Die Aufklärer des 17. und 18. Jahrhunderts glaubten, dass man nur alle Menschen aufklären müsse, um eine ideale Gesellschaft schaffen zu können. Diese „Vision“ der Aufklärung erwies sich viel komplizierter, als sie sich es vorstellen konnten. In einem Gespräch, 20 Jahre nach dem Erscheinen seines bekannt gewordenen Buches, zieht Schulz von Thun Bilanz. „Wir glaubten zu wissen, wie gute Kommunikation aussieht und wie man sie den Leuten beibringt. Aber wir waren auf dem Holzweg". (Schulz von Thun 2000, S. 8). Es hat sich gezeigt, dass man kein Ideal-Kommunikations-Verhalten lernen kann oder auch soll. „Kommunikation muss aus dem Holz sein, aus dem der Mensch geschnitzt ist." (Schulz von Thun 2000, S. 8). Und doch ist das Modell von Schulz von Thun ein wichtiger Beitrag zu Verbesserung unseres Kommunikationsverhaltens geworden, wenigstens für die, die dafür Zeit und Interesse aufwenden wollen. Es ist ein wichtiges Werkzeug und eine Hilfe im Umgang mit Mitmenschen, weil es nicht zu vereinfachend aber auch nicht so kompliziert ist, dass es für einen Laien nicht nachvollziehbar sein könnte. Die wichtigsten Vorteile dieses Modells kann man so zusammenfassen: Klarlegung und Bewusstmachung des Faktums, dass man mit einem „Sprechakt“ mehrere Botschaften aussendet; man soll sich am besten dessen bewusst sein, dass seine Nachricht „missverstanden“ werden kann, d.h. anders ankommen kann, als es gemeint war. Die Anzahl der Missverständnisse und Störungen kann mit Hilfe dieses Modells reduziert werden. Wenigstens ist ein recht praktisches Werkzeug da, der jedem die Möglichkeit gibt, die Entscheidung zu treffen, sich mit seinem eigenen Kommunikationsverhalten zu befassen, es besser zu verstehen und zu kontrollieren (z.B. wenigstens nicht zu viele Gedankenlosigkeiten von sich zu geben). Anfangen soll man bei sich selbst: „Man muss sich selbst erst kennen, um andere zu sehen und zu verstehen“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einstieg
2. Einleitung
3. Das Bühlersche Organon-Modell der Sprache
3.a Karl Bühler - ein kurzes Porträt
3.b Die Vorgänger - Platon, de Saussure, Wundt, Husserl
3.c „Dreifach ist die Leistung der menschlichen Sprache ..."
1. Darstellungsfunktion
2. Appellfunktion
3. Ausdrucksfunktion
3.d Kritik des Organon-Model
4. Das 2.e Axiom von Paul Watzlawick: Inhalts- und Beziehungsaspekt
5. Das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun
5.a Schulz von Thun - kurze Vorstellung
5.b Darstellung des Kommunikationsmodells
Grundlagen: Ableitungen, Begriffe, Definitionen
Die vier Seiten der Nachricht
Beispiel einer Nachricht-Analyse
Der „vierohrige" Empfänger
Gesendete und empfangene Nachricht
5.c Kritik des Kommunikationsmodells von Schulz von Thuns
6. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Anwendung von Kommunikationsmodellen, mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem Modell von Friedemann Schulz von Thun. Ziel ist es, die Entwicklungslinien von klassischen Modellen hin zum „Quadrat" der Nachricht aufzuzeigen, um ein besseres Verständnis für zwischenmenschliche Kommunikationsprozesse und deren Störungsanfälligkeit zu vermitteln.
- Historische Herleitung des Kommunikationsbegriffs und der Kommunikationspsychologie.
- Analyse des Organon-Modells von Karl Bühler als fundamentale Basis.
- Einfluss der Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick auf moderne Ansätze.
- Detaillierte Darstellung des Kommunikationsmodells von Schulz von Thun (vier Seiten der Nachricht).
- Kritische Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen psychologischer Kommunikationsmodelle in der Praxis.
Auszug aus dem Buch
Das 2.e Axiom von Paul Watzlawick: Inhalts- und Beziehungsaspekt
Watzlawick und seine Mitarbeiter haben im Bereich der psychisch bedingten Sprachstörungen gearbeitet. In dem 1967 erschienenen Buch: „Pragmatics of Human Communication. A Study of Interactional Patterns, Pathologies, and Paradoxes" werden die Regeln des menschlichen Kommunikationsverhaltens, so wie Watzlawick u.a. es sahen, dargestellt. Es wurden 5 allgemeine Regeln der zwischenmenschlichen Kommunikation, die s.g. 5 Axiome formuliert. Diese Arbeit von Watzlawick, Beavin und Jackson traf auf großes internationales Interesse, obwohl sie auch nicht ohne Kritik geblieben ist. Vor allem wurde die eigenwillige Terminologie, die unscharfe Verwendung der Termini und die unkritische Übertragung von Begriffen aus Mathematik und Kybernetik kritisiert (Lück 1985, S. 81-84). Auch wurde bemängelt, dass „... die Axiome nicht in jeder Hinsicht logisch korrekt formuliert seien." (Delhees 1994, S. 14) Nichtsdestotrotz ist dieses Buch ein Klassiker der Psychologie geworden. Vor allem das 1. Axiom: „Man kann nicht nicht kommunizieren" ist schon fast ein allgemeines Kulturgut geworden.
