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Der Libyen-Krieg aus der Sicht des politischen Realismus

Mögliche Gründe des Krieges, Lösungsansätze und Prognosen

Title: Der Libyen-Krieg aus der Sicht des politischen Realismus

Bachelor Thesis , 2011 , 46 Pages

Autor:in: Anna Biber (Author)

Politics - Region: Near East, Near Orient
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Auszug

Am Anfang war in den Medien die Rede von friedlichen Demonstranten, die von der Regierungsarmee brutal niedergeschlagen werden. Doch später tauchten immer mehr Bilder von Rebellen auf, die mehr oder weniger gut ausgerüstet waren. Dies lässt die Vermutung aufkommen, dass die Regierungsarmee nicht gegen die friedlichen Demonstranten gewalttätig wurde, sondern gegen die von Anfang an ausgerüsteten Rebellen. Die Informationen sind nicht auseichend um es mit Sicherheit sagen zu können. Die Wahrscheinlichkeit eines geplanten Umsturzes ist nicht auszuschließen. Laut den Berichten des arabischen Senders Al-Dschasira, sollten die libyschen Rebellen von amerikanischen und ägyptischen Spezialeinheiten militärisch trainiert und mit Waffen ausgestattet worden sein. Auch die New York Times berichtete, dass der amerikanische Geheimdienst CIA die Rebellen in Libyen schon seit Wochen unterstütze. Obwohl die UN-Resolution 1973 keine Erlaubnis für den Einsatz der Bodentruppen der NATO- Länder erlaubte, halfen die CIA-Agenten den Rebellen in dem sie mögliche Ziele für Luftschläge auskundschafteten. Es ist durchaus möglich, dass einzelne Agenten auch auf Gaddafi angesetzt sind. Seine Residenz war lange unter Beschuss gewesen, was die ernsten Absichten der NATO mit Gaddafi „aufzuräumen“, bestätigt. Wenn die NATO Einheit sich nicht eingemischt hätten, hätte Gaddafi die zugespitzte Lage des Bürgerkrieges überdauern könnten und die Einigkeit des Landes wiederherstellen. Doch durch die Waffenlieferungen an die Rebellen seitens der Westens, wie Frankreich, wurde der libysche Bürgerkrieg erst recht entfacht.
3.6. Internationale Moral und öffentliche Meinung als Schranken des Machtkampfes
In vorigen Kapiteln haben wir die drei möglichen Arten der Außenpolitik, wie sie Morgenthau sieht, kennengelernt. Sie alle hatten als Hauptmotivation Macht gehabt. Auch wenn das Machtinteresse das politische Geschehen antreiben mag, kann sich der Machtkampf nicht willkürlich auf der politischen Bühne entfalten. Wenn dies der Fall wäre, dann würden wir uns tatsächlich in einem anarchischen Naturzustand à la Hobbes „Kampf alle gegen alle“ befinden. Das Machtstreben verursacht einen natürlichen Widerstand gegen die Macht, wenn diese erkannt wird. Denn eine schrankenlose Macht wäre für eine Gesellschaft zerstörerisch, sie würde die Schwachen der Willkür der Mächtigen ausliefern. Deswegen unterliegt Macht normativen Beschränkungen, die von der Gesellschaft selbst auferlegt wurden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.1. Einleitung

1.2. Kriegsdefinition

2.1. Neuere Geschichte Libyens

2.2. Zur Persönlichkeit Muammar Gaddafis

2.3. Die Beziehungen zum Westen seit Gaddafis Machtübernahme

3.1. 6 Grundprinzipien des Politischen Realismus

3.2. Drei Varianten der Außenpolitik im Politischen Realismus

3.3. Begünstigende Situationen für den Imperialismus

3.4. Unterscheidung einer imperialistischen Politik von der Politik des Status quo

3.5. Anwendung der Theorie des Politischen Realismus am Beispiel Libyen

3.6. Internationale Moral und öffentliche Meinung als Schranken des Machtkampfes

4.1. Erdöl- und Erdgasförderung in Libyen

4.2. Von Rebellen kontrollierte Erdölquellen

4.3. Was passiert mit libyschem Erdöl und internationalen Handelsverträgen?

4.4. Handelsbeziehungen mit Libyen nach 2003

4.5. Wirtschaftliche Gründe für eine Politik des Imperialismus aus der Sicht des Politischen Realismus

5.1. Lösungsansätze nach Hans-Joachim Morgenthau

5.2. Prognosen für den Libyen-Krieg

5.3. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Libyen-Krieg des Jahres 2011 aus der theoretischen Perspektive des Politischen Realismus nach Hans-Joachim Morgenthau. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Ursachen des Konflikts, der machtpolitischen Interessen der beteiligten Akteure sowie der potenziellen Lösungsansätze zur Wiederherstellung eines Mächtegleichgewichts.

