Examensgottesdienst im Rahmen der 2. theologischen Prüfung

Homiletisch-liturgische Arbeit zum Gottesdienst zum 2. Advent


Seminararbeit, 2011
12 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Gottesdienst am zweiten Sonntag im Advent

2. Begegnung mit dem Text
2.1. Übersetzung und Kurzexegese
2.2. Hermeneutische Überlegungen

3. Begegnung mit den Hörer/innen

4. Kommentar zur Predigt

5. Kommentar zur Liturgie
5.1. Zur Eingangsliturgie
5.2. Zu den Gebeten
5.3. Zur Gemeindebeteiligung
5.5. Zur Lesung
5.4. Zur Liedauswahl
5.6. Zum Segen

6. Literaturverzeichnis

1. einleitung: Gottesdienst am zweiten Sonntag im Advent

Nachdem am ersten Sonntag im Advent der Gottesdienst dem Leitmotiv des kommenden Herrn gefolgt war und die Macht Gottes als König und Herrscher erwartet wurde (Sach 9,9), konzentriert sich der zweite Sonntag im Advent auf den „kommenden Erlöser“. Sein Proprium ist damit stärker christologisch ausgerichtet: Die Gemeinde wartet auf den göttlichen Erlöser Jesus Christus.

So beschäftigen sich fünf der sechs Perikopen für diesen Sonntag mit eschatologischen Motiven. Sowohl der Text der ersten Perikopenreihe (Lk 21,25-33) wie auch der Episteltext (Jak 5,7f.), und der aus der Apokalypse des Johannes (Offbg. 3,7-13) haben den kommenden Jesus Christus zum Thema.

Mt 24,1-14 redet über den Anfang der Wehen der Endzeit, wohingegen Jes 35,3-10 das zukünftige Heil für Israel im Blick hat. Einzig der Text der vierten Perikopenreihe (Jes 63,15-16. (17-19a).19b;64,1-3) aus der Sicht des Volkes Israel über das Ausbleiben des Eingreifens Gottes.

Die Texte betonen damit das zweite, eschatologische Kommen Jesu Christi. Daneben wartet die Gemeinde am 2. Advent nicht nur auf Jesus Christus als den am Ende der Zeiten Kommenden, sondern sie besinnt sich auch auf das der Menschheit zuteil gewordene Heilsereignis der Offenbarung Gottes in Jesus Christus wie es an Weihnachten gefeiert wird. So gilt es bei der Gottesdienstvorbereitung diese beiden Aspekte der Rückbesinnung auf den gekommenen Erlöser und des Blickes nach vorne auf den kommenden Erlöser im Blick zu behalten.

Die Erwartung des Erlösers spiegelt sich auch im Wochenspruch (Lk 21,28) und im Psalmgebet wieder (Ps 24). Dem entspricht die liturgische Farbe violett, die zum Ausdruck bringt, dass sich die Gemeinde auf ein hohes Christusfest, besonders durch Buße, vorbereitet.

Deswegen entfällt ab diesem Sonntag auch das Gloria in excelsis. Da der Bußcharakter der Adventszeit in meiner Lehrgemeinde weder sonderlich bekannt noch beliebt ist, wird es eine weitere Herausforderung sein, diesen in einer für die Gemeinde verständlichen und sie auferbauenden Weise zu kommunizieren.

2. Begegnung mit dem Text

2.1. Übersetzung und Kurzexegese

Die folgende Übersetzung von Jak 5,7f. bezieht sich auf den Obertext von Nestle Aland (27. Auflage). Kleine textkritische Ungereimtheiten fallen auf sind aber für das Verständnis des Textes von untergeordnetem Interesse.[1]

7 Wartet nun geduldig, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn.

Siehe, der Bauer wartet auf die köstliche Frucht der Erde und hat Geduld ihretwegen

bis sie empfange den Frühregen und den Spätregen.

