Modell von Schulz von Thun

Gespräch 1: Der Mann spricht auf der Offenbarungsworte, die Frau hört auf dem Appell Ohr.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gespräch 2: Zwei Frauen unterhalten sich scheinbar über einen Sachverhalt, in Wirklichkeit "tobt" eine "Beziehungsschlacht" zwischen den beiden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Einleitung

Das Wort Kommunikation gehört zu den 100 Wörtern, die das 20. Jahrhundert geprägt haben - so entschied 1999 eine prominente Jury aus allen Bereichen des öffentlichen Le­bens in Deutschland. Wir leben in einer „Kommunikationsgesellschaft", eine neue Wis­senschaft - die allgemeine Kommunikationswissenschaft - ist entstanden. In diesem Gei­ste des Jahrhunderts wurden auch in Deutschland und vor allem in den USA mehrere unterschiedliche Kommunikationsmodelle entwickelt. Das im deutschsprachigen Raum am weitesten verbreitete Kommunikationsmodell von Schulz von Thun wird in dieser Arbeit vorgestellt. Diese Forschung gehört zu einem ebenso noch jungen Wissenschafts­bereich: der Kommunikationspsychologie. Unter den Büchern mit dem Titel Kommuni­kationspsychologie findet man aber auch Darstellungen von Techniken zwecks möglichst erfolgreicher Vermittlung von Werbebotschaften. Die eine Kommunikationspsychologie wird als Klärungshilfe, die andere als Manipulierungshilfe verstanden und betrieben. Die­ses Beispiel zeigt, dass sich hinter dem Schlagwort Kommunikation viele verschiedene Inhalte und Bedeutungen verbergen. Tatsächlich ist die „Kommunikation" eine Schnitt­stelle von mehreren Forschungsbereichen: von Psychologie, Soziologie und Pädagogik bis zu mehreren technischen Wissenschaften (z. B. Nachrichtenübertragung); und für viele Ereignisse des öffentlichen Lebens: von einem Gespräch bis zu den Medien (Gestaltung und Wirkung), vom Internet bis zu Kommunikationssatelliten.

Auch innerhalb der Psychologie gibt es keine Einigkeit über die Definition von Kommu­nikation, da sich hier auch mehrere Disziplinen mit dem Phänomen beschäftigen: u.a. Sozialpsychologie (Medien-Forschung), A&O Psychologie (Komm. in Institutionen), Ökologische Psychologie (Distanzverhalten, Crowding), Pädagogische Psychologie (Unterricht), Klinische Psychologie (Komm.-Störungen), Psychologie sozialer Prozesse (Komm. in Gruppen und Zweierbeziehungen bzw. Dyaden). Die kommunikative For­schung wie auch der kommunikative Alltag haben viele Facetten; daher gibt es eine Menge von Definitionen, die unterschiedliche Aspekte in den Vordergrund stellen. In dieser Arbeit verstehe ich nach Wolfgang Frindte (2001, S. 17), dass Kommunikation ein sozialer Prozess ist, „in dessen Verlauf sich die beteiligten Personen wechsel­ seitig zur Konstruktion vor Wirklichkeit anregen". Auch in diesem Sinne wird bei Auwärter/Kirsch/Schröter (1976, S. 7) betont, dass Kommunikation "Austausch von Information über selektive Ereignisse" ist. Diese aktive, formende und selektierende bzw. „konstruierende" Rolle von Sender wie auch von Empfänger tritt meiner Meinung nach deutlich in den beiden in dieser Arbeit vorgestellten Modellen zu Tage, wie wir später sehen werden.

In der Tat haben schon Wissenschaftler des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts den Weg zu dieser „Kommunikationsrevolution" bereitet. Vor allem der Ursprung der Sprache, wie auch Sprache und Psychologie, worunter üblicherweise Beziehung von Sprache und Denken gemeint war, waren damals die Gegenstände intensiver For­schungsbemühungen. Besonders Wissenschaftsdisziplinen wie Psychologie und Lingui­stik haben sich mit dem Thema beschäftigt, aber auch Philosophen wie z.B. Fritz Mauthner, der der Hauptvertreter der „ ...extremen Sprachkritiker des linguistischen Skep­tizismus und Pessimismus" (Kainz 1967, S. 10) war. Mauthner behauptete, dass Sprache das Denken oft in die Irre führt, und dass Denken besser mit mathematisch-physikalischen Symbolsystemen bewältigt wird (Mauthner 1982, S. 203 f). Für den Philosophen war Sprache ein „leeres Abstraktum" (Mauthner 1982, S. II), welches er an einer ande­ren Stelle so erklärt: „ ... «die Sprache» gibt es nicht; das Wort ist ein so blasses Abstrak­tum, das ihm kaum mehr etwas Wirkliches entspricht," (Mauthner 1982, S. 4). Als et­was, das nur „in der Luft" (Mauthner 1982, S. 20) existiert, ist es nicht möglich, Spra­che zu strukturieren und „übersichtlich hinzustellen" (Mauthner 1982, S. 2l). Den Ge­genbeweis lieferte Bühler mit seiner „Sprachtheorie", in der er u.a. sein Organon-Modell der Sprache vorstellte, wodurch er den Grundstein für die heutigen Kommunikations­modelle, unter anderen auch für das von Schulz von Thun, gelegt hat.

