Der IAS/IFRS Jahresabschluss zielt auf eine Vermittlung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens ab, um dem Bilanzleser bzw. (potenziellen) Anleger entscheidungsrelevante Informationen bereitzustellen. Zudem soll durch ein einheitliches Regelungswerk die Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse erleichtert werden. Da es sich bei den IAS/IFRS jedoch um prinzipienbasierte und allgemeine Regelungen handelt, stehen dem Bilanzersteller gewisse Darstellungsspielräume zur Verfügung, die er im Rahmen seiner Bilanzpolitik nutzen kann.
Ziel dieser Seminararbeit ist die Vorstellung von bilanzpolitischen Spielräumen bei der Aufstellung eines Jahresabschlusses nach IAS/IFRS anhand ausgewählter Standards.
Beginnend in Kapitel 2 mit einer Darstellung von bilanzpolitischen Instrumenten zur Gestaltung des Jahresabschlusses, werden im darauffolgenden Kapitel 3 die vorhandenen Gestaltungsspielräume an den ausgewählten Standards zur Bilanzierung und Bewertung nach IAS 11, 36 sowie 38 aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
2. BILANZPOLITISCHE INSTRUMENTE IM JAHRESABSCHLUSS NACH IAS/IFRS
2.1. Sachverhaltsgestaltung (reale Bilanzpolitik)
2.2. Sachverhaltsabbildung (buchmäßige Bilanzpolitik)
3. BILANZPOLITISCHE SPIELRÄUME IN AUSGEWÄHLTEN IAS/IFRS-STANDARDS
3.1. Bilanzpolitischer Spielraum bei Fertigungsaufträgen (IAS 11)
3.2. Bilanzpolitischer Spielraum bei Wertminderung von Vermögenswerten (IAS 36)
3.3. Bilanzpolitischer Spielraum bei immateriellen Vermögenswerten (IAS 38)
4. FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Analyse und Darstellung der bilanzpolitischen Gestaltungsspielräume, die sich für Unternehmen bei der Erstellung eines Jahresabschlusses nach den internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS) ergeben. Die Forschungsfrage untersucht, inwieweit prinzipienbasierte Regelungen in ausgewählten Standards dem Management Möglichkeiten bieten, Einfluss auf die Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu nehmen.
- Unterscheidung zwischen realer und buchmäßiger Bilanzpolitik
- Gestaltungsspielräume bei der Bilanzierung von Fertigungsaufträgen (IAS 11)
- Ermessensspielräume beim Impairment-Test gemäß IAS 36
- Bilanzierung und Aktivierung von Entwicklungskosten nach IAS 38
- Grenzen zwischen legaler Bilanzpolitik und Bilanzbetrug
Auszug aus dem Buch
2.1. Sachverhaltsgestaltung (reale Bilanzpolitik)
Bei der sachverhaltsgestaltenden Bilanzpolitik werden bereits während der Berichtsperiode und noch vor dem Bilanzstichtag durch unternehmerisches Handeln oder durch die Ausgestaltung von Rechtsgeschäften reale Geschäftsvorfälle geschaffen oder verändert, so dass der entsprechende Ausweis in der Bilanz möglich ist oder vermieden werden kann. Somit kann der Bilanzersteller gezielte Geschäftsvorfälle generieren, die zu einem erwünschten Bilanzausweis führen und damit die Größen des Jahresabschlusses (u.a. in Bilanz und Gewinn-und-Verlustrechnung (GuV)) beeinflussen. Für eine Sachverhaltsgestaltung kann beispielhaft die zeitliche Verschiebung von Reparaturen genannt werden, um den Aufwand erst im nächsten Jahr verrechnen zu müssen, sowie die Rückzahlung eines Bankkredits kurz vor dem Bilanzstichtag, der jedoch kurz nach dem Bilanzstichtag wieder aufgenommen wird.
Diese Art der Bilanzpolitik ist für den Bilanzleser schwer zu identifizieren, denn die Unterscheidung zwischen gezielt gestalteten und normalen Geschäftsvorfällen ist fast unmöglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Diese Einleitung erläutert die zunehmende Internationalisierung der Rechnungslegung und definiert das Ziel der Arbeit, bilanzpolitische Spielräume innerhalb der prinzipienbasierten IAS/IFRS-Standards aufzuzeigen.
2. BILANZPOLITISCHE INSTRUMENTE IM JAHRESABSCHLUSS NACH IAS/IFRS: Dieses Kapitel differenziert zwischen der realen Bilanzpolitik durch Sachverhaltsgestaltung und der buchmäßigen Bilanzpolitik, die erst bei der Erstellung des Jahresabschlusses ansetzt.
3. BILANZPOLITISCHE SPIELRÄUME IN AUSGEWÄHLTEN IAS/IFRS-STANDARDS: Hier werden anhand der konkreten Standards IAS 11, 36 und 38 praxisnahe Beispiele für Ermessensspielräume bei Bewertung und Bilanzierung dargestellt.
4. FAZIT UND AUSBLICK: Das Fazit fasst zusammen, dass die IAS/IFRS trotz Harmonisierungsbestrebungen wesentliche Gestaltungsspielräume lassen und reflektiert die Problematik der Vergleichbarkeit für Investoren.
Schlüsselwörter
Bilanzpolitik, IAS, IFRS, Rechnungslegung, Sachverhaltsgestaltung, Buchmäßige Bilanzpolitik, IAS 11, IAS 36, IAS 38, Impairment-Test, Fertigungsaufträge, Aktivierung, Ermessensspielraum, Jahresabschluss, Bilanzleser
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Möglichkeiten und Instrumente, die dem Management zur gezielten Gestaltung des Jahresabschlusses nach internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS) zur Verfügung stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Felder sind die Unterscheidung zwischen realer und buchmäßiger Bilanzpolitik sowie die konkrete Anwendung von Wahlrechten und Ermessensspielräumen bei der Bilanzierung von Projekten und Vermögenswerten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Unternehmen die Flexibilität der prinzipienbasierten IAS/IFRS-Standards nutzen können, um Finanzkennzahlen gezielt zu beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur und den spezifischen Regelungen der IAS/IFRS-Standards, ergänzt durch eine strukturierte Analyse von bilanzpolitischen Anwendungsfeldern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die bilanzpolitischen Gestaltungsspielräume im Detail anhand der drei Standards IAS 11 (Fertigungsaufträge), IAS 36 (Wertminderungen) und IAS 38 (immaterielle Vermögenswerte).
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Bilanzpolitik, IAS/IFRS, Ermessensspielräume, Aktivierung von Entwicklungskosten und Impairment-Test.
Wie wirkt sich die Wahl des Diskontierungsfaktors (WACC) bei IAS 36 aus?
Die Berechnung des Diskontierungsfaktors bietet dem Management ein weites Ermessen, was erhebliche Auswirkungen auf die Höhe des Nutzungswerts und damit auf das Ergebnis des Impairment-Tests haben kann.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Forschungs- und Entwicklungsphase bei IAS 38 so bedeutsam?
Da Forschungskosten als Aufwand zu verbuchen sind, Entwicklungsaufwendungen unter bestimmten Bedingungen jedoch aktiviert werden können, entsteht ein erheblicher Spielraum für die Bilanzoptik eines Unternehmens.
- Arbeit zitieren
- Daniel Wagenknecht (Autor:in), 2011, Bilanzpolitische Spielräume in den internationalen Rechnungslegungsstandards IAS / IFRS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187814