8 Wartet auch ihr geduldig, stärkt eure Herzen, denn die Ankunft des Herrn ist nahe gekommen.

„Die Gliederung des Abschnittes ist durch die drei Imperative makroqumh,sate (V 7), stena,zete (V 9) und (u`po,deigma) la,bete (V 10) gegeben. Im Übrigen bildet er eine zusammengehörige Einheit, die durch das Thema „Ausdauer“ zustande kommt, (…).“[2]

Der Aufbau der Verse 5,7 f. gestaltet sich wie folgt:

„1. ein paränetischer Imperativ (V 7a),
2. Beispiel zum Zweck einer Motivgewinnung für den Imperativ (V 7b),
3. applizierende Wiederaufnahme des Imperativs (V 8).“[3]

In Jak 5,7f. halten die finanziell armen Adressaten „nach der Parusie sehnsüchtig Ausschau, weil sie ihnen die Befreiung von ihren Verfolgern bringen wird. Sie sollen in dieser Hoffnung geduldig ausharren; dazu ermahnt sie Jak.“[4] Eine andere Möglichkeit wäre das Warten der Adressaten nicht nur auf die „in V. 1-6 geschilderte wirtschaftlich-soziale Wirklichkeit zu beziehen, in der nur geduldiges Warten übrig bleibt“; sondern offener zu sagen, dass „die Christen die Kraft zur Ausdauer aus dem kommenden Heil gewinnen.“[5]

Mit der Interjektion ivdou führt Jak sein Beispiel des Bauern, ein, dass seinen Lesern den Gedanken des Imperativs zum Geduldigsein verdeutlichen und begründen soll.

Die Arbeit des Bauern ist dadurch charakterisiert, dass er, nachdem er gesät hat, wartet. Er wartet auf die köstliche Frucht der Erde:

„Dabei ist deutlich an einen Kleinbauern gedacht, für den die Frucht der Erde eine ganz besondere Kostbarkeit (ti,mioj) bedeutet: er lebt ja mit seiner Familie von ihr. Hat der Bauer gesät, so kann er nicht sogleich auch ernten. Vielmehr wartet er mit Geduld (makroqumw/n evpV auvtw/) auf die Regenzeiten; (…).“[6]

Gedacht ist wohl an den aus Dtn 11,14 bekannten Früh- und Spätregen. Mit den Frühregen beginnt im Oktober die Regenzeit; sie „weichen den von der Sommerhitze ausgedörrten Boden auf und sind die Voraussetzung für Pflügen und Säen“[7] und auch das Keimen der Saat.[8] „Für das Heranreifen der Saat ist der Spätregen, von März bis April, unentbehrlich.“[9]

Entscheidend beim Beispiel des Bauern ist demnach sein Rhythmus von Arbeit und Warten: „Der Bauer tut mit Fleiß und Sorgfalt, was er kann und muss; das andere überläßt er mit Gelassenheit einem andern.“[10] In der Zeit des Wartens weiß er, „daß die Ernte sicher und in nicht allzu ferner Zukunft kommen wird.“[11]

„Der Vers 8 bringt die Anwendung auf die Leser, und zwar in Form einer Wiederaufnahme des paränetischen Imperativs aus V 7a (makroqumh,sate kai. u`mei/j), wobei aus V 7a zu ergänzen ist: e[wj th/j parousi,aj tou/ kuri,ou.“[12]

Aus dem Beispiel des Bauern sollen die Leser „das geduldige Ausharren, (..) „auf etwas was sicher eintreten wird, aber nicht schon „morgen“! Der Bauer ‚wartet auf die geschätzte Frucht der Erde’ (…); er übt sich dabei in der Geduld, bis der Tag der Ernte da sein wird.“[13]

„Der Bauer kann das Wachsen und Reifen der Früchte nicht beschleunigen, sondern in der von Gott gewährten, durch Regen gesegneten Zeit nur mit unentwegter Geduld und Hoffnung erwarten.“[14]

Mußner weist daraufhin, dass im Jak nicht von einer Parusieverzögerung die Rede sein kann, und „die Überzeugung von der Nähe der Parusie nicht aufgegeben wird (h;ggiken!); gerade sie soll für die Ermahnten der Anlaß sein, unbedingt auszuharren.“[15]

Angesichts der nahenden Wiederkunft des Herrn sollen die Christen sich in Geduld üben und ihre Herzen stärken. sthri,zw (wörtlich: aufstellen, festmachen), wird hier übertragen gebraucht, so dass mit „stärkt eure Herzen“ oder „macht eure Herzen beständig“ übersetzt werden kann.[16]