3. Das Bühlersche Organon-Modell der Sprache

In dem 1934 erschienenen Werk „Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache" hat Karl Bühler sein Organon-Modell der Sprache vorgestellt (Bühler, 1978). Obwohl das Modell keine praktische Bedeutung mehr hat, hat es seine Richtigkeit im Kern bis heute behalten. Das Modell von Schulz von Thun ist tatsächlich eine Weiterentwicklung, die das ursprüngliche Modell verfeinert und differenziert hat. Daher ist es interessant, kurz zu sehen, welches Profil der Wissenschaftler hatte, der sich vor über 40 Jahren mit dem gleichen bzw. ähnlichen Thema befasst und den Boden für die heutige Entwicklung vor­bereitet hat.

3. a Karl Bühler - ein kurzes Porträt

Karl Bühler war anfänglich Mediziner; erst im Laufe seines wissenschaftlichen Lebens entwickelte er sich zum Psychologen und Philosophen (Lück/Miller/Sewz-Vosshenrich 2000, S. 156). Er war daher kein klassischer Sprach- oder Kommunikationspsychologe im heutigen Sinne. In seinem heute wohl bekanntesten o.g. Werk, der 1934 erschienenen „Sprachtheorie", findet der heutige Leser insgesamt viel mehr Anknüpfungspunkte zur Linguistik als zur Kommunikationspsychologie. Nichtsdestoweniger ist seine „Handschrift" im Kommunikationsmodell von Schulz von Thun deutlich zu erken­nen.

Karl Bühler wurde 1879 in Meckesheim bei Heidelberg geboren und starb 84-jährig (1963) in Los Angeles, USA, wohin er während des zweiten Weltkrieges auf Umwegen über Norwegen und England emigrierte. Er studierte Medizin und promovierte 1903 zum Doktor der Medizin Später wurde er Assistent von Oswald Külpe in Würzburg und be­schäftigte sich mit der Psychologie der Denkvorgänge, womit er auch 1907 habilitierte. Seine anderen Werke neben dem o.g., die bekannt wurden, sind sein 1918 erschienenes Buch „Die geistige Entwicklung des Kindes" und das 1927 veröffentlichte „Die Krise der Psychologie". Das letzte Werk erschien während seiner „Wiener Jahre", die als die fruchtbarste Zeit in seinem Leben als Wissenschaftler gelten. Karl Bühler war als Pro­fessor für Psychologie und auch gleichzeitig Direktor des „Psychologischen Institutes" 16 Jahre lang in Wien tätig (Lück/Miller/Sewz-Vosshenrich 2000, S. 156-157).

Bekannt wurde auch die Ehefrau von Karl Bühler, die Berlinerin Charlotte Bühler, die er 1916 heiratete. Ein Anfänger kann durch die Initialen C. Bühler und K. Bühler schon mal verwirrt werden, zumal Charlotte Bühler ebenfalls Psychologin war und in Wien, wohin sie mit ihrem Mann zog, auch wissenschaftlich tätig war. Sie wurde dort 1929 zum außerordentlichen Professor ernannt (Lück 2002, S. 144 f).

Das Organon-Modell hatte Bühler in psychologischen Kreisen bekannt gemacht. Man darf aber nicht vergessen, dass er auf der zeitgenössischen Sprachforschung aufbauen konnte, die an wissenschaftlichen Beiträgen zum Wesen der Sprache wie auch an vielen, teilweise kontroversen Richtungen reich war. Er erwähnt mehrere Kollegen und setzt sich mit ihnen auseinander und beruft sich auch auf die ganz frühen „Vorgänger"; einige von denen werden nachfolgend kurz erwähnt.

3. b Die Vorgänger - Platon, de Saussure, Wundt, Husserl

Von Platon leitet Bühler den Namen seines Sprachmodells ab - „Organon". Platon hat in seinem Kralylos den Gedanken geäußert, dass die Sprache ein Werkzeug, (ein Instru­ment), griechisch „Organum" ist, ein Hilfsmittel, das Menschen benutzen, um sich mitzuteilen (Bühler 1978, S. 24). Dies ist auch der Kerngedanke Bühlers, er möchte jedoch zudem untersuchen, wie dieses Werkzeug beschaffen ist.