  • Analyse des Libyen-Konflikts mittels klassischer realistischer Theorie.
  • Untersuchung der Rolle von Erdöl und Energieressourcen als strategische Faktoren.
  • Kritische Beleuchtung der NATO-Intervention unter humanitären Vorzeichen.
  • Bewertung von Machtverhältnissen und geopolitischen Interessen in Nordafrika.
  • Diskussion möglicher Kriegsausgänge und Teilungsszenarien für Libyen.

Auszug aus dem Buch

3.1. 6 Grundprinzipien des Politischen Realismus

Das internationale System stellt ein Netzwerk von Akteuren, ihren Beziehungen und Problemen dar. Im 20. Jahrhundert haben transnationale, supranationale und internationale Organisationen die Zahl der im internationalen System agierenden Akteure erhöht. In einem Staat agieren gesellschaftliche Gruppen und die Regierung als Akteure. Die Staaten wiederum wirken bei internationalen Organisationen als Akteure; bei transnationalen Organisationen sind die Mitglieder natürliche oder juristische Personen aus verschiedenen Staaten. Anhand der Vielzahl möglicher Akteuren wird die Komplexität internationaler Beziehungen, die politische, soziale, kulturelle, juristische, diplomatische, ökonomische und militärische Fragen umfassen, deutlich. Von internationaler Politik aber sollte man sinnvollerweise nur dann sprechen, wenn diese Fragen als Instrumente oder Ziele staatlicher Regierungen angesehen werden können. Die Theorie des politischen Realismus soll uns ermöglichen, kausale Zusammenhänge angesichts dieser Komplexität von Beziehungen zwischen den Akteuren aufzuzeigen, eine Ordnung zu schaffen und relevante Ereignisse auszusondern.

Spricht man vom „klassischen Realismus“, ist die von Hans-Joachim Morgenthau begründete „Realistische Schule“ gemeint. Sie gilt als „klassisch“, da sich seit den 70er Jahren ein Nebenzweig des Realismus herausgebildet hat - der Neorealismus. Das zentrale Werk des klassischen Realismus ist Morgenthaus Hauptwerk „Macht und Frieden“ von 1948. Das im Mittelpunkt stehende Erkenntnissinteresse Morgenthaus konzentriert sich auf die Motivation der Staaten beim Eintritt in die internationale Politik. Sind es Ideale oder ethische Werte, die das Handeln eines Staates antreiben oder sind es eigene Interessen, vor allem machtpolitischer Natur? Bei der Entwicklung seiner Theorie geht Morgenthau normativ und hermeneutisch vor. Mithilfe der „hermeneutischen Gesamtschau“ untersucht er die geschichtlichen Ereignisse und die internationale Politik zu verschiedenen Zeiten der Menschheitsgeschichte. Die daraus von ihm abgeleiteten Gesetzmäßigkeiten setzt er als eine normative Festlegung in Form von a priori-Setzungen. Zu diesen gehören folgende sechs Grundsätze des Politischen Realismus:

Zusammenfassung der Kapitel

1.1. Einleitung: Beschreibt den Ausbruch des bewaffneten Aufstands in Libyen im Jahr 2011 und die Zielsetzung der Arbeit, das Geschehen durch die Brille des Politischen Realismus zu analysieren.

1.2. Kriegsdefinition: Erörtert, ob der Konflikt als Krieg eingestuft werden kann, und grenzt ihn unter Einbeziehung wissenschaftlicher Definitionen von bloßen innerstaatlichen Konflikten ab.

2.1. Neuere Geschichte Libyens: Bietet einen historischen Überblick von der italienischen Kolonialisierung bis zur Machtübernahme Gaddafis und den daraus resultierenden geopolitischen Verschiebungen.

2.2. Zur Persönlichkeit Muammar Gaddafis: Analysiert den Einfluss des libyschen Revolutionsführers und dessen Führungsstil auf die Staatspolitik aus Sicht der klassischen realistischen Schule.

2.3. Die Beziehungen zum Westen seit Gaddafis Machtübernahme: Untersucht das wechselhafte Verhältnis zwischen den USA, Europa und Libyen, geprägt von strategischen Interessen und ideologischen Konflikten.

3.1. 6 Grundprinzipien des Politischen Realismus: Stellt die theoretischen Säulen von Hans-Joachim Morgenthaus "Macht und Frieden" als Werkzeuge für die Analyse internationaler Beziehungen vor.

3.2. Drei Varianten der Außenpolitik im Politischen Realismus: Definiert die Konzepte von Status quo-Politik, Prestigepolitik und Imperialismus zur Einordnung staatlichen Handelns.

3.3. Begünstigende Situationen für den Imperialismus: Identifiziert spezifische Gegebenheiten wie Kriege oder Machtvakua, die imperialistische Tendenzen in der Außenpolitik fördern können.

3.4. Unterscheidung einer imperialistischen Politik von der Politik des Status quo: Analysiert, wie Staaten ihre machtpolitischen Motive hinter ideologischen Masken wie Völkerrecht oder Moral verbergen.