In diesem Zusammenhang ist das zweite Axiom: „ Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt ...." (Watzlawick u.a. 2000. S 53) von besonderer Bedeutung, da diese Einsicht auch das Kernstück des Modells von Schulz von Thun darstellt, allerdings mit dem Unterschied, dass der Beziehungsaspekt bei den beiden unterschiedliche „Deutungs"-Breite hat (dazu noch später).
Zusammenfassung der Kapitel
Einstieg: Anhand von zwei praxisnahen Beispielen wird verdeutlicht, wie durch unterschiedliche Wahrnehmungsfilter Missverständnisse in der Kommunikation entstehen.
Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Kommunikationspsychologie als junge Wissenschaft und definiert Kommunikation als sozialen Prozess der gemeinsamen Wirklichkeitskonstruktion.
Das Bühlersche Organon-Modell der Sprache: Es wird das historische Fundament von Karl Bühler beschrieben, das durch die drei Funktionen Ausdruck, Appell und Darstellung die Grundlage für moderne Sprachmodelle legte.
Das 2.e Axiom von Paul Watzlawick: Inhalts- und Beziehungsaspekt: Hier wird der entscheidende Einfluss von Watzlawicks Axiomen auf Schulz von Thun analysiert, insbesondere die Dualität von Sachinhalt und Beziehungsaspekt.
Das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun: Das Hauptkapitel beschreibt das „Quadrat" der vier Seiten einer Nachricht, die Rolle des Empfängers und die Bedeutung von Feedback für gelingende Kommunikation.
Kritik des Kommunikationsmodells von Schulz von Thuns: Eine Reflexion über die Grenzen des Modells, das zwar praktisch sehr nützlich ist, aber die Komplexität und Vielschichtigkeit menschlicher Kommunikation nicht vollständig abbilden kann.
Schlusswort: Eine abschließende Bilanz über den Wert von Kommunikationsmodellen als Werkzeuge zur Reflexion, wobei betont wird, dass Kommunikation ein komplexes, niemals vollkommen idealisierbares menschliches Phänomen bleibt.
Schlüsselwörter
Kommunikationspsychologie, Schulz von Thun, Karl Bühler, Organon-Modell, Paul Watzlawick, Vier Seiten der Nachricht, Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehungsaspekt, Appell, Kommunikationsstörungen, Feedback, Metakommunikation, Sprachmodell, Menschliche Interaktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Wurzeln und die praktische Ausgestaltung des Kommunikationsmodells von Friedemann Schulz von Thun und setzt es in den Kontext seiner Vorgänger.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Sprachpsychologie, die Analyse von Nachrichten, die Dynamik zwischenmenschlicher Beziehungen und die Entstehung von Kommunikationsstörungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Ziel ist es, das Modell von Schulz von Thun durch die historische Betrachtung von Bühler und Watzlawick verständlich zu machen und dessen Nutzen als Analysewerkzeug für die Praxis aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die bestehende psychologische Theorien vergleicht und auf ihre Anwendbarkeit im Alltag und in der Kommunikationstraining-Praxis hin prüft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Vorstellung des Bühlerschen Modells, der Relevanz von Watzlawicks Axiomen und der tiefgreifenden Erläuterung des Schulz von Thun’schen Quadrats der Nachricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Vier Seiten der Nachricht", „Kommunikationspsychologie", „Sachinhalt", „Beziehungsaspekt" und „Selbstoffenbarung" geprägt.
Wie unterscheidet sich der Beziehungsaspekt bei Schulz von Thun von Watzlawick?
Schulz von Thun übernimmt Watzlawicks Kernidee, definiert den Beziehungsaspekt jedoch enger und grenzt ihn deutlicher gegen die Selbstoffenbarung und den Appell ab, um eine präzisere Analyse zu ermöglichen.
Warum betont die Autorin die Rolle des Feedbacks?
Feedback wird als unverzichtbares Instrument hervorgehoben, da Sender und Empfänger aufgrund ihrer individuellen psychischen Welten selten eine identische Nachricht dekodieren; Feedback ermöglicht die notwendige Korrektur von Fehlinterpretationen.
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- Magister der Philologie (PL) Kristina Bornemann (Author), 2004, Die Mühsal mit der Kommunikation auf den Punkt gebracht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187727