Einige damalige Wissenschaftler, die auch in seinem Werk namentlich erwähnt werden, haben Bühler einzelne Grundsteine für sein Organon-Modell geliefert: Unter anderen Ferdinand de Saussures und sein Zeichenmodell (Bühler 1978, S. 6 f), der Begriff spielt auch bei Bühler eine zentrale Rolle; weiter der Nestor der deutschen Psychologie Wil­helm Wundt, mit dem Bühler eine heftige methodische Kontroverse hatte, was auch hier zu merken ist (Bühler 1978, S 10), trotzdem wird die Arbeit Wundt's gewürdigt und seine Termini „Schallnachahmungen" und „Lautbilder" finden als Ableitung in das Orga­non-Modell Eingang (Bühler 1978, S. 108 f); schließlich Husserl, mit dessen „Modell der Sprache" und dem späteren „Modell der Menschensprache" sich Bühler ausgiebig in sei­nem Werk auseinandersetzt (Bühler 1978, S. 227 ; S.291 f).

Bühler unterscheidet sich jedoch in einem wesentlichen Punkt von seinen Kollegen und Vorgängern. Seine „Sprachtheorie" ist tatsächlich ein Versuch, die Sprachforschung neu zu begründen, indem er den Schwerpunkt nicht wie althergebracht auf den Ursprung der Sprache (historischer Ansatz), sondern auf das Wesen und die Funktion der Sprache in der Gesellschaft (Sprache als ein soziales Phänomen) legt. Dieses Bemühen kommt in dem Organon-Modell klar zum Ausdruck.

3. c „Dreifach ist die Leistung der menschlichen

Sprache ...“ - Darstellung des Organon-Modells

„Dreifach ist die Leistung der menschlichen Sprache: Kundgabe, Auslösung und Darstellung." - hat Bühler erstmals in seiner Arbeit über den Satz im Jahre 1918 geschrieben. Diese Formulierung wiederholt er 1934 in seiner „Sprachtheorie" und fügt hinzu: „Heute bevorzuge ich die Termini: Ausdruck, Appell und Darstellung..." (Bühler 1978, S. 28). Dies ist im Kern das Bühlersche Organon-Modell, das die Funktionen der Sprache be­schreibt und illustriert. Die einzelnen Funktionen werden unten vorgestellt, in etwas an­derer Reihenfolge: 1. Darstellung, 2. Appell, 3. Ausdruck, da man sie auf diese Weise entsprechend mit den grafischen Darstellungen Bühlers illustrieren kann, vor dem grundlegend einfachsten bis zu dem kompletten Modell.

1. Darstellungsfunktion.

Den Terminus hält Friedrich Kainz für undeutlich und be­zeichnet diese Funktion, seiner Meinung nach treffender, als Bericht, Verständigung, Information oder der informierende Bericht (Kainz 1967, S. 176). Hier ist also ein Sachverhalt bzw. eine Beschreibung der uns umgebenden „Dinge" gemeint, die mittels der Sprache von dem Einen dem Anderen mitgeteilt werden (siehe unten).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Bühler, 1978, S.25)

2. Appellfunktion

(Von Bühler früher als Auslösung bezeichnet). Appell wendet sich an den Empfänger, um ihn zu einer bestimmten Handlung bzw. zu einem bestimmten Ver­halten zu bewegen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass Bühler den Sender wie auch den Empfänger als weitgehend autonome psychophysische Systeme betrachtet, die als Sender „Formungsstationen" und als Empfänger „Selektoren" sind. Dies bezeichnet Bühler als das Prinzip der „abstraktiven Relevanz" und „apperzeptiven Ergänzung", was an die aktive, formende Rolle der Sender wie auch die keineswegs passive Rolle der Empfänger hinweist (siehe unten ).

[...]

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Details

Titel
Die Mühsal mit der Kommunikation auf den Punkt gebracht
Untertitel
Das Wesentliche von Schulz von Thun und seinen Vorgängern für den Praxisgebrauch
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Fachbereich Kultur -und Sozialwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V187727
ISBN (eBook)
9783656112891
ISBN (Buch)
9783656113317
Dateigröße
842 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Soziale Verhaltenswissenschaften
Schlagworte
Kommunikationsmodell von Schulz von Thun, Kommunikation
Arbeit zitieren
Magister der Philologie (PL) Kristina Bornemann (Autor), 2004, Die Mühsal mit der Kommunikation auf den Punkt gebracht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187727

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