3.5. Anwendung der Theorie des Politischen Realismus am Beispiel Libyen: Verknüpft die theoretischen Konzepte direkt mit dem aktuellen NATO-Einsatz und dessen offizieller humanitärer Begründung.

3.6. Internationale Moral und öffentliche Meinung als Schranken des Machtkampfes: Diskutiert die Grenzen, die ethische Normen und öffentliche Wahrnehmung dem ungezügelten Machtstreben setzen.

4.1. Erdöl- und Erdgasförderung in Libyen: Beleuchtet die wirtschaftliche Bedeutung des libyschen Energiesektors für nationale und internationale Akteure.

4.2. Von Rebellen kontrollierte Erdölquellen: Untersucht die strategische Bedeutung der durch Aufständische kontrollierten Ölfelder für den Fortgang des Bürgerkrieges.

4.3. Was passiert mit libyschem Erdöl und internationalen Handelsverträgen?: Analysiert die Problematik der Sanktionen und den Handel mit Erdöl unter Kriegsbedingungen durch externe Akteure wie Katar.

4.4. Handelsbeziehungen mit Libyen nach 2003: Betrachtet die wirtschaftliche Öffnung Libyens nach der Aufgabe des Massenvernichtungswaffen-Programms und deren plötzliches Ende durch den Krieg.

4.5. Wirtschaftliche Gründe für eine Politik des Imperialismus aus der Sicht des Politischen Realismus: Widerlegt die rein ökonomische Motivationslehre durch Morgenthaus Sichtweise, dass Machtpolitik der Wirtschaft übergeordnet ist.

5.1. Lösungsansätze nach Hans-Joachim Morgenthau: Erörtert Möglichkeiten wie Rüstung und Bündnisse zur Wahrung des Mächtegleichgewichts im libyschen Fall.

5.2. Prognosen für den Libyen-Krieg: Skizziert mögliche Kriegsausgänge wie die Teilung des Landes, einen Sieg Gaddafis oder dessen militärische Niederlage.

5.3. Schlussbetrachtungen: Zieht ein Fazit und ordnet den Libyen-Krieg in den Kontext einer globalen geopolitischen Neugestaltung ein.

Schlüsselwörter

Politik, Realismus, Libyen, Gaddafi, Macht, Außenpolitik, Imperialismus, Status quo, Erdöl, NATO, Intervention, Konflikt, Geopolitik, Morgenthau, Sanktionen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Libyen-Krieg aus der Perspektive des Politischen Realismus, um die wahren machtpolitischen Interessen hinter der internationalen Intervention zu analysieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den zentralen Feldern gehören die Außenpolitik von Nationalstaaten, die Anwendung von Macht (Status quo versus Imperialismus), die Rolle von Rohstoffressourcen und die ideologische Rechtfertigung von Militäreinsätzen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den Charakter des Libyen-Krieges mittels der Theorie von Hans-Joachim Morgenthau zu bestimmen und zu prüfen, ob es sich dabei um eine bloße Machterhaltung oder um imperialistische Machtausweitung handelt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt einen theoretisch-analytischen Ansatz. Sie wendet die Konzepte des klassischen Realismus nach Morgenthau auf die historischen und aktuellen Ereignisse des Libyen-Konflikts an.

Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Persönlichkeit Gaddafis, die wirtschaftliche Bedeutung des Erdöls, die Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen der Außenpolitik sowie Prognosen für den weiteren Verlauf des Krieges.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Machtstreben", "Interesse", "humanitäre Intervention", "ideologische Maskierung" und "Mächtegleichgewicht" charakterisiert.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Erdöls im Libyen-Konflikt?

Obwohl Erdöl ein zentraler wirtschaftlicher Faktor ist, argumentiert der Autor auf Grundlage des Realismus, dass die politische Machtvergrößerung und geopolitische Strategie vorrangige Motive gegenüber dem reinen wirtschaftlichen Gewinn sind.

Warum ist die Unterscheidung zwischen Status quo und Imperialismus laut der Arbeit so wichtig?

Die Unterscheidung ist für die korrekte Einschätzung der außenpolitischen Bedrohung essentiell, da Staaten ihre imperialistischen Absichten oft geschickt hinter ideologischen Idealen wie dem Völkerrecht verbergen.

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Details

Title
Der Libyen-Krieg aus der Sicht des politischen Realismus
Subtitle
Mögliche Gründe des Krieges, Lösungsansätze und Prognosen
Author
Anna Biber (Author)
Publication Year
2011
Pages
46
Catalog Number
V187810
ISBN (eBook)
9783656113751
Language
German
Tags
Libyen Libya Libyen-Krieg Libyenkrieg Gaddafi Kaddafi Quadaffi Realismus Realism Morgenthau Krieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna Biber (Author), 2011, Der Libyen-Krieg aus der Sicht des politischen Realismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187810
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