2.2. Hermeneutische Überlegungen

M.E. ist es wichtig, die in 5,7f. geforderte Geduld nicht wie Mußner einseitig auf die Veränderung der wirtschaftlich-finanziellen Verhältnisse zu beziehen. Der vom alten Testament herrührende Gedanke, der ausgleichenden Gerechtigkeit für die im Leben auf Erden zu kurz gekommenen armen Menschen greift hier zu kurz.[17]

Vielmehr scheint Jakobus die von der Parusie herrührende Ermutigung für das Glaubensleben der Christen im Blick zu haben. Weil die Wiederkunft gewiß ist, können die Christen sich gedulden und voller Freude warten. Die Wiederkunft Christi wird ihnen zum Quell der Freude, zum Ziel auf das sie leben.

3. Begegnung mit den Hörer/innen

Lange hat die Frage nach dem Hörer der Predigt in den Blickpunkt des Interesses gerückt. Es geht seit ihm in der Predigtvorbereitung und Predigt vermehrt um die Frage, „ Wem ist jetzt und hier zu predigen?“[18]

Für den Gottesdienst am zweiten Advent, rechne ich mit ca. 70-90 Gemeindebesuchern. Es lassen sich drei Gruppen von Hörer bzw. Hörerinnen unterscheiden.[19] Die erste Gruppe bilden die zwölf Konfirmanden. Sie sitzen traditionell in den ersten Reihe auf der vom Altar aus gesehen rechten Seite. Die zweite Gruppe bilden junge Familien, die besonders zu Familiengottesdiensten kommen.

Die dritte Gruppe besteht aus Menschen, jenseits des Rentenalters. Sie kommen in großer Treue zur Gemeinde.

Eine weitere Frage die die Hörer meiner Predigt betrifft lautet: „Durch welche Situation sieht sich die Kirche jetzt und hier zur Predigt herausgefordert.“[20] Hier denke ich an die Umbruchssituation der Gemeinde. Es herrscht momentan Ungewissheit darüber, wie der Kirchenbezirk Überlingen-Stockach neu strukturiert werden wird.

Insbesondere die Frage nach dem Dekanatssitz steht hier zentral. Hier mag sich manch einer schnellstmögliche Klarheit der Strukturen wünschen. In der Predigt ist jedoch darauf hinzuweisen, dass ein solcher Prozess seine Zeit braucht und vom Ende her angesehen werden muss.

Die Situation vieler Gemeindeglieder ist unterdes von vorweihnachtlichem Stress geprägt. Hier sollte die Predigt die Chance nutzen Gelassenheit und Sorglosigkeit angesichts der nahenden Wiederkunft Jesu zum Ausdruck zu bringen.

Lange bringt schließlich die Frage auf, wie dem Hörer verständlich gepredigt werden kann.[21]

In Bezug auf die Konfirmanden ist in der Predigt darauf zu achten, dass die Aussagen theologisch elementar bleiben. Außerdem müssen solche Beispiele gefunden werden, die sie mit einem Erfahrungshorizont verstehen können, eventuell sollten sie sogar ihrer Lebenswelt entspringen. Eine bilderreiche knappe Sprache hilft ihnen „bei der Stange zu bleiben.“

In Bezug auf die jungen Familien ist Sorge dafür tragen, dass meine Predigt lebenspraktische Orientierungen bietet. Denn gerade für Familien ist die vorweihnachtliche Zeit nicht selten durch ein Übermaß an Aktivitäten belastet. Hier wird es Aufgabe sein, die in der Wiederkunft Jesu gründende Ausgeglichenheit zwischen Spannung und Entspannung zu vermitteln.

Auch die dritte Gruppe der älteren Menschen muss in der Predigt wahrgenommen und evtl. angesprochen werden. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass sie jetzt zum „alten Eisen“ zählen, um das sich der Pfarrer nicht mehr recht kümmern muss. Vielmehr sind in der Predigt tröstende und aufbauende Worte zu finden, die ihrer Lebenswelt entsprechen. Fremdwörter und schnelles leises Reden in der Predigt sind unbedingt zu vermeiden.

Für alle Hörer meiner Predigt gilt wohl mehr oder minder, dass sie „vor „vor allem lebenspraktische und geistige Impulse stark erwarten“ und „dabei gleichzeitig bevormundende aber auch allgemein deutende, vermeintlich hörernahe Predigten ablehnen.“[22]

Wie es schon der Bewertungsbogen für die Examensgottesdienste von Lehrvikaren beschreibt, ist es Ziel der Predigt das Evangelium Jesu Christi in Zu- und Anspruch zu kommunizieren.

[...]


[1] Siehe dazu: F. Mußner, Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament, Der Jakobusbrief, Herder: Freiburg, 1964, S. 202.

[2] Mußner, Der Jakobusbrief, S. 200.

[3] Mußner, Der Jakobusbrief, S. 200.

[4] Mußner, Der Jakobusbrief, S. 200 f.: „Die Gefahr ist groß, daß die armen von den ‚Reichen’ Verfolgten in ihrer Ausschau nach dem göttlichen Richter die Geduld verlieren. Jakobus muß sie zum Ausharren ermahnen. Seine (erste) Paränese: ‚Harret aus bis zur Ankunft des Herrn’, die sich liebevoll-begütigend (avdelfoi,) an die Adressaten wendet, wird durch die Partikel ou=n wird Jak 5,7 f. in einen gedanklichen Zusammenhang mit den vorausgehenden Gerichtsandrohungen gegen die Reichen gebracht: sie resultiert aus der Ansage des baldigen Gerichts über die Reichen (evn evsca,taij h`me,raij !): Weil es schon drohend bevorsteht folgt (ou=n) daraus für die „Brüder“ die Ermahnung zum standhaften Ausharren (makroqumei/n) bis zur Parusie des Herrn.“

[5] Balz / Schrage, Die katholischen Briefe, NTD auf CD-Rom, Wuppertal: Brockhaus, 2001.

[6] Ebd. S. 202.

[7] F. Rienecker F., Hg., Lexikon zur Bibel, Wuppertal: Brockhaus, 1992, Sp. 1126 f.

[8] F. Grünzweig, Wuppertaler Studienbibel, der Brief des Jakobus, hg. W. de Boor. u. A. Pohl, Wuppertal: Brockhaus, 1989. S. 159.

[9] Mußner, Der Jakobusbrief, S. 202.

[10] Grünzweig, Der Brief des Jakobus, S. 159.

[11] Mußner, Der Jakobusbrief, S. 202.

[12] Mußner, Der Jakobusbrief, S. 202.

[13] Ebd. S. 202 f.

[14] Balz / Schrage¸ NTD.

[15] Ebd. S. 203.

[16] Siebenthal, Sprachlicher Schlüssel Bd. 2, S. 311.

[17] Vgl. Mußner, Der Jakobusbrief, S. 202.

[18] E. Lange, Predigen als Beruf, München: Chr. Kaiser, 1991, S. 49.

[19] Im Folgenden wird aus Platzgründen auf die weibliche Form verzichtet. Soweit nicht anders vermerkt, sind Personen männlichen und weiblichen Geschlechts angesprochen.

[20] E. Lange, Predigen als Beruf, S. 50.

[21] Ebd. S. 50.

[22] H. Schwier, Was ist eine gute Predigt? Bemerkungen zur Notwendigkeit homiletischer Aus- und Fortbildung als Bestandteil theologischer Bildung, in M. Oeming, W. Boes, Alttestamentliche Wissenschaft und kirchliche Praxis, Berlin: 2009, S. 141 f.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Examensgottesdienst im Rahmen der 2. theologischen Prüfung
Untertitel
Homiletisch-liturgische Arbeit zum Gottesdienst zum 2. Advent
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Predigerseminar Heidelberg)
Veranstaltung
Liturgisches und homiletisches Seminar
Note
2
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V187811
ISBN (eBook)
9783656116363
ISBN (Buch)
9783656116875
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Homiletisch-liturgische Arbeit zum Gottesdienst zum 2. Advent (Benotung: Liturgik: 2,0, Homiletik: 2,3)
Schlagworte
examensgottesdienst, rahmen, prüfung, homiletisch-liturgische, arbeit, gottesdienst, advent
Arbeit zitieren
Daniel Steffen Schwarz (Autor), 2011, Examensgottesdienst im Rahmen der 2. theologischen Prüfung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187811

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